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Kommunalwahl Kiel 2013: Positions-Check II: Bäderlandschaft (PIRATEN) #kwkiel
Gestern hatte ich bereits einen Artikel zu den Positionen der im Rat vertreten Parteien Stellung genommen. Heute nun zu den PIRATEN, die zum erste mal kommunalpolitisch in Kiel antreten. Letzte Woche habe ich ja die Wahlprogramme verlinkt.
Auf den gestrigen Artikel antwortet ja bereits der Spitzenkandidat Seele der Piraten mit exakten Zitaten aus dem eigenen Wahlprogramm. Ich zitiere das hier noch einmal:
Neubau des Zentralbades
Den Bau des geplanten Zentralbades an der Hörn halten die Kieler PIRATEN für notwendig, da die Schwimmhalle in Gaarden in einem baufälligen und renovierungsbedürftigen Zustand ist und die Lessinghalle bereits geschlossen wurde. Kiel braucht eine Schwimmhalle – allein schon des Schwimmunterrichtes der Schulkinder wegen.
Die Ausschreibung sollte transparent und mit einer Kostendeckelung versehen sein. Änderungen sollten nach Planungsabschluss vermieden und der Bau zügig durchgeführt werden. Ferner sollten die Eintrittspreise moderat und auch für sozial schwache Familien erschwinglich sein.
Sommerbad Katzheide
Die Kieler PIRATEN sind für die Erhaltung des Sommerbades Katzheide. Es ist ein Stück Kieler Stadtgeschichte und bei Alt und Jung beliebt. Für den Stadtteil Gaarden ist Katzheide von enormer sozialer Bedeutung. Für viele Kinder ist es eine preisgünstige Möglichkeit der Teilhabe und leistet seit Jahrzehnten einen großen Teil der städtischen Integrations- und Gewaltpräventionsarbeit.
Die politische Realität in Kiel ist, dass es konkrete Beschlüsse gibt zu denen die PIRATEN, wenn gewählt, Stellung beziehen müssen. Zur Zeit gibt es einen Beschluss das Zentralbad zu bauen ohne neue Ausschreibung und Kostendeckelung. Da wird sicher in den Monaten nach der Kommunalwahl ein neuer Beschluss in der Ratversammlung ( RV) zur Abstimmung kommen. Politik ist ja kein Wunschkonzert, sondern ein mühsames Ringen um Positionen und Alternativen und für die Opposition oftmals das frustrierende Erlebnis, dass eh alles abgelehnt wird, was sie vorschlagen.
Zu den Schwimmhallen: Es gibt ja Alternativen. Das die SHG (Schwimmhalle Gaarden) abgerissen oder stark renoviert werden müsste ist relativ unstreitig. Aber es gab auch die Option eines Kombibades in Katzheide, das andernorts für 5 Millionen Euro erbaut werden konnte.
Im Moment steht der Beschluss zur Debatte, dass das Zentralbad gebaut und Katzheide abgerissen wird. Also ein JA zum Zentralbad und ein JA zu Katzheide steht überhaupt nicht zur Debatte. Es gab vor der OB-Wahl die vagen Aussagen von Frau Gaschke, die aber nach der Wahl nichts weiter wert sein werden.
Natürlich braucht Kiel Schwimmfläche. Es liegt nicht am Lessingbad, wenn die Stadt Kiel da lieber am Experimentieren ist mit Nachnutzungskonzepten von Nutzung durch Muthesius über Sporthalle für die Humboldtschule bis zur Nutzung durch die jüdische Gemeinde. In der Aufzeichnung zur Ratsversammlung vom 13. Dezember kann man im 29. Video Herrn Stagars beim Punkt 4.6.2 hören. “Bezahlbare Eintrittspreise” bedeutet eine Erhöhung um 250%. In Minute 6:10 hört man etwas zur Lessinghalle die Idee, diese als Sporthalle der Humboldtschule umzubauen. Damit wird deutlich, wie da rumgeeiert wird. Kann ein Umbau zu einer Sporthalle (barrierefrei) überhaupt möglich sein – und wenn ja günstiger als eine Renovierung der Technik? Als Begründung für die Nicht-Renovierbarkeit wurden dann oftmals auch nicht-öffentliche Prüfungen genannt, bei denen angeblich hohe Kosten angesetzt wurden. Aber ehrlich gesagt: Was nicht öffentlich gemacht wird – schon gar nicht im Vorfeld – existiert auch nicht. Da kann jeder irgend etwas behaupten. Der Verein der Freunde der Lessinghalle hatte einen Prüfer bezahlt und war (in einem veröffentlichten Dossier) zu weit geringeren Kosten gekommen.
Jetzt wird vielleicht deutlich, dass die PIRATEN die letzte Legislaturperiode in Kiel kommunalpolitisch gepennt und sich nicht beteiligt haben. Und erst durch die anstehende Wahl aktiv wurden. Ich kann mich auch noch sehr genau an einen Besuch des Kieler PIRATEN-Stammtischs (2008?) erinnern, auf die ich bei der Frage, ob sich irgendwer auch für Kommunalpolitik interessiert, niemand sich meldete. Es reicht m.E. nicht aus, sich nur deswegen oder erst dann mit Kommunalpolitik zu beschäftigen, wenn Wahlen anstehen. Für mich stellt sich die Position der PIRATEN als nichts halbes und nichts ganzes dar. Man kann sie an dem Punkt weder wählen, wenn man für oder gegen das Zentralbad sind. Wenn einem das wichtig ist, würde man die SPD wählen und wenn nicht… bleibt abzuwarten, ob eine Alternative antreten wird. Wer jedenfalls das Zentralbad verhindern und Katzheide erhalten will, kann auch die PIRATEN nicht wählen, weil deren Positionen zu schwammig sind.
Kommunalwahl Kiel 2013: Positions-Check: Bäderlandschaft #kwkiel
Die Kommunalwahl steht vor der Tür. Nun ist es Zeit Bilanz zu ziehen über die Politik der vergangenen Jahre und was die Parteien die antreten versprechen. 2009 war die große Entscheidung gegen den Weiterbetrieb vom Freibad Katzheide und der Lessinghalle und für den Bau eines Zentralbades auf dem Geländes des kleinen Wäldchens zwischen Ost und West an der Gablenzbrücke.
2009 schrieb ich den Artikel Ratsversammlung für Zentralbad und gegen Katzheide. Ebenso auf meinem Parallelblog “Gaardener Notizen”: Applaus für das Aus von Katzheide.
Eines DER Kernargumente für ein neues Zentralbad war und ist, dass es billiger wäre, als der Weiterbetrieb. Wir müssenm davon ausgehen, dass der Bau eines Zentralbades auch gleichzusetzen ist mit dem Aus für Katzheide. Es gab zwar von Frau Gaschke im OB-Wahlkampf Aussagen darüber, dass sie Katzheide erhalten wolle. Aber sie wollte dann auf Nachfrage bei Abgeordentenwatch doch keine Versprechen machen:
- Meine Frage: Sie haben bei Ihrer Bewerbung als Kandidatin für die SPD in Gaarden Unverständnis dafür geäußert, dass das Freibad Katzheide im Zuge der Neuorientierung der Bäderlandschaft weichen soll. Bisher gilt aber, dass es neben dem Zentralbad keine weiteren zentrumsnahen Bäder mehr geben soll. Was können Sie den GaardenerInnen konkret versprechen, was den Erhalt des Freibads angeht und wie wollen sie den Erhalt finanzieren?
- Gaschkes Antwort: … , so wie es gelungen ist, eine Lösung für den Weiterbetrieb des Eiderbads Hammer zu finden, befürworte ich, dass auch nach einer Erhaltslösung für Katzheide gesucht wird. “Versprochen” habe ich nichts. Aber wir sollten es versuchen!
“Versuchen” ist gar nichts. Schauen wir doch mal auf den Programmentwurf der SPD:
Wir wollen Radwege und Gehwege auf Asphalt und durch Grünanlagen, Wanderwe-
ge und Reitwege durch die Natur sowie öffentliche Zugänge zum Wasser einschließ-
lich Slip-Anlagen zu „Sportstätten des öffentlichen Raumes“ machen. Dies sind
Sportstätten für alle nicht organisierten Sporttreibenden wie Radfahrer, Skater, Jog-
ger, Walker, Wassersportler und andere. Die Herrichtung dieser Wege und Anlagen
ist nicht nur eine reine verkehrspolitische, sondern auch eine sportpolitische Aufgabe.
Hierzu gehört auch ein Nachnutzungskonzept für das Freibad „Katzheide“ im
Sportpark Gaarden oder Sportgeräte für Seniorinnen und Senioren im öffentlichen
Raum und vieles mehr. Wir wollen Ideen, Umsetzung und Nachnutzungskonzepte
unter Einbeziehung und Beteiligung alle interessierten Kieler Bürgerinnen und Bürger
erörtern.
Was bedeutet eigentlich Nachnutzung? Hier hilft uns wie so oft die Wikipedia:
Der Begriff der Nachnutzung ist in den letzten Jahren in der Fachliteratur gebräuchlich geworden. Er bezeichnet prinzipiell denselben Vorgang wie die Umnutzung und bedeutet nichts anderes als eine Nutzungsänderung nach der ursprünglich einem Gebäude zugedachten Nutzung. Der Begriff wird hauptsächlich auf größere Gebäudekomplexe angewandt, die auf eine spezielle Nutzung hin entworfen und konzipiert wurden, weswegen deren Umnutzung oft nur mit gravierenden Änderungen der Gebäudestruktur möglich ist.
Was die SPD nicht mit klaren Worten sagt, aber in dieser Beschreibung enthalten ist, ist das sie auf jeden Fall eine Schließung von Katzheide anstrebt. Was nicht groß verwunderlich ist. Es gibt zwar diesen Antrag 0994/2009 des Ortsbeirates Gaarden zum Weiterbetrieb, der in den verschiedenen Ausschüßen sage und schreibe 30 mal vertagt wurde(!) – und das seit 2009, also seit 4 Jahren(!). Aber dieser Wunsch des Ortsbeirates widerpricht wesentlich der aktuellen Beschlusslage. In der Beschlussvorlage der Verwaltung von 2009 mit dem Titel “Neuausrichtung der Bäderlandschaft in Kiel / Prüfauftrag Zentralbad” steht ganz klar:
1.4 Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Zentralbades sind die Betriebsstandorte Schwimmhalle Gaarden und Sommerbad Katzheide aufzugeben. [...]
Im aktuellsten Beschluß 0798/2012 zu der (euphemistschen) Neuausrichtung kann man lesen:
Zu 5. Nachfolgenutzung Sommerbad Katzheide
Zur Klärung der zukünftigen Nutzung des Geländes des Sommerbades Katzheide wird die Verwaltung gebeten unter Beachtung des Ratsbeschlusses vom 10./11.12.2009 (Drs. 1141/2009) durch Einbeziehung der lokalen Akteure im Sport- und Begegnungspark Gaarden ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten. Dabei ist sicherzustellen, dass die öffentliche Nutzung gewährleistet wird.
Da können wir uns schon denken was passiert. Vielleicht kommt ein Tennisplatz hin, oder Schaukelpferdchen. Irgendeine Sportart wird sich finden, aber geschwommen wird in Gaarden dann nicht mehr.
Deswegen kann es, was die sogenannte “Bäderlandschaft” leider nur um ein entweder Zentralbad oder Katzheide gehen. Der Grund dafür ist, dass man das Schwimmen aus Gaarden raus holen will. Bisher kommen viele Besucher auch aus anderen Stadtteilen nach Gaarden, die in der Schwimmhalle Gaarden (SHG) oder im Sommer nach Katzheide kommen. Wenn das Bad an der Hörn fertiggebaut ist, muss niemand mehr nach Gaarden reingehen. Wir habe derzeit ja auch die Sondersituation, dass auf dem Westufer das nächste wirklich öffentliche Schwimmbad in Schilksee ist. Die Uni-Schwimmhalle ist nur bedingt geöffnet.
Gerne stellt sich die SPD in Gaarden als Förderung von Wirtschaft dar. Aber hat sich jemand schon mal überlegt wie viel an Kaufkraft aus Gaarden abfließt, wenn niemand nach dem Schwimmen noch mal etwas einkauft oder einen Kaffee trinken oder Eis essen geht? Nicht zuletzt werden auch mehrere Arbeitsplätze abgebaut. Der neue Standort an der Gablenzbrücke ist im besten Falle der äußerste Rand von Gaarden-Ost, aber eben weder zentral und eigentlich eher schon Westufer/Innenstadt. Siehe auch die gestrichelte Linie bei Google Maps-Karte: http://goo.gl/maps/dpHyp. Genau so wie Kai-City eigentlich kein Teil von Gaarden ist. Die Bahnschienen durchschneiden den Stadtteil und schaffen einen zweiten Stadtteil. Sie nennen es Kai-City und stellen das Schild für Gaarden auf.
Am 8. Dezember 2009 wurde folgender Brief vor der Abstimmung für das Zentralbad an alle Kieler Ratsabgeordneten geschickt:Betreff: Votum zur Bäderlandschaft
Sehr geehrte(r) Ratsfrau/Ratsherr,
wie Sie wissen findet am 10. Dezember eine Abstimmung über die Be-
schlussvorlage 0940/2009 über die Neuausrichtung der Bäderlandschaft
statt. Wir als Stadtteilinitiative Gaarden (SIG) fordern Sie persön-
lich als Ratsmitglied auf, gegen diese Beschlussvorlage zu stimmen –
und zwar aus folgenden Gründen:
1. Mit dem Bau eines Zentralbades käme unweigerlich auch das Aus für
das Freibad Katzheide und dem Freizeitstandort Gaarden würde ein
schwerer, unwiederbringlicher Schaden zugefügt. Katzheide ist DAS
Highlight in Gaarden – einer der wenigen Orte in Gaarden die
kielweit einen hervorragenden Ruf genießen.
2. Der Bau des Zentralbades gefährdet die laut Flächennutzungsplan
einzige Grünverbindung zwischen Ost- und West. Für die Gaardener
Bevölkerung befindet sich der Standort außerhalb ihres Stadt-
teils.
3. Die Alternative eines Kombibades wurde seitens der Veraltung mit
Kosten von 8 Mio. angesetzt – allerdings ist es auch möglich
Schwimmbäder für die Hälfte des genannten Betrages zu bauen. Wir
halten die genannten Kosten daher für zu hoch angesetzt.
4. Auch die Kosten für den Erhalt der Lessinghalle sind mit 15 Mil-
lionen zu hoch angesetzt gewesen. Bei der Ausschreibung wurde den
Architekturbüros keine Obergrenze für Investitionen vorgegeben.
Insofern gehen wir davon aus, dass auch die Lessinghalle für weit
weniger renovierbar ist.
5. Da diese jetzige Entscheidung ohne eine frühzeitige Bürgerbetei-
ligung stattfinden soll, können Sie als Ratsmitglied nicht wis-
sen, ob dieses Zentralbad überhaupt von den Kieler gewollt wird.
Eine überteuerte Fehlplanung eines Schwimmbades, das so keiner
will, könnte die Folge sein.
6. In den letzten Jahren wurden viele Gutachten und Architekturwett-
bewerbe zur Bäderlandschaft ausgeschrieben, ohne das die Ergeb-
nisse umgesetzt wurden. Gleichzeitig wurden wichtige Reparatur-
maßnahmen nicht in Angriff genommen.
7. Die virtuelle Deckelung des Zuschussbedarfes an die Kieler Bäder
GmbH erscheint uns als ein frei erfundener Betrag, der nicht auf
Zahlen zu notwendigen Investitionen basierte und in Folge davon
zu einer Erodierung der Bausubstanz und einen Investitionsstau
führte. Wir können daher diesen erfunden Betrag nicht als Maßgabe
für die Haushaltsplanung der Stadt Kiel akzeptieren. Gerade die
Planung eines neuen Bades zeigt doch, dass dieser strenge Spar-
kurs, den man 2007 sogar über-erfüllte eher zu Mehrausgaben für
die Stadt Kiel führt, denn zu langfristigen Einsparungen.
8. Als Herzstück des neuen Sport- und Bewegungsparks, dessen Bürger-
beteiligung schon stattgefunden hat ist Katzheide unverzichtbar.
Ein herausschneiden des Freibades würde bedeuten, dass die Bürger
eine Wiederholung des Planungsprozesses verlangen können mit all
den damit verbundenen Kosten.
9. Die Kosten für den Besuch des Zentralbades für Familien liegen
teilweise über 250% über den bisherigen Kosten.
10. Den Kielern wurden bisher immer Versprechungen zum Erhalt
von Lessinghalle und Katzheide gemacht. Was jetzt folgt ist ein Wortbruch!
Als Fazit bleibt uns zu ziehen, dass es unzählige Punkte gibt, die gegen die Zustimmung zu einem Zentralbad jetzt, in dieser Form und an diesem Standort sprechen. Alle diese Punkte müssen abgewogen werden statt die Stadt Kiel in neue, finanzielle Abenteuer zu stürzen.
Wir werden am 10.12. genau darauf achten welches Ratsmitglied sich wie bei der Abstimmung verhält – ob nun für oder gegen die Gaardener Interessen – und wir werden dies dokumentieren und bei entsprechenden Gelegenheiten zur Sprache bringen. Daher fordern wir Sie auf sich ebenfalls von dem Zentralbad zu distanzieren und sich stattdessen für nachhaltige Lösungen und für die Interessen von Gaarden einzusetzen!
Genau an dem Punkt sind wir mit dem heutigen Tag. Wir können bilanzieren. Wir wissen wer für die Abschaffung von Katzheide gestimmt hat. Das waren ALLE Abgeordneten von CDU,SPD,FDP,GRÜNE,SSW. Es ist also ganz einfach: Wer Katzheide so erhalten will, wie es ist, der darf keine dieser etablierten Parteien wählen.
Wie siehts aus mit Direkte Demokratie (DD) und LINKE ? So weit ich weiß, ist die DD die einzige Fraktion, die konsequent gegen die Abschaffung von Katzheide gestimmt hat. Die LINKE hat sich meiner Erinnerung nach in vielen Fällen lediglich enthalten. Damit haben wir alle existierenden Fraktionen abgehandelt zu diesem Thema und die schlechte Nachricht ist, dass keine der bestehenden Fraktionen, die wieder antreten, für Katzheide antreten wird.
Zu PIRATEN und WIR in Kiel werde ich in einigen Tagen einen weiteren Artikel zum Thema schreiben, so bald sich der Nebel ein wenig gelüftet hat.
Weiterführende Links
- Website SkyScraperCity zu Kai-City Kiel einiges an Fotos und Plänen.
Neue Initiative zur Rettung von Katzheide!
Eineinhalb Jahre nach der Laternenumzugs/Demonstration für einen Erhalt von Katzheide am 18.11.2009 ist das Thema Bäderlandschaft aufgrund überbordender Baukisten für das Zentralbad wieder auf dem Tisch.
Und ich habe mich entschlossen die offenen Fragen noch einmal mit einer Initiative “Rettet Katzheide!” zu unterstützen.
Leider hat sich da in den letzten Jahren wenig an Aktionen getan. Eine Infoliste zu Katzheide, die ich damals für die Stadtteilinitiative Gaarden einrichten lies wurde über ein Jahr nicht mehr mit Informationen beschickt. Und auch sonst passierte wenig. Das Zentralbad wurde zu einem zunehmend verblassenden Begriff, der nur noch als Beispiel einer gescheiterten Politik dienen sollte. Vergessen wurde dabei aber vielerorts der aktive Kampf für den Erhalt des Bades!
Bitte unterstützt diesen neuerlichen Versuch. Ihr dürft gerne die Grafik hier bzw. auf der Initiativen-Seite auf euren Seiten einbinden und dann auf gaarden.wordpress.com/rettet-katzheide verlinken.
Ich will hier gar keinen falschen Eindruck erzeugen. Im Moment besteht die Initiative wahrscheinlich nur aus zwei-drei Leuten – ist damit aber auch nicht viel kleiner als manche anderen Gruppen. Was wollen wir anders machen? Mein Vorschlag wäre, sich tatsächlich auf die Bäderfrage zu konzentrieren. Weil man so auch seine Kräfte besser einteilen kann. Was nicht geht ist glaube ich Katzheide von anderen Bädern zu trennen. Denn laut Ratsbeschluss existiert dieser Zusammenhang. Katzheide hängt auch an der Zukunft des Zentralbades an der Hörn.
