KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Kiel will sich 17 Millionen Spaßbad leisten

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Die Verwaltung schlägt vor ein zentrales, großes Spaßbad für 17 Millionen zu errichten an der Schnittstelle zwischen Ost- und West-Kiel mitten im Grüngürtel (zwischen der Adolf-Westphal-Straße und Gablenzbrücke).

Dieser Schritt hätte nicht nur für die Stadtökologie fatale Folgen. Interessant hier ist die Bedingung:

  • Vor der Umsetzung des Bauvorhabens ist ein Architektenwettbewerb durchzuführen, in dem auf die festgesetzte max. Bruttobausumme in Höhe von 17 Mio. € verwiesen wird.

Interessant dabei ist, wenn wir dies mit den Vorgaben zur Ausschreibung der Lessinghalle vergleichen. Im damaligen Fall hat man bewusst auf eine Kostengrenze verzichtet, dann aber die Entwürfe abgelehnt, weil diese eine nie genannte, virtuelle Bruttobausumme überschritten. Das heisst wenn man es übersetzt, dass man die Kosten für die Entwürfe für einen Umbau der Lessinghalle bewusst fahrlässig formulierte, um sie abzulehnen. Nach meinem Verständnis stinkt es hier gewaltig – entweder nach Korruption oder einer Manipulation von Gutachten zu Lasten der Kieler Bürgerinnen. Alleine hierfür wäre eine Untersuchungskommission oder eine Klage gegen die Stadt Kiel gerechtfertigt.

Keiner der Ratsleute und Fraktion hat dies bisher hinterfragt. Vermutlich wird diese Beschlussvorlage (0940/2009) an der nächsten Ratsversammlung am 15. November behandelt.

Verbunden mit dem neuen Spaßbad sind die Schließungen von:

  1. Schwimmhalle Gaarden
  2. Freibad Katzheide
  3. Lessinghalle am Schrevenpark

Hatte Gaarden bis vor kurzem noch zwei Bademöglichkeiten, so wird es dann gar keines mehr haben

Schließungen sind Konsequenz aus verfehlter Sparpolitik

Hier wird der Blick nach vorne gerichtet – alle traditionellen Kieler Bäder sollen geschlossen werden. Über Jahrzehnte hat man in Kiel „erfolgreich“ an den Bädern gespart, so dass ein gewaltiger Investitionsstau entstand. Gleichzeitig hat man m.W. die Beschäftigung immer weiter heruntergefahren, so dass es keine Vollzeit-Angestellten mehr gibt. Was bei gesundheitssensiblen Bereichen wie Badewasser (Umgang mit Chlor,…) extrem fahrlässig ist. Es ist anzunehmen, dass die Einsicht in letzteres auch zur Idee eines Zentralbades und der letztendlichen Schließung alle traditionellen Kieler Bäder führte.

Der Fall der Kieler Bäder zeigt sehr gut, dass das stetige Sparen zwar gut ist, um bessere Zahlen zur präsentieren. Was aber bei einer jährlichen Einsparung mit beschlossen wird, aber nirgendwo steht ist, dass irgendwann 17 Millionen für einen kompletten Neubau fällig sind. Wie viel wurde in den letzten Jahren eingespart? Wurden in den letzten 17 Jahren jedes Jahr 1 Millionen Euro eingespart bei den Bädern? Ich habe die Zahlen nicht, aber ich vermute stark das nicht. Und selbst wenn: Um einen Neubau 2010 zu rechtfertigen sollte die Rechung besser aussehen, denn da die Schwimmhallen über Jahre immer wieder geschlossen waren, bedeuteten die Einsparungen und nicht getätigten Investitionen, dass wir eben nicht mehrere voll einsatzfähigen Hallen hatten.

Die Kieler Bäderpolitik ist gescheitert. Und das muss laut ausgesprochen werden!

Denn wir sehen diese angeblich sparsame Politik als Roten Faden durch sämtliche Haushaltsverhandlungen. Man hat sich selbst auf die Schulter geklopft, wie toll man doch eingespart hat. Aber hätte jemand vor 17 Jahren gesagt: Wenn ihr DAS tut, dann fallen 3 Standorte von Bädern weg und ihr müsst 38 Million DM für ein neues Zentralbad investieren, dann hätte es einen großen Aufschrei gegeben. Keine der Fraktion hätte diesen Schwachsinn durchziehen können. Das Ganze konnte nur funktionieren, da man über Jahre schleichend und unbemerkt die Kieler Bäderlandschaft ausgehungert hat. Dies sollten zumindest die Kieler Bürgerinnen erkennen.

Gaarden als Hauptverlierer

Gaarden wird zwei Bäder verlieren. Die Annahme, das die Gaardener Bevölkerung dann zu Fuß bis zur abgelegenen Adolf-Westphal-Straße pilgern wird ist abenteuerlich. Für Schulen z.B. ist eine kurzfristige Erreichbarkeit von entscheidender Bedeutung. Für die Hans-Christian-Andersen-Schule z.B. war die Gaardener Schwimmhalle zu fuß in ca. 8 Minuten erreichbar und Katzheide sogar in nur 4 Minuten. Zum Arbeitsamt, was in unmittelbarer Nähe sein wird, wird der Weg 23 Minute brauchen und damit für eine schulische Nutzung weniger geeignet. Eine Fahrt mit einem Schulbus wird dabei kaum schneller sein, da dies Wartezeiten auf den Bus so wie das Ein- und Aussteigen beinhaltet. Wenn wir bedenken, dass Gaarden mit 28% übergewichtiger Kinder (vg. Drucksache 16/2227 Schleswig-Holsteinischer Landtag – 16. Wahlperiode
) besonders davon profitiert, wenn es nahegelegene Bewegungsmöglichkeiten wie Schwimmen gibt, so kann man die ersatzlose Schließung beider Bäderstandorte fast als Anschlag auf die Gesundheit der Gaardener Bevölkerung verstehen.

Dies sind nebenbei bemerkt zusätzliche Kosten durch:

  • Verkehre von und zu dem Spaßbad (CO2-Belastung, Feinstaub, Straßenlärm).
  • Erhöhte Gesundheitskosten durch vermehrte Kreislauferkrankungen.

Zudem bedeutet das Verschwinden von beliebten Standorten wie Katzheide ein schweren Schaden für das Image von Gaarden. Der nahegelegene Minigolfplatz wird ebenso leiden wie der erst neu beschlossene Sport- und Begegnungspark – und alle die Geschäfte und Gastronomie, die bisher Besucher aus allen Stadtteilen begrüßen durften, die im Sommer nach Katzheide als eines der beiden Kieler Freibäder pilgerten. Wer zum Eiderbad fährt ist bereits am Kieler Stadtrand, so dass jetzt schon klar ist, dass eine Schliessung von Katzheide zu Einnahmeverlusten bei der Gewerbesteuer der Stadt Kiel führen wird. Zudem kann das Eiderbad nicht doppelt so viele Gäste aufnehmen kann. Für Gaardener sind die 5,6 Kilometer nur per Fahrrad oder motorisiert zurück zu legen.

Schon jetzt steht fest, dass es zu Entgelterhöhungen kommen wird. Zitat: „Der maximale Zuschussbetrag des Eigenbetriebs Beteiligungen in Höhe von 2,4 Mio. € wird mit Inbetriebnahme des neuen Zentralbades festgeschrieben. Aufwandssteigerungen sind z. B. durch Entgelterhöhungen auszugleichen.“

Also: Weiter weg und teurer für die Gaardenerinnen. nach Attraktivitätssteigerung klingt das für eine Bevölkerung, die eher bewegungsfaul und finanziell nicht so reich ausgestattet ist nicht gerade.

Die Stadt geht davon aus, dass die neue Halle mehr genutzt wird, als alle drei übrigen Standorte zusammen, bleibt aber die Indizien schuldig.

Der neue Standort soll nicht einmal eine 1/3 größere Schwimmfläche bieten als die Lessinghalle und die Schwimmhalle Gaarden. Bezieht man das Freibad Katzheide mit ein, so bleibt die Schwimmfläche vermutlich gleich(mir fehlen die Zahlen der Schwimmfläche in Katzheide) ? Zudem kann man eine Halle nicht mit einem Freibad gleichsetzen. Kiel verfügt zwar über viele Strände aber  im innenstadtnahen Bereich lediglich über die Seebadeanstalt Düsternbrook, die allerdings nur im Hochsommer badefreundliche Temperaturen bietet.

Katzheide war und ist ein Teil von Kiel. Noch vor einigen Jahren schrieb die Stadt Kiel auch, dass dieser Standort unter allen Bedingungen erhalten bleiben müsse. Das war bevor der Sport- und Begegnungspark geplant wurde, dessen integraler Bestandteil das Freibad Katzheide war. Nun muss die Bürgerbeteiligung für den Park eigentlich wiederholt werden, da die Kernidee herausgeschnitten wurde und somit alle Pläne hinfällig geworden sind.

Ein Zentralbad scheint nur die Lösung aller Probleme zu bieten. Aber wenn es nicht angenommen wird oder auch mal geschlossen werden muss, gibt es in Kiel gar kein Bad mehr, das genutzt werden kann!

Mein Tip ist eher: Weniger Gutachten, weniger Architekturwettbewerbe und weniger Großprojekte! Das sollte schon Einsparungen von mehreren hundert Millionen Euro im Jahr bringen. Denn was das angeht, so geht man damit in Kiel im höchsten Maße unbekümmert um. Und was die 17 Millionen Euro betrifft: Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Die angeblichen Einsparungen, die Gebührenerhöhungen und gleichzeitig vermehrte Nutzung des Zentralbades sind alles zunächst einmal Behauptungen. Alleine eine Gebührenerhöhung sollte schon dazu führen, dass das Bad weniger genutzt wird. Und dessen Lage ist so, dass dort eigentlich niemand wirklich zu fuß hingehen wird. Man kann also mindestens Fahrtkosten mit dem Auto oder dem Bus dazurechnen, ausser die, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. So wird das Schwimmen erst recht zu einem teuren Spaß, den sich immer weniger leisten werden, insbesondere nicht die Gaardenerinnen!

Die Pläne müssen gestoppt werden, denn es sind Hirngespinste. Und wenn die Rechung nicht aufgeht haben wir ein defizitäres Riesenbad in der Mitte Kiels, die Stadtökologie nachhaltig geschädigt, 17 Millionen futsch und weiterhin drei ruinierte Bäder!

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3 Antworten

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  1. […] Kiel will sich 17 Millionen Spaßbad leisten « KielKontrovers a few seconds ago from web […]

  2. Wie ist denn der Stand der Dinge heute, wie kann man „dagegen“ unterstützen und wie kriegen wir die Lessinghalle zurück?

    JP

    15. Dezember 2009 at 16:13


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