KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

‚ Cruise Kiel‘ – Stadelmann gerät ins Schwärmen

with 5 comments

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Ratsherr Falk Stadelmann, geht in der letzten Pressemeldung der Kooperation total ab.  Soll man lachen oder weinen?:

„Endlich kann ein gutes Tourismusprojekt umgesetzt werden, das sowohl in Kiel als auch im ländlichen Raum die touristische Nachfrage verstärken kann. Mit dem Projekt „Cruise Kiel“ werden attraktive Events am Kieler Kreuzfahrtterminal ermöglicht. Zugleich sollen Kreuzfahrtpassagiere durch verlockende Kombi-Angebote ermuntert werden, schon einen oder zwei Tage vor Abfahrt des Kreuzfahrtschiffes in Kiel in Schleswig-Holsteins Regionen Urlaub zu machen, z.B. auf einer Schlösser- und Herrenhäuser-Tour durch den Kreis Plön oder ein Wattenmeer-Erlebnis-Weekend auf der Halbinsel Eiderstedt. Diese von den Kieler Gesellschaften Seehafen Kiel GmbH & Co. KG, der Kiel-Marketing GmbH und der Wirtschaftsverwaltung entwickelte Idee kann den Tourismus in der Hafenstadt Kiel und im ländlichen Raum durch zusätzliche Buchungen beleben und sichert so Arbeitsplätze. Nun endlich hat das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium grünes Licht für die Umsetzung der Kieler Idee gegeben. SPD, Grüne und SSW in der Kieler Ratsversammlung sind zufrieden, dass schlussendlich alle eingesehen haben, wie nützlich „Cruise Kiel“ für alle in Schleswig-Holstein sein wird.“

Unternehmen Stadt par excellence. Oder anders ausgedrückt: Viel heisse Luft. Was ist die Substanz dieser Pressemeldung und dieses Projektes? Kiel bekommt vom Land, damit es für Tourismusunternehmen Produktideen ausarbeitet. Ok für die Tourismusunternehmen rechnet sich das eh – sie zahlen nichts dafür und schaden wird es vermutlich nicht. Doch was gewinnt die Stadt? Zunächst einmal kostet es etwas, nämlich genau 50% der Fördersumme – und das sind 610.198 € (siehe Drucksache 353/2010). Davon trägt die Stadt Kiel selbst 150.000 € und über den Umweg der stadtgeigenen Gesellschaften „Seehafen“ und „Kiel Marketing“ den Rest.

Das Projekt wurde „Bei Gegenstimmen von Direkte Demokratie mit den Stimmen aller übrigen Mitglieder mit Mehrheit beschlossen“ (siehe Beschlussprotokoll). Somit hat hier die Ratsfratkion der Kieler Linken wieder einmal für eine Umverteilung von Unten nach Oben gestimmt. Das merken viele ihrer ehemaligen Wähler gar nicht. Die Linke Ratsfraktion ist mittlerweile nichts weiter als ein Anhängsel der SPD-Fraktion. Da steigt man in die Bütt für OB Albig und stimmt jeder noch so blöden Idee der Kooperation zu.

Wieso liest man z.B. beim Gesamtstädtischen Einzelhandelskonzept immer einstimmig? Weil die Direkte Demokratie aufgrund der geringen Größe kein Stimmrecht in Ausschüssen hat und die Linke dem GEKK immer zugestimmt hat. Das GEKK strukturiert den öffentlichen Raum gemäß der wirtschaftlichen Interessen der Stadt und der Kieler Einzelhandelsbetriebe. Erklärt wird der Hintergrund hier: hier:

Wesentliche Grundlage für eine regional konkurrenzfähige und attraktive gesamtstädtische Einzelhandelssituation ist die Sicherung und Stärkung einer ausgewogenen, funktional gegliederten Versorgungsstruktur. Eine bedeutende Rolle spielt hier die bestehende Konzentration von zentrenrelevantem Einzelhandelsangebot in der Innenstadt, dem besonderen Stadtteilzentrum Holtenauer Straße und den Stadtteilzentren sowie grundversorgungsrelevanten Sortimenten in den Nahversorgungszentren und an ergänzenden Nahversorgungsstandorten.

Stadtteile werden in diesem Konzept aufgeschlüsselt und für eine optimierte Einzelhandelsinfrastruktur verplant.

Ob nun Tourismus oder Einzelhandel – in beiden Fällen folgt die Linke der SPD auf dem Fuße und ohne Widerspruch.

Advertisements

5 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Ich hab mich in meiner Examensarbeit mit dem Tourismus in Schleswig-Holstein und speziell den Kreuzfahrern beschäftigt. Zwei Probleme:

    1. Der Tourismus in SH wird vermarktet von über 200 Markting-Organisationen, die alle lokal arbeiten. Einzig die TASH hat SH als ganzes beworben. Touristen interessieren sich aber nicht für Neustadt oder St.Peter. Die wollen an die Nordsee oder die Ostsee. Deswegen ist es ein Fortschritt, dass die Kieler sich als Tor zum Land betrachten und nicht mehr ihr eigenes Süppchen kochen.
    2. Die Kreuzfahrer haben zwar in Kiel angelegt, ihre Gäste dann aber in Busse gestopft und nach Berlin kutschiert.

    Wenn man mit „Cruise Kiel“ ein Angebot macht, das Tourismusunternehmen davon überzeugt, auch langfristig Kurztrips nach Kiel und ins Umland zu machen, profitiert davon sicher die regionale Tourismuswirtschaft.

    Steffen Voß

    14. Februar 2011 at 10:31

    • Das bezweifle ich nicht. Das ist ja gerade das Problem. Nehme ein paar hunderrtausend und stecke sie in irgendeinen Wirtschaftszweig – und die Wirtschaft wird profitieren. Das Problem sehe ich ja gerade ind er Vermarktung einer Stadt. Bzw. die Ausrichtung der gesamten Politik auf letztlich die Maßnahmen, von der eine Stadt touristisch oder anderweitig wirtschaftlich profitiert. Die große Frage ist, wovon die EinwohnerInnen tatsächlich nachhaltig profitieren. Die Logik hinter der Subventionierung der Wirtschaft ist, dass der Nutzen der Allgemeinheit in der Schaffung von Arbeitsplätzen und erhöhten Steuereinnahmen liegt. Da aber jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann, findet hier eine Priorisierung statt. Zudem ist es so, dass private Wirtschaftsunternehmen immer auch einen Gewinn abschöpfen, der nicht reinvestiert wird. Nur der Staat wird in Dinge investieren, die nicht im eigentlichen produktiv sind. Wenn nun der Staat anfängt genau so zu investieren wie Unternehmen, dann enzieht dies meines Erachtens der Allgemeinheit Geld und fließt zu privaten Gewinnen. Die wiederum können überall hinwandern. Ein Touristikunternehmen wie die TUI nimmt mit, was es kriegen kann. Die Investitionen werden aber dort erfolgen, wo sie sich am meisten Gewinn erhoffen. D.h. solche Maßnahmen vermehren für die Dauer der Förderungn den Gewinn und führen vielleicht auch zu der einen oder anderen Investition in Kiel. Dauerhaft bedeutet es aber nichts weiter als Geld aus dem Fenster zu werfen, dass dann an anderer Stelle fehlt.

      Davon abgesehen hat man in Kiel seit Jahrzehnten nichts anderes getan als alte Bauen abzureissen und neue, hässliche Betonklötze zu bauen. Warum sollte jemand nach Kiel fahren? Hätte man sich CAP, Sophienhof, Hörnbebauung und Hotel Atlantic gespart, wäre der Hafen vielleicht etwas attraktiver. Man hat jetzt z.B. den ZOB und die Parkplätze weiter vom Bahnhof weggerückt. Früher konnte man am ZOB parken und direkt zu Fuß über eine Brücke in den Bahnhof. Gut der ZOB war nicht mehr sehr ansehlich. Aber da einen Betonklotz zwischenzubauen ist verkehrstechnisch totaler Schwachsinn gewesen, IMHO. Das war einer der großen Pluspunkte von Kiel – die unmittelbare Nähe von ZOB, Parkplatz, Bahnhof und ÖPNV.

      Die Kieler bzw. Schleswig-Holsteiner zahlen für diese Subvention, werden aber kaum davon profitieren. Nicht zuletzt weil Jobs im Tourimus oft nur saisonal und prekär sind. Auf die Dauer wird das auch Kiel eher ärmer machen als reicher. Jede Subvention kostet die Empfängerkommune Geld. Nur scheinbar ist dies ein Geldsegen.

      T Pfennig

      14. Februar 2011 at 10:54

    • Es ist sclichte Plausibilität, die für das Projekt „Cruise Kiel“ spricht: Können durch attraktivere Angebote mehr Kreuzfahrttouristen nach Kiel gezogen werden, dann profitieren direkt die Reedereien und der (im alleinigen städtischen Eigentum befindliche) Kieler Hafen. Indirekt kommen als Profiteure jene Betriebe hinzu, deren Dienstleistungen und Waren von den zusätzlichen Kreuzfahrern in Anspruch genommen werden: touristische Angebote in Kiel und ganz Schleswig-Holstein, aber auch Dienstleistungen der Gastronomie. Weitere indirekte Effekte sind die Belebung der Hafenstadt Kiel durch die Kreuzfahrtschifffahrt und das Interesse, das die Stadt dadurch als (Tages-)Reiseziel für viele Menschen weckt, die Kiel als maritime Großstadt erleben und dort die Innenstadt besuchen wollen. Hier steigern sie die Nachfrage in Handel, Gastronomie und Gewerbe. Eine öffentlich Investition in das Kreuzfahrttourismusangebot hat also mindestens einen direkten und auf zwei Ebenen indirekte Effekte. Sie werden wirksam für jene privatwirtschaftlichen Unternehmen und Betriebe, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in unserer Stadt und in ganz Schleswig-Holstein beschäftigen. Tourismus zählt zu einer Wachstumsbranche in unserem Land.

      Als sozialdemokratischer Kommunalpolitiker ist mir die Verbesserung der Beschäftigungschancen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein wichtiges Anliegen. Damit unterscheide ich mich von der LINKEN-Abspaltung „Direkte Demokratie“.

      Falk Stadelmann

      15. Februar 2011 at 21:37

      • Das sind doch alles Spekulationen. Das Unternehmen von den Subventionen profitieren werden habe ich nicht bezweifelt. Die Frage ist, was mit den zusätzlichen Umsatz passiert. Ich bezweifle, dass diese Umsätze in Arbeitsplätze und Gewerbesteuer landen und dadurch tatsächlich die Stadtkasse entlasten. Diese Politik verfolgen „sozialdemokratischer Kommunalpolitiker“ doch schon seit Jahrzehnten – und seit Jahrzehnten wird die Situation der Kommunalfinanzen prekärer und prekärer. Und das nicht erst seit der Krise.

        Die Betonung, dass die „Direkte Demokratie“ eine LINKEN-Abspaltung ist, sagt nicht so viel aus. Es sieht mehr so aus, als wäre die LINKE eine SPD-Abspaltung. Demokratie lebt von dem Widerstreit der Meinungen und nicht zuletzt durch eine kontrastreiche Opposition. Als Wähler bin ich froh darüber, wenn es an der Wahlurne klare Alternativen gibt. Die SPD wird auf jeden Fall von der LINKEN-Schwäche profitieren, wenn die Wähler 2013 wieder ihre Stimme abgeben dürfen. Ich verstehe, dass die LINKE Ihnen bei der SPD im jetzigen Zustand lieber ist, als eine notorisch unbequeme „Direkte Demokratie“. Aber es ist eben Aufgabe einer Opposition unbequem zu sein und die Mehrheitsfraktionen herauszufordern.

        Die von Ihnen dargestellte Plausibilität sehe ich nicht. Natürlich kennt man diese Logik – je mehr Geld die Unternehmen haben – und vor allem im Aufschwung – desto mehr Arbeitsplätze schaffen sie. Nur das die Erfahrung zeigt, dass dem oft nicht so ist:
        Beispiele: hier oder hier. Das heisst auch, dass Transferleistungen des Staates oft in den Unternehmen verschwinden, ohne das die Gesellschaft profitiert. Das Gegenteil zu erwarten mag ein frommer Wunsch sein, in der Realität spiegelt sich das aber meist nicht wieder. Und dann ist das Geld weg.

        T Pfennig

        15. Februar 2011 at 23:47

  2. […] den Herrn Stadelmann von der SPD aber freuen, dass die Landesregierung in die gleiche Kerbe hat, wie er. Es ist mal wieder egal, was man wählt. Du kriegst doch überall die gleiche Politik. Da kann man […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: