KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Luftverkehr in Kiel vor dem Aus und ein Hoch auf Kaltenkirchen?

with one comment

Noch im Jahr 2009 kamen erste Pläne zur Schließung des stadtnahen Flughafes Kiel (in Holtenau) auf. Anlaß dafür gab die Absichtserklärung der Landesregierung Schleswig-Holstein, die sich im Koalitionsvertrag (PDF) zum Luftverkehr auf Seite 14 wie folgt ausdrückt:

CDU und FDP würdigen die Bedeutung des Luftverkehrs in Schleswig-Holstein für Wirtschaft und Tourismus. Wir setzen auf private Investitionen in regionale Flughäfen als Impulsgeber für die örtliche Wirtschaft. Eine direkte Flughafenbeteiligung schließen wir jedoch aus. Im Rahmen eines Luftverkehrskonzeptes werden wir den Standort Kaltenkirchen überprüfen.

Damit hat sich an diesem Punkt wahrscheinlich die FDP in der Koalition mit ihrem inzwischen mehrjährigen Widerstand gegen die Flughafen-Subventionierung in Kiel durchgesetzt.

MFG 5

Eine andere Ursache für die Aktivitäten ist die Verlegung des Marinefliegergeschwaders 5 (MFG 5) nach Nordholz, das unmittelbar an dessen Flugplatz unmittelbar an Holtenau angrenzt. die dort frei werdenden Flächen stellen natürlich für die Stadt Kiel eine attraktive Gewerbefläche dar. Auf dies werde ich hier aber nicht weiter eingehen, da dies einfach passieren wird und kein Weg daran vorbei führt.

Früher war alles anders

Allerdings hat Heiner Garg für die FDP noch 2001 so gedacht (PDF)

Ein modernes Oberzentrum ohne Flughafen ist heute undenkbar—und in Zukunft wird dieses Kriterium noch wichtiger werden.Es ist nicht so, dass ein leistungsfähiger Flughafen ein außergewöhnliches Plus für eine Region wäre—nein, ein Flughafen ist für eine leistungsfähige Wirtschaftsregion eine Selbstverständlichkeit. Regionen ohne leistungsfähigen Flughafen sind heutzutage keine zukunftsträchtigen Wirtschaftsregionen mehr.

Gegen den Flughafenausbau

Der Flughafenausbau war eines der umstrittensten Themen der Kieler Kommunalpolitik. Es entstand dadurch nicht nur die nach eigenem Bekunden größte Bürgerinitiative Kiels „Bürgervereinigung gegen die Starbahnverlängerung Kiel-Holtenau e.V.“, sondern auch m 23. März 2002 mit über 5000 Teilnehmern eine der größten Demonstrationen in Kiel. Der Flughafenausb sollte damals 100 Mio DM kosten. Diese Pläne wurden mittlerweile gestoppt. Ganz offenbar wurde aber nur die Idee des Ausbaus Holtenaus verworfen, nicht jedoch die Idee eines größeren Flughafens in Schleswig-Holstein.

Der Untote Kaltenkirchen

So scheut man sich denn nicht den Untoten Flughafen Kaltenkirchen wiederzubeleben. Dessen Zeit schien bereits seit langem vorbei. Auch an diesem Standort gab es erheblichen Widerstand. Die Bürgerinitiative Pro Kaltenkirchen dokumentiert auf ihren Seiten den Widerstand und die Argumente, wie z.B. das Ausmaß und die Nähe zu Kaltenkirchen:

Dies wäre dann also mehr als ein Regionalflughafen, sondern ein Großflughafen. Es wäre die geplante Verlagerung von Fuhlsbüttel hinein aufs platte Land in Schleswig-Holstein. Die Flughafengesellschaft hat angeblich nicht nur die bereits vor Jahrzehnten gekauften Flächen behalten, sondern in den letzten Jahren auch dazugekauft. Wenn der Verzicht auf Holtenau den Ausbau von Kaltenkirchen bedeuten würde, so muss man hier ganz klar eine Absage erteilen.

Man muss hier auch immer unterscheiden, was sich regionale Politiker versprechen, was tatsächlich zu erwarten ist und dann auch, was an sich wünschenswert und angemessen wäre. Dazu einige allgemeine Gedanken:

  • Flugverkehr mit Billigfluglinien sind abzulehnen.
  • Es wird Zeit, dass die Kerosinsteuer neben den Niederlanden auch von allen anderen EU-Staaten eingezogen wird.
  • Die Karten der bedeutenden Flughäfen im internationalen Luftverkehr sind längst verteilt. In Deutschland sind das lediglich Frankfurt, Berlin und München. In diesem Spiel wird daher weder Fuhlsbüttel noch Kaltenkirchen je eine Rolle spielen können.
  • Der Bund hat 2008 beschlossen bei der Förderung von Regionalflughäfen deutlich vorsichtiger zu sein, auch um nicht weiter die Konkurrenz zu fördern.

Die Landesregierung will also am liebsten einen neuen Großflughafen Kaltenkirchen finanziert zu erheblichen Teilen durch private Investoren. Sollten dies Pläne konkreter werden, stehen uns in Schleswig-Holstein erneut langjährige Auseinandersetzungen bevor mit ungewissem Ausgang. Bis zu einem theoretischen Abschluss der Bauarbeiten sind Kiel und Lübeck bereits seit Jahren dicht. Allerdings sieht es gerade so aus, als wenn es zumindest ein Bürgerbegehren (Unterschriftenbogen) zu Lübeck-Blankensee geben könnte.

