KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Verteilung von Kulturinstitutionen in Kiel

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«Wenn noch im Jahr 2008 ein Viertel der Sozialhilfeausgaben in den Stadtteil Gaarden fließen muss, in welchem weniger als ein Zehntel aller Kielerinnen und Kieler lebt, dann ist es auch haushaltspolitisch klug, hier Geld in die Hand zu nehmen, um in Zukunft die Zahl der Sozialleistungsempfänger und -empfängerinnen zu senken. Das Fehlen von Arbeitsplätzen sowie von Qualifizierungs- und Ausbildungsangeboten ist das zentrale Grundproblem in Gaarden.»

So der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Ratsherr Falk Stadelmann und der Vorsitzende der Ratsfraktion von BÜNDNIS′90/DIE GRÜNEN, Ratsherr Lutz Oschmann am 25. August 2010.

Die obenstehende Analyse ist äußerst verfälschend. Zum einen ist es unseriös und unsinnig Stadtteile miteinander zu vergleichen, die sehr unterschiedlich strukturiert sind. Ja, in Gaarden leben mehr arme Leute als in manchem anderen Stadtteil. Dies ist aber in Kiel keineswegs auf Gaarden beschränkt. Zum anderen legt der Vergleich zwischen Bevölkerungsanteil und Transferempfängerquote nahe, dass man hier irgendeinen Zusammenhang herstellen könnte. Insbesondere die Darstellung, dass Gaardens Hauptprobleme fehlende Arbeits- und Ausbildungsplätze im Stadtteil selbst seien ist etwas kurz gedacht: Das Problem für die Leute ist, dass sie keine Arbeit haben, nicht dass sie keine Arbeit in GAARDEN haben!

Und dann folgen zwei weitere Schlüsse:

  1. das es wegen dieser o.g. Tatsache nötig sei Geld in Gaarden in „die Wirtschaft“ zu stecken und
  2. dass das Wirtschaftsbüro in der Lage wäre dauerhaft Arbeits- und Ausbildungsplätze in Gaarden zu schaffen.

…. das die Maßnahmen der KiWi der letzten Jahre keinen Impuls in Gaarden setzen konnten. Woher kommt das neue Konzept? Von der KiWi – also genau denen, die bisher schon mit ihren Impulskonzepten gescheitert sind.

An der Oberfläche scheint das Konzept zwar einen neuen Weg einzuschlagen, denn es soll ein Büro in Gaarden mit drei Mitarbeiterinnen eröffnet werden – und es sollen lokal ansässige Unternehmerinnen angesprochen werden. Auffallen tut aber die Idee Eigentümernetzwerke aufbauen zu wollen oder auch die Idee eines Gewerbehofes.

Eine Millionen Euro soll der ganze Spaß in drei Jahren mindestens kosten. Und das in Zeiten klammer Kassen, wo überall gespart wird. Nun wäre sicher nichts gegen Investitionen einzuwenden, wenn man denn von positiven Effekten ausgehen kann. Die erscheint aber in Rückblick auf die bisherige relative Erfolglosigkeit der Kieler Stadtentwicklungspolitik eher zweifelhaft.

Eines der Hauptprobleme Gaardens ist eher darin zu sehen, das vorhandene mögliche günstige Gewerbeflächen vernichtet wurden, wie z.B. bereits bei Errichtung des Gustav-Schatz-Hofes auf dem Geländer der ehemaligen Pickert-Kasernen – und nun ein weiteres mal in dem vielfältig nutzbare Kasernengebäude abgerissen werden um meines Wissens einem riesigen Seniorenwohnheim Platz zu machen.

Auch die Bauten am Alten Güterbahnhof wären vielfältig nutzbar gewesen. Statt kleinräumiger Struktur sucht man aber in Kiel nachwievor die großen Lösungen (siehe Hörn-Bebaung / Schmid-Bau, uva.). damit zerstört man aber genau die Nischen, die das Kleingewerbe und auch die Kulturszene brauchen. Gaarden hat kein Überangebot an Kleingewerbeflächen, sondern im Gegenteil einen großen Mangel an freien Flächen. Und ein großer Teil wird dann auch von der Armutsindustrie angemietet – die dann auch gleich Produkte und Dienstleistungen anbietet, die mit dem Kleingewerbe konkurrieren. (Fahrradreparaturen, Gebrauchtwaren, …)

Was stattdessen? Schauen wir uns mal eine kleine Liste der Kultureinrichtung der Stadt Kiel an:

  • Schauspielhaus Kiel
  • Opernhaus Kiel
  • Werftparktheater Kiel
  • Stadt- und Schifffahrtsmuseum
  • Stadtarchiv
  • Stadtgalerie
  • Volkshochschule
  • Musikschule
  • KulturForum

Wir stellen fest, dass die meisten – und insbesondere die attraktiven und größeren Einrichtungen allesamt auf dem Westufer sind. Lediglich Werftparktheater und Musikschule  bilden eine Ausnahme. Was gibt es denn in der Gaarden „Innenstadt“  seitens der Stadt, dass Kielerinnen anlocken würde den Stadtteil zu besuchen. Ich denke das ist im Außenbezirk von Gaarden nur das Werftparktheater. Hinzu kommt, dass es auch noch geförderte Einrichtungen wie die Hansastraße 48 oder die Pumpe auf dem Westufer gibt, die das Kulturprogramm  erweitern. In Gaarden gibt es eigentlich nur die Räucherei als nichtstädtischen Betrieb, deren Programm aber auch sehr eingeschränkt ist.

Für das Mehrgenerationenhaus/Vinetazentrum geben Stadt und Bund erhebliche Summen aus, ohne dass das Angebot transparent wäre oder für eine breitere Zahl an Bürgerinnen interessant. Stattdessen hat man da die Mittel für die Stadtteilbücherei gekürzt und damit kreativen Raum zerstört.

Bestehendes zerstören und für viel Geld Luftschlösser bauen, das scheint die Devise der Stadt Kiel immer wieder zu sein. Für das Scheitern der Ziele übernimmt dann niemand die Verantwortung. Genau so wenig für das Verkommenlassen der Kieler Bäderlandschaft. Frau Ute Berg als neue Wirtschaftsdezernentin wird sich rechtzeitig zusammen mit Herrn Albig aus Kiel abseilen, bevor irgendjemand eine Bilanz ihrer wirtschaftspolitischen Akzente ziehen kann.

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Written by tlow

26. September 2010 um 10:22

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