KielKontrovers

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Archive for Juli 2011

Nach erneutem Überfall auf Busfahrer Zweifel an Überwachungskonzept

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Es ist noch nicht lange her, als im Oktober letzten jahres KVG-Busse mit Kameras ausgestattet wurden, um anglich die Sicherheit der FahrerInnen zu erhöhen. DatenschützerInnen kritisierten schon damals, dass mehr Überwachung nicht mit mehr Sicherheit gleichzusetzen sei.

Nun wurde in Mettenhof wieder einmal ein Fahrer überfallen (ein zweites mal in seinem Leben). Und die KN schießt aus allen Rohren nach noch mehr Maßnahmen. Angeblich sollen Fahrkartenautomaten und geschlossene FahrerInnenkabinen die Lösung bringen. Aus Sicht der KN, nicht der der KVG. Interessant ist, dass die KN weder im Artikel auf Seite 20 der heutigen Ausgaben noch im Kommentar auf Seite 2 überhaupt die Kameras erwähnt. Z.B.: Waren in dem Bus Kameras installiert? Wenn ja, lieferten sie überhaupt brauchbares Material?

Es ist bekannt, dass Überwachungskameras oft eine sehr schlechte Bildqualität liefern. Noch eine Kapuze drüber – und schon kann man außer Farbe der Kleidung und Größe und Anzahl der Täter nicht viel erkennen.

Es ist vor allem erstaunlich, dass so eine Maßnahme, die damals  als „Zukünftig mehr Sicherheit für unser Fahrpersonal und unsere Fahrgäste“ gefeiert wurde in einem aktuellen, neuen Fall nicht einmal erwähnt wird!

Die Argumentation war und ist absurd:

Die Geschäftsleitung der KVG hat daher beschlossen, ihre Fahrgäste und ihr Fahrpersonal besser zu schützen und alle Neufahrzeuge künftig mit Videoüberwachung auszustatten, die eine abschreckende und gleichzeitig schützende Wirkung haben soll. (KVG-Pressemeldung vom 22.10.2010)

Wenn, dann kann eine Videokamera für manchen Täter eine abschreckende Wirkung haben. Aber in dem jetzigen Fall und oft sitzen auch einige Zeugen (Fahrgäste) im Bus. Im damals aktuellen Fall, als eine Busfahrerin angestochen wurde, konnte der Täter ohne Kameras schnell gefasst werden. Dieses mal (mit Kameras?). Offenbar nicht. Wo war hier das MEHR an Schutz?

(Ich habe dazu eine Anfrage an die KVG am laufen und werde den Artikel diesbezüglich aktualisieren)

Written by tlow

31. Juli 2011 at 23:08

Gewerkschaft der Servicekräfte schließt Tarifvertrag ab. Welche Rolle spielen die Mitglieder?

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Stolz verkündet die GDS (Gewerkschaft der Servicekräfte) auf ihrer Homepage den Tarifabschluß mit der UKSH Service GmbH.

Details stehen in dem Artikel nicht. doch es sollen u.a. 10 Prozent mehr Lohn bis 2014 sein. Abgesehen davon, dass es bis 2014 immerhin noch drei Jahre sind, gibt es aber andere bedenkliche Zeichen bei der GDS Kiel. In ihrer Satzung ist eine Beteiligung der Mitglieder beim Abschluß von Tarifverträgen überhaupt nicht vorgesehen.

Neben wir diesen Paragraphen:

§ 4 Arbeitskämpfe

  1.  Zur Durchsetzung und Verteidigung der Interessen ihrer Mitglieder kann die GDS zum Arbeitskampf aufrufen.
  2. Der Gewerkschaftsvorstand erlässt Richtlinien zur Vorbereitung und Durchführung von Arbeitskämpfen sowie zu den Leistungen im Arbeitskampf.
  3. Der Gewerkschaftsvorstand beschließt die Vorbereitung und Durchführung eines Arbeitskampfes.

In § 6 wird bei den Rechten der Mitglieder auch nicht erwähnt, dass es so etwas wie Urabstimmung zur Annahme von Tarifabschlüssen geben würde.

In weiteren dieser Paragraph:

§ 21 Tarifkommissionen

  1. Für jede Tarifverhandlung wird eine Tarifkommission gebildet.
  2. Näheres wird durch Richtlinien geregelt, die der Gewerkschaftsvorstand nach Beratung mit der jeweiligen Bezirksgewerkschaftsvorstands beschließt.

Zusammenfassend kann man also sagen: Der Vorstand der GDS kann den Beginn einer Tarifauseinandersetzung beschließen, genau so wie den Beginn von Arbeitskämpfen. Laut Satzung sind die Mitglieder ja zur Solidarität verpflichtet und müssen somit streiken, ohne dass sie selber mit bestimmen können.

Man kann vieles gegen ver.di vorbringen – und ich verstehe auch den Frust der Beschäftigten der Service GmbH, wenn man diese Geschichte hört/sieht:

Dennoch müsste ja eine neue Gewerkschaft eigentlich aus den Fehlern lernen und eben MEHR Mitbestimmung statt WENIGER als ver.di einräumen.

Hier hängt der GDS ein großer Makel an. Die Frage ist, ob da nur jemand nicht aufgepaßt hat, beim Schreiben einer Satzung, oder ob jemand bewußt die Mitglieder ausgeklammert hat um frei walten und schalten zu können?

Man wird abwarten müssen, wie das Ergebnis genau aussieht, aber die Sache mit der Satzung ist für eine demokratische Gewerkschaft unabhängig vom Ergebnis nicht akzeptabel!

Schiffe versenken: OB, SPD und ver.di vereint für Marinedepot in Kiel

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Nachdem sich erst letztlich OB Torsten Albig für das Marinearsenal stark gemacht hat:

stoßen sich nun in einer Pressemitteilung die „Großstadt-SPD“ und ver.di ins gleiche Horn:

„Die Sicherheit Deutschlands als größte Industrie- und Handelsnation Europas besitzt eine wichtige maritime Dimension. Die Sicherheit im 21. Jahrhundert ist angesichts der sicherheitspolitischen Herausforderungen und zunehmender Marktverflechtungen aller Lebensbereiche global angelegt.
Unser Globus ist zu 7/10 mit Wasser bedeckt und bildet daher die gewaltige, alles umfassende und unzerstörbare maritime Rollbahn zur Projektion wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Einflussnahme.
Die Bedarfe, Erfordernisse und Herausforderungen der Marine durch die Beschlüsse der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages, deren sicherheits- und verteidigungspolitische Einbindung in der Europäischen Union und der Nato, sind hinreichend bekannt. Zur Bewältigung dieser Bedarfe und Erfordernisse sowie zur Überwindung der Herausforderungen braucht die Marine eine hoch kompetente und zuverlässige Dienstleistung. Diese Dienstleistung stellen und erbringen die Marinearsenalbetriebe an Nord- und Ostsee […]“
Eine „alles umfassende und unzerstörbare maritime Rollbahn zur Projektion wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Einflussnahme„? Blöder gehts wirklich nimmer! ver.di? Der Sprecher in dem Falle ist Frank Hornschu, der gleichzeitig auch SPD-Ortsvorsitzener in Russee ist. Ist so eine kriegsverherrlichende Politik wirklich im Interesse der ver.di-Basis? Aber es ist typisch, wie hier Parteipolitik und Gewerkschaftspolitik verzahnt ist. Hier steht DGB und SPD in ihrer eigenen Tradition seit Gewährung der Kriegskredite und der Burgfriedenspolitik 1914. Inzwischen braucht es bei der SPD schon gar keinen Weltkrieg mehr um sich auf die Seite des Militärs zu schlagen. Ihr Herz schlägt für Krieg und für Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Da werden die Meere zur Rollbahn deutscher Interessen degradiert. Wie verkommen muss Politik sein, um solche Sätze bilden zu können? Und wie blöd muss eine Gewerkschaft sein, um in diesen Chor einzustimmen?
Einblicke ins Marinearsenal zum 50. Jahrestag von der Bundeswehr:

Schicksal des Fehmarner Spaßbads Warnsignal für Kieler Zentralbad

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In Kiel soll es das Bad sein in das alle KielerInnen strömen ring in space– die anderen Bäder sollen geschlossen werden: Das Kieler Zentralbad – nun auch oft Freizeitbad genannt.

Auf Fehmarn führte eine Fehlkalkulation bereits zu erheblichen Verlusten (in der heutigen KN auf Seite 13, oder in der LN am 14.7.) bei „FehMare„. Zu hoher Energieverbrauch, weniegr BesucherInnen als angenommen – fertig ist das Minus. Dazu braucht es nicht viel. Von möglicherweise 600.000 Minus pro Jahr wird inzwischen gesprochen!

Im Moment hat man in Kiel auch gar nicht das Geld um das Bad zu bauen, weil das Land es nicht gestattet, dass Kiel so hohe Schulden macht, wie sie geplant haben. Und das bei einer Stadt die ja angeblich so auf die Sparbremse drückt.

Stimmt natürlich nicht. Unter Todeskino/Albig hat es erhebliche Mehrausgaben gegeben. Immer wieder wurden Projekte für viel Geld angeschoben, die dann gescheitert sind, während notwendige Investitionen gestrichen wurden.

Written by tlow

23. Juli 2011 at 13:38

Feldstraße: Peter Todesgrün schlägt wieder zu

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Peter Todesgrün, der schlimmste Feind aller Grünstreifen und Baumalleen schlägt wieder zu: Es geht ab in der Feldstraße. „Krieg der Briefe“ titelt die KN.

In früheren Generalverkehrsplänen war noch vom Rückbau der großen Straßen die Rede. Doch unter Grün feiert die Anti-Grün Politik neue Erfolge. Feldstraße abholzen, Grün plattmachen. Zugang zum Wasser zubauen und die Sahnestück der Stadt Kiel schön an dubiose Investoren verschachern. Das ist zwar schon öfters schief gegangen, aber dafür hat Todesgrün noch nie seinen Kopf hinhalten müssen.

Written by tlow

22. Juli 2011 at 16:36

BarCamp in Kiel 2011

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Nach drei Jahren kam es im letzten Jahr erstmalig zu einem Barcamp in Kiel. Letztes Jahr hatte ich die Idee zwar mit angeschoben, mich aber frühzeitig aus der Organisation verabschiedet wegen Unstimmigkeiten mit den MitorganisatorInnen. Dieses Jahr soll es am 19. und 20. August wieder so weit sein. Inzwischen sind BarCamps nicht mehr so spannend, sondern im Mainstream angekommen, wie nicht zu Anfang. Es wird zunehmend schwer gegen eine Konsummentalität anzukämpfen. Ein guter Vortrag ist z.B. nicht Sinn eines BarCamps. Es sollte da eher darum gehen sich  auf verschiedenen Ebenen auszutauschen. Kompetenzen zusammenwerfen. Und eben gerade Monologe und die Frontal-Situation klassischer Vorträge aufzulösen. Die Rollentrennung zwischen ZuhörerInnen und Vortragende sollten sich auflösen. Alle an einem BarCamp Beteiligten sollten eine Kompetenz mitbringen, die sie auch in den Ring werfen. Was nicht ausschließt, dass da vorne nicht jemand mal 20 Minuten am Stück redet. Aber eigentlich wird das eher immer langweilig sein und vertane Zeit – jedenfalls im Sinne eines BarCamps, wie es mal gedacht war.

Ich würde daher sagen, dass jedeR zu einem Barcamp etwas mitbringen sollte. Ob nun materiell oder imateriell. Also entweder eine Bereitschaft zu helfen, ein Wissen das man auch in Diskussionen einbringt, eine Tüte Chips oder was auch immer.

Was leider bei vielen BarCamps eingesetzt hat ist eine starke Kommerzialisierung. BarCamps auch als Werbeplattform. Ebenso wie bei Webmontagen. Da muss man sich dann irgendwelche Werbebotschaften anhören zu irgendwelche Produkten. ich selbst habe mich seit einigen Jahren vermehrt von dem Kommerziellen entfernt, insbesondere nach der Aufgabe meines Gewerbescheins.

Dennoch werde ich mich auf diesem BarCamp mal tummeln um mal so zu hören was sich in Kiel so tut. Und auch um zu schauen, ob sich die Möglichkeit ergibt Erfahrungen auszutauschen. Via Internet findet leider wenig spannendes an Debatten statt. Aber das ist nicht ein reines Onlineproblem. Jede Art von Treff unterliegt bestimmten Zeitbeschränkungen und Regeln. Durch Microblogging und Facebook verändern sich derzeit auch die Regeln im Internet. Wobei es da zum einen zu einer Trennung nach Alter und nach Einstellung zu Datenschutz und Privatsphäre gibt. Einigem so wie ich, lehnen Facebook aus Prinzip ab und sehen bei Google+ erstmals einen Dienst eines der Großen im Internet der viel Kritik berücksichtigt und benutzbar zu versprechen scheint.

Aber dennoch tummeln sich bei Facebook Millionen Menschen aktiv. Wobei ich die 600 Millionen mal ganz frech in Frage stelle. Ich selbst habe auch mehrere Twitter-Accounts für verschiedene Zwecke. Wenn man dann noch bedenkt, dass es für manche Leute Sinn macht viele „Freunde“ bei Facebook zu haben und sich Accounts mit ausgedachten Namen auch prima zum Spammen lohnen würde ich die Zahl mal um 10 teilen – wären 60 Millionen User weltweit und rund 2 Millionen in Deutschland. Muss man noch die abziehen, die Facebook nicht wirklich nutzen.

