KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Bundesweites Umfragetief der GRÜNEN in der KN kommentiert

with 8 comments

Für Klaus Kramer von der Kieler Nachrichten ist das Umfragetief der GRÜNEN ganz einfach erklärt. Grund sei (Kommentar, 12.9. Seite 2):

 

Jobs, Jobs, Jobs

Jobs, Jobs, Jobs (Photo credit: Elias Schwerdtfeger)

 

  • sie hätten sich nicht für die Energiewende eingesetzt, sonder eher auf Verbote gesetzt:
    • weil man Wasser sparen solle
    • nur nachts Wäsche waschen solle
    • weil man Fahrrad fahren solle und Zug
    • weil sie gegen Billigflieger sind
    • weil sie für gehandelten Kaffee sind
    • weil sie uns verbieten würden einen Hamburger zu essen.

 

Insgesamt klingt das mehr wie GRÜNEN-Vorurteile aus der Mottenkiste und weniger nach einer Analyse über die Ursachen der Umfrageflaute. Da gibt es sicher konkretere Gründe. Wie z.B., dass die GRÜNEN auf der einen Seite für gerechte Löhne auf dem Papier sind, aber in der Realität die Lohndrückerei ihrer eigenen Stiftung unterstützen. (u.a. Impulse, FAZ, Junge Welt berichteten). Aber diesen Umgang mit Beschäftigten  würde Herr Kramer vermutlich eher begrüßen, weil Arbeitgeber ja nicht eingeschränkt werden sollten?

 

Unter dem Strich gibt es doch recht wenig Vorgaben für die Lebensführung. Es gibt kein Hamburger-Verbot oder die Pflicht das Fahrrad oder die Bahn zu benutzen. Für das Fliegen gibt es keine Steuer für Flugbenzin. Und Autos mit riesigem Benzinverbrauch dürfen ganz legal am Straßenverkehr teilnehmen. Davon aber scheint das Glück der meisten Menschen wenig abzuhängen.

 

Grund für das Absinken der GRÜNEN könnte auch sein, dass Wähler*innen davon ausgehen, dass sie durchweg von den GRÜNEN keine andere Politik erwarten können, als von den anderen Parteien. Das Problem einer Regulierung der Öffentlichkeit haben alle Parteien, denn jede repräsentative Politik bedeutet, dass Vorschriften verabschiedet werden über die Köpfe der Betroffenen hinweg. Deutschland ist dabei ein überreguliertes Land, das Land von „Rasen betreten verboten“. Auch wenn sich da die letzten Jahrzehnte einiges geändert hat. Dabei nimmt der umweltbewußte Lebensstil eher zu als ab, wovon die GRÜNEN die letzten 30 Jahre auch eher profitiert haben.

 

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Written by tlow

12. September 2013 um 07:26

Veröffentlicht in Allgemein

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8 Antworten

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  1. Tja, der Klaus Kramer. Seine Kommentare haben mittlerweile das Niveau der plattesten Forumsbeiträge auf KN-Online erreichet. Das schreit nach einer professionellen Alternative zur KN. Gut, dass es jedenfalls schon mal Kiel Kontrovers gibt …

    Helge Hildebrandt

    12. September 2013 at 09:36

  2. Zugegeben; der Kommentar der KN ist sehr platt und vereinfacht. Dass die Grünen gerne auf Verbote setzen und ohnehin eine etatistische Politik verfolgen, entstammt mitnichten irgendeiner Mottenkiste, sondern der politischen Realität. Eine meiner Ansicht nach gute Analyse über das typische Klientel dieser Partei hat das politische Magazin Cicero letztes Jahr herausgearbeitet:

    http://www.cicero.de/berliner-republik/autoritaer-etatistisch-regelungsverliebt/52724

    AK

    13. September 2013 at 01:18

    • Aber auf der anderen Seite sind GRÜNE eher für weniger Regulierung, was Asylrecht, doppelte Staatsbürgerschaft, Familie, … angeht. Ich sehe da mehr einen ideologischen Graben zwischen den Parteien. So die CDU/FDP in der Wirtschaft eher auf Deregulierung setzt, setzen die GRÜNEN eher auf neue Regeln. Ich will das damit gar nicht bewerten, wie sinnvoll oder erfolgsversprechend die einzelnen Initiativen sind. Ich persönlich finde auch Tempo 30 in Städten und Tempo 100 auf Autobahnen sinnvoll.

