KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Kann ein Regiogeld wie KANNWAS was ändern?

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In der Vielzahl der Vorschläge, die insbesondere in Zeiten der Finanzkrisen immer wieder zu hören sind, gehört auch das Regiogeld zu einem der immer wieder genannten Punkte. Hier will ich mal ein wenig darüber reflektieren, in wieweit das tatsächlich eine Lösung für aktuelle Probleme bietet.

Die Kerngedanken von Regiogeld sind u.a.

  1. Die Stärkung der regionalen Wirtschaft bzw. das Fördern eines rein regionalen Geldflusses.
  2. Das Entziehen von Zahlungsmitteln dem internationalen Finanzkreisläufen und dem Zinssystem.
Nicht Ziel ist dabei, dass derzeitige Wirtschaftssystem (Marktwirtschaft/Kapitalismus) als solches  in frage zu stellen. Im Gegenteil. Solange eine Unternehmung regional aktiv ist, will das Regiogeld diese auch fördern. Regionalität wird dadurch zu einem wichtigen Wert. Wichtiger als die Art der Unternehmung. Ob hierarchisch oder nicht – wie der erwirtschaftete Gewinn verteilt wird spielt dabei keine Rolle. Damit aber klammert Regiogeld aus meiner Sicht die größte Frage aus. Zu lösen versucht man dies mit 2% Umlaufsicherung (eine Art negativer Zins). Dahinter steht die Ideologie, das jeder (positive) Zins auf Geld etwas schlechtes ist. Dies hat den Befürworten von Regiogeld und Anhängern Silvio Gesells auch öfters schon den Vorwurf des strukturellen Antisemitismus gebracht. Weil hier statt einer fundamentalen Gesellschaftskritik die Reduzierung der Kritik auf Zins und Zinsnehmer erfolgt.
Wichtiger als die Frage, ob das zutrifft ist aber m.E., ob die Kritik der Geldreformer den Kern unserer Probleme trifft und ob ihre Lösungen unsere Welt wesentlich und zum positiven ändern würden. Dies kann man mit Sicherheit verneinen. Denn wie ich schon oben anführte ändern die Bedingungen des Geldflusses nicht unbedingt etwas am Besitzstand oder an den Verhältnissen in denen gesellschaftlicher Wohlstand erzeugt wird. Denn letzteres ist nicht die Fragestellung derjenigen, die die Verbreitung von Regiogeld fördern wollen. Es stellt sich dann aber die Frage, warum man eine solche Alternativwährung fördern oder benutzen sollte, wenn sie nichts wesentliches verbessert? Als Tauschwährung hat sie begrenzteren Wert, weil sie weniger universell ist. Zudem schrumpft ihr Wert um 2%. Genauer bei Wikipedia:
Kannwas kann mit einem Wert von 1:1 gegen Euro getauscht werden und ist wieder in Euro umtauschbar. Für den Rücktausch in Euro ist eine Gebühr von 2% zu entrichten, die gleichzeitig als Umlaufsicherung dient. Die 2% dienen der Kostendeckung des herausgebenden Vereins. Eingetauschte Kannwas bleiben bis zum Ende des Kalenderjahres gültig, dann müssen sie mit einer Marke neu aktiviert werden. Noch umlaufende KannWas werden von Geschäften auf Kulanz noch 6 Monate angenommen, die Geschäfte selbst, zahlen am Ende des Jahres die 2 % Gebühr auf den KannWas-Bestand in der Kasse. Wer KannWas später zurücktauschen will, zahlt pro Jahr die 2 % Gebühr.

KannWas ist also für denjenigen, der es nutzt sogar weniger Wert als der Gegenwert in Euro. Fragt sich, warum jemand, der z.B. sowieso wenig Geld hat, auch 2% seines Einkommens verzichten soll?

Unter dem Strich bleibt also, dass KannWas keine echten Vorteile hat, dafür aber einige Nachteile. Und da es auch die falschen Antworten gibt, sollte man es auch nicht fördern!

Hier ein Werbevideo zum Thema:

 

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Written by tlow

18. September 2011 um 15:57

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