KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Kommt jetzt die ECHTE Demokratie in unsere Städte?

with 2 comments

In Berlin und in Hamburg gibt es ein Häuflein an Menschen, die sich auf die Massenbewegungen in Spanien, Griechenland und Nordafrika beziehen:

Ist das die Demokratiebewegung, wie wir sie vermissen. Im Hamburger Manifest bezeichnet sich das Häuflein selbst als „Revolutionäre Bewegung“. Hier ein Ausschnitt:

Hier aus Berlin:

Die Bewegung scheitert bereits daran, dass sie nicht definieren WILL, was denn ECHTE Demokratie ist. Von dem, was man in manchen Blogposts lesen und auf vielen Videos sehen kann, scheinen da vor allem ein Haufen Verschwörungstheoretiker dies als Plattform zu benutzen. Und dann gibt es noch eine Menge naiver junger Leute, die das „Empört Euch!“ wiederkäuen.

Ich denke es ist gut nachzudenken und auch wütend über Dinge zu sein, die falsch laufen. Das ist der Anfang eines politischen Denkens. Aber das ist zu wenig für eine Bewegung, insbesondere, wenn sie explizt jede Art von Meinung gelten lassen will.

Eine Bewegung ohne Richtung ist keine Bewegung. Auch wenn ich Frustration und einige Kritik nachvollziehen kann, so gibt es hier trotzt aller Probleme eben doch (noch) keine Jugendarbeitslosigkeit von 75%. Und daher wird eine Bewegung jetzt und auf absehbare Zeit keinen großen Zulauf haben. Zum anderen sieht man auch in anderen Ländern, dass nach den Anfangserfolgen oftmals die Orientierung fehlt. Wo sie erfolgreich war, wie in Ägypten haben sie z.B. auch eine starke Basis in den Betrieben. Und dort bezieht man sich oftmals nicht auf Hessels Buch „Empört Euch!“, sondern eher auf direkte Aktionen wie Streiks – und man hat klare Forderungen an Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Jede Bewegung, die mit einer gewissen Naivität antritt hat zwar ihren Charme, kann aber auch einfach von Trittbrettfahrern missbraucht werden.

Bisher gibt es solche Bewegungen nicht in Kiel. Vielleicht muss man auch sagen „zum Glück“. Denn was da teilweise aus den Lautsprechern dröhnt ist oft weniger progressiv als vielmehr rechtsradikal/verschwörungstheoretisch.

Ene effektive Kritik muss versuchen die Dinge klar zu sehen, wie sie sind und auch beim Namen nennen. Dazu braucht es keine Verschwörungstheorien oder selbsternannte revolutionäre Bewegungen ohne jegliche Basis. Das Ergebnis sind Gruppen, die als Avantgarde daher kommen und jeglichen Bezug zur Realität oder zu den Menschen verlieren.

In Spanien gab es diesen  Kontakt zur Gesamtbevölkerung, weil die Masse große genug war. Aber auch da blieb die Bewegung bislang eher zahn- und wirkungslos. Die Bewegungen in Nordafrika und Südeuropa enthalten viele interessante Ansätze. Aber man muss schon sehr genau hinschauen. Jedenfalls glaube ich nicht daran, dass es darum gehen kann drei Zelte erfolgreich auf einem städtischen Platz  aufbauen zu dürfen. Das damit irgendetwas gewonnen wäre.

Was in den 60er und 70er Jahren oftmals zu dogmatisch war an Vorstellungen, ist  in den neuen Bewegungen ein Zuviel an Oberflächlichkeit und Beliebigkeit. Abgesehen von einigen kleinen Änderungen, die auf konkrete Forderungen erfolgen können, fordern diese Bewegungen keinen Systemwechsel oder radikale Änderungen. „Echte Demokratie Jetzt!“ fordern sie, ohne liefern zu können.

Es fehlen die Zusammenhänge und eine wirklich zwingende Argumentation. Es bleibt aber ein spannendes Phänomen, dass man weiter beobachten sollte.

Advertisements

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Endlich mal eine kritische Auseinandersetzung mit dieser aktuellen „Protest-und-Revolution-Bewegung“. Leider mutet es oftmals an, wie eine Modebewegung, ein Trend, zu viele Worthülsen, zu wenig Inhalt. Außer dass es zur Zeit „in“ sein muss, sich zu „empören“ oder irgendwas zu blockieren, und bestimmte Parolen zu schreien, eine bestimmte hyper-sensible verschwörungstheoretische Denke zu haben, kommt dabei nicht viel rum.

    Beobachter

    4. September 2011 at 22:43

  2. „zu viele Worthülsen, zu wenig Inhalt“ Tja, zum Glück ist das in der ‚richitigen‘ Politik ja GANZ anders.

    Im Übrigen ist es kein Wunder, wenn nichts Vernünftiges an Alternative zustande kommt. Weil alle immer nur Beobachten – und vielleicht gerade mal noch klookschietern.
    (Nichts für Ungut, KK)

    Wer glaubt, dass der im Moment eingeschlagene Pfad der kompromisslosen Gewinnmaximierung für einige Wenige – zu Lasten der restlichen Weltbevölkerung – der richtige Weg ist, nun, der sollte einfach weiterhin CDU wählen, im Sessel sitzen und still sein. Hauptsache man wundert sich dann nicht, wenn es irgendwann „peng!“ macht und gar nichts mehr geht.

    michaela

    5. September 2011 at 12:30


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: