KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Zu Neuen Medien und Offenem Kanal

with 4 comments

Da doch recht wenig von dem Interview, dass ich Kiel Aktuell vom Offenen Kanal Kiel gegeben habe in der Sendung am 28.01. verwertet wurde möchte ich einige meiner Thesen hier noch mal ausbreiten:

Zum einen zeigt dieser Artikel Möglichkeiten von Blogs: Ein Fernsehbeitrag muss in kurzer Zeit entstehen und für jeden Beitrag gibt es nur einen gewissen Raum. Redakteure, ob nun im Offenen Kanal als auch beim NDR oder auch in einer Tageszeitung müssen gewichten und entscheiden, was sie hereinnehmen und was nicht.

Ein Blog, insbesondere das eigene, bietet dem Autor alle Freiheiten das zu sagen und zu zeigen, was er will. Es besteht weder eine Zeit- noch eine andere Einschränkung. lediglich das Medium selbst und die Frage wie viel Zeit man für den eigenen Beitrag aufbringen will stehen zur Disposition. Ich verdiene mit meinem Blog kein Geld. Ihr findet rechts immer einen Flattr-Knopf mit dem Leser, die dieses Blog unterstützen können und auch bei Flattr mitmachen ihre Unterstützung ausdrücken können. Allerdings ist das in meinem Falle eher eine Geste, denn eine echte Unterstützung, die es mir erlauben würde, zum Teil auch von der Recherche und dem Schreiben mein Leben zu finanzieren.

Ein wichtiger Aspekt, der in dem Beitrag von mir fehlte war meine Sichtweise zu dem immer wieder aufgemachten Konflikt zwischen klassischen Medien und dem Internet. Zum einen drängen alle klassischen Medien, von Öffentlich-Rechtlichen bis hin zu Privaten immer mehr ins Internet und sind Teil dessen, zum anderen gibt es inzwischen auch viele Journalisten, die nebenbei ein Blog betreiben, wo sie dann auch mal schreiben können, was sie wirklich denken – oder etwas unterbringen, wofür keine Redaktion Geld bezahlen will.

Es gibt Qualitätsjournalismus – und ich gönne es jedem Journalisten, wenn er für gute Arbeit auch gutes Geld verdient. Aber es gibt in der Masse auch viel Journalismus der entweder langweilig ist, weil er sich damit beglückt, Jubiläen beim Kaninchenzüchterverein in aller Form darzustellen, oder wo Journalisten einfach falsch recherchieren – oder nur Pressemitteilungen der Stadt Kiel abdrucken und es verabsäumen für ihr Geld dann auch mal nachzubohren und Zahlen in Frage zu stellen. D.h. die Rechnung bezahlter Journalismus = Qualitätsjournalismus stimmt so nicht. Auf der anderen Seite leisten freie Blogger auch oft wichtige Recherchearbeit – angefangen vom interessierten Bürger bis hin zu Bloggerkollektiven, die es vielleicht sogar schaffen mit der Werbung ihre Arbeit zu finanzieren.

Das ist eher eine Frage des Geschäftsmodells. Was wir heute erleben ist primär das Scheitern alter Geschäftsmodelle. Und das Internet und die dort angeblich vertretene Umsonst-Moral soll schuld daran sein.

Aber wie schon erwähnt streben alle Medienkonzerne spätestens seit den 90er Jahren mit viel Druck ins Internet als zusätzliche Einnahmequelle. Meinung und Nachricht (ich sage bewusst nicht Information!) ist dort ein Massengut. Verschiedenste Websites wetteifern um Leser und Werbeeinnahmen. Den Wettbewerb haben sich die Konzerne selber gemacht durch ihre Gier nach immer mehr. Das ist ähnlich wie bei den CDs: Damals haben die Musikkonzerne ihre Produktionskosten für Alben senken wollen und gleichzeitig die Gewinnspanne erhöhen in dem sie den Preis für Alben au im Schnitt 20 Euro hochtreiben wollten. Mit der CD haben sie ein Medium gewählt, dass nicht nur ihnen selbst es vereinfachte Musik schnell auf viele Träger zu kopieren, sondern auch den Konsumenten. Das Ergebnis, dass viele Konsumenten heute Musik umsonst aus dem Internet beziehen und beliebig oft weiterkopieren ohne Qualitätsverlust haben die Musikkonzerne wissentlich in Kauf genommen. Bzw. war der Reiz des kurzfristigen Gewinns größer, als die möglichen langfristigen Risiken.

Somit sehe ich die auf kurzfristige Gewinne ausgerichtete Strategie eher als das Problem heutiger Medienkonzerne, als das Internet als solches oder die dort vorhandene Umsonst-Moral. Menschen wollen möglichst viel Leistung für möglichst wenig Geld. Das sind grundsätzliche ökonomische Prinzipien jedes Einzelnen. Da das Kopieren im Internet eben so einfach ist, bestimmt dies immer mehr unser Handeln.

Es gab bereits mehrere Fälle, in denen nachgewiesen wurde, dass Journalisten heute oft über ein simples Abschreiben aus der Wikipedia nicht mehr hinausgehen. Bekannt geworden vor allem durch den Fall von unserem Herrn zu Guttenberg und seinem erfundenen zweiten Vornamen „Wilhelm“.

Eine kritische Haltung ist nötig. Weder die Wikipedia, noch ein guter Name eines Journalisten noch einer Zeitung bürgen für Qualität – und wir alle machen Fehler. Worin die klassischen Medien heute aus meiner Sicht vor allem versagen ist, dass sie für ihren Preis nicht die entsprechende unabhängige Qualität liefern. Siehe auch Wikileaks. Auf einmal findet man außerhalb des Journalismus Fakten und interessante Meinungen, die ansonsten in der Medienlandschaft fehlen. Und das oft kostenlos und geschaffen durch ehrenamtliches Engagement.

Es ist auch immer einfach er in der großen Masse mitzuschwimmen. Warum sollte die KN z.B. irgendwem weh tun? Inzwischen arbeiten Zeitungsredaktionen immer mehr nach Wirtschaftlichkeitsprinzipien. Wie im Beispiel der Firma Tabel bei der KN.

Die Kieler Nachrichten ist durch diesen Fall vollkommen unglaubwürdig geworden als moralische Instanz gegen Ausbeutung. Die schreiben etwas zum Fall Emmely? Wieso überhaupt noch? Die KN verkauft den Schein des Informiertwerdens. Es gibt da durchaus gute Journalisten, die sich mühe geben – aber was die Führung der KN angeht inklusive des Co-Management des Betriebsrat, so kriegt man da nur das kalte Grausen.

Noch mal zu meinem Verhältnis zu Organisationen, Parteien, Fraktionen: Klar sind meine Sympathien da unterschiedlich gewichtet. Dennoch bemühe ich mich alle Positionen so darzustellen wie sie sind. Es war mir aber bis zum heutigen Datum nicht einmal möglich eine Antwort zu erhalten, wie Aufsichtsratsposten in Kiel, in denen auch Ratsmitglieder gewählt werden können, entlohnt werden. Da ist jemand wie Herr Müller-Beck zwar ein hohes Tier beim DGB und der SPD,hält es aber nicht nötig auf  meine Nachfragen zu antworten. Die ich an dieser Stelle noch mal gerne in anderer Form wiederholen kann:

  • Trifft es zu, dass kein Aufsichtsratsmitglied bei der KiWI eine Aufwandsentschädigung bekommt?
  • Gilt das für alle Aufsichtsratsposten, die von der Stadt Kiel vergeben werden?
  • Liegt es in der persönlichem Entscheidung eines Aufsichtsratsmitglieds auf jegliche Entschädigung zu verzichten?

Von der KiWI gibt es z.B. keinen öffentlichen Rechenschaftsbericht. Auf Anfrage an die KiWI und städtische Stellen: Keine Antwort. Eine städische GmbH ohne Rechneschaftsbericht und offenbar ohne relevanten Aufsichtrat, denn der wir nicht einmal im Organigramm erwähnt (s.a. Artikel vom letzten Februar).

Der Fakt, dass man auf die meisten Emails keine Antworten bekommt rechtfertigt bereits alleine den Verdacht, dass Dinge vertuscht werden. Man hält es nicht einmal für nötig dies zu versuchen, in dem man antwortet – und wenn man antwortet, dann wird man rech, wie das Büro Stadtpräsidentin, dass mir auf Nachfrage der Quellenlage zur Zusammensetzung der Fraktionskosten lediglich einen KN-Artikel kopierte, der sich wieder auf die Stadtpräsidentin bezog. Damit verstieß sie bewußt und willentlich gegen das Informationsfreiheitsgesetz, auf das ich mich bezog.

