KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Wie ist Kiel?

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Wie ist Kiel nun eigentlich? Mir scheint, es gibt da nur die zwei klassischen Extrempositionen:

  1. Für viele Kieler ist Kiel die tollste Stadt überhaupt – und sie kommen aus dem Überschwang nicht mehr heraus.
  2. Für andere ist Kiel das letzte Loch – es gibt keine Stadt in Deutschland, die schlimmer wäre.

Ich kenne eigentlich mehr Leute, die Kiel „total scheisse“ finden, als die andere Fraktion. Komischerweise sind das aber alles Leute, die seit Jahren in Kiel wohnen, oder wie es öfters bezeichnet wird „hängengeblieben sind“.

Kiel ist zwar per Lexikondefinition eine Großstadt (> 100.000 Einwohner), aber nicht wirklich. Irgendwie fängt ne Großstadt doch erst mit einer U-Bahn an, oder?

Es gibt auch wirklich dörfliche Ecken in Kiel und allgemein ist Kiel nicht sonderlich weltoffen. Verglichen mit den anderen Städten in Schleswig-Holstein ist Kiel allerdings natürlich schon relativ offen, weiter und anonymer.

Kiel ist eindeutig zu kalt und zu regnerisch, um klimamäßig attraktiv zu sein. Die Frühlinge und Herbste sind zu kurz. D.h. das Jahr fängt später an Spaß zu machen, hört dafür aber auch früher auf. Nett ist Kiel aber im Hochsommer, wo es dann ja immer noch mal etwas Frischluft gibt, während es in Kesseln wie Kassel oder Karlsruhe nicht mehr auszuhalten ist. Und dann gibts natürlich ne Menge Fläche um am Strand zu liegen und zu baden – ganz abgesehen von unzähligen Seen im Binnenland. Radfahren ist auch ganz ok, weils halt flach ist.

Flach sind hier aber auch oft die Leute und die Witze. Ok, Kalauer…

Aber ernsthaft – Kiel ist nicht Berlin oder Hamburg – dort sind die Extreme stärker – mehr Positives wie Negatives. Hier ists schon mehr ausgeglichen. Kiel ist so klein, dass man sich schon immer wieder trifft. Trotzdem kann man auch relativ anonym und zurückgezogen leben. Aber in bestimmten Szenen kennt halt jeder jeden – und der Kreis ist überschaubar.

Wo ich nicht mitmache ist bei dem totalen Kiel-Bashing. Auch wenn es manche Leute sogar (tatsächlich!) nervt, wenn man mal einwirft, dass es ja nun echt schlimmere Städte gibt. Wenn ich Kiel total Scheisse finden würde, würde ich hier nicht wohnen – und kommt mir nicht mit Studienplatz – wenns so schlimm ist, muss man halt ins Ausland oder was anderes studieren. Die Art von Bashing, wenns denn auch noch humorlos daherkommt, entspringt wohl eher einer anderen Frustration. Und für solche Leute ist natürlich Hamburg, München, Berlin das tollste auf der Welt, wo man auch (fast) jedes Wochenende hinfahren muss. Oft entspringt die Haltung aber eher aus meiner Sicht einer eher provinziellen Konsumeinstellung. Also eher so: „Was bietet MIR eine Stadt an Ablenkung und Unterhaltung?“ So wie die Dorfjugend halt, die es in die Großstadt zieht, weils ihr zuhause zu langweilig wird. So ein Bedarf nach mehr, krasser, cooler, besser,… um die eigene, innere Leere und Bedeutungslosigkeit zu übertünchen.

Im Grunde ists fast egal wo man wohnt, man nimmt sich selbst ja überall mit hin. Es gibt schöne und hässliche Städte. Große und kleine. Es gibt viele Aspekte. Kiel hat ne Menge Defizite, ohne Frage – aber es nervt mich zunehmend mir ständig das Gejammer der Leute vom Lande anzuhören. Cooler werdet ihr dadurch nicht!

 

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Written by tlow

11. April 2011 um 10:52

11 Antworten

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  1. Komischerweise sind das aber alles Leute, die seit Jahren in Kiel wohnen, oder wie es öfters bezeichnet wird „hängengeblieben sind“.

    merkst du selber,dass die leute, die du in kiel gefragt hast, auch dort wohnen. ich kenn viele, die kiel scheiße finden und da so schnell wie möglich weg waren ich bin eine davon. wenn deine repräsentative auswahl so inkonsequent ist, bitte, aber das hat nix mit kiel zu tun. kein jahr hab ichs in diesem langweiligen nachkriegsbauten-rentner-dorf ausgehalten… und komm mir nicht mit studenten. ich war zum studieren da, und sowas langweiliges hab ich noch nie gesehen. und ich komme aus hannover, das will was heißen! l aber gut, wenn es dir gut tutrede es dir schön. ich lebe derweil mein leben!

