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Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

D115 – Wozu das Ganze?

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Die Stadt Kiel plant noch dieses Jahr ebenfalls eine bundeseinheitliche Behördenrufnummer 115 anzubieten (siehe www.d115.de, Wikipedia ).  Zumindest verkündet dass das Projekt D115 schon heute. Die Idee klingt an sich überzeugend:

Anstatt in jeder Stadt eine andere Rufnummer für die Stadtverwaltung wählen zu müssen und anstatt sich auch für jede Behörde einer Stadt eine eigene Nummer merken zu müssen, soll es reichen sich die 115 zu merken. Nach 30 Sekunden soll man dann freundlich und kompetent beraten werden. 65% aller Anfragen sollen bereits auf der untersten Ebene beantwortet, der Rest soll weitergeleitet werden.

Die Stadt Kiel will dabei auf die Dienste von HamburgService in Hamburg Wandsbeck zurückgreifen. Es selber zu machen sei zu teuer, heisst es. Das Bezirksamt dort erledigt dies bereits für den Großraum Hamburg.

Es gibt aber, was Kiel betrifft, auf jeden Fall einige Dinge die gegen eine Einführung sprechen:

  1. Der Sprecher des Innenministeriums Sachsen-Anhalt geht davon aus, dass sich so ein System erst ab 350.000 Einwohnern lohnt. [Quelle]
  2. Im September letzten Jahres erklärte der Staatssekretär im Finanzministerium des Landes Schleswig-Holstein Dr. Olaf Bastian: „Die einheitliche Behördenrufnummer D115 ist ein bundesweites Thema, das derzeit auch von verschiedenen Kommunen in Schleswig-Holstein diskutiert wird. Durch ein abgestimmtes Vorgehen sollten Doppelstrukturen und unnötige Kosten vermieden werden. Um dies zu ermöglichen, haben Bund und Land zu dieser Informationsveranstaltung eingeladen. Der Zuständigkeitsfinder Schleswig-Holstein (ZuFiSH), der den Kommunen vom Land als Basisinfrastruktur zu Verfügung gestellt wird und der bereits heute im Internet Auskunft über 1000 Leistungen der Verwaltung gibt, ist eine gute Basis für mögliche kommunale Teilnehmer am Projekt D115.
  3. Das Land Schleswig-Holstein macht bisher nicht mit.
  4. Der Präsident des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Rainer Timmermann sagte auf der CeBIT 2010 „Weder die Bürgerinnen und Bürger noch die Kommunen brauchen den Behördenruf D115 auf regionaler Ebene. In allen Fragen die unsere Bürger haben, werden sie bei den Städten und Gemeinden besser und günstiger bedient“ [Quelle]
  5. Das neue System  bezieht Email nicht ein. Dafür gibt es Kiel bis heute kein Ticketsystem. Somit können telefonische Nachfragen zu Email-Verkehr nicht beantwortet werden.
  6. Das alte Telefonsystem muss trotzdem vorgehalten werden. Somit existieren zwei Telefonsysteme nebeneinander.
  7. Es gibt auch schon heute eine zentrale Rufnummer des Rathauses: 0431 / 901-0. [Quelle]
  8. Die 115 wird teurer als andere Gespräche, nämlich 7 ¢ !

Man fragt sich also, warum Kiel hier ohne Not vorprescht. Es gibt noch keine konkreten Pläne des Landes Schleswig-Holstein sich zu beteiligen. Noch ist der Service kostenpflichtig und der ganze Service eher im Beta-Test-Stadium. Zu warten kann nur bedeuten, dass es mehr Softwareanbieter gibt, es mehr Erfahrungen aus anderen Gemeinden gibt,ggf. sogar eine Einführung zusammen mit der Landesregierung oder mit den Umlandgemeinden. Es werden so eben genau die Doppelstrukturen geschaffen, vor denen der das Innenministerium des Landes warnt. Warum ein System für eine kleine Großstadt, wenn es überdimensioniert ist?

Anmerkung: Leider liegen mir zur Zeit keine Zahlen des Haushalts 2011 vor, wie viel der Stadt dieser Spaß kosten soll. Ich werde das bis in einer Woche hier nachreichen.

Update1: Bericht aus Düsseldorf: „Doch auch zwei Jahre nach dem Start des Pi­lot­be­triebs düm­peln die Nut­zer­zah­len am Rhein im Be­reich der Be­deu­tungs­lo­sig­keit vor sich hin. Ganze 41 Bür­ger pro Tag nut­zen dort im Durch­schnitt den ein­heit­li­chen Be­hör­den­ruf. Und Düs­sel­dorf steht mit die­sem Trend kei­nes­falls al­lei­ne da. Bei wel­chem Ser­vice­cen­ter man sich auch um­hört, nir­gend­wo be­trägt der An­teil der D115-​An­ru­fe mehr als 5% am Ge­samt­auf­kom­men.

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Written by tlow

25. Januar 2011 um 23:55

Eine Antwort

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  1. […] Gerade heute erhielt ich wieder einen Hinweis darauf, welche Informationen mir verweigert werden. Einige ausgewählte Medien dürfen heute dem Oberbürgermeister Fragen zu D115 zu stellen (ich berichtete darüber). […]


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