KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Kritik der Gentrifizierungskritik

with 2 comments

Person illustrating a hipster look

Ganz interessantes Fundstück – in Berlin ist der Diskurs weiter als z.B. in Kiel. Hier ein Text der Hipster Antifa Neukölln:

▲▲ Hipster Antifa Neukölln ▲▲ Für die Aufwertung der Kieze – für mehr Bars, Soja-Latte, Wifi und Bio-Märkte! ▲▲ Luxus statt Armut – Antifa heisst Fortschritt – Smash Heimatschutz!
Aufgabe

Die Hipster Antifa Neukölln wurde im Sommer 2012 in Reaktion auf die zunehmend fehl laufende Gentrifizierungskritik gegründet. Denn diese wird auf der Straße vor allem so interpretiert, dass Hipster, Touristen und Zugezogene an steigenden Mieten und einer vermeintlichen „Zersetzung“ des „ursprünglichen“ Kiezlebens Schuld sein sollen. Letztlich führte dieses Gedankengut auch zu Gewalttaten und anderen Übergriffen.

Die Hipster Antifa setzt sich dafür ein dass diesem Vorgehen eine Absage erteilt und ein anderer Weg gefunden wird, mit den Veränderungen in Berlin umzugehen. ▲▲ ▲▲ ▲▲

Beschreibung

FAQFindet ihr die Kritik an Gentrifizierung und Verdrängungsprozessen per se bescheuert?

Nein, sicherlich nicht. Wir glauben, dass die Kritik an Verdrängung und Gentrifizierung in weiten Teilen wichtig und berechtigt ist. Was wir jedoch scharf kritisieren, ist die Form der Debatte, wie sie in weiten Kreisen – auch über die „linke Szene“ hinaus – geführt wird. Diese verkürzte Kritik meint Schuldige für einen Prozess, der allein strukturelle Gründe hat, ausmachen zu können. Die negativen Effekte der Gentrifizierung werden abwechselnd auf eins der konstruierten Feindbilder „Touris“, „Hipster“, „Schwaben“, „Spekulant_innen“ oder „Makler_innen“ projiziert. Nicht nur, dass dadurch Menschen in das Fadenkreuz der selbsternannten Kiezbewahrer_innen geraten, auch eine strukturelle und differenzierte Kritik an Verdrängungsprozessen wird dadurch unmöglich. Der Kampfbegriff „Touristification“ bringt diesen Übertragungsprozess auf unheimliche Art und Weise auf den Punkt. „Kritik“ solcher Art ist kaum von faschistischen Heimatschutzinitiativen zu unterscheiden.

Auf der anderen Seite des aufgeteilten Weltbildes wird Armut romantisch verklärt.  So werden Armutsbezirke zu erhaltenswerten Soziotopen überhöht anstatt daran zu arbeiten, sie zusammen mit der Armut selbst und ihren Gründen abzuschaffen.Was versteht ihr unter Fremdenfeindlichkeit oder Xenophobie?Unter Fremdenfeindlichkeit verstehen wir Ressentiments, die sich gegen Menschen oder Gruppen richten, die aufgrund zugeschriebener Merkmale aus der eigenen Gruppe ausgeschlossen werden.
Fremdenfeindliche Ressentiments operieren dabei mit klaren Aufteilungen zwischen der eigenen „autochthonen“ Gruppe und dem „Anderen“. Diese Ausschlüsse können verschiedenen Merkmalen folgen. Gemeinsam ist den verschiedenen Formen von Fremdenfeindlichkeit, dass das „Fremde“ oder „Andere“ zur Gefahr von außen stilisiert wird. Dabei können unterschiedliche Projektionsleistungen eine Rolle spielen.
Obwohl Rassismus und Fremdenfeindlichkeit oft Hand in Hand gehen, glauben wir, dass es entscheidende Unterschiede dazwischen gibt.
So ist der Hass auf Schwaben, Hipster oder Tourist_innen deutlich von rassistischen Ressentiments zu unterscheiden, obwohl den Phänomenen ähnliche Denkmuster zugrunde liegen mögen.Ist Feindlichkeit gegen „Touris“ „Hipster“ „Schwaben“ nicht ein Luxusproblem? Relativiert ihr mit eurem Fokus darauf nicht die wirklich drängenden Probleme?

Nein, das glauben wir nicht. Wir finden Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie und andere Ressentiments genauso scheiße, wie Ihr alle hoffentlich auch!
Wir weigern uns aber auch, die Widerstände gegen diese verschiedenen Ressentiments und Ideologien gegeneinander auszuspielen. Stattdessen bemühen wir uns, eine möglichst differenzierte Position zu beziehen, die alle Formen von Diskriminierung und Ressentiment konsequent ablehnt.
Dazu gehört auch, dem gärenden Prozess, der dazu führt dass als „Hipster“, „Touristen“ oder sonstige als „Kiezaufwerter“ identifizierte Menschen, verbalen und physischen Attacken ausgesetzt sind, etwas entgegenzusetzen!

Wird auch mal Zeit, dass dieser undifferenzierten Gentrifizierungskontakt mehr entgegengesetzt wird.

Advertisements

Written by tlow

14. Dezember 2012 um 14:53

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. „Wird auch mal Zeit, dass dieser undifferenzierten Gentrifizierungskontakt mehr entgegengesetzt wird.“ — äh jo. is das der hint dass der positive bezug auf die hipster antifa nur ironisch gemeint war? i hope so! denn dieses notorische geplappa von wegen verkürzte kritik whatever hat nix mit nem fortschrittlicheren diskurs zu tun. im übrigen – wo issn in kiel eigentlich die zu anfang gescholtene gentrifizierungsskritik?! wird doch eher sporadisch betrieben. denke das liegt auch daran, dass sich die entsprechenden leute mal kruz mit gaarden identifizieren, aber perspektivisch sowieso nach berlin oder hamburg ziehen wollen und daher für ernsthafte stadtteilpolitik keine energie aufwenden wollen. ach ja – brennende autos und hasstiraden gegen yuppies etc. sind nen ökonomisches kampfmittel, das tatsächlich ne wirkung entfaltet. mehr jedenfalls als die wirre aussicht, „gemeinsam“ mit hipster antifas nach „lösungen“ für armut zu suchen. action speaks louder than words

    nosferatomonos

    21. Dezember 2012 at 12:54

  2. „brennende autos und hasstiraden gegen yuppies etc. sind nen ökonomisches kampfmittel, das tatsächlich ne wirkung entfaltet. “

    Ach ja? Wie das denn? Wo ist das eine Solidarisierung oder Anschlußfähigkeit? ich glaube das kann maximal den Widerstand gegen Kapitalismus spalten und schwächen und somit eigentlich eher den Interessen zuspielen, die es vorgibt zu bekämpfen. Kann jemand denn ein Beispiel nennen, wo das irgend einen positiven Effekt hat und wie soll das gehen? Propaganda der Tat? Da lobe ich mir eher die Direkte Aktion.

    Denke es geht den Hipster Antifas, die ja selber anscheinend eine lächerlich kleine Gruppe ist eher darum der total undifferenzierten Gewalt gegen Personen oder Personengruppen etwas entgegenzusetzen oder aufzuzeigen, dass da der Unterschied zu Nazis nicht mehr so groß ist. Ob nun „Schwaben raus“ oder „Ausländer raus“. Das ist schon eine sehr problematische Richtung. Dahinter steckt m.E. , dass Leute gar keine Lust haben etwas konkret gegen Kapitalismus zu unternehmen. Stattdessen werden halt EInzelpersonen oder Gruppe repräsentativ Ziele bzw. Opfer der Kritik. Das ist für mich aber eine totale Sackgasse. Dabei gibt es so viel Konkretes zu tun und zu kritisieren..

    tlow

    21. Dezember 2012 at 13:12


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: