KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Kultur zum Standortfaktor degradiert

with 3 comments

Durch einen Beitrag im Landesblog Schleswig-Holstein bin ich auf die Kulturpolitischen Thesen von Kultusminister Ekkehard Klug gestoßen.

Hier ein Zitat:

III. Kultur als Standortfaktor weiter entwickeln
Kunst und Kultur sind ein Wirtschaftsfaktor und gleichzeitig für die Wirtschaft ein gewichtiger Standortfaktor; das ist einer der Gründe dafür, dass sich Wirtschaftsbetriebe als Sponsoren oder Mäzene von Kultur engagieren. Kulturelle Substanz und kulturelles Erbe sind Grundlage regionaler Identität. Sie fördern Markenbildung und helfen, das Land dauerhaft attraktiv zu halten und z.B. Fachkräfte zu gewinnen. Der Tourismus hat für Schleswig-Holstein als eine der beliebtesten Urlaubsdestinationen innerhalb Deutschlands eine hohe Bedeutung. Die besondere Verbindung von Natur- und Kulturlandschaften wird durch attraktive Kulturstätten und Angebote ergänzt.

Auf deutsch heisst das wohl, dass Kunst nur noch Werkzeug im Standortwettbewerb sein soll. mehr als sie bisher schon ist.“Es geht um Tourismus“. Das wird den Herrn Stadelmann von der SPD aber freuen, dass die Landesregierung in die gleiche Kerbe hat, wie er. Es ist mal wieder egal, was man wählt. Du kriegst doch überall die gleiche Politik. Da kann man nur allen ernstzunehmenden Künstlern raten, dass Land fluchtartig zu verlassen, bevor sie ebenfalls vereinnahmt werden. Das obige Programm wird nichts anderes zur Folge haben, als eine Verarmung der Kulturlandschaft. Bezeichnenderweise führt gerade diese Marketingfixierung dazu, dass Kultur austauschbar und beliebig und langfristig uninteressanter wird. Insbesondere bedeutet das auch, dass mehr Geld in ÖPP-Projekte fließen wird – also weniger Geld an KünstlerInnen und mehr an Unternehmen, die sich in dem Bereich engagieren. Denn in der Kulturwirtschaft soll auch Geld verdient werden. Das mit den Mäzenen erfüllt dabei nur eine Feigenblattfunktion.

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3 Antworten

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  1. Es ist natürlich ein sehr gewagter Schritt zu sagen, dass durch ÖPP und weniger Geld in die Kultur fließt. Dieses Argumentationskonstrukt zeugt zwar von hohem künstlerischen Können, aber von wenig fundiertem Denken.

    Es sind nicht nur irgendwelche Projekte, sondern Schulprojekte, die mit ÖPP realisiert werden. Ich bin doch der Meinung, dass Bildung auch zur Kultur beiträgt und zudem noch ein fundamentales Menschenrecht ist.
    Aber das Argument: „Die bösen Unternehmen und ihr ÖPP“ ist sicherlich öffentlichkeitswirksam, muss ich zu geben, nicht sehr standhaft.
    Schaut man genauer hin, werden durch die ÖPP-Projekte im Gegensatz zur Eigenrealisierung Kosten eingespart, welche wiederrum in den Kulturetat fließen könnten.

    Fazit: 2:0 in der Argumentation verloren! BaBaam!

    baugrund

    19. Mai 2011 at 12:50

    • Bevor Sie hier eine Endaufrechung machen, weisen Sie mir doch bitte mal nach, wie man diurch ÖPP Geld spart.

      1. Kommunalkredite sind günstiger als Kredite auf dem freien Markt (geringere Zinszahlungen)
      2. Bei ÖPP geht es nicht nur um die Finanzierung des reinen Bauvorhabens, sondern das beteiligte Unternehmen will auch noch ausreichend Gewinn machen. Und zwar mehr Gewinn als es bei anderweitigen Investitionen verdienen könnte.

      Wenn mans mal formelhaft wiedergibt sähe das so aus:
      Öffentlich fiannziert:
      [Bausumme]*[Zinssatz] = [Endsumme]
      ÖPP:
      ([Bausumme]+[Gewinn])* ([Zinssatz]+[Aufschlag]) = [Endsumme]

      Also wenn sowohl die Gesamtsumme, als auch die Zinslast höher sind, wie soll es da günstiger werden? Ihr Chance!

      tlow

      19. Mai 2011 at 13:06

      • Werden bei der Eigenrealisierung keine Gewinne von den Unternehmen gemacht bzw. angestrebt? Oder baut der Beamte gar selbst mit seinem Schüppchen so dass gar kein privates Unternehmen beteiligt ist? Die freie Marktwirtschaft und ein Unternehmen basiert immer auf Gewinnerzielung, nicht nur bei ÖPP.
        Außerdem ist empirisch belegt, dass Eigenrealisierungen zu 95% Sicherheit immer über den angesetzen Preis hinaus schießen, Bei ÖPP ist ein Festpreis vom Privaten festgelegt = Wirds teurer, geht das auf seine Kappe und nicht zu Lasten der öffentlichen Hand, wie bei der Eigenrealisierung.

        Bei der Finanzierung können durch eine Forfaitierung nach der Bauphase die gleichen kommunalkredit Konditionen erreicht werden. Zudem bringt der Private Eigenkapital mit ein, was die Refinanzierung günstiger macht.

        Außerdem ist in der schönen, aber leider falschen Formel der Betrieb vergessen worden. Hier wird nämlich erst deutlich, wieso ÖPP Sinn macht. Da am Anfang mehr durch den Privaten investiert wird, kann in der Betriebsphase gespart werden. Die Kommune würde alleine durch die haushaltärische Budgetierung nie mehr investieren können in bessere Qualität oder Technik, da es der ‚festgelegte‘ Topf gar nicht hergeben würde. Die Nachhaltigkeit in der Betriebsphase spielt hier eine große Rolle, weil so ein Gebäude stets im gepflegtem Zustand ist und nicht wie bei der Eigenrealisierung teilweise verkommt und nicht regelmässig investiert wird.

        Wer billig kauft, kauft zweimal.

        baugrund

        20. Mai 2011 at 09:32


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