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Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Fehler bei der Ausschreibung der Lessinghalle?

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Das Freibad Katzheide

Das Freibad Katzheide

Wie bekannt wurde, orientiert man sich in Kiel inzwischen hin zu einem Zentralbad. Lessinhalle, Gaardener Schwimmhalle und Katzheide sollen geschlossen werden. Einige Punkte sind dabei auffällig

  1. Der Sport- und Begegnungspark in Gaarden sah das Freizeitbad Katzheide von Anfang an als zentrales Element vor. Die gesamte Planung und auch die Bürgerbeteiligung fand unter der Annahme statt, dass das Bad erhalten wird. Sprich was jetzt kommt hat nichts mehr mit dem Plan zutun, der besprochen wurde. Katzheide ist derzeit integriert in Gaarden. Es ist selbst für die Bewegungsfaulen in kurzer Frist erreichbar und fordert auch so Gesundheit und Bewegung. Ob die Kinder, die jetzt nach Katzheide gehen dann auch bis an die Hörn laufen ist fraglich, da wie man auch im Ortsbeirat Gaarden lernen konnte, viele Leute ihren Ortsteil oft kaum verlassen. Zudem wurde noch  im September 2008 von der Ratsversammlung einstimming beschlossen: „Entsprechend der Intention des Ratsbeschlusses vom 18.5.2006 (Beschlussvorlage 0310/2006, Ziffer 6) ist dafür Sorge zu tragen, dass auf dem Ostufer eine Schwimmbadeinrichtung angeboten wird, die auch die Nachfrage nach Schul- und Vereinsschwimmen vollständig abdecken kann. Im Hinblick auf das Modellvorhaben „Sport- und Begegnungspark auf dem Ostufer“ ist der Standort Katzheide abzusichern.
  2. Lessinghalle. Es gab eine Ausschreibung für die Sanierung. Diese enthielt aber keinerlei Angaben zu Obergrenzen von Kosten (siehe unten Ausschreibungstext) Am Ende der Ausschreibung, die für die ersten drei Preise Kosten von alleine 34.000 Euro kostete war das Fazit dann aber plötzlich, dass die Vorschläge zwar schön gewesen seien, aber doch zu teuer in der Umsetzung mit 13-15 Millionen. Die KN schrieb dazu am 2. Juni 2009:Die Kosten für die Lessinghalle seien geschätzt worden, um eine Rechtfertigung für den Neubau eines wenige Millionen Euro teureren Zentralbads mit 50 mal 25 Metern Schwimmfläche zu haben, wurde auf dem Rathausflur bereits hinter vorgehaltener Hand gemunkelt.“ Fraglich also, was die Basis der Schätzungen ist. Kann man die einsehen? Wieso hat man die Architekten vorher nicht zu sparsamer Planung angehalten?
  3. Der Ort an dem das Zentralbad entstehen soll ist das Grundstück zwischen Werftbahnstraße und Adolf-Westfal-Straße (Kartenausschnitt). Dort verläuft derzeit eine zentrale Grünverbindung zwischen West- und Ostufer. Ein großes Spaßbad mit angedocktem Freibad dürfte dazu führen, dass dort sehr viel Grün Beton weichen müsste. Nun soll die Verwaltung wieder prüfen. Auch das kostet Zeit und Geld. Und am Ende soll wohl wieder eine Art Leuchtturmprojekt für Kiel entstehen?
  4. Da der Vorschlag vom Kreissportverband Kiel kam, scheint er auch besonders ihre Interessen zu berücksichtigen, die ggf. durchaus professionell sind. Nichts gegen das Wahren der eigenen Interessen. Fraglich aber, ob eine zentrale Lösung auch für die breite Masse (also auch Nichtsportler) die beste Lösung ist. Sportlern ist es oft wohl egal wie weit sie fahren müssen, wenn die Schwimmhallen gut sind. Für den einfachen Bürger ist oft der kurze Weg attraktiver, als eine große, anonyme Halle.
  5. Für die Kieler Bäder ist in dern nächsten drei Jahren (2009-2012) ein Zuschuss von 16,7 Mio Euro vorgesehen. Wenn schon die bisher angedachten Lösungen zu teuer sind – wie kann man dann einen Neubau mit Kosten von um die 20 Millionen rechtfertigen. zu berücksichtigen ist dabei auch, das durch den Neubau weder die fixen Kosten für Lessinghalle und Katzheide wegfallen würden, noch sind darin inbegriffen die nötigen Investitionssummen für eine Unwidmung von Gebäude oder Flächen. Eine Planung eines neuen Zentralbades müsste somit auch berücksichtigen welche Kosten an anderen Orten weiterbestehen und dürften sich nicht auf die reinen Baukosten beziehen. Zusätzlich würden die 20 Millionen die Finanzplanung für die nächsten drei Jahre um 3,3 Millionen Euro sprengen – und es wäre für kein anderes Projekt mehr Geld über. Gerade nach dem reinfall mit dem Science Center würde man denken, das Kiel eher vor Großprojekten zurückschreckt.
  6. Es fehlt bei der Planung auch eine Kalkulation darüber, was es eventuell kosten würde ein oder zwei kleine Hallen dezentral wie bisher als Ersatz für die Lessinghalle und die Gaardener Schwimmhalle zu erbauen. Da diese deutlich kleiner wären, müssten diese billiger sein. In Botrop wird eine Halle mit 6 Bahnen gebaut, die lediglich 5,9 Millionen Euro kostet. Zwei solcher Hallen würden dann also kapp 12 Millionen Euro kosten können und wären damit nur  fast halb so teuer wie das geplante Monsterbad.

