KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Occupy Kiel Camp: Alternativen sehen anders aus

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Zuletzt hatte das OKC (Occupy Kiel Camp) Solidarität auch von ungewöhnlicher Seite erfahren. Zu recht? Leider setzen sich die bedenklichen Tendenzen dort fort:

  • Am 17.08. wurde wieder Ralph Boes eingeladen, der wieder vom Bedingungslosen Grundeinkommen faseln will. Zu seinem letzten Besuch in Kiel im Camp gibt es bereits ein Video, dass aber nur schwer erträglich ist aufgrund der Selbstverliebtheit des Referenten und der Länge (13 Teile): Am 20. April wurde zu Ralph Boes ein Artikel auf dem Reflexion Blog gepostet. Darin findet man viele Beispiele für ein bedenkliches Weltbild dieses Grundeinkommen-Messias, wie z.B. « Boes will näm­lich „Übun­gen”ken­nen, mit denen er „die gan­zen Geschich­ten, von denen unsere alten Ger­ma­nen gere­det haben” her­vor­brin­gen könne: „Die Heil­kräfte und die gan­zen Wesen, die dahin­ter­ste­hen und wie man das alles sehen kann”.» – und weiter: «Boes kon­stru­ierte nicht nur hier eine geheim­nis­volle und mäch­tige „Elite”, die sich an der Ver­schul­dung der „Völ­ker” berei­chern wür­den Er spricht von „einer Art von Grup­pie­rung, (…) die das Geld aus dem Nichts schöp­fen” würde. Auf die Frage, wer die angeb­li­che „Elite” sei, ant­wor­tet Boes: „Da gibt es viel, was gespro­chen wird, bis hin zu den Alt­be­kann­ten in Ame­rika”.» Entschlüsselt wird das später: «Im Unter­schied zu Boes nannte Feder kon­krete Namen und sprach bei­spiels­weise von den Roth­schilds. Boes ist geschickt genug, sich diese kon­krete Benen­nung zu erspa­ren. Er nutzt die Chif­fre von den „Alt­be­kann­ten in Ame­rika”, seine Anhänger_innen wer­den auch so begrei­fen, wer kon­kret gemeint ist.» Er wettert auch gegen eine „Hochfinanzdiktatur“ und beklagt „die Ver­mi­schung der Völ­ker, mit ihren gan­zen Schwie­rig­kei­ten”. Hier seine Sichtweise zu Hitler:

    „Welt­be­deu­tung hatte der auf jeden Fall (…). Hit­ler hat einen Impuls gege­ben, in unsere heu­tige Welt, der ist unglaub­lich. Ame­rika war vor­her eine Bau­ern­na­tion (…), das war keine hoch­tech­ni­sierte Super­macht, die ist durch Hit­ler dazu gewor­den. (…) Es hat noch Wir­kun­gen, die wer­den weit in die Zukunft gehen (…) weit, weit, weit, weit”.

    Alles zusammen ausreichend Fakten, um so einen Menschen nicht ein zweites mal einzuladen. Herr Boes hat selber auf diesen Artikel verwiesen bei seinem Besuch in Kiel. Das muss also den Kieler Occupisten bekannt sein – und es kann nur so sein, dass sie eben diese Sichtweisen auch teilen oder tolerieren. Wundern würde es mich nicht. Auch die letzte Aktion spricht dafür:

  • Viele Kreuze gegen die angebliche „Finanzdiktatur“ (leider kann ich nur auf die Fotos verlinken und nicht einbinden, da man mich seitens Urhebers  schon einmal bedroht hat urheberrechtlich zu verklagen).  Dort steht auch „Gegen die Opfer der Profitgier!!!“ Damit ist klar: Hier wird nicht der Kapitalismus kritisiert, sondern eine nicht benannte führende Kaste, die eine „Finanzdiktatur“ ausüben und „profitgierig“ sind. Sprich ohne diese Kaste und ohne deren Profitgier wäre unsere Welt besser. Das allerdings ist ein kaum verhohlener Antisemitismus – nicht einmal nur „strukturell“, sondern ganz im Sinne von Boes eine Vielzahl von Andeutungen machen und der Besucherin, dem Spaziergänger den Rest der Botschaft selber rausfinden lassen.

Im besten Falle ist das, was da passiert vollkommen unreflektiert aber daher nicht weniger bedenklich. Die Kritik an den Botschaften und am Tonfall gibt es seit es das Camp gibt.  Leider hat sich da wenig zum Besseren gewendet, wie man an der Einladung von Herrn Boes und der aktuellen Sprachwahl sieht.

 

4 Antworten

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  1. Wenn es Neocons, Grünen, Jusos und Antideutschen schon nicht gelingt in der Occupy Bewegung
    Einfluss zu gewinnen, um Occupy zu spalten und letztendlich zu zerlegen, dann doch wenigstens
    ein wenig Polemik.Die Zeit der Spalter ist abgelaufen.

    N.N.

    15. August 2012 at 23:01

    • Die Zeit der Verschwörungstheoretiker ist gekommen? gimme something new!

      tlow

      15. August 2012 at 23:28

  2. Meine Antwort gegen den Mist im Blog „Reflexion“:
    http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de/brandbrief/ns-reflexion-blog.htm
    MfG, Ralph Boes

    Ralph Boes

    20. September 2012 at 16:46

    • Ich greife mir da mal zwei Punkte heraus:
      1.) „Vermischung der Völker“ legt die Sichtweise nahe, dass ein Volk irgendwie „reinrassig“ sein könnte. Als ob es DAS türkische und das deutsche Volk gäbe – und das die sich jetzt „vermischen“ würden. Und darauf ergäben sich dann Probleme? Es gibt keine Völker. Der Satz legt nahe, dass es ohne „Vermischung“ auch weniger Probleme gäbe. Da gibts eigentlich keine zwei Interpretationen..
      2.) Ausagen, dass die USA ohne Hitler nur eine Bauernnation wäre und er wichtige Impulse gegeben hat finde ich total abwegig. Das ist sowohl faktisch falsch als auch fragwürdig dem Hitler einen progressiven Einfluß zuzuweisen.
      3.) Das mit dem „Vierten Reich“ wird ja im Bezug auf Erschütterungen bezogen. So ein Viertes Reich – so lese ich da heraus kann entweder negativ sein (ohne BGE) oder positiv (mit BGE). Wo da eine Horrorvision skizziert wird in dem zitierten Absatz ist mir nicht klar. Da wird zwar das wort „schrecklich“ benutzt, aber so: „es hat was ganz schreckliches, was ist … wenn Grundeinkommen käme, dann wär’s die „richtige“ Entspannung auf diesem Sektor … “ – Die Entspannung wird als „für manche“ schrecklich skizziert, Also als Hororvision für die, die nicht vom BGE profitieren würden (oder so?). Auch hier sehe ich wenig andere Interpretationsmöglichkeiten.

      Unter dem Strich sehe ich in der „Gegendarstellung“ keine guten Argumente gegen die Interpretation vom Reflexion-Blog.

      tlow

      20. September 2012 at 18:07


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