KielKontrovers

Ein Projekt vom 1Todo Institute

Archive for August 2011

Neues von D115: Arbeitsplätze in Kiel werden abgebaut

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Torsten Albig hat erfolgreich Arbeitsplätze in Kiel abgebaut. Der Telefonservice der Stadt Kiel ist in Gefahr.

Obwohl der neue Dienst, die Behördenrufnummer 115 in Kiel vor sich hin dümpelt (Juni rd. 500 Anrufer, Juli 717) wurden die Stellen bei der eigentlichen Kieler Rufnummer abgebaut. Und zwar dadurch, dass den Mitarbeitern gesagt wurde, dass ihre Arbeitsplätze wegfallen werden. Die verbliebenen Mitarbeiter müssen hingegen täglich das bewältigen, was das Hamburger Zentrum im Monat zu leisten hat.

So sollen, anders als geplant, am 15. November ALLE Anrufe von Kieler (SHZ vom 15. November) in Hamburg aufschlagen. Fragt sich wer die Kosten für die Umleitung trägt?

Doch die Leistungsfähigkeit der Hamburger Zentrale ist begrenzt. Denn abseits sehr allgemeiner Fragen, wo und wie man seinen Pass verlängert sind dort keine Fachleute, sondern lediglich geschultes Personal mit einer Wissensdatenbank. Mir konnten sie jedenfalls nicht weiterhelfen als es darum ging Informationen darüber zu bekommen, wie man einen Personalausweis außerhalb von Kiel verlängert.

Das verrückte ist:  Die Anrufe aus Kiel, wenn sie alle nach Hamburg durchgestellt werden, müssen heute in 35% der Fälle wieder zurück nach Kiel geleitet werden.

Der Trick aus Sicht der Projektbefürworter ist der, dann angeblich das Fachpersonal von sich wiederholenden Anfragen entlastet wird. Aber kann die Stadt Kiel wirklich auf eine eigene Telefonzentrale verzichten?

D115 wird zu einer sich selbst-erfüllenden Prophezeiung: Da die Mitarbeiterzahl von 10 auf fünf gesunken ist, stellen sie tatsächlich mehr AnruferInnen direkt in eine Fachabteilung durch. Dadurch wird aus der Kieler Telefonzentrale endlich der schlechte Service, den D115 immer behauptet hat. D115 erzeugt also den Effekt, den es kritisiert, anstatt die Kieler Telefonzentrale tatsächlich zu entlasten.

Im Grunde sieht das ganze sehr nach einer Fehlplanung aus. Aber vielleicht war diese massive Serviceverschlechterung immer schon geplant und erhofft. Damit man endlich Arbeitsplätze abbauen kann. Was wird aus den fünf, die bisher keinen Ersatz-Arbeitsplatz haben? Vor die Tür gesetzt? Naja, jedenfalls sorgt Kiel dafür, dass in Hamburg Arbeitsplätze gesichert werden. Und Finanzmittel werden auch ins Nachbar-Bundesland transferiert für die nächsten Jahre. In der Zwischenweile gibt es in der Landeshauptstadt immer noch kein Ticketsystem – und bei einem externen Telefonservice wird das auch realistisch nicht kommen. In ein paar Jahren wird man dann merken, dass das alles nix taugt und für teuer Geld bei null anfangen müssen. Dabei hat man ganz nebenbei Kompetenz von TelefonmitarbeiterInnen abgebaut, die die sich über Jahre oder Jahrzehnte aufgebaut haben. Dafür sind wir jetzt total abhängig von den Hamburgern, denen auch das Wissen gehört, wie in Kiel Dinge funktionieren. D.h. selbst wenn der Service aus Hamburg seinen Preis erhöht, wird Kiel nicht mehr wechseln können.

Da hat Herr Albig ja schon mal gezeigt, wie er zukünftig das Land regieren wird. Das interessante: Die Ratsversammlung hat niemals über D115 diskutiert oder dessen Einrichtung beschlossen!

s.a. ältere Artikel zu D115 hier.

Written by tlow

23. August 2011 at 11:28

Zum Aufbau freier Funknetze in Kiel

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Es gibt seit einigen Monaten eine neue Initiative Freifunk in Kiel besser zu etablieren. Versuche gibt es in Kiel schon länger. Deswegen habe ich auch gezögert noch mal etwas zu schreiben. Das Thema ist auch sehr techniklastig. Daher eine kurze Einführung in die Grundideen:

Beim Freifunk geht es zunächst darum, eine alternative Netzstruktur zum Internet zu schaffen. In Berlin hat Freifunk die größte und beste Verbreitung. Vernetzt wird primär mit Routergeräten, auf die eine alternative Software (meist Linux) aufgespielt wird. Diese Router kommunizieren untereinander über WLAN-Wellen. Wer sich mit diesen Routern vor Ort verbindet kann somit auf das ganze, drahtlose Netz zugreifen.

Mehr will ich gar nicht zur Technik erzählen. Wer mehr wissen will kann die obigen Links durchforsten. Was aber ist die Herausforderung bei Freifunk?

  1. Die Router, die sogenannte „Netzknoten“ bilden liegen teilweise in einer Stadt zu weit auseinander, weil sie dort stehen, wo jemand wohnt.  Das heisst aber nicht, dass sie immer in ausreichender Nähe zueinander stehen.
  2. Jede Technik kostet Geld, so auch diese Router
  3. Es braucht technischen Sachverstand, um diese Router umzuprogrammieren und daraus ein funktionierendes Netz zu bauen.

Freifunk in Kiel

Ohne auf viele Ups und Downs und Details einzugehen: Chaoskueste und Toppoint betreiben seit Jahren verschiedene Router. wobei nach meiner bisherigen Erkenntnis kaum Router direkt via WLAN verbunden sind, sondern die meisten Knoten über ein sog. „VPN“ (Virtuelles Privates Netzwerk). Sven Thomsen sagte dazu auf dem Barcamp Kiel „Das Netz steht!“. Die Idee des VPNs ist, dass man sich auch ohne bestehende WLAN-Verbindung vernetzen kann, bis eine Freifunk-Verbindung besteht.

In Berlin werden damit z.B. Netzlöcher gestopft. Allerdings ist es etwas anderes, ob man lediglich kleine Löcher stopft, oder ob die Netzstruktur zu 99% aus Nicht-WLAN-Verbindungen besteht.

Freifunk in Gaarden

Durch Zufall erreichten wir im Sandkrug in Gaarden eine hohe Dichte an Freifunk-Interessierten. Wir hatten ein kleines Netz aus drei Interessierten Wohneinheiten, als eine weitere Partei dazukam: Die Crew der Thor Heyerdahl, die nicht wussten, wie lange sie in Kiel bleiben würden und eine Möglichkeit suchten Internet machen zu können.

Darüberhinaus gab es noch einige weitere Interessierte. Doch uns fehlte die Entschlossenheit, Technik und das Geld, um die längeren Distanzen zu überbrücken. Nicht die Möglichkeiten, denn wir hatten durchaus Sichtverbindung.

Als „Gaarden Funkt!“ bestand das kleine Netz einige Zeit (1-2 Jahre). Am Ende waren es dann aber doch nur noch wieder zwei Router/Parteien. Und für zwei Leute die sowieso kaum 50 Meter auseinander wohnen ist die Frage, warum man ständig zwei Router betreiben soll, die Strom verbrauchen und senden, ohne das das Netz viel genutzt wird.

Wie kanns funktionieren?

Die Erkenntnisse aus den bisherigen Vernetzungserfahrungen bringen mich zu folgenden Thesen:

  1. Freifunk kann funktionieren, auch via WLAN und ohne VPN. Allerdings erfordert es, dass man Vernetzungsmöglichkeiten konkret nutzt.
  2. Ein Router der nur sendet ist schon ein Hinweis an Nachbarn, dass hier was läuft. Dadurch wurde ich angesprochen. Allerdings fand man uns auch via Internet.
  3. Ein echtes Netz sollte aus mindestens vier zuverlässigen Wohneinheiten bestehen. Ich meine damit bewusst nicht Router. Es geht nicht um Technik, sondern um die Stabilität der Vernetzung.
  4. Es ist kein Problem lange Distanzen zu überbrücken, vorausgesetzt es existiert eine Sichtverbindung. Die ganze Power steckt in Antennen, die dem Zweck entsprechen und teilweise auch billig herzustellen sind:

Ich denke ein gutes Freifunk-Netz braucht eine gute Netzplanung und engagierte Leute. Ich würde empfehlen sich gar nicht erst mit VPN in einem frühen Stadion aufzuhalten. Denn VPN suggeriert, das der Job schon erledigt ist. Die Leute merken auch gar nicht mehr, wenn das WLAN nicht gut funktioniert, weil dann das VPN sofort eine Alternativroute anbietet.

Es gibt viele Interessierte an Freifunk. Vor allem junge, bastelfreudige Menschen. Freifunk wird auch auf absehbare Zeit ein Freakprojekt bleiben. Der Versuch dieses Netz jedermann schmackhaft zu machen muss scheitern. Denn man überträgt Vermarktungsgedanken der kapitalisitischen Welt auf ein selbstorganisiertes Projekt. Dann hat man bald eine handvoll Leute, die nicht begriffen haben, wie man sich beteiligt. die in erster Linie ein Anspruchsdenken/Serviceanspruch haben, den ein gemeinnütziges Projekt gar nicht leisten kann. Insbesondere wir Freifunk bei der derzeitigen Technik und am Anfang immer unzuverlässig sein. Auf dem  Barcamp Kiel z.B. gab es die Idee, dass man eine App für iPhones anbietet und somit jeder Kreuzfahrer sich das installiert und zu einem Freifunk-Knoten wird. Wieso die Leute das machen sollten, ist aber die große Frage.

Ein funktionierendes Freifunk-Netz in Kiel aufzubauen ist nicht schwer. Es braucht dazu nur gute Standorte und die entsprechenden Antennen. Die Router sind dabei gar nicht so wichtig, werden aber selbstverständlich auch gebraucht.

Die ersten Knoten sollten von engagierten Enthusiasten betrieben werden. Betreiben kann dabei auch heissen, dass jemand einen externen Knoten auf einem guten Standort pflegt.

Die Frage des Internets

Das Internet wird immer als ultimative Anwendung gesehen die jeder haben will oder muss.Vergessen wir dabei, dass die Struktur eine Alternative zum Internet darstellen soll. Und das eine Internetferne auch ein Feature sein kann. Ich kann meine Wohnungstür bei mir zuhause auch mal auflassen. Aber das würde ich nicht tun, wenn die ganze Welt reinkommen könnte. In einer Zeit, wo das Internet zunehmend omnipräsenter wird, wird auch Internet immer weniger ein Argument.

Wenn man versucht das Internet als Hauptargument zu verwenden, so wird das Argument für Freifunk jedes Jahr schwächer. Aus meiner Sicht bedeutet das Internet aber nur  eine große Anzahl an Fallstricken. Es kann Sinn machen, z.B. jemanden per VPN Zugang auf das eigene Internet zu geben. Das wäre dann aber etwas, was jeder einzelne mit anderen aushandeln kann. Das Freifunk-Netz selber wäre aber „internetfrei“.

Und die Zukunft?

Die Zukunft gehören m.E. drahtlosen Netzen, die niemandem gehören. Die Technik könnten die Kommunen bereit stellen. Jede Straßenlaterne ist ein potentieller Sendemast. Dazu sollte es dann aber beschänkte WLAN-Netze geben, wie Router niemals konkurrieren, sondern sich immer nur ergänzen. WLAN muss wie Straßen sein. Ohne dass man damit immer von überall nach überall kommt. Lediglich eine lokale Ebene z.B. für Kiel wäre angesagt.

Ich sehe Freifunk als Testfläche für so ein zukünftiges Medium. Es macht aber an sich keinen Sinn dauerhaft tausend unterschiedliche WLANs zu betreiben, wo jeder eine eigene Policy entwickelt. Im Moment sind wir im Experimentierstadium. Da ist fast alles erlaubt. Und die Technik entwickelt sich weiter.

Fazit

Die Zukunft ist  nicht, dass irgendwelche Leute, sich Router zu hause hinstellen und darauf warten, dass es funkt. WLAN kann durchaus auch weit senden mit der richtigen Technik. Es klingt simpel, aber bei der Funkvernetzung gehts drum, es einfach zu tun. Dinge ausprobieren, Netzwerke bauen, Erfahrungen machen, Leute kennenlernen. Es gibt dazu keine Abkürzung. Für Kiel würde ich sowas wie  einen Antennenbau-Workshop als eine gute Sache ansehen. Dann am besten gleich aufstellen und loslegen.

Written by tlow

23. August 2011 at 08:21

Facebook-Thema schlägt weiter Wellen

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Im Lawblog schrieb Udo VetterIn einer Analyse der Facebook-Praxis stützt sich das ULD vornehmlich auf Erkenntnisse, die jedermann mit dem Tool “Facebook Insights” ermitteln kann„. Das ist nach meinem Dafürhalten bei Durchsicht des Berichtes falsch. Das ULD hat selbständige Analysen des Traffics vorgenommen. Zudem gibt es eben die Unsicherheit darüber, welche Daten vermutlich noch gespeichert werden. Das ULD analysierte die Javascripts, um das abzuschätzen.

Den folgenden Absatz aus dem Papier fand ich recht plastisch:

Eine Datenverarbeitung ist zulässig, wenn die betroffene Person hierin eingewilligt hat (§ 4 Abs. 1 BDSG, § 12 Abs. 1 TMG, Art. 7 Buchst. a) EU-DSRL). Eine Einwilligung ist nur wirksam, wenn dieser eine vorherige Information über die konkrete Erhebung und Verwendung von Daten vorausgegangen ist. Nach § 4a BDSG muss diese Erklärung auf der freien Entscheidung des Betroffenen beruhen, weshalb er auf den vorgesehenen Zweck der Verarbeitung hingewiesen werden muss. Die erteilte Einwilligung muss bestimmt sein. Die Einwilligung muss den konkreten Zweck, Umfang, die Art der erhobenen Daten und die daraus resultierenden Konsequenzen erkennen lassen. Unwirksam wären daher alle pauschalen Erklärungen, in denen der Betroffene seine Zustimmung zu nicht klar definierten Verarbeitungsprozessen erteilt.

Erschreckend angesicht dieser sehr klaren Worte daher der Nebel, den Arne Wulf (CDU) verbreiten ließ:

Für die Landesregierung ist das soziale Netzwerk Facebook ein wichtiges Instrument zur Bürgerbeteiligung. „Politische Kommunikation findet heute auch im Internet statt. Daran wollen und werden wir auch in Zukunft festhalten„, sagte der Chef der Staatskanzlei, Staatssekretär Dr. Arne Wullf, heute (19. August) in Kiel.

Sind wir wirklich schon so weit, dass Parteien und/oder Landesregierung EGovernment auf einen amerikanischen Internetkonzern reduizieren. Bürgerbeteiligung ist gleich, wenn die Bürger nicht medienkompetent sind und die Kommunikation zwischen BürgerInnen im Lande und der Politik nur über das Ausland funktionieren darf? Arne Wulf würde ich anhand dieser Pressemitteilung jedenfalls in Sachen Medienkompetenz null Punkte attestieren wollen. Zudem finde ich es äußerst fraglich eine unabhängig Behörde derart dreist beeinflussen zu wollen.

Was ich auch unverständlich finde, ist wieso jede Aktivität des ULD auf Thilo Weichert reduziert wird? Der ULD ist eine Behörde mit 40 Mitarbeitern. Das ULD ist kein Ministerium. Auch wenn Herr Weichert sicher steuernd eingreift und Prioritäten setzt, so ist die inhaltliche Arbeit, wie man auf dem Barcamp Kiel sehen konnte von vielen Mitarbeitern getragen. Der Versuch der Personalisierung der ganzen Debatte ist kein Beitrag zu mehr fachlicher Auseinandersetzung.

Ich warte da immer noch auf fachlich orientierte Blogbeiträge, die das, was das ULD argumentiert widerlegen, sowohl technisch als auch juristisch. Könnt ihr hier gerne als Kommentar oder Pingback hinterlegen.

Meine persönliche Sicht ist aber auch eher die, dass ich mich seit Jahren von Facebook fern gehalten habe, weil ich nicht erkennen konnte, wie man es nutzt, ohne seine Privatsphäre total preiszugeben.

Written by tlow

21. August 2011 at 20:56

Regio-Blogs auf dem Kieler Barcamp

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Ich habe am gestrigen Freitag eine kleine Session organisiert als lockeren Austausch zwischen Regionalbloggern und solchen die es werden wollen.

Es waren ca . 10 TeilnehmerInnen. Es ging um Austausch darüber, wie man so ein Blog betreibt, Idee zum Anschub, Probleme, Rechtliches.

Friedland war gleich mit zwei BloggerInnen vertreten, gute Quote! 😉

Als Ergebnisse kann man u.a. nennen:

  • Kommentare sind nachwievor wichtiger Bestandteil eines Blogs. Es wurde aus rechtlichen Gründen empfohlen Kommentare per Voreinstellung zuzulassen, denn wenn man sie extra frei schaltet, würde man rechtlich für deren Inhalt mitverantwortlich sein (Quellen?)
  • Die Frequenz der Artikel der anwesenden BloggerInnen ist sehr unterschiedlich. Zwischen rd. 2 mal die Woche bis zu alle paar Wochen. Wobei wir vermuteten, dass mindestens ein mal die Woche eine gute Frequenz wäre.

Beteiligte Blogs, u.a.:

Written by tlow

20. August 2011 at 04:46

Veröffentlicht in Allgemein, Land, Medien

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ULD zieht Notbremse bei Facebook

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Auf dem ersten Tag des Kieler Barcamps stellten Mitarbeiter des ULD einige Argumente und Hintergründe zur Entscheidung gegen den Facebook „Gefällt mir!“-Knopf vor.

Im wesentlichen, so weit ich es jetzt ohne das Lesen des Papers nur aus dem Vortrag verstanden habe ist es so, dass Facebook sehr weitreichende Reichweitenanalysen erlaubt, die nicht pseudonymisiert sondern individualisiert sind. Damit lassen sich sehr exakte Profile einzelner User erstellen. Facebook hat sich bisher geweigert da in irgendeiner Form den Datenhunger zurüzuschrauben.

Laut Gesetz ist es daher, nach Einschätzung des ULD, illegal dieses Tool von Facebook auf den eigenen Webseiten einzubinden.

Man kann beobachten, dass doch viele auch technikaffine Menschen dabei offenbar total missverstehen wie Recht funktioniert oder welche Rolle der ULD hat. Wenn der ULD als zuständige Behörde nach eigener Analyse zu der Erkenntnis gelangt, dass etwas illegal ist, so muss er genau so aktiv werden, wie jede andere Behörde. Die Erwartung so mancher im Netz, dass der ULD hier jetzt wegschauen sollte oder viel Spielraum hat, ist absurd.

Natürlich ist der ULD als öffentliche Institution auch öffentlichem Druck und Einfluss ausgesetzt. Daher kann es schon sein, dass sich ihre Politik ändert.

Dennoch glaube ich, dass es hier ganz richtig und wichtig ist im Interesse ist, bei Facebook mal die Bremse reinzuhauen. Was da technisch abläuft ist teilweise wirklich gruselig. Und das gepaart mit einer absolut unbedenklichen Nutzung seitens vieler User, von denen viele nicht einmal „Browser“ buchstabieren können. Das ist ein Missbrauchspotential ersten Ranges. Unbefriedigend ist in der Tat, dass wenn Facebook das Ziel ist, Webseitenbetreiber die Empfänger von Briefen des ULD sind und das echte finanzielle Risiko tragen, während Facebook nur dadurch indirekt angegangen werden kann.

Ich arbeite nicht mit Facebook, aus Prinzip. Bisher ist es noch nicht an dem Punkt, wo man es verwenden kann aus verschiedenen datenschutztechnischen Gründen. Mir war der Hintergrund nicht so bewusst, wie ihn jetzt der ULD schildert, mehr so gefühlt, gehört und vermutet. Aber die Pressemitteilung des ULD bestätigt meine Annahme und mich selbst auch in meiner Ablehnung von Facebook. Ich habe da zwar auch einen pseudonomisierten Account, den ich aber kaum nutze.

Die Erwartung, dass man jetzt das Gesetz ändern müsse, wenn es mal Anwendung findet bei einem populären Netzdienst erinnert mich an die Erhöhung der Grenzwerte für Radioaktivität durch den damaligen Innenminister Zimmermann bei der Tschernobyl-Katastrophe. Man kann doch nicht ernsthaft vorschlagen, dass Gesetze dann geändertn werden, wenn jemand gegen sie verstößt.

Wir haben hier einen eklatanten Fall einer gezielten Verletzung der Privatsphäre unwissender NutzerInnen. Punkt. Da spielt es erst mal keine Rolle, wie toll viele Leute Facebook finden. Und darüberhinaus ist es für Facebook kein Problem dieses Problem zu lösen. Sie wollen das aber nicht, sondern wollen lieber weiterhin ihre User missbrauchen. Anstatt jetzt aber böse auf Facebook zu sein, gerät bei manchem der ULD ins Fadenkreuz. Was für eine verkehrte Welt.

Ich selbst bin froh, dass es den ULD gibt und er konsequent handelt, wenn es nötig ist. Illegal war der Knopf auch bevor der ULD sich die Sache angeschaut hat – und es ist eher Zufall, dass es zuerst der ULD war, der es herausfand. Das hätte theoretisch auch gleich ein Gericht feststellen können. Es gibt sicher viele Gesetze, die man kippen sollte und die unsinnig sind, oder Behörden die nur Geld kosten und nerven (wie die GEZ). In diesem Falle kann ich eine Kritik aber überhaupt nicht nachvollziehen. Es scheint eher so, als würde gejammert, weil man einem das Spielzeug wegnimmt.

Siehe auch Interview mit Henry Krasemann von SOLADES:

Written by tlow

20. August 2011 at 04:20

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