KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Kruber-Zitate und SRB

with one comment

Heute in einem größeren KN-Interview (S.28) positioniert sich Stefan Kruber. Viel Neues ist von ihm offenbar nicht zu erwarten. Nur ein paar Zitate:

Ich würde für studentisches Wohnen auf dem Ostufer werben und die
Rahmenbedingungen dafür verbessern, würde den Studenten vermitteln wollen, hier
kann man auch gut leben. Ich will das studentische Leben rund um die Fachhochschule
entwickeln. