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Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

D115: Was ist mit den Umlandgemeinden?

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Ein Artikel aus der Rhein-Zeitung wies mich auf eine weitere Lücke bei D115, der „universellen“ Behördenrufnummer hin:

Können auch Einwohner der umliegenden Kommunen die 115 anwählen? Das geht bewusst nicht. Der Zugang ist auf die Vorwahlnummern von Koblenz und den Stadtteilen beschränkt, zumindest was das Festnetz anbelangt. Überschneidungen gibt es bei Winningen. Wer mit dem Handy anruft, kann die 115 dagegen zum Teil auch von nahen Nachbarkommunen erreichen, da eine Beschränkung über die Sendemasten erfolgt und hier eine engere, stadtgrenzengenaue Abgrenzung nicht möglich ist. Wer außerhalb von Koblenz die 115 wählt, landet bei einer Bandansage. Hintergrund: Es sollen nur die Bürger von dem Service-Angebot profitieren, deren Kommune auch für selbiges zahlt.

So wird das also sein. Der Bürger kann nicht einfach eine 115 wählen im Großraum Kiel. Auch hier wird man wohl eine enge Begrenzung suchen, auch für das Handy. Wer einen Anruf tätigt muss also vielleicht aufpassen, dass er nicht gerade in Kronshagen steht.

Und was ist mit Umlandgemeinden, die sich D115 nicht leisten können werden? Es wird dann statt einer homogenen Telefonlandschaft wird es viel mehr davon abhängen wo man wohnt, ob man an eine zentrale Rufnummer kommt, oder nicht.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass die dezentrale Rufnummer anders als man vermutet hätte nicht zentral eingeführt wird: D.h. wes wurde nicht angefangen eine zentrale Telefonzentrale für alle Menschen in Deutschland einzurichten, um alle Anfragen zu bündeln. Nein, die zentrale Rufnummer wird NUR dezentral eingerichtet und muss auch dezentral erst eingerichtet werden. Jede Region braucht ihre eigene, neue Telefonzentrale. Firmen wie Cisco freut das natürlich.

Damit ist die „115“ nicht zu vergleichen mit anderen bundeseinheitlichen Rufnummern, wie der „110“ oder „112“. Der Witz bei „bundeseinheitlich“ wäre ja gerade, dass es EGAL ist, in welcher Kommune man lebt. Bei „115“ wird es aber vermutlich immer so sein, dass man wissen muss, in welcher Gemeinde man lebt und sich gerade aufhält. Auch ein Berliner, der per Handy irgendwo in Deutschland auf dem Lande unterwegs ist soll also eine Bandansage erhalten und kann nicht mal eben mit seiner Stadtverwaltung etwas regeln. Dann braucht er vermutlich wieder die gute alte Durchwahl mit Vorwahl? Wow – und dafür brauchen wir die ganze zusätzlichen neuen und teuren Telefonzentralen?

Wieso haben nicht die Bundesministerien und -behörden angefangen sich anzuschließen und man geht langsam den Weg runter bis zum kleinen Dorf? vermutlich weil man eben die Kosten nur durch die Anrufer in den Kommunen decken kann. Wie oft rufen Bürger schon direkt beim Familienministerium an? Es wäre zwar total praktisch, wenn man dann immer nur die „115“ anruft, weil man z.B. auch in Schleswig-Holstein nicht genau weiß, welches Ministerium gerade die Atomkraftwerke beaufsichtigt (früher Sozialministerium, jetzt Justiz), aber das wäre ja zu leicht. wichtiger scheint es den Politikern, dass Bürger die zentrale Kommunalrufnummer, die viele Bürger schon eingespeichert haben vergessen und eine neue lernen müssen – damit sie dann 7 ¢ mehr zahlen für den Anruf und eh nur dahin weitergeleitet werden, wohin sie eh gekommen wären.

Ein wahrer Schildbürgerstreich.

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Written by tlow

13. April 2011 um 09:04

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