KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Tausende gegen Atomenergie in Kiel auf den Straßen

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Meiner Schätzung nach waren es ca. 3.500 DemonstrantInnen. Bei einer Sitzblockade in der Bergstraße wurde diese ziemlich genau gefüllt. Die Bergstraße ist ca. 300 Meter lang. 12 Menschen pro Meter könnte hinkommen.

Andere Leute teilen diese Schätzung:

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Gestartet war die Demo mit einer Kundgebung am Bahnhofsvorplatz (der demnächst Platz der Kieler Matrosen heissen wird). Es war ein wenig absurd, dass der DGB-Chef der Region Nord sprechen durfte. Man hatte sich seitens der Veranstalter darauf geeinigt keine Parteienvertreter sprechen zu lassen. Ich sehe da wenig Differenz zum DGB. Insbesondere ist der DGB mit hauptverantwortlich dafür, dass wir heute noch so stark auf Atomenergie setzen.

Vergleiche dazu auch den SPIEGEL von 1978: Die Pro-Lobby: Kernkraft – ja bitte .

Der DGB-Chef wurde dann passenderweise auch mit einem „Arschloch!“ begrüßt. Den DGB auf einer Anti-Atom-Demo sprechen zu lassen ist so, als wenn man ein ehemaligen NPD-Kader auf einer Antifa-Demo sprechen lassen würde. Oder wie man so schön sagt: „Den Bock zum Gärtner machen…“

Dass das Ganze dann noch auf dem Podium unkommentiert blieb ist peinlich genug. Inhaltlich hatten die Redner alle nichts besonderes zu bieten, außer den zu erwartenden Forderungen. Im Grunde wiederholten sich die Argumente in jeder Rede. Dafür waren die Reden um so länger, so dass es über eine Stunde dauerte, bis der Zug sich überhaupt in Bewegung setzte.

Ich persönlich fand die Kombo (Käptn Kümos Marching Band, die übrigens auch beim Tag der Deutschen Einheit 2006 spielten usw.), die da spielte auch absolut gruselig, deren Musikauswahl nichts mit dem Thema zu tun hatte – und dem ganzen eher einen Volksfestcharakter als Vorbote der Kieler Woche verlieh.

Außerdem fiel mir auf, wie viele Leute such dort Getränke von McDonalds besorgten. Und das war für mich Indiz dafür, dass die aktuelle Anti-AKW-Welle wirklich in der Masse nichts mehr mit den Anti-Atom-Protesten gemein hat. Denn das ein McDonalds-Konzern genau die gleiche Schiene fährt wie die Atomkonzerne, dürfte jedem, der ein wenig nachdenkt bewusst sein. Aber offenbar gibts viele, die das Trennen können: Gegen Atomkraft, aber bei McDonalds konsumieren.Für mich geht das überhaupt nicht zusammen.

Trotzdem ists ja gut, wenn viele Leute sich gegen Atomkraft wenden – auch wenn sie ansonsten nix mit alternativen Lebensstilen anfangen können. Und McDonalds ist ja nun auch nicht mehr so der Aufreger wie in den 80er Jahren. Dennoch relativ zu den Erwartungen, die für die Demo in Kiel geschürt wurden war die Beteiligung eher mau. Die Anti-Nazi-Demo 2005 hatte 8.000 TeilnehmerInnen und die große Demo gegen das Sparpaket im November 2010 sogar 10.000.

Woran lags? An der verwirrenden Mobilisierung? Oder glauben die Leute, dass das Thema bereits gelaufen ist? Die Demo sollte einen Höhepunkt darstellen von Protesten, die in Kiel schon länger mit den Montagsdemos bereits vor Fukushima begannen.

Das beste Schild auf der Demo fand ich übrigens das, wo drauf stand „Keine Symbole und Parteifahnen auf Demos“ – oder so ähnlich. So absolut kann man das sicher nicht sagen. Aber es fällt schon aus, dass manche Organisationen offenbar alle möglichen Themen wählen, um sich zu zeigen und ihre Fahnen mal wieder entmotten.

Es fehlte der Demo irgendwie an einer Message. Es gab wenige Transparente oder Sprüche, die wirklich was rübergebracht hätten. Antiatom fühlt sich inzwischen ziemlich wie Mainstream an – und da tue ich mich um so schwerer mich selbst zu motivieren hinzugehen. Ich glaube auch nicht, dass über die Atomkraft auf der Straße entschieden wird. Wichtiger wäre es den gesellschaftlichen Diskurs voranzutreiben. Mehr Sinn machen da sicher Castor-Blockaden als direkte Aktion.

Mich würde mal interessieren, wie die LeserInnen des Blogs das so gesehen haben oder sehen?

Update: Inzwischen gibt es auch einen Artikel bei KN-Online.

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Written by tlow

28. Mai 2011 um 15:06

Eine Antwort

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  1. Es fehlt einfach hinter und vorne ans Geld. Die Atomlobby ist so stark, daß Normalsterblichen nichts anfangen können und haben nur die Strassen als Forum für sich erobert.

    Um so skeptischer das Volk, um so weniger Demonstranten tretten dort auf um mindestens gesehen und gehört zu werden.

    Die Deutschen sind einfach zu bieder um richtig remi-demi Demos zu machen!

    Janet Kaiser

    28. Mai 2011 at 22:35


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