Kiel ist größte Stadt in Schleswig-Holstein. Selbst Wahlstedt hat einen kleinen Flugplatz. Warum ausgerechnet hier KEINEN Flughafen? Warum ausgerechnet keinen in der Landeshauptstadt?

Wie sieht die mögliche Zukunft aus? Das Aus für Lübeck und Kiel, dann keinen Jagel (dessen Ausbau mit Investoren 2009 vorgesehen war für 74 Millionen) und wohl auch kein Kaltenkirchen in dem nächsten 5-10 Jahren. Wenn Pro Kaltenkirchen erst mal wieder mobilisiert, wird es erheblich Widerstände geben (zu Recht!). Am Ende bleibt also dann nur noch Flensburg und vor allem Sylt als einigermaßen ansteuerbare Verkehrslandeplätze.

Wie kommen die Parteien von: Es gibt keine Alternative zum Ausbau von Holtenau auf einmal zu: Holtenau brauchen wir gar nicht mehr? Ist Holtenau erst einmal dicht und wurde Gewerbe angesiedelt, gibt es kein Zurück mehr. Flughafenflächen zu finden wird heute immer schwieriger. Und je weiter weg der Flughafen ist, desto weniger ist er für Städte als Investition und Anbindung interessant. Je länger die Anfahrtswege, desto weniger lohnt sich der Flugverkehr. Ursache des Umdenkens ist wohl, dass beim Bund in Sachen Regionalflughäfen die Gelder nicht mehr so locker sitzen. Und nun setzt man alles auf das Pferd Großflughafen Kaltenkirchen. Die Kieler Parteien sollten sich bewusst sein, welches Spiel da läuft. Es geht hier um mehr als nur Holtenau und Kiel.

Ähnlich wie bei Zentralbad versucht man alle Ressourcen auch im Flugverkehr zusammenzuführen – und gibt dabei gewachsene Infrasrukturen auf. Die Finanzen können dabei kein Argument sein, denn was das Land für Autobahnen ausgegeben hat, geht auf keine Kuhhaut mehr. Da hat man ganz klar auf Straße statt Schiene gesetzt.

Der Flughafen Kiel hat 2009 ungefähr genau so viele Luftbewegungen wie Lübeck (bei deutlich weniger Passagieren). Die Einnahmen liegen pro Jahr bei etwas über 1 Millionen Euro (durch höhere Kosten kommt es zu einem Verlust).

Die Stadt Flensburg gibt für ihren Flughafen jährlich nur ca. 52.000 Euro.  Es sollte doch möglich sein, den Kieler Flughafen in ein wirtschaftliches Gleichgewicht zu bringen und dabei sowohl die Interessen der Nutzer- als auch der Anwohnerinnen zu berücksichtigen? Es ist mir nicht transparent wodurch vor allem die Einnahmen- und Ausgaben zustande kommen.

Außerdem muss man berücksichtigen, dass bei einem Wegfall von Lübeck viele Flugverkehre nach Kiel verlagert würden. Aber offensichtlich will man gar keine angemessenen Flugverkehre. Hier scheint im Lande die Ansicht vertreten zu werden: Entweder Großflughafen oder gar nichts!? Entspricht dies vielleicht genau der Sichtweise von Investoren? Stört Holtenau die Pläne von Jagel und Kaltenkirchen? Stören gewachsene und etablierte Infrastrukturen bei der Bedarfsanalyse? Rechnet es sich nicht besser, wenn man die Flugverkehre von Lübeck und Kiel gleich auf den geplanten Flughafen umrechnen kann? Klar ist schon heute, wer profitiert: Die Gutachter, Planungsgesellschaft und Architekten, die die Vorarbeit machen. Nichts gegen diese Berufe – aber es sind dann wieder die Steuerzahler, die im Zweifelsfalle die Unkosten zahlen.

Mögliche Alternativen zur Schließung

Neben einer Herabstufung des Standards, wie z.B. einem Rückbau wäre es evt. sinnvoll einen kostendeckender Betrieb anzustreben. Oder mit einer Bürgerbeteiligung herauszufinden, was die Kielerinnen wollen. Billigfluggesellschaften mit Linienverkehr sollten aber auch in Zukunft verhindert werden. Auf jeden Fall ist es nicht ratsam die Schließung Holtenaus aus dem Bauch heraus zu entscheiden, sowohl nicht im Interesse Kiels als auch der weiteren Umgebung. Vielleicht kann am Ende tatsächlich eine Schließung stehen – aber nicht zum Preis eines Ausbaus von Kaltenkirchen!

Die Zukunft am Wasser?

Interessant wird auch sein, welche Beschlussvorlage das Stadtplanungsamt in der Ortsbeiratssitzung in Holtenau am 12.01.2010 vorstellen wird. Siehe dazu auch die Beschlussvorlage 0278/2009.

Quellen

  1. http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=na&dig=2009%2F10%2F21%2Fa0157&cHash=4e57b0bdde (1)
  2. http://www.flensburg.de/politik-verwaltung/stadtverwaltung/finanzen/index.php (2)
  3. http://www.ln-online.de/artikel/2303428/F%FCr_74_Millionen_Euro:_Jagel_wird_Ferien-Flughafen.htm (3)
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Eine Antwort

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