KielKontrovers

Ein Projekt vom 1Todo Institute

Warum passieren #Unfälle und sind sie vermeidbar? #AutoKorrektur

leave a comment »

Photo by Pixabay on Pexels.com

In letzter Zeit begegne ich auf Twitter immer wieder der Überzeugung, das es bei Unfällen wichtig sei einen Täter oder Täterin zu benennen. Das ist eine eher philosophische Frage, zu der der Platz auf Twitter nicht so recht ausreicht, um es zu würdigen.

Soweit ich die Position verstehe, geht des da oft um Kritik an Polizeimeldungen oder Presseartikeln, die zum Beispiel schreiben, dass ein LKW beim Abbiegen eine Radfahrer:in übersehen hat. Das wird als unpersönlich kritisiert. Es solle darum gehen klar zu sagen, dass ein Mensch, ein LKW-Fahrer zB schuld hat. Im Gegenzug wird kritisiert, dass bei Fußgänger:innen und Radfahrer:innen oft deren persönliche Schuld benannt wird und nicht etwa „das Fahrrad“ oder „der Schuh“ …

Was die Ungleichbehandlung angeht kann ich das vom Prinzip her nachvollziehen. Allerdings führt es auf einen aus meiner Sicht vollkommen falschen Pfad, nämlich zu diesen Annahmen:

  1. Ursächlich war ein persönliches Versagen eines Fahrers
  2. Hätte der Fahrer anders gehandelt, wäre der Unfall nicht passiert
  3. Wäre jemand anderes gefahren, wäre der Unfall nicht passiert
  4. Wenn wir alle keine Fehler machen würden, gäbe es KEINE Unfälle mehr
  5. Es sei realistisch, dass alle Unfälle abgeschafft werden, einfach dadurch, dass nur noch Menschen fahren, die keine Fehler machen.
  6. Der LKW oder das Auto sind nicht entscheidend für den Unfall, die Verletzung oder den Tod
  7. Der Fahrer hätte auch als Fußgänger jemanden getötet?

An dieser Kette ist so vieles falsch! Es ist ein wenig vergleichbar mit dem Waffenbesitz – in den USA wird auch argumentiert: „Nicht Waffen töten, sondern Menschen töten!“ Und daraus folgt dann die NRA-Maxime, dass nur der Good Guy with a Gun einen Mord eines Bad Guy verhindern kann. Solche Einstellungen führen zu allen möglichen Fehlschlüssen.

Unter anderem nutzen auch Tempolimit-Gegner:innen diese Logik, in dem sie sagen: Nicht das Tempo ist das Problem, sondern die Fahrer:innen, die es nicht im Griff haben!

Aber so tickt unsere Welt nicht. Da wo es Lebenwesen gibt, passieren „Unfälle“ – also sogar bei Tieren. Der Dinosaurier rannte eine Ebene längs und stürzt in einen Abgrund – und starb. Jetzt können wir sagen: Der Dinosaurier ist selber schuld! Ein intelligenterer Dino hätte den Abgrund sehen können! Evolution ist eine Abfolge von Erfolgen und Fehlschlägen!

Der Faktor Mensch ist aber derjenige, den wir fast gar nicht beeinflussen können. ja wir können strengere Führerscheinprüfungen machen, wir könnten Autos bauen, die nur starten, wenn man vorher eine Promilleprüfung machen würde, aber bei all den Maßnahmen werden wir höchstens die Häufigkeit an Fehlern reduzieren können, sie aber nicht verhindern. Und selbst wenn wir das zu Ende denken: Wo liegt denn der Fehler? Im Fahrer selbst? Im Führerscheinprüfer? Im Fahrschullehrer? Im Polizist, der das Auto nicht herausgewunken hat? Beim Chef, der den Fahrer nervös gemacht hat? Der audringliche Fahrer hinter ihm? Da Unfälle nur ein Punkt in einer Abfolge von Geschehnissen sind, lässt sich auch aufgrund des Faktors Zufall nie vorher sagen, wann ein Unfall passieren, oder welche Folgen er haben wird. Wenn es um die konkrete Frage geht: Wie hätte man den Unfall verhindern können, kann man der Einfachheit halber natürlich alles am Fahrer fest machen.

Aber das ist so, als wenn man einer Radfahrer:in die Schwere ihrer Verletzungen nach dem Unfall alleine dem Fehlen eines Helmes und damit ihr selbst zuschreibt! War es nicht das Fehlen eines adäquaten Radweges? War es nicht Tempo 50 auf der Strecke? War es nicht die verfehlte Verkehrspolitik?