      In dem verlinkten Artikel wird sozusagen ein „altes, gutes Bürgertum“ dem „neuen, schlechten Bürgertum“ in Deutschland gegenüber gestellt. Wenn man aber bedenkt, dass die Reaktion hauptsächlich eine bürgerliche Bewegung war und das eben die Kräfte waren, die einen Hitler in Deutschland ermöglich haben, so kann ich nichts positives am klassischen Bürgertum finden. Nicht jeder Bürgerliche wurde zum Faschisten, aber der Weg war nicht weit und es passierte nicht selten. Allerdings wundert mich so ein Artikel in dieser Zeitschrift auch nicht, da sie auch eher reaktionär ist.

      Womit ich nicht sagen wollte, dass starke Kritik an den GRÜNEN nicht auch oft einen wahren Kern hat. Zum einen kennt man ja das Bild von bürgerlichen, die mit ihrem SUV zum Biomarkt und jeden Meter fahren, ohne auf die Umwelt zu achten. Die haben aber wenig zu tun mit radikalen,traditionellen Umweltbewegten. Ich würde auch behaupten, das ein grüner Lebenstil, d.h. gutem biologische Ernährung, Lebensführung,… eher zu einem Mainstream geworden ist. Das ist auch der Grund, warum die GRÜNEN mehr Stimmen haben, als früher. Sie sind in der Mitte angekommen, zusammen mit einem Teil des Lebensstils. D.h. auch die anderen Parteien sind nicht mehr gegen Ökologie eingestellt. Es gibt mittlerweile eine EU-weites Bio-Siegel und außer der FDP will niemand in Kiel z.B. die Tempo 30-Zonen abschaffen.

      tlow

      13. September 2013 at 06:07

  3. Dass es politische Unterschiede zwischen Regulierungsvorschlägen der einzelnen Parteien gibt ist evident.

    Die Grünen betreffend ist es die die Fülle der staatlichen Regulierungen, die entscheidend ist, nicht die politische Ausrichtung.

    Eine unvollständige Auflistung, die bei Bedarf auch belegt werden können:

    -Verbot von Motorrollern
    -Limonadenverbot an Schulen
    -Verbot von Heizpilzen
    -Verbot von Plastiktüten
    -Verbot von Computerspielen
    -Verbot von Paintball
    -Verbot von Nachtflügen
    -Absolutes Rauchverbot
    -Fleischverbot einmal die Woche für Schulen und Kindergärten (2011)

    Die Sinnhaftigkeit der einzelnen Regulierungsbedürfnisse möchte ich an dieser Stelle explizit nicht werten. Auffallen ist für mich, dass die Grünen nicht den Weg der Aufklärung und Überzeugung, sondern den Weg der Bevormundung seitens eines starken Staates wählen. Für mich stellt ein solcher Politikstil das Gegenteil von Selbstbestimmung dar. Ich kategorisiere die Grünen deshalb als autoritäre Partei.

    Bei Ihrem zweiten Absatz stellt sich mir die Frage, ob Sie den von mir verlinkten Artikel überhaupt gelesen haben. Gleich zu Beginn des Artikels erfolgt eine grundsätzliche Kritik am Bürgertum. Ihre Auffassung, es werde ein „gutes altes Bürgertum“ mit einem „neuem. schlechteren Bürgertum“ verglichen widerspricht meiner Meinung nach völlig der Grundaussage des Artikels. Ich zitiere:

    „Bürgertum: Das stand stets für Niedergang, Selbstzweifel und Falschheit, für bürgerliche Werte, deren Hohlheit und verlogene Moral sogar ein eigenes literarisches Genre hervorbrachten: das bürgerlicher Trauerspiel – lesen Sie nach bei Lessing, Schiller und Ibsen.“

    Anhand des Vergleiches der verschiedenen Erscheinungsformen des Bürgertums und des Aufzeigens möglicher Parallelen unter Berücksichtigung der Grundaussage des Artikels auf Hitler zu verweisen, nehme ich als reaktionär und undifferenziert wahr.

    AK

    13. September 2013 at 12:01

  4. Ergänzend zum Thema möchte ich noch auf eine wunderbare Analyse eines Gründungsmitglieds und ehemaligen Bundesvorstandssprecher der Grünen, Rainer Trampert, hinweisen:

    http://www.rainertrampert.de/artikel/die-gruenen-moderne-volkspartei-ohne-soziales-gewissen

    AK

    13. September 2013 at 15:06


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