KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Bildungspolitik überbewertet

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Es ist schon erstaunlich, wie in der politischen Debatte immer wieder die Wichtigkeit von guter Bildung betont wird. Zum einen die schulische Bildung, aber auch die Hochschulbildung.

Fast alle politischen Kräfte meinen, dass Bildung das wichtigste Thema ist und hier am wenigsten gespart werden sollte. Im Gegenteil.

Die Logik dahinter ist die, dass Bildung Chancen auch für benachteiligte  Bevölkerungsanteile bietet. Vergessen wird dabei allerdings, dass Bildungschancen auch und besonders damit zusammenhängen wie die Einkommenssituation in einer Familie vorherrschen.

Die Politik ist Fan von Bildung, weil zum einen die Politikerkaste oft von Elitenbildung profitiert – und selber oft den Weg über Hochschulen eingeschlagen haben.  Zum anderen verspricht man sich Einspareffekte, weil Bildung als Kernhindernis für den Arbeitsplatzerwerb angesehen wird.

Im Hintergrund dieser Argumentation ist aber auch der Glaube zu erkennen, dass bei ausreichender Bildung jede/r seinen Arbeitsplatz finden wird. Also zum Teil eine Negierung eines strukturellen Problems. Bildung ist der Ort, an dem Politik meint am meisten Handlungspotential zu haben – und daher wird sich auf dieses Thema konzentriert.

Zu Unrecht, wie ich meine. Denn ich denke das Kernkompetenzen im bestehenden Bildungsangeboten gut vermittelt werden können. Bildung ist auch ein Lieblingsthema der Wirtschaft – Thema Fachkräftemangel. Man kommt hier m.E.also mehr ökonomischen Zwängen nach, als dass man wirklich beim Thema Bildung der Masse der Bevölkerung eine bessere Perspektive bieten würde wenn man gerade hier massiv investiert.

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Written by tlow

3. Mai 2012 um 09:02

Eine Antwort

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  1. Die steigende Kaprizierung auf das Bildungsthema halte ich für eine Flucht zu einem der letzten positiv besetzten Handlungspunkte, die auf systemkompatible Weise politisch verwertbar sind. Unterfinanzierte Schulen und Universitäten, mangelnde Angebote frühkindlicher Förderung, das sind ja alles keine Naturereignisse, sondern eindeutig verteilungsbedingte Probleme. Geht es um Bildung, wird m.E.n. ein Scheinproblem geschaffen, indem so getan wird als würde eine allgemeine Ressourcenknappheit hierzulande die schwierige Suche nach dem Optimierungspunkt erfordern. Die stärksten Faktoren hinter Bildungsproblemen sind nachwievor prekäre Lebenssituationen, Ängste, Hoffnungslosigkeit und mangelnde Chancen. Hierüber wird jedoch Stillschweigen bewahrt, weil die mit der Beseitigung solcher Einflüsse verbundenen Maßnahmen einen gesellschaftlichen Wandel erforderten, der gar nicht gewollt ist. Wenn überhaupt ist ja ohnehin meistens arbeitsmarktrelevante Bildung gemeint. Mathematische, technische und kommunikative Kompetenzen sind gern gesehen, solche Fähigkeiten hingegen, die die Menschen dazu bewegen könnten, einmal einen Schritt zurückzutreten, um einen Blick auf den gesamten Sinnkontext zu werfen, können gewissen gesellschaftlichen Institutionen ja gar nicht willkommen sein, sie wären nur der Sand im Getriebe von Leistungswilligkeit, Arbeit, Konsum und Profit. Den Leute wird hingegen die Geschichte von allgemeinem Wohlstand und der rosigen Zukunft einer aufgeklärten Bevölkerung erzählt.

    Jascha Jaworski

    4. Mai 2012 at 16:27


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