KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Kieler Innenstadt / Altstadt

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Seit geraumer Zeit ist die Innenstadtentwicklung wieder ein größeres Thema in Kiel. Ich fange erst mal damit an, was ich unabhängig von den Plänen in den letzten Jahren gesehen habe:

  • Wer durch die Kern-Altstadt geht (s.o.), der weiß, dass da große Teile quasi tot sind – insbesondere die Haßstraße. Parkhäuser, Seniorenheim, Rückseiten von Gebäuden. Genau das hat man dort gefördert die letzten Jahrzehnte. Die Altstadt ist alles andere als das Zentrum Kiels. insbesondere mit dem Sophienhof und dem Abriss der historischen Häuser am Sophienblatt hat man zum einen wertvollen Innenstadt-Wohnraum zerstört und gleichzeitig einen weiteren Schwerpunkt der Stadt an den Innenstadtrand zum Bahnhof versetzt.
  • Um 1980 wurde die Holstenbrücke umgebaut. Dabei vergaß man eins: Radwege. Bis heute ist die Holstenbrücke trotz relativ jungen Baudatums ein Nadelöhr für Radfahrer. Eigentlich unverständlich. Ebenso stellt die Holstenbrücke bisher auch eine Blockade für Fußgänger dar, da man sie nur an zwei Stellen mit 2 Abschnitten überqueren kann. Auf Höhe Kehdenstraße muss man meist sogar zwei mal warten.
  • In der Altstadt/Innenstadt gibt es eigentlich nur ein einziges Cafe mit ein wenig Charakter, dass den Namen auch verdient hat: Das Werkstatt-Cafe mit einem Kiesel-Garten in der warmen Jahreszeit und einer Eiche.
  • Gerade der Bereich Schloßstraße/Dänische Straße <–> Schloß ist als Ende dere Fußgängerzone zwar teilweise ganz niedlich restauriert, aber dennoch langweilig.
  • Die ganze Holstenstraße ist zu einer reinen Konsummeile verkommen. Bei der Entwicklung wurde vergessen, dass es beim Spazierengehen in einer Innenstadt um mehr geht als nur seine Einkäufe zu erledigen. Eigentlich soll es auch Spaß machen sich dort zu bewegen, weil es den menschlichen Bedürfnissen nahe kommt.
  • Und daran schließt sich die Erkenntnis an, dass Kiel sämtliche Plätze verbaut hat: Holstenplatz, Europaplatz, Asmus-Bremer-Platz, Alter Markt. Nirgendwo hat man das Gefühl sich auf einem Platz zu bewegen: Neubauten, Buden, Bäume, Straßenmobiliar, Blumenkübel, WürstchenverkäuferInnen,… Es findet keine Entspannung statt. Auf dem Asmus und auf dem Euro sind Wellen in den Boden eingebaut. Wieder mal  das Thema „MARITIM“? Ja wir wissens alle, dass wir eine Stadt am Wasser sind. Muss man uns das bei jedem Bauwerk und Plakat um die Ohren schlagen?
  • Grundsätzlich hat Kiel mit der Förde/Hörn und dem Kleinen Kiel viele Wasserfläche. Die Förde wurde allerdings immer weiter zugebaut. Viele Bürger*innen wünschen sich seit Jahren einen besseren Zugang zum Wasser. Für Besucher*innen Kiels ist es einigermaße frustrierend fast nichts von der Förde zu sehen, wenn sie aus dem Bahnhof kommen.
  • Man versucht Gaarden als Teil der Innenstadt anzubinden. Wer sich das aber mal vor Ort angeschaut hat, wird erkennen, dass das nie passieren kann. „Kai-City“ wird immer isoliert blieben, auch auf ferne Zukunft ein Angstraum und weder Innenstadt sein noch Gaarden. Dazu müsste man schon die Schienen überbauen und nicht einfach nur eine Brücke bauen die mehr abschreckt als anzieht.

Ich komme nun zu einigen geplanten Maßnahmen, die ich heute aber nur anreisse:

  1. Die Rathausgalerie wurde seit Jahren geplant. Nun wurde sie eingestampft. Ein zweiter Sophienhof wäre das geworden mit wahrscheinlich ähnlich fatalen Konsequenzen für kleinere Einzelhändler, angrenzender Stadtteile und zugunsten große Ketten.
  2. Die Stadtregionalbahn ist ein Thema, was vielerorts im Hintergrund Berücksichtigung findet bei Planungen. So wurde die Gablenzbrücke extra breiter angelegt, damit evt. eine Bahn darüber fahren könnte.
  3. Man glaubt durch die Anbindung Gaardens etwas Positives in dem Viertel zu bewegen. Allerdings sind gerade an den Übergängen zum Westufer und während der Kieler Woche, deren Überschwappen aufs Ostufer man massiv betreibt die höchste Zahl an Überfällen zu beobachten. In einem Lichtkonzept wird Gaarden bereits als Teil der Innenstadt inszeniert. Dabei achtet man aber weder auf Lichtverschmutzung. Bei dem Lichtkonzept für den Vinetaplatz hat man auch wiederum das Lichtkonzept für Kiel überhaupt nicht berücksichtigt.
  4. Es wird viel Papier produziert, viele Studien in Auftrag gegeben., Und man erhölt immer neue Antworten. Beschlossene Konzepte dienen zum einen zur Rechtfertigung von Maßnahmen ohne diese konkret zu diskutieren („Wir haben doch schon das Konzept beschloßen“) – oder  wenn es nicht passt ignoriert („So ein Konzept ist doch keine Bibel“). Solche Konzepte kann man also schreiben/lesen oder auch lassen. So richtig ernst nimmt die keiner, außer es passt politisch in den Kram. Für die Stadt werden die vielen Berater*innen und Gutachten aber immer mehr zum Problem. Projekte wie das Science Center sollten einmal 25 Millionen Euro kosten. 1/5 der Bausumme (5 Mio. Euro) wurden mal so eben für die Planung das Klo hinuntergespült. Dabei wird dann so getan, als ob Planungskosten gar keine Kosten wären. Es wird da oft das Geld mit beiden Händen ausgegeben.
  5. Auch bei den Parteien haben Papiere und Pläne oft wenig mit der Realität zu tun. Den Vogel des Jahres 2012 haben dabei mit Sicherheit die GRÜNEN abgeschossen. Gelten sie den politisch interessierten und kritischen KielerInnen mittlerweile als extrem  umweltfeindliche Partei und lösen mit ihrer Wortwahl immer wieder nur Kopfschütteln und Verwunderung aus, so gerieren sie sich immer noch als Erfinder*innen des Umweltschutzes. Dabei könnte man meinen sie hätten die Bürgerinitativen gegründet und wären nicht umgekehrt aus diesen entstanden. Vielleicht haben ihre Aktiven inzwischen alle ihre Einfamilienhäuser die unbehelligt bleiben von Umweltzerstörung? jedenfalls haben die Kieler GRÜNEN ein Papier geschrieben (leider gerade Offline), in dem sie behaupten sie würden sich für die Entsiegelung Kiels einsetzen. Projekte wie die MÖBEl KRAFT Ansiedlung werden dabei nicht einmal erwähnt. Oder die Planung den Garten des Werkstatt-Cafes inklusive Eiche für eine Hausbebauung zu opfern! Mal abgesehen davon wird das auch Einbußen für das Cafe bedeuten. Es gibt dazu auch Unterschriftenlisten. Die liegen aber sicher nicht bei den GRÜNEN aus. Am besten mal BUND fragen?
  6. Der neue Kanal auf der Holstenbrücke (Kleiner Kiel Kanal): Er wird künstlich gereinigtes Wasser brauchen. Natürlich ist da gar nichts mehr natürlich dran! Er wird  auch ein Hindernis für Fußgänger darstellen. Gleichzeitig hat man es verpasst beim Kleinen Kiel die Attraktivität für Fußgänger zu steigern. Außer Grillen in Schlauchbooten (mittlerweile eingestampft) war da nicht viel. Erst als Occupy Kiel da eine Fläche besetzte hat man sich daran erinnert, dass man da ja attraktive Fläche schaffen wollte.

Mein Gefühl bei der Kieler Stadtplanung ist, dass man bewusst schaut wo man wertvolles zerstören kann:

  • Alte Häuser am Sophienhof
  • die alte Straßenbahn
  • Alte Brücke im Park zum Brook (Kiel-Gaarden)
  • Ansiedlung Möbelkraft und Skonto auf dem zweitältesten Gartengebiet Deutschlands
  • Abriss des Hauses in der Rathausstraße, Neubau eines hässlichen grauen Klotzes
  • Einengung des Wochenmarktes am Exer zugunsten des MIV (stinkt unglaublich, macht keinen Spaß mehr dort einzukaufen)
  • Schließung der einzigartigen Lessinghalle
  • geplant: Schließung des Freibades Katzheide
  • geplant: Garten des Werkstatt-Cafes
  • geplant: Zerstörung des einzigen Stücks Grün an der Gablenzbrücke zugunsten eines hässlichen Klotzes Zentralbad
  • … und vieles mehr.  in den letzten Jahrzehnten, was mir gar nicht mehr alles so präsent ist.

Wo bleiben jetzt die Gläsernen Akten und Bürgerbeteiligungen für die ganzen anderen Projekte? Und wieso setzt man nicht dort an, wo die größten Defizite sind (z.B. Kern-Altstadt)? Und wieso setzt man sich nicht mal primär für den Erhalt des Besonderen, der Substanz ein? Hat Kiel so viel Geld? Man könnte meinen wir schwimmen im Geld…

Update am 26.11.12 zu Holstenbrücke und Fahrradwegen teilte mir die Stadt Kiel per Email auf Nachfrage mit:

den Wettbewerbsteilnehmern war in der Wettbewerbsauslobung die Aufgabe gestellt worden, sowohl den Bus-/Stadtbahnverkehr als auch den Fahrradverkehr und die Andienung der Geschäfte mit den Interessen der Fußgänger in der Holstenbrücke in Einklang zu bringen. In allen Wettbewerbsentwürfen werden auf der Südseite des geplanten Kanals Mischverkehrsflächen vorgeschlagen, die so breit dimensioniert sind, dass die o.g. Verkehre abgewickelt werden können.

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2 Antworten

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  1. Eigentlich begann der Abstieg der „Altstadt“, als man in der Vorstand den Bahnhof dort gebaut hat, wo heute die Hauptpost ist…

    kaffeeringe (@kaffeeringe)

    6. Januar 2013 at 14:57


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