    Steffi

    16. August 2011 at 22:29

    • Na gut, ich habe mir auch mal alle Großstädte Deutschlands angeschaut. Und danach gesehen ist alleine Köln bei mir nicht durchgefallen. Deutschland ist halt etwas langweilig. Jedenfalls kann ich z.B. an Hamburg und Berlin nichts spannendes finden, es sei denn man sieht die reine Größe per se spannender, weil ja mehr stattfindet. Sonst nenne mir mal eine Stadt, die Du gut findest – und was die abhebt.

      tlow

      16. August 2011 at 23:11

    • Das muss jemand schreiben der ausgerechnet aus Hannover kommt, einige der hässlichsten Städte Deutschlands! Es gibt wohl wenige Städte die so viel Freizeitwert im Sommer zu bieten haben wie Kiel. Das ist Fakt und unumstritten, wobei jede Stadt ein pro und contra hat.
      Wer einmal am Strand die Schiffe in unmittelbarer Nähe vorbeifahren gesehen hat wird nicht mehr viel Wert auf tolle Bauten legen!

      Fakten zählen und nicht ein subjektives Empfinden nach einem Scheitern!

      Dennis

      12. September 2011 at 23:07

  2. Kiel ist eine abartige stadt. abgesehen von regen ist in der stadt nichts los. ein hauch von rentnern und langweile durchweht die grau-roten straßen mit häßlicher 50jahre-architektur. eine flucht in parties und kultur kann man auch vergessen, weil kiel eine kulturlose stadt ist. nach einigen jahren wird man entweder ur-kieler und redet sich die stadt mit argumenten wie dem meer schön – bloß, dass das meer nichts bringt, weil man wegen dauerregen eh nie an strand kann. oder man verlässt die stadt, bevor man depression oder ähnliches von der stadt kriegt. kiel ist ein schlechter witz, ein ganz schlechter..

    Kielflüchtling

    22. April 2012 at 12:55

    • Ein größeres Kompliment als mit so einem Kommentar/Rant kann man einer Stadt kaum machen! 😉 Exakt – das ist Kiel.

      tlow

      22. April 2012 at 16:34

  3. Kiel ist die hessligste Stadt die ich je gesehen hab.
    Eine Kleinstadt die Landeshauptstadt ist sagt viel von diese bauern scheiße. genannt Schleswig Holstein.
    In diese scheiß Stadt so wie in dieses scheiß Land gibt es nur Bauernunternehmen ohne Zukunft.
    Eine langweilige Stadt mit langweilige Bewohner, es gibt nur Rentner oder junge Leute mit verpisste Laune.
    Mein Rat für jeder der in Kiel wohnt: Haut schnell ab bevor ihr Lebensmüde wird.
    So eine schande, für mich gilt Deutschland nur bis Hamburg.

    Niko

    26. September 2013 at 20:16

  4. tja, leider ist es so… wie du schreibst. Ich denke man kann behaupten, die Einzigen die es hier langfristig aushalten sind Jene, welche eine weit überdurchschnittliche integratiosfähigkeit besitzen und mit der mir persönlich verhassten, Nordischen Menthalität klar kommen möchten.

    Das ich die zurückgeblienene eigenbrödlerische engstirnische eigensinnige unnahbare pauschaldumme Nordische art echt nicht ab kann und auch so beschreiben würde, wusste ich vorher nicht. Die Oma hat ja schon gesagt: man lernt ja nie aus. Mal wieder recht hatte sie….

    Umgang formt bekanntlich Charakter….
    daher habe ich Angst auch so ein verbohrter, dummer, nordischer Kotzbrocken zu werden, hoffentlich komm ich hier noch rechtzeitig weg. Selbstkritisch muss ich Tendenzen zugeben so kannte ich mich früher nicht.

    Hans B.

    16. Dezember 2013 at 23:49

  5. Muß mich leider den negativen Kommentaren anschliessen. Kiel hat sicherlich seine schönen Seiten.
    Aber das Wetter, die wirtschaftliche Situation, der völlig desolate Wohnungsmarkt und auch ein wenig die Leute machen einem das Leben schwer.
    Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal so über Kiel schreiben würde. Kiel wollte mich anscheinend nicht. Und mal so lockeren Kontakt unter Einheimischen habe ich in 20 Jahren nicht gefunden. Alle die ich näher kennen gelernt habe waren Zugereiste – das will schon was heißen. Zuhause habe ich mich hier oben nie gefühlt.

    Sei’s drum. Kiel schuldet mir nichts und ich schulde Kiel nichts. Ich muß sehen, das ich so bald wie möglich von hier oben die Kurve kriege….nicht so einfach.

    Megaptera

    15. Oktober 2014 at 19:42

  6. Gleich und gleich gesellt sich gern…
    Als Kieler ist man selbst gefrustet in dieser Stadt.. Das liegt allerdings weit weniger an der Stadt an sich.
    Sondern vielmehr an den „Zugezogenen“. Das sind in unserem Falle leider nicht die „Kreativen“, „Kulturoffenen“, „Menschenfreunde“ (Diese gehen eh in die „coolen“ Städte; HH, Berlin, Köln oder gleich ins Ausland), sondern die, ich nenn sie mal, „Normspießerfraktion“. Die meisten Zugezogenen wissen meist nicht mal wie man Kultur schreibt, geschweige denn wie man welche schafft. Oder ganz einfach wie man Kultur annimmt und letzlich bereichert. Es ist immer wieder erschreckend wie wenig hier kulturelle Veranstaltungen frequentiert werden. Alles was versucht wird (und wenn man sich ein wenig in der Stadt auskennt, bzw. Interesse zeigt, so findet man ein vielfaches Angebot; meist durch die echten Kieler) wird halt leider nur selten angenommen. Stumpf-ist-Trumpf, leider, und in einer Stadt mit 30.000 Studenten zieht leider nur solches. Da gehen sie hin. Schönes, Neues, Gewagtes… Pustekuchen. „Ich bin schliesslich nur zum Studieren hier und hey, wenn ich zwei mal im Jahr ausgehen will (jeweils nach der Klausurenphase), dann ist hier nixx los.“ – Wen wunderts?
    Ausserdem:
    Die meisten verschaffen sich gegenüber einer Stadt eine Erwartungshaltung (welche sie vielleicht schon vorher mit hier her genommen haben; sei es sie haben sich im Internet informiert und eben jene Kommentare der Grätzköppe oben gelesen, oder durch Bekannte erfahren „wie Kiel ist“) und betrachten die Stadt dann auch nur unter eben solchen Gesichtspunkten; welche ihr Bild stützen und ihnen dadurch Sicherheit bieten.
    Wenn man nur „unoffene“ Menschen trifft, so liegt das häufig einfach daran, das man selber nicht gerade mit Offenheit gegenüber seinen Mitmenschen auftritt.
    Wenn die mangelnde Schönheit der Bausubstanz bemängelt wird, dann seh ich nur die Nachkriegsbauten (WWII -> 80% Zerstörung; hat sich Kiel auch nicht ausgesucht), verschliesse aber gleichzeitig den Blick für die Altbauten. Und in einigen Ecken der Stadt überwiegen diese sogar.
    Wenn ich das Meer nicht liebe, dann gibt mir die See in der Stadt nixx.
    Und die Stadt hat keine U-Bahn = Kleinstadt. Ja. Stimmt. Klar. Einfache Definitionen/Bilder machen Spaß… Aber wozu auch? Schon mal was von Fahrrad gehört?
    Naja. Wer das Bild des typisch Norddeutschen im Kopf hat wird sich dementsprechend den vermeintlich Eigenbrödlerischen gegenüber verhalten, sie irritieren und somit nie den Zugang zu den hier lebenden tollen Menschen gewinnen.
    Hier ist man halt ein wenig ehrlicher. Besser als aufgesetzte, falsche Freundlichkeit, wie man sie vielerorts im Rest des Landes antrifft.
    Ich jedenfalls, für meinen Teil, habe in dieser Stadt auch Viele kennengelernt, die aus den verschiedensten Ecken der Welt ursprünglich kamen, in Kiel gelandet sind, sich eingelassen haben auf diese Stadt, hier geblieben sind, und nie wieder weg wollen. Sich als Kieler bezeichnen.
    „Kennste Dies/Das?“ „Nee, wo/was is n das?“ „Oh man, DU kennst die Stadt nicht…“ <- SO isses leider…

    Ach ja, Berlin ist wie Kiel, nur ein bisschen größer… 😉

    Probiert es wenigstens mal aus. Einen Film, den man nicht gesehen hat, kann man nicht als "Schei..e" betitulieren…

    KielKind

    27. November 2014 at 17:18

  7. Also ich möcht wetten, dass Siegen noch beschi****** als Kiel is – pottenhässliche Industriestadt am Ende der Welt in Südwestfalen mit ner Uni, die man nur abreißen kann. Sieht aus wie ne Fabrik, also das heißt, wie mehrere Fabriken, weil sie sich über diverse Campi erstreckt. Sehen aber quasi alle gleich hässlich aus. Und dann soll man da noch Kunst und Medien studieren ^^ nee nee 😉

    Uliq

    4. Februar 2015 at 23:11

  8. Lol, diese dümmlichen und absolutistischen Kommentare in diktatorischer Sprache haben mir den Abend gerettet. Ich war insgesamt 5 Sommer bei einer alten Clique in Kiel für 3,5 Wochen zu Besuch (Urlaub). Ich habe auch in Kiel studiert. Die Stadt hat schöne und weniger schöne Ecken. Außerdem kann man in einer Stadt mit knapp 250 000 Einwohnern nicht erwarten, dass es dort alles gibt und 7 tausend millionen Menschen nackt und tanzend durch die City laufen.
    In Hannover war ich auch schon, ist größer aber auch ganz ok, wenn man sich bestimmte Ecken nicht anschaut. Hamburg hat übrigens auch potthässliche Ecken. Diese Ecken sind zusammengerechnet wahrscheinlich größer als ganz Kiel und Lübeck zusammen.
    Ward ihr schonmal in Schwerin? Ist auch nicht gerade der Knaller. Ein Schloss umgeben von nichts Besonderem. Allerdings kann man dem entgegensteuern, indem man den Tag in Schwerin zu einem Großteil dem Schloss und Schlossgarten widmet. Rostock ist auch kein Garten Eden, es sei denn man steht auf Plattenbauten satt. Bremen hat mich auch nicht gerade sexuell erregt und auch Berlin hat bei mir keinen Vorsaftausstoß verursacht. (Ich gucke mir gerne Städte an.)
    Ich bin übrigens in Lachendorf (Niedersachsen) aufgewachsen, und dagegen ist Kiel eine Metropole.

    Ich war vor Kurzem in Shanghai und Tokyo und dort haben sich die Leute tierisch über Berlin aufgeregt. Es sei ein Drecksloch, stinklangweilig und dörflich strukturiert. Keiner hat es dort als Student mehr als 2 Semester ausgehalten, alle wollten wieder zurück in die anonyme Großstadt. 😉

    Was ich ausdrücken will: Alles sehen ist perspektivisches Sehen, welches durch Bestimmte Prägungen und Gesellschaftsnormen bzw. das soziale Umfeld maßgeblich beeinflusst wird. Wer zum Beispiel irgendwo in der Pampa aufgewachsen ist, wird sich (zumindest anfänglich) in Kiel verloren vorkommen. Wer aus Berlin kommt sieht die Größe von Kiel ganz anders. Genauso sieht es mit allen anderen Dingen aus.

    Ein Chinese sieht die Größe eines deutschen ….. ganz anders als ein Afrikaner.

    Meiner Meinung nach ist jede deutsche Stadt mit schönen und weniger schönen Ecken in einem bestimmten Verhältnis ausgestattet, allerdings ist der Unterschied nicht so groß wie viele meinen. Braunschweig, Berlin, Hamburg, Rostock, Kiel, Stuttgart und Lachendorf haben gute und schlechte Seiten. In allen Städten stehen (je nach Historie, Größe in unterschiedlicher Menge) irgendwelche Kirchen, Dome, Tore rum. In vielen Städten gibt es Bettler, verwahrloste Stadtviertel. Diese ganzen Städte sind Einheitsbrei und dieser Mythos von der Stadt Kiel, die aussieht wie ein geplatzter Eiterpickel ist schon uralt, quasi ein Mem (Gedankenvirus). Du kommst nie und nimmer an dieser Situation vorbei, wenn du dich länger in Kiel aufhälst.

    Kiel ist durch meine Augen also ähnlich toll wie die meisten anderen Städte in der Größenordnung, wobei der größte Bonus mit der Küstennähe zu tun hat, wie ich finde.

    Horst Wackekurst

    18. Januar 2016 at 19:22


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