Als Blogger sind meine Mittel begrenzt. Ich bin darauf angewiesen, dass man mir Informationen auch zuträgt – oder auch mich nach Unterstützung bei einem Thema fragt. Alleine kann man wenig ausrichten. Die Bereitschaft zur Kooperation ist aber sowohl unter Bloggern als auch im politischen Umfeld gering.

Was fehlt ist eine bessere Kultur eines streitbaren Diskurses. Viele Politiker, aber leider auch Blogger sind mehr damit beschäftigt Diskurse zu kontrollieren und dabei gut auszusehen, als sich in einen freien Wettstreit um Meinungen zu begeben. Ich sehe darin ein fundamentales Defizit im Demokratieverständnis. Alle wollen Mainstream sein und keiner beharrt gerne auf einer Minderheitenmeinung. Das heisst es wird kaum Widerstand geboten. Im Zweifelsfalle antwortet man lieber nicht. Immer schön friedlich bleiben. Oder nach der Strategie „Angriff ist die beste Verteidigung“ lieber den/die Kritiker attackieren und herabwürdigen, ihre Glaubwürdigkeit ankratzen.

Am besten geht dies mit einer Argumentation aus der Mitte heraus. D.h. man selber ist Teil einer ausgewogenen Mainstream-Mitten-Meinung – und der andere stellt ein Extrem dar und seine Kritik kann alleine deswegen nicht stimmen. Argumente oftmals Fehl am Platze. Nicht das ich nicht auch radikale Meinungen brandmarken würde – aber wenn dann aus vorhandenen Argumenten heraus – und nicht weil ich mich als Teil eines Medienmainstreams begreifen würde.

Leider funktionieren die oben genannten Herrschaftsstrategien auch im allgemeinen. Oft aber auch dadurch, dass Menschen mit explizit anderer Meinung sich nicht trauen ihre andere Meinung auch öffentlich zu machen. Die Angst ist bestimmend, man könnte schlecht aussehen – sich verplappern, sich eine Blöße geben. Damit aber unterstreicht man selbst diese Prinzipien und verhält sich ihnen gemäß. Öffentlichkeit ist eine Waffe gegen Korruption, gegen falsche Politik, Seilschaften, unsinnige Projekte, Fehlentscheidungen, gegen Machteliten uvm. . Jeder von uns hat eine andere Meinung. Es geht beim Bloggen aus meiner Sicht nicht darum zu versuchen einen neutralen Journalismus nachzuahmen, sondern sich als ganze Person,mit seiner ganzen Meinung in den Prozess der Meinungsbildung einer Gesellschaft einzubringen. D.h. auch bewusst anzuecken,weil man Projekte in Frage stellt, für die es einen breiten Konsens gibt. Wenn man Fragen stellt, die unangenehm sind, weil sie nicht nur zum Wohlfühlen gut sind.

In dem Sinne würde ich mich über mehr Nachahmer freuen. Menschen die nachdenken und ihre Meinung ins Internet tragen. Und dazu noch eine gewisse Lust am politischen Disput mitbringen um über bestimmte Fragen ÖFFENTLICH zu ringen. Und eben nicht nur hinter verschlossenen Türen.

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Written by tlow

28. Januar 2011 um 20:36

4 Antworten

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  1. Mach weiter so und halt durch! Die Wichtigkeit investigativer Medien in Kiel wird bei jedem Blick in die KN deutlich. Auch dem Mainstream wird langsam klar, daß er durch Legislative und Exekutive professionell verarscht wird, obdessen wird Dein Publikum sicher bald deutlich größer werden. Ich denke auch, daß viele Blogger sich in Zukunft mehr politisieren werden, langfristig wird das Bloggeschwafel über persönliche Befindlichkeiten die Leser mehr und mehr langweilen.

    gerrit

    29. Januar 2011 at 16:32

  2. Super Seite die ihr hier online gestellt habt. Macht weiter so!

    Margorie Mccorvey

    6. Februar 2011 at 15:29

  3. […] einem Bericht von Kiel Aktuell und einem vorherigen Beitrag in diesem Blog habe ich mich schon dazu geäußert, wie viele Informationen ich nicht bekomme und auch keine […]


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