KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Deindustrialisierung II

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Beim FabLab St.Pauli fand ich eine Aussage:

The urban crisis is also a crisis of production. Many cities have become centers of the service and “creative” industries – immaterial production – while the material production of everyday things is increasingly moved to the maquiladoras of the global south. In New York City, for instance, in 1960 29 % of the workforce were employed in fabrication; in 2005 it was a mere 4 %. At the same time people are pushed to consume more and more.

Soso. Woher sie die 4 Prozent nehmen ist nicht klar. Der Bürgermeister New Yorks sprach in einem Bericht von 15 %. Und ob es Sinn macht die Unterhaltungsindustrie (Film- und Musik) als Arbeitgeber auszuklammern – und diese den Dienstleistungen zuzuschlagen ist auch fraglich.

Unter dem Strich bleibt, dass Städte nachwievor Orte der Produktion sind. Aber auch unabhängig davon ist es nicht so entscheidend wo produziert wird, oder was die prekären Jobs sind. Und ob jetzt die Beschäftigten zum Arbeiten in eine Stadt reinfahren oder aus der Stadt heraus. Oder ob Großunternehmen wie Apple sich riesige Kapazitäten in China schaffen.

Wenn wir das als entscheidenden Unterschied betrachten, dann entsolidarisieren wir uns doch mit den Entwicklungen dort. Wenn in Shenzhen nun durch die Industrialisierung neun Millionen Menschen leben, ist es absurd von einem globalen Trend der Deindustrialisierung von Städten zu reden. Das es in einer globalisierten Wirtschaft Unterschiede gibt zwischen Städten ist logisch.

Aber genau so wenig, wie es einen Unterschied macht, ob Prekarisierte nun am Fließband arbeiten oder als Bürgerarbeiter genau so wenig Unterschied sollte es machen, ob die Leute sich in New York oder Shenzhen in Fabriken kaputtarbeiten.

Die Perspektive macht nur aus einer regional oder national orientierten Standortlogik Sinn. Seltsam finde ich auch die Absicht kleine Billigproduktionskapazitäten wieder in die Städte mit FabLabs reinzutragen. Produktion, aber unter welchen Bedingungen? Aus der Fab Charter ergibt sich nicht wirklich der Aufbau gemeinnütziger Produktionsorte, siehe „Kommerzielle Aktivitäten können in Fab Labs gestartet werden, aber sie dürfen den offenen Zugang für andere nicht behindern“ – Das ist eine vom MIT entwickelte Charter. Wir sollen also kleine, kommerzielle Startups fördern? Warum sollte die Gemeinschaft das tun? Damit hinterher jemand Arbeitgeber wird und die Prekatisierten zu billigen Löhnen anstellt?

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