KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Führerkult auf der Gorch Fock

with 4 comments

Über das Landesblog habe ich erst von dem Foto der Besatzung erfahren, in dem Sie ihre Solidarität mit ihrem Kommandaten ausdrücken wollten:

Was auffällt ist der Dreiklang an Orten „Ein Kommandant, eine Besatzung, ein Schiff“, wie ich auch in einem Kommentar im Landesblog schon schrieb:

  1. Ein Ort (Schiff, Reich)
  2. Eine Gruppe (Volk, Besatzung) und
  3. Die Führungsfigur (Führer, Kommandant)

Für alle, die sich mal mit deutscher Geschichte beschäftigt haben, kommt relativ schnell die Assoziation auf „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ .

Man kann das jetzt natürlich verschieden deuten. Zum einen wäre eine harte Deutung, dass die Besatzung der Gorch Fock einen bewußten Bezug zum Dritten Reich herstellen wollte und deutlich machen will, dass Demokratie und Grundrechte auf dem Schiff keinen Platz haben.

In einer toleranteren Deutung muss man kritisieren, dass hier eine Assoziation geweckt wurde, die nicht von der Hand zu weisen ist. Entweder haben die Soldaten keinen richtigen Geschichtsunterricht oder das was sich da ausdrückt ist eben Teil der Bundeswehrkultur – im Wesentlichen eine Negation der Demokratie. Denn Demokratie taucht in diesem Spruch nicht auf. Mehr ein „Führer befiehl, wir folgen Dir„. Denn diese Solidarität ist pirmär eine Kritik an der demokratischen Bundesregierung,die in Person von Guttenberg den Kommandanten entlassen hatte.

Das Bundeswehr auf Befehlsfolge aufbaut, ist uns ja bekannt. Das hat natürlich Konsequenzen für die Denke. Aber was hier deutlich wird erinnert eben doch an längst vergangen geglaubte Zeiten. Aufgrund dieser Solidaritätserklärung/Provokation kann man eigentlich nichts anderes tun, als dieses Schiff und diese Besatzung mit samt ihren Führerkult abzuschaffen. Wenn es nach mir ginge, sollte man gleich die ganze Bundeswehr auflösen!

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4 Antworten

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  1. Wie ich schon beim Landesblog schrieb:

    „Wenn Du den Spruch so umsortierst, gibt es die Ähnlichkeit schon. Nun stand da aber nicht “Ein Schiff, eine Besatzung, ein Kommandant” sondern “Ein Kommandant, eine Besatzung, ein Schiff”. Vielleicht war den Leuten bewusst, dass es sonst nach dem Spruch klingen könnte, den Du zitiert hast.

    Trikola sind eine einfache rhetorische Figur, die Du überall findest von “Veni, vidi, vici” bis “quadratisch, praktisch, gut”.“

    PS: Der Link zum Landesblog am Anfang des Artikels zielt auf Wikipedia.

    tim

    4. Februar 2011 at 11:48

    • Wie ich auch im Landesblog schrieb, ist dies aber nicht eine zufällige rhetorische Figur, sondern eben auch inhaltlich die gleiche Aussage.

      T Pfennig

      4. Februar 2011 at 11:59

      • …wenn man es so dreht wie Du.

        tim

        4. Februar 2011 at 12:09

  2. Bei diesem Bild und diesem Transparent drängt sich die Assoziation geradezu auf.

    Gleich eines noch vorweg: nein, ich bin nicht ungedient. Und ja, ich war auch mal militärischer Führer.

    Und insofern weiß ich aus eigener Anschauung (auch wenn die fast 40 Jahre zurückliegt), daß in der Tat „Stamm-Personal“ und „Ausbilder“ ausgesprochene „Freunde“ von Offiziersanwärtern sind. Und es besteht ja auch seltenst das „Risiko“, daß man dieser Person dann wirklich mal wieder als Vorgesetzter begegnet.

    Als männlicher OA oder ROA mit gutem Trainingsstand hat man zumindest noch die Chance, beim nächsten dienstlichen Handball- oder Fußballspiel sich angemessen zu „revanchieren“ und den Herren zu zeigen, daß es wirklich verdammt weh tun kann.

    Ein vielfach falsch verstandener „Korps-Geist“ versucht, Mißstände und sinnlose Schleiferei zu vertuschen und zu verharmlosen. So in etwa aus meiner Ära, falls sich noch jemand erinnert, stammte u.a. der „Schleifer von Nagold“.

    Daß ein Soldat, auch im Speziellen angehende Offiziere, auf Gefechtssituationen vorbereitet werden müssen, das steht außer Frage. Die Frage ist nur die, mit welchen Mitteln. Bestimmt nicht durch stumpfsinnigen Drill. Denn in einer Gefechtssituation muß ich als Führer Entscheidungen treffen, die über Leben und Tod meiner Soldaten entscheiden können. Und dazu muß ich in erster Linie präzise mein Gehirn gebrauchen können.

    Franz Roth

    6. Februar 2011 at 08:01


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