Warum sollte man das Zentralbad ablehnen?
- Weil es das Aus für Katzheide bedeutet (alle darüber hinaus gehenden Überlegungen sind reine Spekulation!)
- Weil damit auch die Eintrittspreise steigen! Für eine Familie mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern von rund 8 auf 18 Euro!
- Weil Katzheide eine wichtige Naherholungsfunktion in Gaarden erfüllt und auch ein Ort für Begegnungen darstellt.
- Weil das Zentralbad weiter weg vom Gaardener Zentrum ist und dort weitere Preissteigerungen auch nicht ausgeschlossen sind.
Zentralbad: Dokumentation der grünen Argumentation
Erst jetzt ist mir über Internet eine Kopie der “Grüne Zeitung” Ausgabe Februar 2010: GZ0210.pdf aufgefallen (oder auch auf dieser Webseite).
Hier einige Passagen, die man hervorheben sollte, weil es sich hierbei um redaktionierte Beiträge handelt:
- Dir Scheelje sagt: “Halle und Freibad hätten zusammen 30 Mio. Euro gekostet.” Zuvor spricht er von den 15 Millionen, die die Stadt Kiel für die Lessinghalle veranschlagt hatte, für ein Kombibad in Gaarden hatte man damals 8 Millionen veranschlagt. Beide zahlen waren und sind meines Erachtens deutlich zu hoch angesetzt. Dennoch ergeben 15+8 Millionen gerade einmal 23 Millionen Euro und keine 30 Millionen. Hier wird mal eben en passant 7 Millionen dazuaddiert.
- Scheelje sagte auch: “Denn ein großes Schwimmbad mit deutlich mehr Schwimmfläche als bislang kostet demgegenüber nicht mehr als 20 Mio. Euro. ” Im Kasten rechts findet man aber eine Aussage von maximal 17 Millionen. Welche sollen wir ernst nehmen? Wusste Herr Scheelje im Februar 2010 bereits mehr? Weiß er, dass die 17 Millioenn nicht als Bausumme ausreichen werden?
- Frau Wegener behauptet, dass der Weg vom Vinetaplatz zum neuen Zentralbad genau so lang ist wie nach Katzheide. Dazu muss man aber folgendes bedenken:
- Der eigentliche Vergleich müsste mit der Schwimmhalle Gaarden erfolgen die ja bisher fast ganzjährig geöffnet ist. Und die ist nur halb so weit entfernt
- Zum Erreichen des Zentralbades sind mehree Ampeln und großé Kreizungen zu überqueren, wie z.B. A) Karlstal/Schulstraße, B) Karlstal/Werftstraße und C) Gablenzstraße/Adolp-Westfalstraße. Der Weg entlang der verkehrsreichen Straßen ist unangenehm wegen Lärm und Abgasen und das Warten an den Ampeln kostet zusätzlich Zeit, dahingegen ist Katzheide bislang ohne Ampelquerung (Fußgängertunnel unter dem Ostring) mitten in Gaarden erreichbar. Zudem ist der Vinetaplatz bereits das westliche Bebauungsrandgebiet. Ganz zu Schweigen von Elmschenhagen. D.h. für viele Gaardenerinnen ist sowohl die Schwimhalle Gaarden als auch Katzheide in direkter Nachbarschaft erreichbar.
- Bei den höheren Eintrittspreisen verweist Herr Scheelje darauf, dass man außerhalb Kiels ja noch Fahrtkosten dazurechnen müsste. Für viele Gaardener bedeutet die höhere Entfernung aber auch bereits Fahrtkosten. Nur Einwohner vom Westufer, die die Situation in Gaarden nicht kennen und nie zu Fuß die Strecke zwischen Gaarden und Adof-Weftphal-Straße gegangen sind, können erwarten, dass man dies mal eben so zu Fuß geht. Und im Endeffekt bedeutet das, dass die höheren Kosten für Gaardenerinnen nicht mehr tragbar sein werden. Dann sollen sie doch ihr blödes Zentralbad auch gleich in Düsternbrook bauen, wo dann die Leute wohnen, die es sich noch leisten können.
- Deutlich wird bei dem Foto des Baugebietes, wie die GRÜNEN gerne die einzige Grünverbindung zwischen Ost- und West mit dem Zentralbad kappen wollen.
Was ist nur aus den füheren Idealen der GRÜNEN geworden? Nur noch willige Vollstrecker der Ideen von Investoren. Die Stadt als Spielbrett für Leute, die kein Monopoly mehr spielen.
Kinder- und Jugendbeteiligung zum Zentralbad am 11. und 12. Februar 2010
Am 11. und 12.2 veranstaltet die Kieler Bäder GmbH eine Beteiligung für Kinder- und Jugendliche in der Jugendherberge Gaarden. Bisher ist wenig bekannt darüber, welche Kinder- und Jugendliche teilnehmen dürfen und wie das Ganze ablaufen wird.
Es wäre schön, wenn Leserinnen und Leser ihre Informationen hier als Kommentare anhängen.
Pressemitteilung: Stadtteilinitiative Gaarden begrüßt Eisfestival
Die Stadtteilinitiative Gaarden begrüßt, dass die Kieler Bäder GmbH in Katzheide dieses Jahr erstmalig ein „Eisfestival“ veranstaltet hat, dass am ersten Tag nach eigenen Angaben über 400 Besucherinnen angelockt hat. Dies zeigt, dass mit einigem Willen und etwas Kreativität Katzheide durchaus attraktive Angebote schaffen kann. Dies muss nicht nur auf die Winterzeit beschränkt sein. Wir hoffen, dass es statt der Schließungsdiskussion mehr Angebote dieser Art geben wird, so dass die Schließung von Katzheide bald kein Thema mehr sein wird. Die Stadtteilinitiative Gaarden setzt sich neben dem Erhalt des Freibad Katzheide insgesamt für Kiel-Gaarden als Stadtteil ein. Pressemitteilung der Stadtteilinitiative Gaarden Web: http://initiative.gaarden.net/
Warum würde die Restaurierung der Lessinghalle 16 Mio Euro kosten?
Mit dem gestrigen Tag wurde auch das Aus für die Lessinghalle beschlossen. 16 Millionen für einen Umbau wären zu viel. Aber wie kam man auf die Summe? Wer die Beschreibung des Siegerentwurfes liest versteht sehr schnell. Ich zitiere hier nur Auszüge:
Die Lessinghalle bildet mit dem Lessingplatz einen wichtigen Baustein im Raumsystem der Stadt Kiel. Städtebauliches und freiräumliches Ziel ist es, die Schwimmhalle eng mit dem Schrevenpark zu verbinden und diesen über den Lessingplatz an den zweiten innerstädtischen Grünzug als wichtige Fuß- und Radverbindung in Richtung Förde anzuschließen. [...]
Der Rückbau der Goethestraße zwischen Lessinghalle und Schrevenpark stellt daher eine konsequente Umsetzung der städtebaulich-freiräumlichen Absicht dar. [...]
Zudem wird eine geordnete Vorfahrt als Überfahrt hergestellt sowie die kompakte Unterbringung der Fahrräder in den Seitenbereichen des neuen Einganges in die Lessinghalle gewährleistet.
[...]während sich die Terrasse der Außengastronomie als Intarsie wie das Eingangsgebäude vorsichtig an die Lessinghalle anbinden.
Die wassergebundene Decke schiebt sich über den doppelten Ringweg des Schrevenparkes unter dem zweireihigen Lindenkranz in den Park hinein.Architektur | Denkmalpflege
[...] Während zur Stadtseite ein Pavillon einen funktionsfähigen Empfang mit Ein- und Ausgang sowie Wartezonen bietet, wird die jetzige Rückseite des Hauses durch Ruhebereiche, Café und Terrassen geöffnet und aufgewertet.Um das Denkmal nicht durch großvolumige Anbauten zu gefährden, optimale funktionale Abläufe zu gewährleisten und um ein energetisch kompaktes Gebäude zu generieren, werden die bestehenden vernachlässigten Innenhöfe vom ehemals Luft- und Sonnenbad zum Wasserbad entwickelt.[...]
Im Gegensatz zu den historisch bzw. klassisch hellen Oberflächen der Wände und in Korrespondenz mit dem Solnhofer Fußbodenplatten sind die Kuben mit Ihren angenehm warmen Holzoberflächen als neue autarke Elemente ablesbar.
Im Bereich des jetzigen Nichtschwimmerbeckens ist die Café-Lounge vorgesehen, die alle Ebenen miteinander verbindet. Sie ist gleichzeitig Verknüpfung der beidseitigen Ruhe- und Wellnesszonen, die in allen Geschossen eine starke Beziehung zum Schrevenpark herstellen: Erholung im Grünen.
Entsprechen unserem Leitbild „Erweiterung im Bestand“ werden die Dachgeschosse der Nebentrakte mitgenutzt. Statt des Satteldachs zum Park wird ein leichtes Wellnessgeschoss aufgesetzt, welches den historischen Bestand vorsichtig ergänzt, aber auch von außen etwas von der Veränderung ablesbar macht: hier zeigt sich erkennbar die Hinwendung des Bades zum Park durch zeitgemäße Zutat. Die bisherige Rückseite wird hier besonders aufgewertet.
[...]Die traditionelle finnischen 90°C-Sauna und das Sanarium mit Farblichtstimulation werden bewusst positioniert, um die Aussicht zum Park zu genießen.
Wenn man dies liest versteht man: Die 16 Millionen Euro waren für mehr als nur eine Restaurierung der Lessinghalle gut, sondern für einen Umbau des Schrevenparks, des Lessingplatzes und der Goethestraße. Somit stellte dies eher eine städtebauliche Maßnahme dar. Der oben beschriebene Entwurf ist aber Maßgabe für die Feststellung der Mindestkosten für die nötige Restaurierung. Damit ist klar, dass die Ratsfraktionen durch die Bank weg gelogen haben bei ihrer Argumentation. Hier werden Kosten künstlich hochgerechnet, die eben nichts damit zu tun haben, dass man die Lessinghalle erhalten wollte. Nein, man hat bewusst Steuergelder verschwendet für einen kostspieligen Entwurf – den Architekten mache ich keinen Vorwurf!) – nur um sich hinter hinzustellen und sagen zu können, dass man sich einen SOLCHEN kostspieligen Entwurf nicht leisten könne.
Und was die viel kritisierte Parkplatzsituation angeht: Der Schrevenpark stellt in seinem Rand einen der größten Parkflächen in Kiel dar. Der Lessingplatz unmittelbar vor der Lessinghalle bietet alleine 30-40 Parkplätze (wird auch von besuchern der Postfiliale und der Stadtwerke genutzt) – um die Lessinghalle herum bestehen weitere 60 Parkplätze – und im weiteren Verlauf des Parkes mehrere tausend weitere. Zudem befindet sich in der Nähe sowohl die Bushaltestellen am Dreiecksplatz als auch die der Stadtwerke.
Ich gehe davon aus, dass die Kosten für eine echte Renovierung inklusiver kleiner Umbaumaßnahmen zwei Millionen Euro nicht überschreiten müssten. Darin wäre dann nicht ein Umbau des Schrevenparkes inbegriffen aber mit Sicherheit ein langfristiger Erhalt der Schwimmhalle.
Zusammen mit einer neuen Schwimmhalle als Kombibad in Katzheide (+6 Mio) könnte so eine kleine Lösung bei 8 Millionen Euro für Kiel liegen – da wäre dann sogar perspektivisch noch eine Schwimmhalle für Mettenhof (+6 Mio) drin – und würde dann mit 14 Mio immer noch die Kosten für das Mega-Bad unterschreiten! Und vor allem bei weitem das, was seitens der Ratsversammlung an Phantasiezahlen genannt wurde.
Ratsversammlung für Zentralbad und gegen Katzheide
Am heutigen Freitag hat die Ratsversammlung mit überwältigender Mehrheit, inklusive großer Teile der Opposition beschlossen ein Zentralbad zu bauen. Damit verbunden ist das wahrscheinliche Ende des Freibad Katzheide und der Lessinghalle. Was Katzheide betrifft will man zwar vielleicht irgendeine Lösung finden – aber die Situation wird nicht besser durch ein Zentralbad.
Um es zusammenfassen. Die Ratsmitglieder halten es nicht für nötige eine ausreichende Bürger, Kinder- und Jugendbeteiligung durchzuführen – sie betrachten es offenbar als einen Luxus – als nette Geste seitens der gewählten Repräsentanten, die manchmal auch die Bürger mitspielen lassen. Nachdem alles entschieden wurde. Herr Kruber fragte denn auch provokant, ob man denn wirklich mit Kindern diskutieren wolle?
Man merkt: Die Politik in Kiel ist noch nicht im Jahr 2009 angekommen. Man möchte weiter ungestört Politik nach Gutsherrenart machen. Man versteht nicht, warum Bürger ihrem Urteil misstrauen. Aber man liefert dennoch genug neues Material um die Vorurteile der Bürgerinnen zu bestätigen.
Warum sollen wir Bürger den Ratsherren- und frauen vertrauen, wenn sie uns als Bürger nicht vertrauen? Die Stadtteilinitative Gaarden hat in einem Brief viele Punkte aufgelistet, die die Fakten die bisher kursieren in frage stellen. Doch von der übergroßen Mehrheit wurden diese neuen Fakten weder zur Kenntnis genommen noch debattiert. Es wurde einfach weiter mit den manipulierten Zahlen operiert – den angeblichen 25 Millionen die das Kombibad Katzheide zusammen mit dem Erhalt der Lessinghalle kosten müsse. Einen Nachweis musste man schuldig bleiben – man bezog sich auf zwei Architekturwettbewerbe, die besonders teure Entwürfe prämierten. Gutachten z.B. zur Lessinghalle, die von deutlich geringeren Kosten ausgehen wurden einfach ignoriert. Ich nenne das beratungsresistent. Die Ratsmitglieder haben die falschen Fragen gestellt bzw. sich nur oberflächlich mit dem Thema beschäftigt. Man hat den Zahlen vertraut, die die Verwaltung auf den Tisch legte.
Wo war die Opposition? Außer der Direkten Demokratie und der Linken hat man in der Frage nicht viel gesehen. Die Opposition in Form von CDU und FDP hat ihre Rolle in Form von kritischen Beobachtern nicht wahrgenommen, sondern zusammen mit der Regierungskooperation gestimmt. Mitgegangen, Mitgefangen, Mitgehangen! Durch die namentliche Abstimmung wissen wir nun genau wer für und wer gegen das Zentralbad war. Außer Die Linke und Direkte Demokratie haben alledafür gestimmt. Die Fraktionsdisziplin hat wahrscheinlich viele Gaardener SPD-Abgeordnete eingenordet. Es war nicht zu erwarten, das heute ein offener Aufstand gegen die Fraktionsführung stattfinden würde.
Unverständlich aber warum insbesondere die FDP unbedingt dabei sein wollten. Warum diese große Einigkeit tief in die Opposition hinein? Hat die Oppostion keine grundsätzlichen Bedenken, keine kritischen Fragen? Niemand erwartet, dass eine Opposition immer mit der Stadtregierung stimmt. Es ist Aufgabe der Opposition den Finger in die Wunde zu legen.
Bei der CDU ahnt man, dass man sich gerne als regierungsfähig präsentieren wollte – aber selbst dann – auch hier habe ich kein Verständnis für die große Einigkeit.
Nach dem heutigen Tag wird sich kein Abgeordneter mehr verstecken können. Wir Kieler Bürger dürfen erwarten, dass Abgeordnete offen für ihre Haltung eintreten. Sie sollten einzig ihrem Gewissen verantwortlich sein. Oh schüttelt nicht den Kopf und haltet mich für naiv – das sind die eigentlichen Grundlagen unserer Demokratie. Ich weiss auch, dass das nicht die Realität ist – aber es ist das, was wir von unseren gewählten Repräsentanten erwarten müssen – nicht weniger! Es ist schade, dass Menschen – also Ratsmitglieder – sich so weit von ihren Idealen als junge Politikerinnen entfernt haben und sich in “politics as usual” einreihen.
Ich bin sehr dafür eine Rechnung aufzumachen des Pro und Kontra für einzelne Parteien und Abgeordnete – wofür stehen sie, was haben sie getan und was haben sie unterlassen? Wir sind es den Abgeordneten schuldig, die sich ehrlich bemühen sie zu unterstützen und mehr zu verlangen als das Einhalten der Fraktionsdisziplin. Wir helfen ihnen nicht, wenn wir sie aus der Verantwortung als einzelner Abgeordneter entlassen. Wir sollten uns zum Teil an der Art orientieren wie Politiker in den USA beobachtet werden – dort wird erwartet, dass jeder Einzelne sich einsetzt – Fraktionsdisziplin spielt dabei eine viel geringere Rolle und die Freiheit der Abgeordneten ist größer. Wir sollten Abgeordnete wollen, die kritische Fragen stellen und im Zweifelfalle dem eigenen Urteil und Gewissen folgen. Der Weg dorthin ist steinig und erfordert eine kritische Öffentlichkeit.
Mein Ziel ist es, einen Teil dieser kritischen Öffentlichkeit darzustellen und dadurch Veränderungen zu ermöglichen. Ich betrachte das als einen langwierigen Prozess, dessen Ausgang ungewiss ist. Aber da die Kieler Nachrichten ihre Rolle nur äußerst bescheiden ausfüllt, braucht es engagierter Blogger, die einen Teil der Aufgaben erledigen – und dadurch ggf. auch die Kieler Nachrichten zwingen besser zu recherchieren als vielfach geschehen. So hat die KN oft zahlen unkritisch übernommen und nicht geprüft. Ich betrachte das Verhältnis von kritischen, politischen Lokalbloggern zur Lokalzeitung nicht als Konkurrenz, sondern als kooperativ. Wir Blogger können helfen ein Thema aufzureissen – und die Lokalzeitungen können Themen einen größeren Rahmen bieten.
Wie geht es weiter mit dem Zentralbad?
Noch steht es nicht. Ich denke auch nicht, dass es am Ende gebaut wird. Zu vieles spricht dagegen und die Wirtschaftskrise und klammer werdende Kassen werden dem Projekt nicht förderlich sein. Damit ist auch das Thema Katzheide noch lange nicht erledigt. Leider hat man sich seitens des Rates auf eine unversöhnliche Haltung geeinigt gegen die Stadtbevölkerung. Auf die Dauer kann eine Stadtregierung aber nicht Politik gegen die eigene Bevölkerung machen. Deswegen wird dies wieder einmal ein teurer Ausflug in die wunderbare Welt der Ausschreibungen und Gutachten. Fest steht, das es teuer wird – auch wenn man Ende kein Zentralbad stehen wird. Fest steht auch, dass die gegenwärtigen Parteien die gegenwärtigen Schulden zu verschulden haben und niemand sonst. Daher zu behaupten, dass deren Strategien zu weniger Schulden führen würden ist absurd. Jeden Tag sieht man wie Geld zum Fenster herausgeworfen wird. So wie wir es jetzt auch gerade wieder erleben. Ich werde die weitere Entwicklung weiter verfolgen. Noch ist nicht aller Tage abend.
Nächste Woche Entscheidungstag für Kieler Bäder
Am 10.12. soll das aus für die Kieler Bäder kommen. Mit einer Entscheidung pro Zentralbad will die Kieler Ratsversammlung, in einer großen Koalition aller bis auf zwei Parteien, insbesondere den beiden traditionellen Bädern das Wasser abgraben. Vielleicht freut man sich in der Verwaltung auch schon darauf die Gebäude bzw. die Gelände für andere Zwecke in Beschlag zu nehmen.
Die Umstände sind insgesamt, wie mehrfach hier erläutert, mehr als dubios. Niemand weiss was aus den Bädern werden wird – für Ratsleute ist es daher überhaupt nicht möglich abzuschätzen ob der Stadt Kiel durch eine Abkehr einer Nutzung als Bäder nicht viel mehr Kosten entstehen auf die Dauer. Aber man lernt, wenn man sich mit Kommunalpolitik vermehrt beschäftigt, dass es niemals um WIRKLICHES Sparen geht – immer nur um RELATIVES sparen. Ein Sparziel ist erreicht, wenn irgendwo ein Minuszeichen auftaucht. gleichzeitig kann eine Entscheidung zu einer Verfünffachung des ursprünglichen Zuschussbedarfs führen – aber das interessiert dann schon keinen mehr. Die Zeitung haben dann bereits gedruckt, dass gespart wird. Und schon wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben.
Die FDP hat inzwischen auch die Flinte ins Korn geworfen. So hatte die sportpolitische Sprecherin am 13.11.09 noch verlautbaren lassen:
In der Entwicklung der Bäderlandschaft Kiels kommt es darauf an, die möglichen Alternativen sorgfältig abzuwägen und dabei selbstverständlich auch das Element der Bürgerbeteiligung zu berücksichtigen.
Inzwischen ist man mit im Boot – was zählt auch das Geschwätz von Gestern? Und die GRÜNEN in Kiel sind seit vielen Jahren nur noch eine Pharce – weit weg von jeder Bürgerbewegung, zum Teil konservativer als die CDU und oft, sehr oft gegen die Interessen der Kieler Bevölkerung handelnd. Einzig bei der Linken und Direkten Demokratie regt sich einiges an Widerstand.
Was wird am 10.12. passieren? Es wird vielleicht eine Klausel in den Beschluss pro Zentralbad angefügt, dass Katzheide erst dann geschlossen wird, wenn das Zentralbad fertig ist. Und damit will man dann die Gaardener Bevölkerung beruhigen. Für die Lessinghalle gibt es dieses mal wohl kein Leckerli. Aus den Unterlagen des Fördervereins für die Lessinghalle geht hervor, das die Investitionen für eine Instandsetzung aber eher gering sind – geringer jedenfalls als die Vielzahl an Gutachten, die es gekostet hat. Vor einigen Monaten hat man sich noch stolz fotografieren lassen (Möller, Todeskino & Co.) mit dem tollen Siegerentwurf für die Lessinghalle. Nun will man der Lessinghalle auch ganz stolz den Todesstoß versetzen. Immer obenauf – die Fahne immer nach dem Wind – einmal so und mal so.
Es ist ja nicht so, als würde die Verwaltung uns seit Jahren das gleiche erzählen und als wenn ihre Politik uns bisher eine blühende Bäderlandschaft hinterlassen hätte. Nein, sie sind eigentlich mit allem gescheitert. Sie haben Zusagen gemacht, an die sie sich jetzt nicht mehr erinnern wollen. Ihre Politik war immer alternativlos – auch als sie das Gegenteil von der aktuellen war. Wir haben es hier also nicht mit einer konsequenten, erfolgreichen Politik zu tun, sondern mit einer gescheiterten Sparpolitik. Das ist ganz wichtig zu verstehen in dem Zusammenhang! man hat die Kieler Bäder kaputtgespart und tut nun unschuldig und eventuell noch so als hättee man das ja immer gesagt- Jetzt füllt man Sand von einen Sack in den anderen und behauptet damit die Finanzsituation massiv zu verbessern. Das sind nichts als Taschenspielertricks. Und währenddessen wird gelogen bis sich die Balken biegen – engagierten Bürgern wurde immer VERSICHERT das sowohl Katzheide als auch die Lessinghalle niemals zur Disposition stehen würden. Und plötzlich zaubert man das Modell Zentralbad aus dem Hut und will sich an nichts mehr erinnern.
Diejenigen, die für diese Entwicklung die Hauptverantwortung tragen, sollten konsequenter weise ihren hut nehmen. Leider ist die Kieler Nachrichten nicht bereit auf seiten der Kieler zu stehen, sondern unterstützt lieber den Machterhalt der Schuldigen. Dabei hat die KN die Manpower und das Geld um viel intensiver zu recherchieren als ein Blogger wie ich
Kiel will sich 17 Millionen Spaßbad leisten
Die Verwaltung schlägt vor ein zentrales, großes Spaßbad für 17 Millionen zu errichten an der Schnittstelle zwischen Ost- und West-Kiel mitten im Grüngürtel (zwischen der Adolf-Westphal-Straße und Gablenzbrücke).
Dieser Schritt hätte nicht nur für die Stadtökologie fatale Folgen. Interessant hier ist die Bedingung:
- Vor der Umsetzung des Bauvorhabens ist ein Architektenwettbewerb durchzuführen, in dem auf die festgesetzte max. Bruttobausumme in Höhe von 17 Mio. € verwiesen wird.
Interessant dabei ist, wenn wir dies mit den Vorgaben zur Ausschreibung der Lessinghalle vergleichen. Im damaligen Fall hat man bewusst auf eine Kostengrenze verzichtet, dann aber die Entwürfe abgelehnt, weil diese eine nie genannte, virtuelle Bruttobausumme überschritten. Das heisst wenn man es übersetzt, dass man die Kosten für die Entwürfe für einen Umbau der Lessinghalle bewusst fahrlässig formulierte, um sie abzulehnen. Nach meinem Verständnis stinkt es hier gewaltig – entweder nach Korruption oder einer Manipulation von Gutachten zu Lasten der Kieler Bürgerinnen. Alleine hierfür wäre eine Untersuchungskommission oder eine Klage gegen die Stadt Kiel gerechtfertigt.
Keiner der Ratsleute und Fraktion hat dies bisher hinterfragt. Vermutlich wird diese Beschlussvorlage (0940/2009) an der nächsten Ratsversammlung am 15. November behandelt.
Verbunden mit dem neuen Spaßbad sind die Schließungen von:
- Schwimmhalle Gaarden
- Freibad Katzheide
- Lessinghalle am Schrevenpark
Hatte Gaarden bis vor kurzem noch zwei Bademöglichkeiten, so wird es dann gar keines mehr haben
Schließungen sind Konsequenz aus verfehlter Sparpolitik
Hier wird der Blick nach vorne gerichtet – alle traditionellen Kieler Bäder sollen geschlossen werden. Über Jahrzehnte hat man in Kiel “erfolgreich” an den Bädern gespart, so dass ein gewaltiger Investitionsstau entstand. Gleichzeitig hat man m.W. die Beschäftigung immer weiter heruntergefahren, so dass es keine Vollzeit-Angestellten mehr gibt. Was bei gesundheitssensiblen Bereichen wie Badewasser (Umgang mit Chlor,…) extrem fahrlässig ist. Es ist anzunehmen, dass die Einsicht in letzteres auch zur Idee eines Zentralbades und der letztendlichen Schließung alle traditionellen Kieler Bäder führte.
Der Fall der Kieler Bäder zeigt sehr gut, dass das stetige Sparen zwar gut ist, um bessere Zahlen zur präsentieren. Was aber bei einer jährlichen Einsparung mit beschlossen wird, aber nirgendwo steht ist, dass irgendwann 17 Millionen für einen kompletten Neubau fällig sind. Wie viel wurde in den letzten Jahren eingespart? Wurden in den letzten 17 Jahren jedes Jahr 1 Millionen Euro eingespart bei den Bädern? Ich habe die Zahlen nicht, aber ich vermute stark das nicht. Und selbst wenn: Um einen Neubau 2010 zu rechtfertigen sollte die Rechung besser aussehen, denn da die Schwimmhallen über Jahre immer wieder geschlossen waren, bedeuteten die Einsparungen und nicht getätigten Investitionen, dass wir eben nicht mehrere voll einsatzfähigen Hallen hatten.
Die Kieler Bäderpolitik ist gescheitert. Und das muss laut ausgesprochen werden!
Denn wir sehen diese angeblich sparsame Politik als Roten Faden durch sämtliche Haushaltsverhandlungen. Man hat sich selbst auf die Schulter geklopft, wie toll man doch eingespart hat. Aber hätte jemand vor 17 Jahren gesagt: Wenn ihr DAS tut, dann fallen 3 Standorte von Bädern weg und ihr müsst 38 Million DM für ein neues Zentralbad investieren, dann hätte es einen großen Aufschrei gegeben. Keine der Fraktion hätte diesen Schwachsinn durchziehen können. Das Ganze konnte nur funktionieren, da man über Jahre schleichend und unbemerkt die Kieler Bäderlandschaft ausgehungert hat. Dies sollten zumindest die Kieler Bürgerinnen erkennen.
Gaarden als Hauptverlierer
Gaarden wird zwei Bäder verlieren. Die Annahme, das die Gaardener Bevölkerung dann zu Fuß bis zur abgelegenen Adolf-Westphal-Straße pilgern wird ist abenteuerlich. Für Schulen z.B. ist eine kurzfristige Erreichbarkeit von entscheidender Bedeutung. Für die Hans-Christian-Andersen-Schule z.B. war die Gaardener Schwimmhalle zu fuß in ca. 8 Minuten erreichbar und Katzheide sogar in nur 4 Minuten. Zum Arbeitsamt, was in unmittelbarer Nähe sein wird, wird der Weg 23 Minute brauchen und damit für eine schulische Nutzung weniger geeignet. Eine Fahrt mit einem Schulbus wird dabei kaum schneller sein, da dies Wartezeiten auf den Bus so wie das Ein- und Aussteigen beinhaltet. Wenn wir bedenken, dass Gaarden mit 28% übergewichtiger Kinder (vg. Drucksache 16/2227 Schleswig-Holsteinischer Landtag – 16. Wahlperiode
) besonders davon profitiert, wenn es nahegelegene Bewegungsmöglichkeiten wie Schwimmen gibt, so kann man die ersatzlose Schließung beider Bäderstandorte fast als Anschlag auf die Gesundheit der Gaardener Bevölkerung verstehen.
Dies sind nebenbei bemerkt zusätzliche Kosten durch:
- Verkehre von und zu dem Spaßbad (CO2-Belastung, Feinstaub, Straßenlärm).
- Erhöhte Gesundheitskosten durch vermehrte Kreislauferkrankungen.
Zudem bedeutet das Verschwinden von beliebten Standorten wie Katzheide ein schweren Schaden für das Image von Gaarden. Der nahegelegene Minigolfplatz wird ebenso leiden wie der erst neu beschlossene Sport- und Begegnungspark – und alle die Geschäfte und Gastronomie, die bisher Besucher aus allen Stadtteilen begrüßen durften, die im Sommer nach Katzheide als eines der beiden Kieler Freibäder pilgerten. Wer zum Eiderbad fährt ist bereits am Kieler Stadtrand, so dass jetzt schon klar ist, dass eine Schliessung von Katzheide zu Einnahmeverlusten bei der Gewerbesteuer der Stadt Kiel führen wird. Zudem kann das Eiderbad nicht doppelt so viele Gäste aufnehmen kann. Für Gaardener sind die 5,6 Kilometer nur per Fahrrad oder motorisiert zurück zu legen.
Schon jetzt steht fest, dass es zu Entgelterhöhungen kommen wird. Zitat: “Der maximale Zuschussbetrag des Eigenbetriebs Beteiligungen in Höhe von 2,4 Mio. € wird mit Inbetriebnahme des neuen Zentralbades festgeschrieben. Aufwandssteigerungen sind z. B. durch Entgelterhöhungen auszugleichen.”
Also: Weiter weg und teurer für die Gaardenerinnen. nach Attraktivitätssteigerung klingt das für eine Bevölkerung, die eher bewegungsfaul und finanziell nicht so reich ausgestattet ist nicht gerade.
Die Stadt geht davon aus, dass die neue Halle mehr genutzt wird, als alle drei übrigen Standorte zusammen, bleibt aber die Indizien schuldig.
Der neue Standort soll nicht einmal eine 1/3 größere Schwimmfläche bieten als die Lessinghalle und die Schwimmhalle Gaarden. Bezieht man das Freibad Katzheide mit ein, so bleibt die Schwimmfläche vermutlich gleich(mir fehlen die Zahlen der Schwimmfläche in Katzheide) ? Zudem kann man eine Halle nicht mit einem Freibad gleichsetzen. Kiel verfügt zwar über viele Strände aber im innenstadtnahen Bereich lediglich über die Seebadeanstalt Düsternbrook, die allerdings nur im Hochsommer badefreundliche Temperaturen bietet.
Katzheide war und ist ein Teil von Kiel. Noch vor einigen Jahren schrieb die Stadt Kiel auch, dass dieser Standort unter allen Bedingungen erhalten bleiben müsse. Das war bevor der Sport- und Begegnungspark geplant wurde, dessen integraler Bestandteil das Freibad Katzheide war. Nun muss die Bürgerbeteiligung für den Park eigentlich wiederholt werden, da die Kernidee herausgeschnitten wurde und somit alle Pläne hinfällig geworden sind.
Ein Zentralbad scheint nur die Lösung aller Probleme zu bieten. Aber wenn es nicht angenommen wird oder auch mal geschlossen werden muss, gibt es in Kiel gar kein Bad mehr, das genutzt werden kann!
Mein Tip ist eher: Weniger Gutachten, weniger Architekturwettbewerbe und weniger Großprojekte! Das sollte schon Einsparungen von mehreren hundert Millionen Euro im Jahr bringen. Denn was das angeht, so geht man damit in Kiel im höchsten Maße unbekümmert um. Und was die 17 Millionen Euro betrifft: Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Die angeblichen Einsparungen, die Gebührenerhöhungen und gleichzeitig vermehrte Nutzung des Zentralbades sind alles zunächst einmal Behauptungen. Alleine eine Gebührenerhöhung sollte schon dazu führen, dass das Bad weniger genutzt wird. Und dessen Lage ist so, dass dort eigentlich niemand wirklich zu fuß hingehen wird. Man kann also mindestens Fahrtkosten mit dem Auto oder dem Bus dazurechnen, ausser die, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. So wird das Schwimmen erst recht zu einem teuren Spaß, den sich immer weniger leisten werden, insbesondere nicht die Gaardenerinnen!
Die Pläne müssen gestoppt werden, denn es sind Hirngespinste. Und wenn die Rechung nicht aufgeht haben wir ein defizitäres Riesenbad in der Mitte Kiels, die Stadtökologie nachhaltig geschädigt, 17 Millionen futsch und weiterhin drei ruinierte Bäder!





