Artikel getaggt mit ‘Polizei’
Gaschke will Symbolpolitik für Ost/West-Übergang
Längst haben sich andere Übergänge etabliert zwischen Ost und West-Kiel. Z.B. über den barrierefreien Übergang im Anschluß an die Kieler Straße. Die Gaardener Brücke im Anschluß des Stadtteilbades in der Johannesstraße benutze ich persönlich nie.

Hörn mit Gaardener Brücke von der Gaardener Stadtteil-Schwimmhalle aus gesehen (Foto: Thilo Pfennig, Lizenz: CC, wie der Rest des Blogs)
Die Gaardener Brücke erinnert schon ein wenig an Schildbürger: Man baut eine Brücke, aber man weiß noch gar nicht wohin. Es ist auch eines dieser von PolitikerInnen geliebten Leuchtturm-Projekte: Man wollte ein Zeichen setzen, dass man sich um Gaarden kümmert. Ob die Brücke wirklich einen Nutzwert hat, war damals egal.
Nun muß man manchmal wirklich den ersten Schritt machen, damit mehr passiert. Wobei man die Hörnsanierung insgesamt als Schlag ins Wasser bezeichnen kann. Man hat einfach vollkommen auf die Arbeit der Investoren gesetzt, die investieren, die Stadt Kiel trägt kein Risiko, gibt vor was gebaut wird und profitiert. Es hat sich dann aber herausgestellt, dass es dann eben doch die Geldgeber sind, die bestimmt haben, wie es läuft. Und das eben nicht im Interesse der Stadt. Weswegen es z.B. auch keine öffentlichen Toiletten in dem Bereich gibt.
So ist es denn auch konsequent, wenn Frau Gaschke in dem Artikel lediglich die “ Vermarktung von Flächen” für das Hauptproblem hält. Erst neulich betonte sie ja, wie sehr private Investoren die Lösung für die Wohnproblematik sind und sie steht mit der Sichtweise ja auch ganz in der Tradition Kieler OberbürgermeisterInnen und ihrer Partei SPD. Nur muss man dann auch mal sagen dürfen, dass genau diese Sichtweise und Strategien zu den Probleme geführt haben, die man heute beklagt. Man würde erwarten, dass es dann auch mal andere Strategien sind, die diskutiert werden?
Spitze auch der Vorschlag zur Videoüberwachung:
„Ich bin keineswegs für eine flächendeckende Überwachung“, stellt Gaschke fest. „Aber hier wären zumindest jetzt Video-Kameras sinnvoll, um ein Zeichen zu setzen: Wir schauen hin.“
Wenn Frau Gaschke sich wirklich einmal damit beschäftigen wüßte, was in Kiel bisher diskutiert wurde, wüßte sie, dass dieses “Zeichen” ein paar hunderttausend Euro kostet. Ihr Ratsherr Schmalz hatte das ja 2007 bereits angeregt. Damals haben wir als Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung Kiel dazu auch etwas dokumentiert: 500.000 € alleine für die Installation. Die Kameras müssten dann dauerhaft von zwei Leuten überwacht werden. Und die Polizei verwarf die Idee auch als Antwort an den Ortsbeirat Gaarden, da die Kriminalität in dem Bereich nicht so signifikant höher sei, als dass eine dauerhafte Lösung nach Datenschutzgesetzen bestehen bleiben dürfte.
Aber sowas interessiert die Durchschnittspolitikerin ja meist nicht: Kameras aufstellen, Zeichen setzen und gut ist. Genau die Einstellung schafft aber mehr Probleme, als dass sie löst.
So ist die vielgelobte Kieler Woche aufgrund ihrer Masse eine der Hauptursachen für Kriminalität in Kiel: Jedes Großereignis lockt auch Kriminelle an, die gerne mal auf solchen Brücken Betrunkene abziehen. Eine kleinere Kieler Woche könnte also (nicht nur in Gaarden) die Kriminalität massiv senken. Aber wenn das Geld in die Kassen spült, interessiert Kriminalitätsbekämpfung auf einmal auch gar nicht mehr.
FAU Kiel verurteilt HaK Räumung und ausufernde Polizeigewalt in Bad Segeberg
FAU Kiel verurteilt HaK Räumung und ausufernde Polizeigewalt in Bad Segeberg:
Unsere Solidarität gegen Vertreibungspolitik und staatliche Repression!
Die FAU Kiel unterstützt die Forderung nach einem neuen Gebäude für selbstverwaltete Subkultur in Bad Segeberg und ruft dazu auf, das Verhalten von Politik und Polizei überregional zu skandalisieren.
Am 1. November 2012 wurde nach jahrelangem politischen und juristischen Streit das selbstverwaltete Jugendkulturzentrum HaK geräumt. SPD-Bürgermeister Schönfeld hatte in der vergangenen Zeit immer wieder Stimmung gegen die dort aktiven Menschen gemacht. Er bediente dabei gezielt Ressentiments und Abneigungen gegen alternative Subkulturen, die die braven BürgerInnen der Stadt zu Ausdrücken wie “Abschaum” und “Gesindel” gegenüber den NutzerInnen des HaK anregten, während sie über gewalttätige Saufgelage entlang von Stadtfesten und Disko-Abenden sowie über NPD-Stände während des Wochenmarktes schweigend hinwegsehen. Diese Stimmung fand nun ihren Ausdruck in Gewaltexzessen der örtlichen Polizei, die passivem Widerstand wie etwa Sitzblockaden mit dem Einsatz von bissigen Polizeihunden, Pfefferspray und Schlagstöcken begegneten und dabei mehrere Menschen verletzten. Mittlerweile ist das HaK dem Erdboden gleich gemacht, die jahrelange Arbeit zur Instandhaltung des Gebäudes bei widrigsten Bedingungen in wenigen Stunden zunichtegemacht.
Zur HaK Homepage
Quelle: Artikel auf der Website der FAU Kiel.Weblinks:
- Segeberger Zeitung zur Räumung am Morgen des 1. November: Polizei räumt Jugendzentrum
- Lübecker Nachrichten zur Eskalation vor dem Rathaus während der Schlüsselübergabe: Das HaK wird abgerissen – Bad Segeberg im Ausnahmezustand
- Hörbeitrag von FSK Hamburg zur Polizeigewalt am ganzen Tag: Korrespondenz zum Räumungsgeschehen und zu den dabei erfolgten Polizeiübergriffen
Freie Radioinitiative S-H geht rechtlich gegen Polizei im Offenen Kanal vor
“Am Mittwoch dem 28.03.2012 hat einer der zugunsten der Polizei von Ausschluss betroffenen Sendenden einen Antrag im vorläufigen Rechtsschutz beim Verwaltungsgericht Schleswig eingereicht. Der OK Anstalt Schleswig Holstein soll vorläufig untersagt werden, zwei Polizisten am Tag des Naziaufmarschs am 31. März zwischen 10.00 Uhr und 18.00 Uhr Sendeplätze zur Verfügung zu stellen.
Rechtsanwalt Steffen Sauter, Hamburg vertritt den Sendenden und begründet den Antrag mit der „offensichtlichen Rechtswidrigkeit“ einer Berichterstattung über einen laufenden Polizeieinsatz durch zwei Polizisten sowie der sich in diesem Zusammenhang ergebenden Verletzung subjektiver Rechte des Antragstellers.
Die Freie Radio Initiative S-H erwartet nunmehr, daß auf gerichtlichem Wege erreicht werden kann, daß am 31. März beim Offenen Kanal Lübeck eine unabhängige Berichterstattung ohne Polizeibeeinflußung stattfinden wird.
Sollte auch dieser letzte Ausweg der Sicherstellung von Staatsferne der Berichterstattung scheitern, wird die seit August angemeldete und redaktionell vorbereitete, umfassende Berichterstattung aus den Zusammenhängen der Freien Radio Initiative nicht stattfinden. Ein solcher Rückzug erscheint für den Fall der Polizei-Eigen-Publizität auf den Wellen der OK S-H unumgänglich, da sonst der Eindruck entstünde, diese wäre durch die unabhängige Berichterstattung ummäntelt und legitimiert. Tatsächlich wäre ein Präzedenzfall der staatlichen Übernahme von Medien geschaffen, wie es im EU Mitgliedsland Ungarn schon die Regel geworden ist.
Freie Radioinitiative Schleswig-Holstein
Lübeck-Kiel, 29. März 2012″
Quelle: FSK-HH
Sprüh-Polizei
In meinem Artikel Debatte um Pfeffersprayeinsatz griff ich den Fall in Uetersen auf. Inzwischen ist auch das Urteil gesprochen.
In dem Verfahren fand der Angeklagte P. “sehr zum Erstaunen der Richterin”, dass Pfefferspray ein “milderes Mittel” als ein körperlicher Zugriff wäre:
Für einen körperlichen Eingriff sah der Polizeibeamte in dem kleinen, möblierten Zimmer keine Möglichkeit: “Ich wollte der Gefahr entgehen, dass wir uns verletzen und dass der Festzunehmende sich verletzt”, rechtfertigte er sich.
Die Richterin kritisierte zudem, dass der Reizgaseinsatz nicht angekündigt wurde. Bzw. dass sie von der Ankündigung erst im Prozess selbst, aber weder im Polizeibericht noch in den Vernehmungsprotokollen der beiden Polizisten vor Ort selbst erfuhr.
Ein anderer Fakt sei jedoch für die Verurteilung ausschlaggebend gewesen, so die Richterin. Nämlich dass keine Notwehr vorlag, “es gab auch keinen bevorstehenden Widerstand”. Der Sprayeinsatz mute ihr wie eine vorbeugende Maßnahme an. Die sei aber nicht zu rechtfertigen. Eine Abwägung der Mittel müsse im Rahmen bleiben, hier sei das Pfefferspray “nicht nur ein bischen unverhältnismäßig” eingesetzt, es habe nicht einmal den Versuch einer körperlichen Festnahme gegeben, so die Richterin. Menschlich sei das nachvollziehbar, merkte sie noch an, doch einem Polizeibeamten dürfe das nicht passieren.
Auch in einigen Internetforen wie der Copzone war der Fall Thema, worauf ich durch meine Statistik gestoßen bin. Denn mein Artikel wurde da auch thematisiert.
Aber der Thread dort als solches offenbar auch so einiges. Zitate:
- “Da wünscht man sich einen kleine ausgebildete Einheit, alle möglichst im Eskrima schwarz graduiert, die dann ohne RSG den Gewalttätern die randale mit 70 cm Rattanstick vermiesen. Und ich bin sicher so mancher Randalebruder würde es sich zweimal überlegen wieder etwas zu machen, wenn er nach der Demo 4 Monate im Krankenhaus verweilt und anschl. 8 Monate in der Reha zubringt.” [1]
- “Also nun wirklich in Österreich gilt der Spray als das geringste Einsatzmittel und ich finde den Einsatz auf Demonstrationen gut, wie sonst soll man größere Gruppen dazu bringen, den behördlichen Anweisungen Folge zu leisten.”[2]
- “wunder mich nicht, wenn sich kollegen wünschen, leute ins krankenhaus und in die reha zu prügeln um ihnen eine lektion zu verpassen.”[3]
- “Ich muss als Demonstarnt nur friedlich demonstrieren, den Weisungen der Stadt und deren Auflagen Ordnung tragen, mich nicht vermummen, keine Steine werfen oder sonst irgendetwas verbotenes tun und ich werde niemals in den Genuß kommen Capsaizin zu schnüffeln” [4] usw.
Zunächst einmal sind die Leute hier nicht in er Lage zwischen dem konkreten Fall und einem allgemeinen Verbot von Pfefferspray zu trennen. In dem konkreten Fall wurde jemand, der keine Gewalt ausübte ohne Vorwarnung mit Pfefferspray eingedeckt.
Das ist ja total üblich bei der Polizei. Bislang weniger bei Streifenpolizisten, mehr auf Demos, aber Pfefferspray kommt laut Junge Welt vom 6.7.2011 immer mehr zum Einsatz.
Hier ein Beispiel auf Heiligendamm 2007:
Die Polizei ist längt vollkommen ausser Kontrolle geraten, auch in Deutschland – auch wenn es hier sanfter zugeht als in Griechenland. Die Situation ist doch letztendlich die, dass die Polizisten oftmals tun, was sie wollen, weil sie davon ausgehen, dass man sie eh nie belangt. Verurteilte Polizisten kann man vermutlich an einer Hand bundesweit abzählen, auch wenn es täglich mehrere verurteilungswürdige Delikte in jeder Stadt gibt.
In Kiel wird an der Hörn offenbar auch hin- und werden gerne mal Leute anlaßlos kontrolliert und die Beamten weisen sich dann immer mit dem Zeigen ihrer geladenen Waffe aus (sprich: Drohung: Wenn Du mir Deinen Ausweis nicht zeigst erschieße ich Dich). Kenne ich inzwischen aus mehrere Berichten. DAS ist Alltag in unseren Städten. Oder die neue Kieler Hundestaffel, die auf am Boden sitzende DemonstrantInnen gehetzt wird und die Hunde mal aus Spaß zubeissen lässt. Polizeigewalt ist viel verbreiteter als die Gewalt der Bevölkerung. Polizeigewalt ist konstituierend für die Polizei selbst. Sie definiert sich darüber, wie man auch an vielen Forenbeiträgen von Polizisten sehen kann. Und diese Gewalt provoziert auch oftmals Gegengewalt. Wenn man sich auf Demos, wo es gewalttätig zur Sache geht anschaut, was passiert: Wer ist besser bewaffnet und ausgerüstet – und wer steckt am Ende mehr ein, so sind es eigentlich IMMER die DemonstrantInnen. Öffentlich könnte man aber oft den Eindruck bekommen, die Polizei wäre schlecht ausgerüstet und würde schwer bewaffneten Demoteilnehmern gegenüberstehen.
Hier ging es aber erst mal nur darum, dass Pfefferspray bei der Polizei zu häufig und immer häufiger eingesetzt wird. Und dass nun auch rechtsfest entschieden wurde, dass der Einsatz in Eutin unverhältnismäßig war.
Phoenix Reportage – Polizeistress auf Türkisch
Gerade gefunden:
Zitat:
“Betrunkene, Randalierer, Ruhestörung und Schlägereien gehören für Yücil Sahan zum Dienstalltag. Besonders, wenn er am Wochenende auf den Straßen von Kiel für Ruhe sorgen soll. Der 26-Jährige ist einer der wenigen deutschen Polizisten türkischer Herkunft. Häufig hilft ihm das, wenn er mit einem ganz anderen Selbstverständnis gegenüber Ausländern auftritt als seine deutschen Kollegen. Sein Wissen hilft auch bei Ermittlungen, wenn türkische Gepflogenheiten und die Sprache bei der Polizeiarbeit zu berücksichtigen sind. Als deutsch-türkischer Ordnungshüter erlebt Yücil Sahan die Herausforderungen seines Berufes aus einer besonderen Perspektive. Für die die Reportage “Polizeistress auf Türkisch” begleitete das Filmteam ihn über mehrere Tage im Einsatz in Kiel, auf Streife, im Revier, im Alltag.”
Prozess gegen Kieler Antifaschisten
Am Dienstag den 31.8.2010 findet ein Prozess gegen einen Kieler Antifaschisten statt. Ihm wird vorgeworfen, sich im Rahmen der spontanen Proteste gegen einen kurzfristig angemeldeten Naziaufmarsch am 7.4.2009 in Kiel gegen seine Gewahrsamnahme gewehrt zu haben und dabei einem gepanzerten Polizisten blaue Flecken zugefügt zu haben. Die Anklageschrift wurde im Laufe der Zeit zweimal geändert und wieder einmal muss sich ein Mensch für seinen Protest gegen öffentlich auftretende Neonazis rechtfertigen.
Am Abend des 7.4.2009 führten etwa 25 Neonazis der “Aktionsgruppe Kiel” und der NPD zwischen 19 und 20.30 Uhr einen kurzfristig angemeldeten Aufmarsch in der Kieler Innenstadt durch. An den spontanen Gegenaktionen beteiligen sich über 100 AntifaschistInnen. Die Polizei schirmte den gesamten Aufmarsch ab und ging mit äußerster Brutalität gegen protestierende AntifaschistInnen vor. TeilnehmerInnen einer Sitzblockade an der Bushaltestelle Hauptbahnhof wurden verprügelt, ein Journalist wurde mit Schlägen an seiner Arbeit gehindert und immer wieder fielen vor allem PolizistInnen der Eutiner BFE-Einheiten durch Gewaltandrohungen und -anwendungen gegen AntifaschistInnen auf. Nachdem die Nazis ihren kurzen Aufmarsch beendet hatten, durften diese den Ort des Geschehens durch den Hauptbahnhof verlassen und ohne Polizeibegleitung Richtung Arbeitsamt abziehen, während AntifaschistInnen von der Polizei am Hauptbahnhof festgehalten wurden.
Weitere Details unter “Spontaner Naziaufmarsch in Kiel behindert“.
Mein Eindruck von Demo gegen rechte Gewalt am 13.3.
Jeder und jede, der/die gegen rechte Gewalt ist und davon gehört hatte, war am 13.3. aufgerufen seine Solidarität den Opfern rechter Gewalt gegenüber zu zeigen. Die Demo startete unter dem Motto “You’ll never walk alone” um 14 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz. Zunächst eine Kritik zu den Vorbereitungen: Es ist ja mode geworden wirklich alles und jedes auf englisch auszudrücken. Geht man mal davon aus, dass englisch aber für die ältere Generation nicht so geläufig ist, dann ist klar, dass die Botschaft eine begrenzte Reichweite hat. Ich hätte mir daher ein besser verständliches Motto gewünscht.
Nachdem wir uns eine halbe Stunde die Beine in den Bauch gestanden hatten gab es die ersten Reden. Dabei viele Statements von Unterstützerorganisationen aber wenig konkretes zur aktuellen Situation hier und auch auf den Zwischenkundgebungen. Man muss ja mal davon ausgehen, dass viele Kielerinnen immer noch nicht einmal wissen, wo die Alte Meierei ist und was sie ist. Ganz abgesehen von der Vielzahl an Anschlägen auf sie, aus Zapata, die Arbeitsloseninitiaitve/Lieber Anders, dem Kindergarten in der Hansastraße 48 oder dem Wohnprojekt am Timmerberg.
Es wäre schön gewesen, wenn bei jeder Zwischenkundgebung kurz und knaapp bereichtet worden wäre, was in den letzten Wochen passiert ist und dass dies schon seit Jahren so ist.
Mir fiel dazu übrigens auf wie schnell man bundesweit auf die Schüsse auf das Haus des Kieler Hells Angels Chefs berichtet wurde. Auch in der Kieler Nachrichten. Während alle Angriffe auf die Alte Meierei in den letzten Jahren pressemäßig ignoriert wurden – und man sagt, dass Bürger in Flensburg besser bescheid wissen über das, was in Kiel passiert, als die Kieler. Was steckt dahinter ? Kollaboration der KN mit Nazis? Damit die NPD keine Negativ-Schlagzeilen bekommt? Oder einfach dem Wunsch von Polizei und Justiz das ganze unter den Teppich zu kehren gefolgt? Egal wie, so kann es nicht bleiben. Aber zurück zur Demo.
Teilnehmerzahl? Ich hätte 800-1000 geschätzt mit Stand vor dem Buchladen Zapata (danach war ich nicht mehr dabei). Überhaupt Zapata. Es darf gespendet werden, damit die guten Leute sich ein Schutz-Jalousien oder Schutz-Glas kaufen können. Damit nicht alle paar Monate die Scheiben wieder eingeworfen werden können. Ein hunderprozentiger Schutz ist das dann natürlich auch nicht. Im übrigen wurde das Verfahren gegen die Täter ja schon eingestellt, weil angeblich ja keiner ermittelt werden kann. Schon seltsam. Ist es nicht so, dass der Verdächtigenkreis eher gering ist (Aktionsgruppe Kiel?). Oder hat die Polizei nur mal kurz die Handydaten überprüft und festgestellt, dass alle Handy zuhause waren? Kann ich mir ja gut vorstellen, dass da so ermittelt wird, weil man ja immer umgekehrt behauptet durch Handydaten zuverlässig Täter ermitteln zu können.
Fazit: Eine beeindruckende Vielzahl an Menschen und Einzelpersonen haben sich an der solidarischen Demo beteiligt. Auffällig fand ich die Abwesenheit der Piraten, die ja ansonsten meinen die T-Stube in Rendsburg gegen Nazis agitieren zu müssen. Hier muss man wieder einmal konstatieren, dass deren angebliche Aktivitäten gegen rechts nur Makulatur sind. Denn wenn Kieler gegen Rechtsradikalismus demonstrieren wollten, dann gestern! Dies gilt natürlich auch für alle anderen Organisationen und Privatpersonen – auch die zwei im Bus, die sich unterhielten mit im Bezug auf die Demo und Originaltext “Sowas hätte es früher nicht gegegen” “Früher war alles besser” “Keinen Respekt mehr”. Nein, früher waren Demos verboten. Dahin wollen wir ja wohl nicht zurück und deswegen gehen wir dafür auch gerne auf die Straße!
Schüsse auf Alte Meierei
Sehr bedenkliche Entwicklung.
Update 21.01.:
- Polizeidirektion Kiel kündigt Ermittlungen an.
- Artikel auf KN-Online (wow, das die da drüber berichten!?)
- Artikel auf Indymedia
Update 15:20 Uhr Pressmitteilung der Alten Meierei:
Presseerklärung zu den Schüssen auf die Alte Meierei, 21.01.2010
- Schüsse auf das Wohnprojekt des linken Zentrums Alte Meierei in Kiel
- Angriff mutmaßliche Tat von Neonazis
- Bewusste Inkaufnahme tödlicher Verletzungen
- Antifaschistische Arbeit und Solidarität bleibt notwendig
In der Nacht zum 20. Januar 2010 wurden mit einer Schusswaffe mindestens
zwei Schüsse auf den Wohnbereich der Alten Meierei abgegeben. Dabei
durchschlugen die Projektile ein Fenster und trafen die Decke des
beleuchteten Zimmers. Eine Person, die sich zeitgleich in dem Raum
aufhielt, blieb unverletzt.
Die Alte Meierei in Kiel ist als linkes Wohn- und Kulturprojekt ein
zentraler und bekannter Ort für antifaschistische und emanzipatorische
Politik in der Landeshauptstadt. Bereits in den vergangenen zwei Jahren
kam es in Kiel neben der Zunahme propagandistischer Neonazi-Aktivitäten
immer wieder zu Angriffen auf tatsächliche und vermeintliche linke,
alternative und migrantische Läden, Projekte und Personen, die
nachweislich von Kieler Neonazis begangen wurden. Im Unterschied zu den
vergangenen Taten wurden im jüngsten Fall jedoch keine Steine in
Fensterscheiben geworfen oder Personen zusammengeschlagen, sondern mit
scharfer Munition auf das Fenster eines bewohnten Hauses geschossen.
Auch wenn die konkreten Täter_innen bisher unbekannt geblieben sind, ist
angesichts der früheren Vorfälle und dem Symbolwert der Alten Meierei
davon auszugehen, dass diese im Umfeld der neonazistischen Szene zu suchen
sind. Dass mit den Schüssen auf die Alte Meierei bewusst in Kauf genommen
wurde, Menschen tödlich zu verletzen, stellt eine neue Qualität von
Angriffen auf linke Projekte in Kiel dar. Hierfür gilt es in der Stadt ein
Bewusstsein zu entwickeln und einen angemessenen Umgang zu finden.
Sollten sich die Vermutungen bezüglich der Täterschaft verfestigen, ist
der jüngste Angriff auf die Alte Meierei ein weiteres Beispiel dafür, dass
antifaschistische Arbeit und Solidarität mit den Betroffenen eine
Notwendigkeit bleibt, denn gemeint sind alle Menschen, die nicht in das
menschenfeindliche Weltbild der Neonazis passen.
Rückfragen bitte an:
0431-681088
kontakt AT altemeierei.de
Antifaschistische Unterstützer_innen der Alten Meierei
Unsere Solidarität gegen Vertreibungspolitik und staatliche Repression!