Ausschreibungstext Lessinghalle:

Nahe der Kieler Innenstadt in direkter Nachbarschaft zur historischen Parkanlage des Schreventeichs befindet sich die „Lessinghalle“ – Kiels ältestes, im Jahre 1935 errichtetes Schwimmbad. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wurde im Juli 2008 aufgrund von technischen Mängeln der Bädertechnik vorübergehend geschlossen. Um den historischen Gebäudebestand zu sichern und auch langfristig den Badebetrieb konkurrenzfähig zu betreiben, soll die Sanierung und ggf. Erweiterung des Schwimmbads am Lessingplatz in diesem Wettbewerbsverfahren untersucht werden.

Ziel ist die denkmalgerechte Sanierung sowie die Attraktivierung des Schwimmbades unter funktionalen, technischen und energetischen Gesichtspunkten. Dabei soll das Angebot unter Berücksichtigung des Schul- und Vereinsschwimmens durch Fitness- und Wellnessangebote sowie eine attraktive Gastronomie erweitert werden. Angestrebt ist die Entwicklung eines hochwertigen Gebäudeensembles, das unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen vermag und gleichzeitig flexibel und zukunftsoffen orientiert ist. Im Rahmen einer denkmalgerechten, architektonisch und wirtschaftlich ausgereiften Entwurfslösung werden überzeugende Konzepte gesucht, die den Standort in seiner Attraktivität sichern und weiter steigern.

Aufgefordert zu diesem Wettbewerb sind freischaffende Architektinnen und Architekten. Zur Bearbeitung dieser Aufgabe ist die Zusammenarbeit mit einem Fachingenieur der Gebäudetechnik (Bädertechnik) zwingend erforderlich. Der Inhalt der Bekanntmachung wurde mit der Architektenkammer Schleswig-Holstein abgestimmt.

Fazit: Vieles an den Überlegungen scheint unausgegoren. Man hat auch in Kiel wieder einmal keine Wertschätzung für das Bestehende und will allzugerne wieder etwas tolles, großes neues, schönes. So entstand Mettenhof, so entstand Schilkseee, so scheiterte man mit dem Science Center. Nicht alle o.g. Überlegungen von mir müssen richtig sein. Ich bin ja auch kein Planungsstab, der 5 Millionen Euro hat, um alles durchzurechnen. Dies sollen daher nur eine Reihe offener Fragen und Ideen sein.

Lizenz: CC (Bestimmte Rechte Vorbehalten)

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4 Antworten

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  1. […] dabei ist, wenn wir dies mit den Vorgaben zur Ausschreibung der Lessinghalle vergleichen. Im damaligen Fall hat man bewusst auf eine Kostengrenze verzichtet, dann aber die […]

  2. […] passiert ist, stinkt zum Himmel. Die Argumentationen mit der Finanzierung sind verlogen. Wie ich bereits nachwies hat man z.B. bei der Lessinghalle bewusst einen Wettbewerb ohne Limit ausgelobt – Noch mal das […]

  3. Echt klasse – danke für die Tipps! Das Thema wird in nächster Zeit bestimmt noch mehr Leute beschäftigen werden. Ich meine, da neulich noch was drüber gelesen zu haben. Vielen Dank, Josefine Hug

    Josefine Hug

    5. März 2010 at 09:10

  4. […] möglichen Instandhaltung, sondern einen Architektenwettbewerb. Ich zitiere hier noch einmal aus Ausschreibungstext “ Im Rahmen einer denkmalgerechten, architektonisch und wirtschaftlich ausgereiften […]


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