KielKontrovers

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Archive for Mai 30th, 2013

Die Kieler SPD nach der Wahl

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Für die Kieler SPD war es ein Wahlerfolg. 4,4 Prozent mehr Prozentpunkte. Der Abstand zur CDU deutlich erhöht. Das bedeutet, dass die CDU es in den letzten 5 Jahren nicht geschafft hat Boden gut zu machen. Und auch, dass die SPD-Wähler weniger enttäuscht waren oder eher zur Urne mobilisierbar waren. Dazu kommt, dass es von der Landesebene durch den Wechsel der Regierung Rückenwind gab und gibt. Dennoch hat auch die SPD bei dieser Wahl Wähler verloren, aber kann es von allen Parteien am meisten verschmerzen.

Bitter für SPD-Fraktionsvize und finanzpolitischer Sprecher  Stadelmann, dass er sein Direktmandat verloren hat. Auch wenn die SPD sicher froh ist, dass die GRÜNEN mitgezogen haben. Eine/n grünen OB will man dann sicher doch nicht in ein paar Jahren haben. Vom Ergebnis her kann die SPD zufrieden sein. Die Opposition hat sie auch inhaltlich die letzten 5 Jahre vorgeführt und links und rechts stehen lassen. Die sind größtenteils in die Falle getappt und haben die Themenvorgaben von Rot-Grün aufgegriffen und sich daran abgearbeitet, statt eigene Schwerpunkte zu setzen.

Dazu kommt, dass die SPD in Kiel traditionell stark gut vernetzt und verwurzelt ist. Somit stellt die SPD in erster Linie für sich selbst ein Problem dar. Die Selbstzufriedenheit und das Selbstbewußtsein, dass sie ausstrahlt kombiniert mit der offenbaren Alternativlosigkeit in der Politik verschreckt viele Wähler*innen. Diese Atmosphäre der Abgehobenheit und Problemlosigkeit verleitet zu Fehlern. Korruption ist in der Kieler Politik eher der Normalzustand als die Ausnahme. So hat man unter Federführung der SPD vor einiger Zeit sich selbst einen pauschalen Freibrief für beliebige Einladung aller möglichen Kieler Festivitäten gegeben. Verabschiedet mit einem absurden Schauspiel, dass angeblich die Befangenheit der Ratsleute ausschließen sollte. Ich finde das bis heute noch unfassbar was da passiert ist und das es niemanden interessiert (inklusive aller Medien).

Die Fehler der SPD werden allerdings meist von einer breiten Mehrheit aller Parteien mitgetragen. Die CDU versucht sich dann ebenso wie die LINKE mal damit zu profilieren, dass sie ja noch mehr und besser die Schulen sanieren würden. In der Beziehung muss sich allerdings keine der Kieler Parteien verstecken. Keine Partei will die Schulsanierung blockieren und die Unterschiede sind dann doch eher marginal. Auf fundamentalem Gebiet gibt es daher selten eine Opposition, der die SPD gefährlich hätte werden können. Selbst Nachfragen an Redner sind meist eher nur lustig/polemisch, bringen die SPD aber selten in Bedrängnis.

Diese Situation führt aber zu einer gefährlichen Selbstüberschätzung und Überheblichkeit. Kritik von außen wird meist einfach weggebürstet und ignoriert, es sei denn es ist mal wieder der Sportverband oder eine andere einflußreiche Gruppe. Die SPD in Kiel ist nicht so gut, die anderen Parteien sind nur so schlecht. Bisher fehlte es an einer bissigen Opposition, die die SPD leicht hätte in Bedrängnis bringen können.

Für die kommenden fünf Jahre wird es wohl absehbar Themen geben wie Schulsanierung, Stadtregionalbahn, Sport- und Freizeitbad, Kommunalfinanzen. Bei der Stadtregionalbahn fehlt es derzeit an einem ernsthaften Engagement. Im Grunde fehlt es hier an der Opposition, die nicht bremsen will, sondern Ergebnisse sehen will. Denn das eigentliche Problem in Kiel ist doch, dass seit unzähligen Jahren über das Projekt gesprochen wird, aber die Planung nie konkreter geworfen ist. Ist das Projekt SRB so noch umsetzbar oder muss man erst mal kleinere Brötchen backen? Worauf wartet man und wie soll es konkret umgesetzt werden? Wo bleibt die Planungsgesellschaft?

In Plön, das auch JA zur SRB sagen soll hat sich die Waage zugunsten von Rot-Grün gewendet, ebenso in Neumünster und Rendsburg-Eckernförde. Wenn nicht 2013 wann sollte man es sonst anschieben?

 

Written by tlow

30. Mai 2013 at 15:54

Die Kieler GRÜNEN nach der Wahl

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Auch wenn die GRÜNEN netto Stimmen verloren haben, gehören sie doch auch mit zu den Wahlsiegern der Wahl vom letzten Sonntag. Mit fast 18 Prozent konnten sie noch einmal zulegen. Und das trotz einer doch auch sehr umstrittenen Politik in Kiel. Erklärbar ist das nur damit, dass viele Dinge den Wählern nicht bekannt waren oder auch, dass sich das Klientel der GRÜNEN mit den Jahren auch verschoben hat. So ist ja inzwischen bekannt, dass die GRÜNEN nicht unbedingt die ärmsten Wähler*innen haben. Es könnte also sein, dass die Politik der GRÜNEN eben besonders für eine Schicht von Besserverdienenden genau richtig ist. Das sind offenbar nicht diejenigen mit Kleingärten, sondern eher mit großem Garten am Haus – und der ist nicht in Gefahr. Ebensowenig wohnen sie wohl an der Feldstraße, wo die Vorgärten vernichtet werden soll.

Interessant hier der Vergleich zur anderen Partei der Besserverdienenden – der FDP: Es ist eben schon lange nicht mehr so, dass alle Besserverdienenden die Umwelt egal ist. Themen  wie Stadttregionalbahn spricht solche Kreise durchaus an. Die einfache Formel: Stadtregionalbahn ist nur für Ökospinner und Hippies und die FDP vertrete die wahren Interessen von Selbständigen und Unternehmer*innen trifft so schon lange nicht mehr zu. Zu Wähler*innen zählen dann auch Manager von Windparks. Die haben auch keine Zeit oder Interesse an Kleingärten – aber Interesse an einer konsequenten Förderung von Ökotechnologie (regenerative Energie, Nahverkehr,  Ökolandbau). Nicht zuletzt liegt diesen Wähler*innen auch viel an gesunder Ernährung, Luft und Wasser. Nur dort, wo sie eben nicht persönlich betroffen sind, ist es ihnen egal. Und aus den vielen kleinen Aufregerthemen wahlentscheidende Themen zu machen, wäre Aufgabe der Oppositionsparteien gewesen.

Die aber wirkte dieses Jahr eher wie ein unprofessioneller, aufgeregter Hühnerhaufen. Die Piraten ließen sich z.B. dazu hinreissen sich für das Zentralbad auszusprechen. Es war also bei vielen Themen nicht ganz klar, worin denn eine eventuelle Gegenposition bestehen könnte. Dies gilt also auch für die „linke“ Opposition. Und da denke ich liegt auch eines der Hauptgründe für die mangelnde Wahlbeteiligung und das gute Abschneiden der GRÜNEN: Weder im bürgerlichen noch im linken Lager (Wobei die Piraten wohl darauf bestehen werden zu keinem Lager zu zählen) konnten die Alternativen wirklich überzeugen. Wer aber strikt gegen das Zentralbad war, durfte die Piraten nicht wählen.  Das relativ schlechte Ergebnis ist wohl auch auf ihre eigene Profillosigkeit zurückzuführen.

Bei den GRÜNEN gab es personell einige Veränderung, inklusive der Spitzenkandidatin Lydia Rudow, die deutlich jünger ist, als die Fraktion bisher und z.B. auch als einzige GRÜNE Kandidatin auf Twitter aktiv war. Sie hat für die GRÜNEN auch den ersten Wahlkreis direkt geholt. Was wohl in Konkurrenz zu Herrn Stadelmann auch im direkten Plakatvergleich erklärbar erscheint.  Sie hat vermutlich auch viele jüngere Leute angesprochen, die sich von der inzwischen ja auch gealterten Politikerkaste der GRÜNEN bisher weniger angesprochen gefühlt haben. Das Wahlalter in Schleswig-Holstein war ja jetzt auch 16 Jahre. Die GRÜNEN betreiben auch eine konsequente Nachwuchspolitik. Etwas was andere Parteien in den letzten Jahren wohl eher vernachlässigt haben.

Vieles was GRÜNE zu Papier bringen klingt erst mal ganz gut, hat aber mit dem, was sie an realer Politik betreiben recht wenig zutun. Nicht zuletzt daher rührt in Kiel auch ein Bruch mit vielen Umweltorganisationen. Es wird interessant, ob des die GRÜNEN dieses Wahlperiode wagen werden ihren Kurs zu ändern, oder ob sie sich ein zweites Möbel Kraft meinen leisten zu können.

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