KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Von der anderen Seite: Facebook in Schleswig-Holstein

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Ein weiteres mal ist für mich das Landesblog und Wen Wacker Aufhänger eines Artikels (leider gibts ja so wenig Blogs mit Inhalt in diesem Bundesland):

Für einen Kommentar würde dies zu lang. Ich hänge mich mal an folgendem Absatz auf:

Wir müssen bestimmte gesellschaftliche Regeln für den Umgang mit social media lernen. Am Beispiel der Zwiebel Facebook: Zuerst erschlägt uns die Fülle des Angebots. Dann erkennen wir fast intuitiv die Einfachheit des Angebotes. Um dann schließlich die Schale zu sehen, die uns die Details der Verästelungen der Facebook-Feinheiten präsentiert. Ist eine private Seite „besser“ als eine Fan-Seite? Muss eigentlich jede Institution als private Seite daherkommen oder ist eine Fan-Seite oder eine Gruppe nicht auch was Gutes?

Ich stelle da einfach mal ehrlich meine Erfahrung mit Facebook gegen: Ich selbst bin ja seit vielen Jahren online, also noch vor der Zeit, als das Internet in Deutschland für Privatpersonen zugänglich war. Und ich habe auch viele Trends kommen und gehen gesehen. Von den sozialen Netzwerken habe ich als damals Selbständiger zuerst XING und LinkedIn genutzt. Ganz einfach, weil das eine weitere Möglichkeit war auf die eigene Dienstleistung hinzuweisen und sich mit anderen zu vernetzen. Dabei setzen beide Netzwerke primär auf ein beruflich-professionelles Umfeld. Die Profile sind dort eher nüchtern und zeugen nur eine Seite der eigenen Person. Damals hat man da auch keine Updates von sich gegeben, was man gerade tut oder denkt. Es stellt quasi ein weiteres Profil dar, wie die eigene Homepage.

Bei Facebook wird das ganze noch weiter getrieben. Meine Erfahrung damit war eher so:

  1. Mal registrieren und anmelden, was man so machen kann.
  2. In die Datenschutz-Einstellungen und soviel wie möglich deaktivieren, besonders das, was man nicht versteht.
  3. Versuchen Facebook zu nutzen und feststellen, dass alles nur geht, wenn man die ganzen Datenschutz-Einstellungen bis zum geht nicht mehr lockert.
  4. Ende: Facebook erscheint mir als Privatperson im Gegensatz zu den anderen Netzwerken, insbesondere aufgrund seiner privaten Ausrichtung als fast nicht nutzbar ohne weite Teile seiner Privatsphäre, inklusive seines Freundeskreises öffentlich zu machen.

Die „Kontakte“ bei XING z.B. sind nicht meine „Freunde“. Genau das aber propagiert Facebook. Ein Traum für jeden Stalker oder den Überwachungsstaat oder jedes Werbeunternehmen.

Ein weiteres Licht fällt auch die Funktion „Gefällt mir!“ – Das habe ich nie verstanden. Was gefällt mir schon? Wacker dazu:

Wie die meisten Leute, die bei Facebook sind, weiß ich, dass man das mit dem „Gefällt mir“ nicht wörtlich nehmen darf und beklicke ständig aus Informationsinteresse Quellen, die mir bestenfalls „egal“ sind.

Aha. Und wozu klicke auch auf irgendwas, was mir egal ist? Gehts da nur drum in irgendeinem Zusammenhang aufzutauchen, damit Leute auf das eigene Profil geleitet werden?

Bis ich bei Boetticher auf „Gefällt mir“ klicke, da müsste sich schon die Erde anders herum drehen.

Die Behauptung: „Die Schwachstelle ist also nicht Facebook, sondern unser Umgang damit.“ …sehe ich genau umgekehrt: Man kann mit Facebook nicht vernünftig umgehen! Die gesamte Ausrichtung bietet, zumindest bei Privatpersonen, fatale Fallstricke. Facebook sieht nur so aus, als könne man es gefahrlos benutzen. Wenn man aber auf Datenschutz achtet, so wird es schnell unbenutzbar. So gehts es jedenfalls mir.

Ich denke Facebook kann man nur dann benutzen, wenn man die Augen schließt vor den Gefahren und einfach macht. Insofern hat es viele Parallelen zu Windows. Auch Windows kann man m.E. nicht sicher benutzen (zumindest mein Wissensstand vor Windows 7). Soziale Netzwerke als solches können aber nützlich sein. Ohne identi.ca /und im geringeren Maße Twitter) z.B. könnte ich es mir kaum vorstellen – und das ganze ist auch relativ unverfänglich, solange man nicht auf die Idee kommt jeden privaten Pups via Microblogging von sich zu veröffentlichen.

Nicht zuletzt halte ich es für bedenklich die gesamte öffentliche Kommunikation einem privaten Konzern wie Facebook zu übertragen. Facebook offen zu nutzen halte ich in den meisten Fällen für eine eher unreflektierte, impulsgesteuerte Vorgehensweise. Wenn man von Leuten von ihrer Aktivität bei „Face…“ hört – und die aber ansonsten offenbar keinen Schimmer von Internet und Computern haben, dann blinken bei mir alle Warnlichter. Dann sind da Horden in Netzwerken unterwegs von denen sie keine Ahnung haben, was sie anrichten, oder welchen Risiken sie sich aussetzen. Wegschauen und verharmlosen halte ich da für keine adäquate Antwort. Facebook steht auf eine Art für das Ende von Privatheit.

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