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Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

D115: Drei Cent pro Minute an Netztechnik

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Aus einem Artikel des Portals Der Westen über die bisherige Ablehnung von D115 durch die Lüdenscheider Stadtverwaltung wird deutlicher, warum bisher Anrufe bei der behördeneinheitlichen Rufnummer so teuer sind. Nur ein Teil der Kosten rührt tatsächlich von den Netzbetreibern her. 43% der Kosten bei 7 ¢ pro Minute (also 3 ¢) gehen direkt an die D115-Netztechnik (auch laut d115.de).

Damit wird deutlich: Jede AnruferIn finanziert mit jeder Minute am Telefon den Netzausbau und das System D115 mit. Anders als man glauben mochte, gehen nicht 100% der Minutengebühren an die „bösen Netzanbieter“. Damit stellen die drei Cent eine Art versteckter Telefonsteuer dar. Das System finanziert sich zum Teil selbst durch Bürgeranfragen!

Zum Vergleich: Beim  Benzin gehen laut Aral 49% als Mehrwertsteuer ab. Dort aber ist die Kostenzusammensetzung transparent!

Aus meiner Sicht ist es pervers, wenn für Anrufe an eine zentrale Nummer geworben wird, man dort aber Geld verlangt – und damit je länger ein Gespräch bei der D115 läuft auch um so mehr an der BürgerIn verdient!

Bisher wurde immer so argumentiert, das man mit den Netzanbietern verhandeln wolle, damit diese keine Gebühren mehr berechnen. Gleich vorweg kann man auch sagen. Wenn D115 in die Flatrates mit einfließt als kostenlose Nummer, dann nur, weil die Netzanbieter den Kommunen die drei Cent an Einnahmen weitergeben würden. Hier würden wir als Bürger zwar nichts mehr davon merken, was wir zahlen. Aber dennoch würde es die Flatrates wahrschenlich teurer machen/halten. Und im Endeffekt sorgt es damit auch dafür, dass wir pro Monat mehr bezahlen, als wir müssten. Nur damit die Politiker die Möglichkeit haben uns für die Verwirklichung ihres Traumes abzukassieren. Die Netzanbieter schließlich sehen wohl nicht ein, warum die als Privatfirmen auf Geld verzichten sollen, wenn der Staat  ganz offen erhebliche Einnahmen daraus erzielt einsteckt.

Wieviel wird dann durch die D115 pro Jahr eingenommen? Wenn die Angaben im Haushalt 2011 der Stadt stimmen sollten, so würden 115.000 Anrufe pro Jahr angenommen. Ein durchschnittliches Gespräch dauert laut D115 rund 96 Sekunden (also 2 Minuten). Dann käme man pro Jahr auf 6900 €. Dies aber Geld, was nicht durch direkte Anfragen bei der Stadtverwaltung eingenommen wird – nur über die zentrale Rufnummer 115. Vermutlich landet das Geld auch gar nicht in Kiel, sondern wird an die Zentrale weitergereicht. Damit hat D115 ein Eigeninteresse, das immer mehr Kommunen und Bürger die D115 nutzen.

Wie schätzt D115 die Weiterentwicklung des Tarifs selbst ein?

In Abhängigkeit vom Anrufaufkommen kann der D115-Tarif im Anschluss an den Pilotbetrieb möglicherweise gesenkt werden. Es wird erwartet, dass die Tarife im Wettbewerb der Anbieter sinken.

Das klingt nach allem nur nicht nach kostenlosen Anrufen. Und ist zudem extrem vage. Man muss dies wohl als Einstieg in ein System betrachte, bei dem Auskünfte des Staates nicht mehr selbstverständlich, sondern gebührenpflichtig sind. Dies stellt auch eine mögliche Erklärung dar, warum bisher Email und das Internet als Kommunikationsweg ausgeblendet wurde: Es lässt sich nicht so einfach monetarisieren wie das Telefonsystem, wo man im Minutentakt mitverdienen kann.

Im Juni soll es dann in Kiel auch so weit sein. Da wirds wieder Tamtam geben und ein schönes Foto für die Kamera mit dem Startschuß für D115 in Kiel. Schon heute ist klar. Der Bürger zahlt doppelt. Über den Haushalt und hinterher auch noch pro Minute für seine Bürgeranfragen.

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2 Antworten

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  1. Da kommt mal wieder der richtige Pfennigfuchser hervor! Aber man kann ja prinzipiell immer dagegen sein. Scheint auch der neue Volkssport zu sein – immer schön dagegen.
    Nur leider bleibt dann alles stehen oder verändert sich häufig zum Schlechteren.

    Ich sehe ehrlich gesagt kein Problem darin, für einen Anruf einige Cent mehr zu bezahlen, wenn denn die Leistung gut ist. Private Auskunftsdienste verkaufen ihre Leistungen ab 1,50 € pro Minute aufwärts. Da nenne ich das mal ein echtes Schnäpchen – immer unter der Voraussetzung, dass einem auch wirklich geholfen wird. Prinzipiell bin ich aber auch dafür, dass solche Leistungen nicht teurer sind, als normale Ortsgespräche zur Gemeindeverwaltung oder ggf. Ferngespräche mit dem Finanzamt. Und wer ein wenig recherchiert, stellt fest, dass die Betreiber der 115 (also Bund, Länder und Kommunen) zum Jahresende auf die 3 Cent verzichten. Ist doch eine klare Ansage. Und wem die 3 Cent zu teuer sind, der lässt´s halt bis dahin bleiben und ruft nicht bei der 115 an.

    Ich sehe Kiel ehrlich gesagt nicht mehr als Stadt, sondern eher als Region. Ich wohne in Flintbek und habe mein Büro in Kiel. Da ist es für mich ehrlich gesagt immer ein Ärgernis, wenn ich tagsüber Dinge im Kieler Rathaus nicht bekommen kann und dafür dann wieder nach Hause fahren muss, um das in Flintbek zu erledigen. Insofern ist die Behördenrufnummer auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Ich wünschte mir, dass es für mich egal wäre, wo ich meine Verwaltungsprodukte beziehe. Wieso muss ich für eine Adressänderung auf meinem PErso nach Flintbek fahren. Das könnte man doch auch in Kiel erledigen. Wieso muss ich mit meinem KFZ-GEraffel zum Kreis? Immerhin kann ich das bereits in der außenstelle in Altenholz erledigen. Aber geht das nicht noch einfacher?

    Ich hoffe natürlich, dass sich auch meine Gemeinde an der 115 beteiligt und möglichst viele weiteren Gemeinden um Kiel herum, so dass ich mir bei Verwaltungsfragen dann keine Gedanken mehr machen muss, wen ich überhaupt anrufen soll. Ein erster Schritt und hoffentlich nicht der letzte!

    D Mark

    31. März 2011 at 14:31

    • Das ist eine prinzipielle Frage. Bisher sind alle Auskünfte kostenlos. Wir bezahlen Steuern und bekommen dafür Dienstleitungen. Wenn man das auf den Kopf stellt muss man natürlich auch hinterfragen ob die Gemeinden denn Steuern bekommen dürfen. Ich jedenfall sehe nicht ein zweimal zu bezahlen. Einmal über Steuern und dann noch mal extra. Wenn das einreisst wird das an allen möglichen Stellen auch einreissen. Es geht nicht um einen Vergleich zwischen öffentlich und privat. Die Privaten bekommen ja auch keine Steuern.

      Und wenns wirklich nur so 10% der Leute nutzen, dann finanzieren wir am Ende auch noch via Steuern ein Callcenter, das nur jeder zehnte Anrufer nutzt. Das ganze ging nicht mal durch die Ratsversammlung. Sowas macht der OB mit nem Federstrich.

      „Verwaltungsprodukte“. Wenn ich das schon lese…. Ein Rathaus ist keine Serviceagentur und eine Stadt kein Wirtschaftsunternehmen. Wäre das so müssten sie auch Steuern zahlen statt erhalten. Wenn wir den Weg weiter gehen können wir den Staat gleich ganz abschaffen und die Bürger organisieren das alles alleine. Von mir aus können wir damit anfangen – dann aber ohne Steuern und ohne Abgaben! Aber so wie es bisher läuft gehts nicht!

      T Pfennig

      31. März 2011 at 16:52


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