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ULD zieht Notbremse bei Facebook

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Auf dem ersten Tag des Kieler Barcamps stellten Mitarbeiter des ULD einige Argumente und Hintergründe zur Entscheidung gegen den Facebook „Gefällt mir!“-Knopf vor.

Im wesentlichen, so weit ich es jetzt ohne das Lesen des Papers nur aus dem Vortrag verstanden habe ist es so, dass Facebook sehr weitreichende Reichweitenanalysen erlaubt, die nicht pseudonymisiert sondern individualisiert sind. Damit lassen sich sehr exakte Profile einzelner User erstellen. Facebook hat sich bisher geweigert da in irgendeiner Form den Datenhunger zurüzuschrauben.

Laut Gesetz ist es daher, nach Einschätzung des ULD, illegal dieses Tool von Facebook auf den eigenen Webseiten einzubinden.

Man kann beobachten, dass doch viele auch technikaffine Menschen dabei offenbar total missverstehen wie Recht funktioniert oder welche Rolle der ULD hat. Wenn der ULD als zuständige Behörde nach eigener Analyse zu der Erkenntnis gelangt, dass etwas illegal ist, so muss er genau so aktiv werden, wie jede andere Behörde. Die Erwartung so mancher im Netz, dass der ULD hier jetzt wegschauen sollte oder viel Spielraum hat, ist absurd.

Natürlich ist der ULD als öffentliche Institution auch öffentlichem Druck und Einfluss ausgesetzt. Daher kann es schon sein, dass sich ihre Politik ändert.

Dennoch glaube ich, dass es hier ganz richtig und wichtig ist im Interesse ist, bei Facebook mal die Bremse reinzuhauen. Was da technisch abläuft ist teilweise wirklich gruselig. Und das gepaart mit einer absolut unbedenklichen Nutzung seitens vieler User, von denen viele nicht einmal „Browser“ buchstabieren können. Das ist ein Missbrauchspotential ersten Ranges. Unbefriedigend ist in der Tat, dass wenn Facebook das Ziel ist, Webseitenbetreiber die Empfänger von Briefen des ULD sind und das echte finanzielle Risiko tragen, während Facebook nur dadurch indirekt angegangen werden kann.

Ich arbeite nicht mit Facebook, aus Prinzip. Bisher ist es noch nicht an dem Punkt, wo man es verwenden kann aus verschiedenen datenschutztechnischen Gründen. Mir war der Hintergrund nicht so bewusst, wie ihn jetzt der ULD schildert, mehr so gefühlt, gehört und vermutet. Aber die Pressemitteilung des ULD bestätigt meine Annahme und mich selbst auch in meiner Ablehnung von Facebook. Ich habe da zwar auch einen pseudonomisierten Account, den ich aber kaum nutze.

Die Erwartung, dass man jetzt das Gesetz ändern müsse, wenn es mal Anwendung findet bei einem populären Netzdienst erinnert mich an die Erhöhung der Grenzwerte für Radioaktivität durch den damaligen Innenminister Zimmermann bei der Tschernobyl-Katastrophe. Man kann doch nicht ernsthaft vorschlagen, dass Gesetze dann geändertn werden, wenn jemand gegen sie verstößt.

Wir haben hier einen eklatanten Fall einer gezielten Verletzung der Privatsphäre unwissender NutzerInnen. Punkt. Da spielt es erst mal keine Rolle, wie toll viele Leute Facebook finden. Und darüberhinaus ist es für Facebook kein Problem dieses Problem zu lösen. Sie wollen das aber nicht, sondern wollen lieber weiterhin ihre User missbrauchen. Anstatt jetzt aber böse auf Facebook zu sein, gerät bei manchem der ULD ins Fadenkreuz. Was für eine verkehrte Welt.

Ich selbst bin froh, dass es den ULD gibt und er konsequent handelt, wenn es nötig ist. Illegal war der Knopf auch bevor der ULD sich die Sache angeschaut hat – und es ist eher Zufall, dass es zuerst der ULD war, der es herausfand. Das hätte theoretisch auch gleich ein Gericht feststellen können. Es gibt sicher viele Gesetze, die man kippen sollte und die unsinnig sind, oder Behörden die nur Geld kosten und nerven (wie die GEZ). In diesem Falle kann ich eine Kritik aber überhaupt nicht nachvollziehen. Es scheint eher so, als würde gejammert, weil man einem das Spielzeug wegnimmt.

Siehe auch Interview mit Henry Krasemann von SOLADES:

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Written by tlow

20. August 2011 um 04:20

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