KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Die Kieler GRÜNEN nach der Wahl

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Auch wenn die GRÜNEN netto Stimmen verloren haben, gehören sie doch auch mit zu den Wahlsiegern der Wahl vom letzten Sonntag. Mit fast 18 Prozent konnten sie noch einmal zulegen. Und das trotz einer doch auch sehr umstrittenen Politik in Kiel. Erklärbar ist das nur damit, dass viele Dinge den Wählern nicht bekannt waren oder auch, dass sich das Klientel der GRÜNEN mit den Jahren auch verschoben hat. So ist ja inzwischen bekannt, dass die GRÜNEN nicht unbedingt die ärmsten Wähler*innen haben. Es könnte also sein, dass die Politik der GRÜNEN eben besonders für eine Schicht von Besserverdienenden genau richtig ist. Das sind offenbar nicht diejenigen mit Kleingärten, sondern eher mit großem Garten am Haus – und der ist nicht in Gefahr. Ebensowenig wohnen sie wohl an der Feldstraße, wo die Vorgärten vernichtet werden soll.

Interessant hier der Vergleich zur anderen Partei der Besserverdienenden – der FDP: Es ist eben schon lange nicht mehr so, dass alle Besserverdienenden die Umwelt egal ist. Themen  wie Stadttregionalbahn spricht solche Kreise durchaus an. Die einfache Formel: Stadtregionalbahn ist nur für Ökospinner und Hippies und die FDP vertrete die wahren Interessen von Selbständigen und Unternehmer*innen trifft so schon lange nicht mehr zu. Zu Wähler*innen zählen dann auch Manager von Windparks. Die haben auch keine Zeit oder Interesse an Kleingärten – aber Interesse an einer konsequenten Förderung von Ökotechnologie (regenerative Energie, Nahverkehr,  Ökolandbau). Nicht zuletzt liegt diesen Wähler*innen auch viel an gesunder Ernährung, Luft und Wasser. Nur dort, wo sie eben nicht persönlich betroffen sind, ist es ihnen egal. Und aus den vielen kleinen Aufregerthemen wahlentscheidende Themen zu machen, wäre Aufgabe der Oppositionsparteien gewesen.

Die aber wirkte dieses Jahr eher wie ein unprofessioneller, aufgeregter Hühnerhaufen. Die Piraten ließen sich z.B. dazu hinreissen sich für das Zentralbad auszusprechen. Es war also bei vielen Themen nicht ganz klar, worin denn eine eventuelle Gegenposition bestehen könnte. Dies gilt also auch für die „linke“ Opposition. Und da denke ich liegt auch eines der Hauptgründe für die mangelnde Wahlbeteiligung und das gute Abschneiden der GRÜNEN: Weder im bürgerlichen noch im linken Lager (Wobei die Piraten wohl darauf bestehen werden zu keinem Lager zu zählen) konnten die Alternativen wirklich überzeugen. Wer aber strikt gegen das Zentralbad war, durfte die Piraten nicht wählen.  Das relativ schlechte Ergebnis ist wohl auch auf ihre eigene Profillosigkeit zurückzuführen.

Bei den GRÜNEN gab es personell einige Veränderung, inklusive der Spitzenkandidatin Lydia Rudow, die deutlich jünger ist, als die Fraktion bisher und z.B. auch als einzige GRÜNE Kandidatin auf Twitter aktiv war. Sie hat für die GRÜNEN auch den ersten Wahlkreis direkt geholt. Was wohl in Konkurrenz zu Herrn Stadelmann auch im direkten Plakatvergleich erklärbar erscheint.  Sie hat vermutlich auch viele jüngere Leute angesprochen, die sich von der inzwischen ja auch gealterten Politikerkaste der GRÜNEN bisher weniger angesprochen gefühlt haben. Das Wahlalter in Schleswig-Holstein war ja jetzt auch 16 Jahre. Die GRÜNEN betreiben auch eine konsequente Nachwuchspolitik. Etwas was andere Parteien in den letzten Jahren wohl eher vernachlässigt haben.

Vieles was GRÜNE zu Papier bringen klingt erst mal ganz gut, hat aber mit dem, was sie an realer Politik betreiben recht wenig zutun. Nicht zuletzt daher rührt in Kiel auch ein Bruch mit vielen Umweltorganisationen. Es wird interessant, ob des die GRÜNEN dieses Wahlperiode wagen werden ihren Kurs zu ändern, oder ob sie sich ein zweites Möbel Kraft meinen leisten zu können.

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