Mir macht so ein Monster wirklich Angst. nicht nur der Datendiebstahl, sondern auch der Fakt, dass es ein Unternehmen gibt, dass alle Beziehungen von so vielen Menschen in einer Datenbank hat und bekanntlich nicht sonderlich gut ist beim Schützen der Daten. Die größte Gefahr liegt im Weiterverkauf der Daten zu Werbe- und anderen Zwecken.

Ich glaube mittlerweile bilden sich verschiedene Klassen von Usern heraus. Stell den Leuten 20 Fragen zu ihrer Nutzung und Einschätzung des Internets und Du kannst Gruppen bilden. Da gibt es dann verschiedene Schnittpunkte. Da habe ich dann Gemeinsamkeiten mit Rentnern in meiner Skepsis zu Facebook. Wobei ich selbst seit Ende der 80iger Jahre Onlinebanking benutze.  Das einzige mal, wo mir mal etwas zugestoßen ist, war letztes Jahr als ich am Arndtplatz bei der Commerzbank Opfer einer Skimming-Attacke wurde. Und das war somit nicht im Internet, sondern im realen Leben!

Andere aber stehen mit beiden Beinen mitten in Facebook und haben da oft jeden Versuch aufgegeben dort ihre Privatsphäre zu schützen. Ich denke die Realität bestimmt uns auch selbst. Wer in Facebook aktiv ist, könnte nicht ruhig schlafen, wenn er jeden Tag  darüber nachdenken würde, was für Gefahren drohen.

Genau wie ich, der ich ja auch unter realem Namen blogge mit Impressum und Adresse. Damit sind auch Missbrauchsmöglichkeiten verbunden. Aber die gibt es halt immer. Dagegen wäre ich mich aktiv und aggressiv gegen jegliche Brief-Werbung und lasse den Eintrag meiner Adresse in Werbedatenbanken nach Datenschutzrecht entfernen, wenn ich davon erfahre. Auch habe ich natürlich bei der Stadt Kiel festgelegt, dass meine Adresse für alle möglichen Zwecke, wie Wahlwerbung, nicht herausgegeben werden darf.

Andere wiederum würden nie unter eigener Adresse etwas veröffentlichen, wehren sich aber nicht gegen den Handel mit ihrer Adresse.

Ich denke es gibt da kein richtig oder falsch. Jeder schätzt Risiken verschieden ein. Das hat auch viel damit zu tun, wie man aufgewachsen ist und erzogen wurde. und mit dem Lebensgefühl. Genau so gibt es auch verschiedene Nutzungen von sozialen Medien wie Twitter und Blogs. Ich selbst nutze meine Blogs interaktiver als Twitter. mit geht es nicht wirklich darum ein weiteres soziales Netzwerk online aufzubauen oder virtuelle Freunde zu gewinnen. Mir gehts meist im Internet um Information oder um einen virtuellen Dialog. Das Internet frisst schon eh zu viel Zeit von mir – Twitter ausreichend zu pflegen wäre mir viel zu zeitaufwendig und zu unergiebig.

D115 in Kiel: Zahlen unterhalb niedrigster Schätzung

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Im April hatte ich eine negative Schätzung abgegeben, dass wenn es in Kiel bei D115 so schlecht läuft wie in Magdeburg, wir mit nicht mehr als 1000 Anrufern pro Monat rechnen können.

Nun gab es eine erste Zwischenbilanz in der KN und meine Negativschätzung wurde noch um die Hälfte unterboten. Nur knapp 500 Anrufer soll es im Juni gegeben haben. Die Zielmarke liegt bei rund 12.600 Anrufen.

Geht die Entwicklung in Kiel so schleppend weiter, kostet das die Stadt pro AnruferIn 45 Euro!

Wenn man bedenkt wie in Kiel so oft der Rotstift bei sozialen Projekten angesetzt wird. Es bahnt sich in Kiel der nächste Reinfall des Duos Albig/Todeskino an. Wer ein wenig recherchiert hätte, hätte eben all diese Problematiken bei anderen Städten recherchieren können. Das gleiche galt und gilt natürlich für das überteuerte Zentral/freizeitbad oder damals für das Science Center und die Stadtregionalbahn. Eine weitere finanzielle Katastrophe wird man sich mit dem ÖPP-Projekt Regionales Bildungszentrum in Gaarden reinholen. Auch alles vorhersehbar. Aber die tollen Politiker in Kiel wissens ja immer VIEL besser als wir einfachen BürgerInnen.

Seufz. Naja, ist ja nicht ihr Geld, sondern unseres.

Update: n der Onlineumfrage der KN geben 83% der Leserinnen an, entweder diese Nummer die angewählt oder nie davon gehört zu habe.

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