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Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Zur Debatte um ‚Zwangsbesuche‘ in KZs und KN-Kommentar

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Was den Ausbau und die Pflege von KZ-Gedenkstätten angeht bin ich voll der Meinung, dass das gegenwärtige Umdenken im Sinne von „mehr und besser“ genau richtig ist. Was aber ‚Zwangsbesuche‘ angeht, da kommentierte Herr Christen von der KN vom 4.9.2013:

„Der Hinweis, dass Zwang pädagogisch kontraproduktiv ist, stimmt, geht aber ins Leere. Schule ist eine Zwangsanstalt. Ihr vornehmster Auftrag bleibt, junge Menschen fit für die Demokratie zu machen. Wie ginge das besser als durch die Aufarbeitung der NS-Diktatur.“

Wenn man den Kommentar mal so nimmt, wie er da steht, dann steht da: Ja, die Zwangsverpflichtung wird kontraproduktiv sein, dass ist uns aber egal, weil es eh eine Schulpflicht gibt?

Zudem wird hier der Besuch von Gedenkstätten mit der Aufarbeitung der Vergangenheit gleichgesetzt. Ich denke jedoch die Schule muss viel tiefer ansetzen. Ich gehe davon aus, dass sich seit meiner Schulzeit immer noch nicht vield aran geändert hat, dass man historisch doch sehr auf die eigene Region begrenzt ist, mal abgesehen von dem klassischen Bildungsansatz Römer und Griechen besonders  herauszustreichen.

Rassismus kommt auch von Unwissenheit. Solange andere Kulturen wie z.B. in Afrika, Indien, Amerika nur gestreift oder gar nicht behandelt werden und die eigene Kultur als höherstehend und wichtiger vermittelt wird, werden bereits hier die Grundlagen für Rassismus und Diskriminierung gelegt.  Und dann ists auch kein Wunder, wenn einem Musikwissenschaftler am Ende ihres Studiums erklären zu meinen müssen, dass es in Afrika gar keine „richtige Musik“ gibt. Da zieht sich der Rassismus von der Grundschule bis zum Master-Abschluss.

Es gibt viele Wege sich der Vergangenheit und insbesondere der NS-Vergangenheit zu nähern. Für empfindliche Gemüter kann ggf. der Besuch eines KZs zunächst für viel Beklemmung und Verwirrung führen. Wie lange das anhält und ob das insbesondere darum geht die Mechanismus des Faschismus zu verstehen und im Alltag zu erkennen, bezweifle ich. So ein Besuch sollte bewusst passieren und nicht einfach nur abgehakt werden.

Zudem erinnert mich die Denke „Zwang ist gut“ doch sehr an genau die Einstellung, die im Dritten Reich besonders populär war. Müsste man nicht genau auf andere, sanftere Methoden setzen, wenn man das Gegenteil vermitteln will. Wahr ist eben auch, dass das Denken oft heute nicht so unterschiedlich ist. Das Dritte Reich und die Taten lehnen viele ab, hält sie aber nicht ab Menschen zwangsabzuschieben, rassistischen Vorurteile antisemitische Einstellungen zu pflegen. Das geht heute gut nebeneinander, weil da eine kalre Linie gezogen wird: Das eine ist die Vergangenheit und es könne sich nie wieder wiederholen (solange die NPD nicht die Wahlen gewinnt?). Dabei wird der alltägliche Rassismus übersehen und die vielen Mechanismen der Unterdrückung, die heute auch täglich zu Ausschreitungen gegen Migrant*innen führen und zu einer zutiefst rassistischen Politik.

Das Schule eine Zwangsanstalt stimmt leider. Aber das wäre auch änderbar und würde uns alle eventuell von einer Wiederholung der Geschichte bewahren.  Gehorsam ist eben ein schlechter Ratgeber.

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Written by tlow

4. September 2013 um 06:38

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