KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Todeskino vs. Autos

with 8 comments

Die KN berichtet heute, dass Bürgermeister Todeskino in einer Ortsbeiratssitzung dazu aufgefordert hat, falsch geparkte Autos per Handyfoto, dass ans Ordnungsamt geschickt wird zu outen.

Sogleich der Kommentar von Bodo Stade, dass man sowas ja auf gar keinen Fall wollen sollte. Gerade in dicht geparkten Wohnvierteln würde man da ja „reiche Beute“ machen.

Das ist eines der wenigen male, wo ich den Bürgermeister mal verteidigen muss. Als Radfahrer ist man ständig in einem rechtsfreien Raum, wenn man z.B. statt auf der buckligen Pflasterstraße lieber auf dem Gehweg fährt, oder wenn man selbst im Schritttempo durch den Schrevenpark fährt, während Fußgänger vollkommen unbehelligt den Fahrradweg bevölkern.
Was alles so zur Anzeige kommt, z.B. Streetart-Künstler*innen, die grauen Beton verschönern (oh ja, das arme Grau?), Straßenmusiker*innen, Kleingewerbe auf der Straße,….

Nur eins darf man freilig nicht angehen: Des Deutschen liebstes Spielzeug: Sein Auto. Die Argumentation, dass besonders dort, wo viele „Parkverstöße“ passieren nicht angezeigt werden dürfe ist ungefähr so logisch, wie wenn man meint dort wo Hunde besonders oft hinscheissen sollte man am wenigsten gegen tun!? Es gibt viele Leute, die haben gar kein Auto oder welche, die ein StattAuto benutzen.

Autos nehmen einen  riesigen Teil unserer Stadtfläche ganz selbstverständlich ein. Wer aber mal alte Fotos von Kiel anschaut wird auch feststellen, dass es nicht nur die erhaltenen Häuser waren, die Kiel schöner machten als heute, sondern auch das vollkommene Fehlen von Blechlawinen. Autofahrer*innen  nehmen sie inzwischen Raum für so selbstverständlich, wohingegen die Familie, die mit ihrem Kinderwagen nicht mehr durch parkende Autos die Straße überqueren kann das „natürlich“ akzeptieren muss. Wehe jemand wende sich gegen Falschparker. Nein, Herr Stade besteht darauf überall und falsch zu parken – nach dem Motto „Frei Parken für Freie Bürger?“

Ich fahre selten Auto und kenne aber die Nöte der Parkplatzsuche. Auch ich habe nicht immer korrekt geparkt. Aber die Lösung des Problems liegt nicht darin, noch mehr Parkflächen zu schaffen. Platz für Autos bedeutet immer auch weniger Platz für Grün und mehr Luftverschmutzung. Die Anwohner*innen der Bahnhofstraße können ein Lied davon singen, werde dort doch seit Jahren die Grenzwerte für Feinstaub überschritten.  Und Abgase und der fahrende Verkehr können nicht sinnvoll getrennt betrachtet werden von Autobesitz und dem ruhenden Verkehr. Mehr Straße führen zu mehr Autos und mehr Parkplätze auch. Statt mehr Parkplätze wäre besserer ÖPNV die Lösung. Natürlich sind Anzeigen auch keine Lösung. Aber wer primär zu Fuß und mit dem Rad unterwegs ist, geht weit mehr Kompromisse ein als Autofahrer. Die wollen ihr Auto am liebsten genau da abstellen, wo ihr Zielort ist. Dabei werden dann oft große Parkplätze wie auf dem Wilhelm- oder Blücherplatz weniger genutzt. Aber da gibt es Autofahrer*innen, die das machen und bereit sind eine längere Strecke auch mal zu Fuß zu gehen.

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8 Antworten

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  1. Wer ein Auto in Kiel angemeldet hat und trotzdem viel zu Fuß geht, muß trotzdem irgendwo einen Langzeit Stellplatz für das Auto haben. Dieser Langzeit Stellplatz fehlt dann den Kurzzeit Parkern. Ist viel Parkraum vorhanden, werden auch viele Autos gekauft und zugelassen. Die meisten Autos stehen übers Jahr gesehen 6 bis 8 Monate nur an einer Stelle herum.
    Richtig, gerade Frauen parken dort wo sie auch hinwollen. Beim Friseur am Liebsten, wenn es ginge, direkt neben dem Waschbecken.

    Paul

    23. Mai 2013 at 09:35

    • Drive-In Friseur wäre ja die Lösung.

      tlow

      23. Mai 2013 at 11:28

  2. Was mir in Kiel auch immer wieder hochkommt, ist das Thema mit den Anwohner Parkplätzen im Bereich Kiel Mitte und um den Wilhelmsplatz herum. Ich als Fremdparker, der kein Parkplatz Anwohnerschein besitzt, werde entweder abgeschleppt oder bekomme ein Knöllchen. Eine Schweinerei ist das. Hier wird eindeutig öffentlicher Stellplatz an Privatpersonen verkauft. Kein Autofahrer hat ein Recht auf einen öffentlichen Stellplatz vor seinem Haus. Dieser Schwachsinn stammt wohl auch von Todeskino, damit Geld in die Kieler Kasse kommt. In Kiel werden wir doch alle nur verarscht.

    Paul

    23. Mai 2013 at 11:58

  3. Och es kann echt nicht wahr sein, dass Todeskino ausgerechnet, wegen dreier Fotos von Parkrowdys jetzt drei Tage vor der Wahl wahlkampfmäßig die Hucke voll bekommt? http://www.fdp-kiel.de/Kein-Bedarf-an-gruenen-Sheriffs/41765c75813i1p4821/index.html Alle zerreiseen ihn und werfen IHM Populismus vor. Also das beste was man in Deutschland machen kann ist ja „Freie Fahrt für freie Bürger“ zu schreien, gegen jegliche Tempolimits einzutreten, etc. Das frage ich dann: Wer ist hier bitte populistischer? Betreibt die FDP hier KEINEN Wahlkampf. Todeskino ist wirklich ein Bürgermeister mit vielen Fehlern, aber diese eine Position von ihm ist eine der wenigen nachvollziehbaren. Vielleicht sagt dieses Intermezzo mehr über die Qualität des Kieler Wahlkampfs und ihrer Protagonist*innen?

    tlow

    24. Mai 2013 at 15:19

    • Todeskino nervt ganz gewaltig. Wer wählt solche Leute?

      Paul

      24. Mai 2013 at 16:24

      • Die einfache Antwort wäre: „Niemand“ – oder – die Mehrheit im Rat. Jedenfalls wird der Bürgermeister im Gegensatz zum OB ja nicht direkt gewählt.

        tlow

        24. Mai 2013 at 16:38

  4. Hier mein Eintrag auf KN-online z. K.
    Ich habe nicht zur Anzeige von Parkverstößen in der Ortsbeiratssitzung „aufgerufen“. Der Artikel der anwesenden Redakteurin deckt sich nicht mit der Überschrift und dem Kommentar aus der Feder nicht anwesender Journalisten. Ich habe in der Sitzung auf die Besorgnis von Bürgern reagiert, dass insbesondere Schulkinder – Radfahrer, wie Fußgänger der Rudolf Steiner Schule – u. a. durch parkende Autos gefährdet werden. Unter Hinweis darauf, dass nicht jede Gefahrenstelle gegen Parkverstöße technisch abgesichert und kontrolliert werden könne, habe ich hilfsweise den Rat gegeben, sich bei gravierenden und für andere Verkehrsteilnehmer gefährliche Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung, Privatanzeigen zu erstatten. Privatanzeigen zum Schutze von nicht motorisierten Verkehrsteilnehmern halte ich nicht für verwerflich. Dabei habe ich mich ausdrücklich gegen Blockwartmentalitäten ausgesprochen. Auch das steht zu lesen. Ich kümmere mich „unterwegs“ um Schwarzbauten, Bauverstöße ebenso wie um ausgefallende Ampeln, unsinnige Verkehrsschilder, gefährliche Schlaglöcher usw. Auch dann gibt es sofortige Hinweise an meine Ämter und schnelle Abhilfe für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Wenn ein städtischer Mitarbeiter das nicht darf, wer denn sonst? Ich bin übrigens kein Ratsmitglied, sondern leitender Beamter der Stadt. Peter Todeskino 

    Peter Todeskino

    25. Mai 2013 at 18:55

    • Es ist halt Wahlkampf – und da wird jede Andeutung so interpretiert, wie es eben gerade passt. Und wenn dem Deutschen das Auto sein liebstes Tier ist, dann wird das eben benutzt. Die Realität spielt dabei keine Rolle. In der Hoffnung, dass das noch mal 1 Prozent ausmacht. Ich glaube allerdings die Bürger*innen sind diese Plattitüden satt und dies wird nur bewirken, dass weniger Leute zur Wahl gehen. Herr Todeskino ist kein Ratsmitglied aber Parteimitglied der GRÜNEN. Und gegen GRÜN ist dieses Manöver der CDU gerichtet. Wenngleich es viel Grund gibt, die GRÜNEN und Herrn Todeskino zu kritisieren, dann doch hier am wenigsten. So fair sollte man sein.

      tlow

      25. Mai 2013 at 20:10


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