Wenn wir politisch denken und argumentieren, macht es nur Sinn das zu kritisieren, was auch änderbar ist. Wenn ich bei einem Unfall einen Fahrer kritisiere, dann hätte ich nur dann den Unfall verhindern können, wenn ich in der Lage bin den Fahrer vorher ausfindig zu machen, der einen Unfall begehen wird. Was die Fähigkeit voraussetzt Unfälle vorher sehen zu können. Nur dann macht es Sinn den Fahrer zu kritisieren. Das wohlgemerkt primär für den Fall, das der Fahrer nicht bewusst Regeln übertreten hat, wie zB Tempo 80 fahren in der Stadt oder nicht auf die Vorfahrt zu achten.

Aber die Fehlerhaftigkeit des Faktors Fahrer suggeriert eben die Möglichkeit einer Welt ohne Unfälle einfach dadurch, dass wir auf den Straßen nur noch perfekte Fahrer hätten. Und es suggeriert, dass weder die Verkehrspolitik, noch die Infrastruktur, noch fehlende Tempolimits einen großen Einfluß auf das Unfallgeschehen hätten. Und auch irgend wie, dass wir daran gar nicht so viel ändern können.

Ich sehe es aber genau anders herum: Kritik und Maßnahmen sind vor allem dort angebracht, wo es um vermeidbare Faktoren geht. Das heißt: Mehr Tempolimits, sicherere Straßen für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen, eine grundsätzlich andere Verkehrspolitik, das Zurückdrängen von Autos würde massiv Leben retten und unsere Gesundheit schützen!

Ja, formal sind solche Pressemeldungen nicht gerecht und geben ein verzerrtes Bild wieder. Aber wenn wir in unserer Kritik von den Faktoren ablenken, die Auslöser waren und wir zudem beeinflussen können und stattdessen zufrieden damit sind immer nur EINEN Schuldigen zu finden, dann suchen wir damit doch nur ein Bauernopfer: Es ist nicht der 400 PS SUV, der Menschen verletzt hat, Schuld hat der Autofahrer in dem Moment – wäre doch nur jemand anderes gefahren. wäre nichts passiert. Und damit sagen wir quasi: Es ist NICHTS passiert, es gibts nichts zu sehen, fahren sie weiter. Wir sagen damit auch: DAS AUTO IST NICHT DAS PROBLEM! Wir wollen doch nur, das ALLE AUTOFAHRER keinen einzigen FEHLER mehr machen und schon haben wir unser Ziel erreicht.

Es gibt ähnlich strukturierte Problemstellungen, wo ein ähnliches Denken zu ähnlichen Resultaten führt:

  • „Schleichwege“ durch Rasen. Kritik ist: Die Leute sollen ordentliche Wege nehmen und nicht abkürzen, der Fußgänger macht den Fehler! Oder wir sagen: Die Stadtplaner:in oder die Architekt:in hat einen Fehler gemacht, weil sie den Fußgänger:innen zu lange Wege zumutet – es sollte korrigiert werden!
  • Oder in einer Rehaklinik habe ich damals als Zivildienstleistender folgendes Phänomen erlebt: Die Patient:innen haben für ihre Anwendungen Termine ausgedruckt bekommen und darunter stand irgend wo: „Bitte erscheinen sie 10 Minuten vor dem Termin!“ Das tat natürlich fast niemand und daher herrschte immer Stress bei den physikalischen Therapien! Ich machte dann den Vorschlag einfach als Uhrzeit die anzugeben, wann die Leute da sein sollten. Das wurde mit der Begründung abgelehnt: „Aber wenn alle rechtszeitig kommen würden, hätten wir das Problem nicht!“

Ja klar, Captain Obvious, so wäre das. In einer perfekten Welt wäre alles perfekt. Aber ich komme auch nicht mit einem Fingerschnippen in den Urlaub. Krasses Beispiel aber: Es gibt Bedingungen der Realität und dazu gehören nicht nur Regeln und Gesetze, sondern auch Fehlverhalten und Dummheiten. Davon auszugehen das alle Menschen Straßen exakt so benutzen, wie sie gedacht sind ist dumm.

An der Kreuzung an der ich wohne hat die Stadt Kiel neulich Pflasterzwischenräume verfüllt. Allerdings immer nur dort, wo es eine Verbindung gibt zwischen zwei gegenüberliegenden Seiten. Damit trifft man die Annahme, das wirklich niemand diagonal eine Kreuzung überquert oder zumindest vom vorgesehenen Pfad abweicht. Dabei ist gerade der Vorteil des Zufußgehens, das man in jeder Sekunde seine Richtung ändern kann, keine Parkplatzsuche und kein Fahrradabstellen!

Die Stadt denkt aber ganz nach dem Schema der Straßenverkehrsordnung: Wie hat man eine Kreuzung oder Straße zu überqueren? Hier könnte man auch sagen: Ein kleines Kind, das unachtsam an einer unübersichtlichen Stelle die Straße überquert ist Schuld, denn es hat einen Fehler gemacht. Ja, verdammt, Kinder mache Fehler. Kind und Fehler sind Synonyme! 🙂 Ich möchte Straßen, an denen wir alle Fehler machen können, ohne das immer sofort einer stirbt, insbesondere keine kleinen Kinder! Und daher trete ich ein für geringere Geschwindigkeiten und drastisch weniger Autos und viel bessere Radwege und weniger Konfliktpotential zwischen den Modi. Ich denke das beste Ziel ist die kindergerechte Straße, die ist dann auch immer barrierefrei, altengerecht und vieles mehr! Unfälle wir es dann, leider leider, immer noch geben. Aber hoffentlich sehr sehr viel weniger als heute!

Written by tlow

3. August 2020 at 18:58

#Panoramagate oder auch: Ist schon wieder #Sommerloch?

with 12 comments

Das Logo von Rainer Meyer alias „Don Alphonso“

Ich sehe also den Hashtag #Panoramagate trenden und klicke drauf, normalerweise deckt Panorama ja eher „Gates“ auf und wird daher von vielen Betroffenen nicht so geliebt und finde:

Und dann diesen Artikel und plötzlich gehts auch im Kiel und die Antifa Kiel. na sowas, mitten durch meinen Vorgarten (Kiel) ist er gestapft, der Mann, der zu konservativ für die FAZ war (muss man erst mal schaffen!).

Der Artikel ist recht wirr und durchmischt verschiedene Fakten, aber ich glaube es wird deutlich: Don Alphonso ist eher kein Linksradikaler? Der wesentliche Absatz in dem Artikel ist dieser :

Die ARD hat lange, bevor sie Bohnert fragte, eine bei linksextremen Gruppierungen auftretende und agierende Aktivistin als Expertin angefragt, um ein Urteil zu fällen – ein Urteil, das auf die ARD zurückfällt, weil sie sich selbst mit dieser Aktivistin und deren Umfeld vernetzt hat.

Und schon am Anfang:

Das Outing des Opfers im Netz, und eine angebliche „Expertin“, die mehrfach bei vom Verfassungsschutz überwachten, linksextremen Gruppen auftrat: Bei der Sendung „Panorama“ haben offensichtlich die Sicherungen versagt.

Das steht im Kontext zu den Enthüllungen der Sendung Panorama über einen Bundeswehr-Major, der Kontakte zu Identitäteren Bewegung und Rechtsradikalen pflegte.

Betrachten wir den Artikel in der Welt von Herrn Meyer mal mit Fragen aus seiner Perspektive:

Wer ist bei dieser Geschichte DAS OPFER?

Das Opfer ist laut Welt, der Major, dessen Name öffentlich wurde.

Wer ist bei dieser Geschichte DIE TÄTERIN?

Als Täterin bezeichnet die Welt Natascha Strobl. Meyer bezeichnet sie durchgehend als „Aktivistin“. Aus dem Wikipedia-Artikel zu ihr, lässt sich das aber nicht herauslesen. In seinem Artikel geht der Autor auf die allgemeine Sichtweise von Frau Strobl so ein:

„Erstaunlicherweise gibt es in Deutschland Kreise, die Frau Strobl als Politikwissenschaftlerin und Rechtsextremismusexpertin bezeichnen, aber hier erscheint sie ganz klar bei einer autonomen, verfassungsfeindlichen und leicht erkennbar gewaltbefürwortenden Gruppierung, die zudem klar erkennbaren Hass gegen Polizei und Militär ins Netz trägt.“

Also ist die Frau keine Wissenschaftlerin? Man findet hier ihre Diplomarbeit Sozialwissenschaft. Außerdem ist sie Buchautorin und schreibt Artikel für deutschsprachige Zeitungen. Man kann also sagen, das man sie u.a. objektiv als Politikwissenschaftlerin bezeichnen muss, auch wenn Herr Meyer inhaltlich nicht mit ihr übereinstimmt. Was hat sie ihm denn getan?

  1. Sie hielt Vorträge auch an Orten und vor Organisationen, die Herr Meyer aus Prinzip ablehnt, zB weil sie in irgend einem Verfassungsschutzbericht auftauchen
  2. Sie sagte dem NDR wörtlich „Gerade der Leiter der Social-Media-Abteilung der Bundeswehr darf natürlich überhaupt keinen Kontakt haben zu den Identitären. Das ist absolut ein Skandal für die Bundeswehr.“
  3. dabei ging es ja im Falle Bohnert (laut Meyer) lediglich darum, dass „dieser drei Likes zu Thesen bei einem seiner flüchtigen Bekannten hinterließ“.
  4. Nur die Thesen von Frau Strobl lassen Bohnert in „einem schlchten Licht dastehen“, ansonsten ist seine Weste also sauber?
  5. Er wirft Frau Strobl vor, dass eine NDR-Mitarbeiterin auf Twitter ihr gegenüber vor einer Stellungnahme Bohnerts erwähnt, dass Panorama sie gerne sprechen würde. Seine Theorie: Der NDR hat

Interessante Erkenntnis meinerseits: Bohnert war der Major, der einen Angriff nach psychologischer Kriegsführung auf die Re:Publica 18-Konferenz fuhr – also einem Einsatz der Bundeswehr gegen Kritiker:innen der Bundeswehr im Inneren. Verfassungsrechtlich im roten Bereich! Leider unterblieb damals der Aufschrei und eine entsprechende Reaktion der Medien, die ja alle mit gemeint waren!

Es geht dann im weiteren Artikel noch mehr um: Wer hat wann was geschrieben und wie sehr hat sich der NDR bemüht den Namen des Mannes geheim zu halten? Ich muss sagen: Vielleicht hat man das nicht ausreichend getan, aber wenn man jemanden in so klarer Position bestimmte Dinge vorwirft, dann kann man eigentlich nur NIE berichten, wenn das nicht herauskommen soll. Genau so wie wenn jemand über eine Bundeskanzlerin eines deutschen Landes berichtet „(Angela M.)“, die dann und dann da und da war. Wir wissen dann auch alle, wer gemeint war. Diese ganzen Zeitfragen sind also nicht wesentlich.

Zu einem „Was war wann?“ gehört aber auch, was sonst noch heute über Marcel Bohnert bekannt ist. Und da dürfen wir davon ausgehen, dass Herrn Meyer die Erkenntnisse aus der Tagesschau vom 24,07, heute schon bekannt waren:

  • 2015 einen Vortrag vor der rechten Burschenschaft „Cimbria München“
  • Er sagte, dass eine Armee die kämpfen kann, könne nicht „in der Mitte stehen“ (meint: muss sich am rechten Rand befinden)
  • Vortrag in der christliche-konservativen Denkfabrik „Studienzentrum Weikersheim

Also: Zu den Vorwürfen, die Herr Bohnert gegenüber der Welt ja sogar zugibt findet man in diesem Artikel gar nichts außer Verharmlosungen und dem Weglassen neuester Erkenntnisse. Stattdessen wird Herr Bohnert zu einem Opfer stilisiert. Stattdessen wirft er befragten Expertinnen genau diese Schuldigkeit durch Kontext zu, die er bei Herrn Bohnert aus Prinzip verneint. Strobl hat allerdings sowieso lediglich eine Einschätzung von vielen geliefert, insbesondere zu Weikersheim.

Was bleibt unter dem Strich? Es gibt kein Panoramagate. Herr Meyer versäumt es total auf die von Panorama erhobenen Vorwürfe einzugehen. Die rechte Gesinnung des Majors scheint aufgrund zahlreicher Indizien klar zu sein. Und sowohl das Ministerium als auch der Major selbst haben daraus Konsequenzen gezogen bzw. Fehler eingestanden. Eigentlich gibt es nur Herrn Meyer der meint, das alles was geschehen war ok war und der lieber auf Kritiker:innen mit dem Finger zeigt. Warum?

Es geht Meyer darum rechtsradikales Gedankengut zu verharmlosen und sobald da etwas nachweisbar ist zu versuchen jemanden im Fadenkreuz der Kritik als armes Opfer darzustellen. Das ist so, weil Herr Meyer selber ein Rechtsradikaler ist, der mit Demokratie nicht viel anfangen kann. Erbringt dabei unzählige Fakten ins Spiel, die weder was mit dem beschuldigten noch mit Panorama und den Vorwürfen zu tun haben. Alle Vorwürfe sind wahr, belegt und bestätigt. Das „Gate“ besteht also nur im Kopf von Don Alfredo!

Written by tlow

29. Juli 2020 at 15:58

PM Kreuzfahrtbündnis protestiert gegen #Kreuzfahrtschiffe in Kiel

leave a comment »

Pressemitteilung von der Initiative gegen Kreuzfahrtschiffe in Kiel

Trotz immer noch aktueller Corona-Gefahr soll die Kreuzfahrtsaison in Kiel wieder beginnen. Ende Juli sollen die ersten Schiffe in unseren Hafen einlaufen. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen, denn an der Luftverschmutzung in Kiel und der sich immer weiter zuspitzenden Klimakrise hat sich genauso wenig geändert wie an den miserablen Arbeitsbedingungen für das Personal an Bord. Hinzugekommen sind die Gefahren einer Ansteckung mit Covid19 und damit verbundene Quarantäne-Maßnahmen.

Im vergangenen Jahr wurde das Thema Kreuzfahrten und ihre Schattenseiten überregional zeitweise in den Mittelpunkt des Diskurses gebracht. An Pfingsten blockierten AktivistInnen der Gruppe „smash cruiseshit“ das Kreuzfahrtschiff „Zuiderdam“, wenig später demonstrierten mehrere hundert Menschen in Kiel gegen die stinkenden Blechpötte. Nicht nur in Kiel, sondern weltweit verschärften sich die Proteste gegen die Kreuzfahrtindustrie. Es gab kreative Proteste in Seattle. In Venedig demonstrierten am Pfingstwochenende mehrere Tausend Menschen und wenig später blockierten Aktivist*innen sowohl in Venedig als auch in Helsinki auslaufende Kreuzfahrtschiffe und sorgten für Verzögerungen im Betriebsablauf. Der Diskurs wurde deutlich kritischer, Titelseiten wurden gefüllt, in Talkshows wurde über Kreuzfahrten und ihre ökologischen Auswirkungen gesprochen – geändert hat sich aber seitdem nichts.

In der Corona-Krise wird die Kreuzfahrtindustrie mit Milliarden-Krediten unterstützt, beispielsweise die Werften, damit sie weiter Schiffe bauen, die nun niemand mehr haben will. Damit werden unnötige Kosten eines weiteren unverantwortlich handelnden Wirtschaftszweigs auf die Gesellschaft abgewälzt. Das Geld wäre besser aufgehoben, würden die Angestellten der Werften dafür bezahlt, nichts zu tun.

Dabei bleiben die Zustände in der Branche katastrophal:Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen kommen, wenn überhaupt, nur langsam und völlig unzureichend. Schiffe sollen immer größer gebaut werden – all das während die EU und auch Kiel den Klimanotstand/Climate Emergency ausrufen. Darunter leiden Umwelt, Klima, Ökosysteme, die lokale Bevölkerung und das Bordpersonal. Wir wollen deshalb auf der Kundgebung auch vermehrt die Perspektive der Betroffenen hören, seid gespannt!

Es liegt also an uns, die Stinker aus unserem Hafen rauszubekommen. Damit wollen wir am 26.7. weitermachen, wenn eines der ersten Kreuzfahrtschiffe in diesem Jahr Kiel ansteuert und am Ostseekai anlegt.Im Anschluss an die Kundgebung werden noch tolle Künstler“*innen (tba) ein bisschen Techno & Co für uns auflegen. Kommt vorbei, tanzt mit uns und lasst uns Klarmachen, dass wir einen kreuzfahrtschifffreien Hafen nicht missen wollen!

Das Bündnis umfasst:
    - Fridays for Future Kiel
    - Extinction Rebellion Kiel
    - Turbo Klima Kampf Gruppe Kiel
    - Initiative gegen Kreuzfahrtschiffe
    - Students for Future Kiel
    - Die PARTEI Kiel
    - Bürger*inneninitiative Klimanotstand
    - Ende Gelände Kiel
    - Hochschulgruppe für Klimagerechtigkeit
https://kreuzfahrt.nirgendwo.info

Written by tlow

26. Juli 2020 at 09:57

OVG-Begründung: Luftfilter funktionieren nicht! #THring #NOx #KielAutofrei

leave a comment »

Nun liegt die offizielle Begründung des Oberverwaltungsgerichts Schleswig vor. Leider nicht mir bisher. Ich bemühe mich aber um Einsicht.

