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Kommunalwahl Kiel 2013: Grundsätzliches zur Stadtregionalbahn #kwkiel #kmw13 #SRB

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Da die Stadtregionalbahn ein Wahlkampfthema ist, aber die Debatte recht wenig von Fakten geprägt ist, möchte ich das hier sozusagen stellvertretend für einen Teil der Befürworter*innen tun. Ich gehe dabei primär auf allgemeine Vorteilen schienengebundenen Schienennahverkehrs ein. Das Konzept, was in Kiel „Stadtregionalbahn“ heißt, wird übrigens auch als „Regionalstadtbahn“ oder „Tram-Train“ bezeichnet.

Stadtregionalbahn Kiel, Vision

Stadtregionalbahn Kiel, Vision

Lohnt es sich?

Grundsätzlich ist unstrittig, dass schienengebundene Systeme wie Straßenbahnen oder Regionalbahnen leistungsfähiger sind, als rein busgestützte Systeme. Leistungsfähiger heißt z.B.:

  • Sie können mehr Fahrgäste transportieren, weil jeder Zug mehr Sitzplätze bietet als ein Bus (eine Stadtregionalbahn mehr als Straßenbahnen). Am Ende der Kieler Straßenbahn erledigte die Linie 4 alleine 40% des Kieler ÖPNV!!
  • Sie sind schneller, weil sie eigene Fahrwege haben.

Gäbe es nur Vorteile, wäre die Einführung einer Stadtregionalbahn also gar keine Frage. Nun kommen wir aber zu den Nachteilen:

  • Die Fahrwege sind viel teurer als bei Bussen. D.h. es muss richtig investiert werden, bis eine Stadtregionalbahn fahren kann.

Die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) befördert jährliche rund 32 Millionen Fahrgäste. Das sind rund 88.000 Fahrgäste pro Tag.

Die Wikipedia sagt zu Straßenbahnen und deren Wirtschaftlichkeit:

Bei circa 30.000 bis 40.000 Fahrgästen je Tag ist die Grenze erreicht, bei der ein Schnellbahnbetrieb betriebswirtschaftlich sinnvoller ist.

Das Problem eines reinen Bussystems, bzw. in Kiel Bus/Schiffsverkehrs ist, wie man im Bereich IT gerne sagt, dass es „nicht skaliert“. D.h. es trifft irgend wann an Grenzen, z.B. weil die Busse nur begrenzte  So ein Gelenkbus hat z.B. 54 Sitzplätze und 108 Stehplätze. Also sagen wir 160-170. Ein Stadtbahnwagen in Karlsruhe hat z.B. 210 Steh-/Sitzplätze (95 Sitzplätze und 118 Stehplätze). Das sind mal eben 40 Plätze mehr. Wer die beengten Verhältnisse zu vielen Zeiten in Kiel kennt, wird verstehen, dass 40 mehr Plätze einen deutlichen Unterschied machen werden. Dazu kommt, dass die Stadtregionalbahn mit entsprechenden Bahnsteigen einen barrierefreien Ein-/Ausstieg möglich macht. Heute ist es so, dass für Rollstühle eine extra Rampe von Fahrgästen oder dem Busfahrer ausgeklappt werden muss. Für Kinderwägen, Fahrräder, Rollatoren, Gepäck, … bedeuten Stadtregionalbahnen eine erhebliche Erleichterung. Zudem wird der Umstieg ganz nebenbei sehr viel schneller laufen können als bisher.

Nicht vergessen sollten wir, dass Kiel an sich auch schon für eine Straßenbahn ausgelegt ist. Die Schienen wurden ja erst zug um zug entfernt. Viele Wege könnten wieder benutzt werden und es bestehen Vorerfahrungen mit Bahnen in Kiel.

Von den nötigen Investitionen werden immer sehr hohe Summen genannt, die aber auf viele Jahre gestreckt würden. Außerdem muss das Konzept nicht so umgesetzt werden, wie es bisher angedacht ist.

Ein Vorteil für Kiel wäre auch, dass Kiel sehr lange Strecken hat wegen der Förde. Busse brauchen sehr lange, um den Teich zu fahren. Dies würde den Verkehr entscheidend  beschleunigen und damit den ÖPNV deutlich attraktiver machen.

Ist eine Stadtregionalbahn  eine parteipolitische Frage?

Wenn man nach Kiel schaut scheinen Gräben parteipolitisch zu Verlaufen: SPD und GRÜNE dafür, CDU und FDP dagegen. Aber wie sieht es in anderen Städten aus?

  • In Heilbronn hört man vom Fraktionsvorsitzende der CDU z.B . „CDU-Fraktionschef Peter Hauk will mehr Stadtbahn„. Dort bilden SPD und CDU eine Mehrheit
  • Allerdings scheint die FDP mit einigen Ausnahmen, wo Straßenbahnen seit Jahren etabliert sind fast überall in der Republik aus Prinzip gegen die Einführung neuer Stadtbahnen zu sein (z.B. in Aachen). Ich vermute da mal eine kompromisslose Haltung pro Auto und kontra öffentlichem Verkehr, vielleicht weil gemeinsame Verkehr ihnen per se zu sozialistisch ist?

Was sind denn die Alternativen?

Die Frage nach dem PRO und CONTRA der Stadtregionalbahn verwischt die eigentliche Frage: Nämlich wie den zukünftige Verkehre abgewickelt werden sollten? Wir haben die letzten Jahrzehnten gesehen, wie wenig das Bussystem in der Lage war die Straßenbahn zu ersetzen. Die Behauptung das Elektrobusse bereits gute Alternativen wären ist Unsinn. Alleine schon deshalb, weil sie über keinen eigenen Fahrweg verfügen und eben auch nicht größer sind als Benzin-Busse.

Parteien, die grundsätzlich gegen schienengebundene Systeme argumentieren, haben meist keine echten Alternativen zu bieten. Man kann sich darüber unterhalten, ob das bisherige Konzept so jetzt umgesetzt wird, oder ob man nicht erst einmal kleiner Schritte unternimmt.

Was im übrigen die Querung des Kanals angeht, so steht eh eine neue Brücke an. Da könnte dann auch eine Trasse für eine Stadtregionalbahn nach Holtenau angelegt werden.

Wichtig wäre m.E., dass die Debatte mehr auf Fakten basiert und es weniger um Ideologie geht. gerade CDU und FDP müssten dazu endlich mal Alternativen vorschlagen, die auch gangbar sind. Offenbar fahren deren Vertreter nie Bus, sonst wüssten sie, dass diese teilweise gar nicht mehr benutzbar ist.

Weblinks

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