KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Interview zu GES, AntiGES und Occupy-Bewegung

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Es gibt ein Interview vom FSK mit Leuten von der AntiGES-Koordination für Leute mit Geduld in 2 Teilen:

Leider sehr zähe Diskussion, die sich u.a. an dem Punkt aufhing, ob sich nicht die Klassen als solches aufgelöst hätten und durch Individualität ersetzt wurden. Dazu nur kurz: Das entscheidende an der Frage, ob es Klassen gibt ist m.E., ob es so etwas wie Ausbeutung gibt. Also gibt es z.B. hierarchische Arbeitsverhältnisse? Leben wir in einer klassenlosen Gesellschaft, die nach oben transparent ist? Haben alle die gleichen Chancen?
Man muss nur zur Tür hinaus gehen und kann feststellen, dass es eben eine Gesellschaft aus Verlierern und Gewinnern ist. Aus „Haves“ und „Have Nots“. Es ist dabei aus meiner Sicht irrelevant ob Leute abhängig beschäftigt oder selbständig sind. Entscheidend ist doch, wie autonom Menschen in der Gestaltung ihres Lebens sind – und wie sehr sie in die Autonomie ihrer Mitbürger eingreifen. Und wir sehen: Ja, es gibt Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Und es gibt Selbständige, die davon leben, was größere Unternehmen outsourcen. Die Arbeitswelt ist vielseitiger und flexibler geworden. Damit aber nicht weniger problematisch oder prekär. Es gibt Leute, die z.B. als Vorarbeiter sowohl Untergebene als auch Gebietende spielen und dabei immer wieder ihre Rolle wechseln. Das macht sie aber nicht freier. Was fehlt ist primär ein Bewusstsein der Einzelnen für die eigene Situation und der Möglichkeiten für die eigenen  Rechte, insbesondere gemeinsam und solidarisch, einzutreten. Individualität ist eine Konstruktion der modernen Welt. Der vereinzelte Mensch, der alleine nach der Befriedigung seiner Bedürfnisse strebt ist leichter kontrollierbar.
Am besten hat das meines Erachtens Adam Curtis in seiner Serie „The Century of Self“ herausgearbeitet, die man auch auf Youtube nachschauen kann:
Jetzt aber diese Konstruktion dieser „Happiness Machines“ als alternativlose Realität zu nehmen – und als Bezugspunkt einer Sichtweise auf Gesellschaft ist gleichbedeutend damit diese kapitalistische Konstruktion auch noch zu adeln. Das Individuum wurde ja eben gerade als Werkzeug zur Zerschlagung von Klasse benutzt. In Deutschland insbesondere auch durch die Propaganda der Nazis. Die dann die Deutschen auf etwas Neues einschworen. Man kann nicht das Ergebnis kritisieren, aber das Werkzeug loben! Menschliche und echte  Solidarität ist ein Gegenmittel gegen die Vereinzelung, die uns bisher zum Spielball von Interessen Dritter macht. Es geht darum zu erkennen, dass die Individualität, so wie sie propagiert wird – und das wir doch alle irgendwie im selben Boot sitzen. Das nicht das Einzelkämpfertum der richtige Weg ist und  Konkurrenz und Gegeneinander nicht das richtige Prinzip sind für eine Gesellschaft und diese Prinzipien in Wirklichkeit uns selbst schaden.
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Written by tlow

22. Oktober 2011 um 00:44

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