Wie von mir von Anfang an vermutet, hat die Stadt eben nicht die offiziellen Messwerte der landeseigenen Messtationen zur Beurteilung der Wirksamkeit genutzt, sondern hat „unmittelbar hinter dem jeweiligen Absaugcontainer“ (KN vom 23. Juli, Seite 26). Dort wurden dann 70% Reduktion gemessen, an anderen Stellen aber 0%. Entscheidend ist aber einzig und allein der offizielle Messwert, nicht irgend welche Messungen an Standorten oder mit Geräten, die nicht dafür vorgesehen sind. Letztere taugen vielleicht für eine Firma als Testwerkzeug, oder auch für mobile Messungen überall dort, wo es keine Messanlagen gibt.

Aber hier geht es ja darum, ob die Grenzwerte eingehalten werden. Und da sind diese Messungen so nicht besser als die sog. Passivsammler, die auch Umweltverbände einsetzen.

Das Gericht kommt zu der Einsicht, dass die Containerlösung grundsätzlich ungeeignet ist. In einem Kommentar kommt der Regionalchef der Kieler Nachricht Michael Kluth auch zu einer Erkenntnis: „Was wäre denn so schlimm an einem eng begrenzten Diesel-Fahrverbot?“

Die Stadt Kiel hat sich in ihrer Totalopposition schon seit langem verrannt: Man hat im Grunde die Zeit seit 2010 nicht genutzt, wirksame Maßnahmen gegen Stickoxide (und auch Feinstaub) einzuleiten. Erst als die Klage kam, hat man sich widerwillig damit beschäftigt. Man könnte die durchgeführten Maßnahmen mit „Too little, too late“ zusammenfassen. Dabei böte eine Wende in der Verkehrspolitik darüber hinaus noch mehr Vorteile, wie verbesserte Sicherheit, Schonung des Klimas, weniger Lärm, neue Freiräume,…

Unter dem Strich aber verteidigt man nur eine kleine Klientel von Dieselfahrer:innen um jeden Preis, während der Rest darunter leiden muss. Haben die Diesel an allem Schuld? Sicher nicht! Zum einen haben viele Autofahrer:innen im Bewußtsein eines umweltbewußten Kaufs zugegriffen, zum anderen gibt es viele Faktoren. Daher ist die jetzige Fixierung auf den Theodor-Heuss-Ring langfristig auch nicht ausreichend und zielführend. Wichtig wäre aber, dass Kiel endlich bereit wäre nicht immer nur Fußgänger:innen, Rollstuhlfahrer:innen und Radfahrer:innen zu benachteiligen. Also auch mal nach dem Verursacherprinzip zu agieren. Das dürfte viel effektiver sein, als das Sperren von Fußwegen!

Written by tlow

23. Juli 2020 at 10:25

Das Kieler #eRoller Desaster #RVkiel #eScooter #barrierefreiheit

leave a comment »

Das Kieler eRoller Desaster

Wo man auch hinschaut stehen die Dinger herum. Die Stadt hatte viele Monate Zeit, sich Regeln zu überlegen. Stattdessen wiederholt man die Fehler, die andere Großstädte gemacht haben, wie Berlin oder Hamburg.

Funktionieren kann so ein System m.E. nur stationsbasiert. Und die Gehwege dürfen nicht belastet werden. Dort herrschen sowieso bereits beengte Zustände durch parkende Autos. Dies ist ein Frontalangriff auf barrierefreie Wege, ohne das dadurch die Mobilität erhöht wird.

Warum hat die Stadt so ein Chaos erzeugt? Seit wenigen Wochen stehen die Fahrzeuge der Firma Tier Mobility GmbH in Kiel herum. Es kann ja nicht darum gehen, etwas auszuprobieren. Es wird zu Unfällen kommen. Das war alles vorher absehbar! Es ist vollkommen unverständndlich, wie Verwaltung und Politik so auf ganzer Linie versagen konnten! Wer übernimmt die Verantwortung? Warum geht immer alles zu Lasten der Fußgänger:innen und Radfahrer:innen?

%d Bloggern gefällt das: