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Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Alternativen zur Gentrifizierungs-Debatte?

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Erklärt der Begriff und das Konzept der „Gentrifizierung“ wirklich etwas besser, als die althergebrachte Kritik am Kapitalismus? Kann der Diskurs um Gentrifizierung auch ohne eine Kapitalismuskritik auskommen?


Die Verdrängung von Bevölkerungsschichten  war und ist immer wieder ein Problem. Ich muss allerdings auch Kritikern des Gentrifizierungs-Begriffes recht geben, dass die Fokussierung auf diesen Prozess weder am Anfang der Kritik stehen darf, noch man sich darauf beschränken darf.

Stadterneuerungs-Maßnahmen verdienen unsere volle Skepsis. Nichtsdesdotrotz muss die Kritik auch dem kleinen Vermieter gelten, der sein Haus entmietet um es aufzuwerten oder dem kleinen Ladenbetreiber, sofern er nur seine eigenen, egoistischen Interessen vertritt. Enthält man sich hier der Kritik, so akzeptiert man viele Prämissen,- wie z.B. die konkurrenzbasierte Wirtschaft.

Initiativen wie „Mediaspree Versenken“ oder „Recht auf Stadt“  sind  richtig und wichtig. Sich der Maschinerie  in den Weg zu stellen, die keine Rücksicht nimmt auf Lebensentwürfe und entstandene Nischen kann nur richtig sein.

Grundlagen der Gentrifizierungs-Theorien

Ein wichtiger Ansatzpunkt der Debatte ist die Mietlückentheorie von Neil Smith (ca. 1986). Diese geht als produktionsseitige Theorie u.a. davon aus, dass die Abwertung von Stadtvierteln nötig ist für den Wohnungsmarkt um für bestimmte Investoren wieder ausreichend interessant zu werden.

Diese bezieht ihre Grundlagen vor allem auf große amerikanische Städte, in denen die Innenstädte nach Investitionen in Vororte oftmals vernachlässigt wurden. Städte wie Chikago sind allerdings so kompliziert und anders als deutsche Städte, dass man diese Theorien und Analysen nicht ohne weiteres 1:1 auf unsere Verhältnisse übertragen kann.

In den USA sind viele Städte besonders seit den 50er Jahren zunehmend zersiedelt. Riesige Vorstädte brachten neue Probleme – und die ursprüngliche Stadt-Idee war nicht mehr lebbar. Das Auto wurde zur Notwendigkeit – brachte aber auch wieder weitere Probleme mit sich (wie die Zerschneidung von Wohnvierteln für Straßen).

Als Alternative entstand die Idee des New Urbanism, die man schon auch auf Europa übertragen kann. Weg von der „Autogerechten Stadt„. Denn das Auto löst nicht unsere Mobilitätsprobleme, sondern schafft mehr, als es beseitigt (Parkplatzproblematik, weitere Zersiedelung, Lärm, Umweltzerstörung,…) Die Stadt als menschlich, als begehbar ist auch hierzulande in Gefahr und oftmals nicht mehr vorhanden. Und im Denken der Politiker nimmt das Auto immer noch den Vorrang vor allem anderen ein.

Die neuere Gentrifizierungsdebatte scheint sich vor allem auf das Werk von Antonio Negri und Michael Hardt zu stützen und ihrem Werk „Empire, die neue Weltordnung“  (wurde auch bereits als Kommunistisches Manifest des 21. Jahrhunderts bezeichnet) und den Folgebänden. Die Aufwertung von Stadtvierteln wird als eines von mehreren Beispielen gesehen, wo der Kapitalismus heute seinen Mehrwert abschöpft, insbesondere durch „Immaterielle Arbeit„. In der Theorie verliert die produktive oder materielle Arbeit an Bedeutung. Ein Angriff auf die Wertschöpfung des Kapitalismus, z.B. im Bereich Wohnen wird als essentielle Strategie gegen das kapitalistische System angesehen. Daher kommt der modernen postoperaistischen Gentrifizierungsdebatte eine große Bedeutung zu.

// Zur Kritik an ‚Empire‘ auch diesen Artikel von Maria Turchetto und von Steve Wright lesen.

Problematisch daran ist, dass es sich hierbei um ein hochkomplexes Gedankengebäude handelt. Immaterielle Arbeit z.B. ist sowohl die Arbeit einer Putzfrau, als auch die eines Produktdesigners. Hier wird Arbeit realtiv beliebig in verschiedene Bereiche eingeteilt, um einem Erklärungsmuster zu dienen. Hier kehrt der Postoperaismus den Arbeitern, dem Proletariat den Rücken zu, da er sie als relativ unbedeutend abqualifiziert im Vergleich zur globalisierten, neuen Arbeitswelt westlicher Prägung. Die These, dass materielle Arbeit immer unwichtiger wird kann man widerlegen. Sowohl in der Handy- als auch in der Automobilindustrie werden zur Zeit eher Roboter wieder abgebaut, da Menschenhände eben flexibler und billiger sind.

To be Continued….

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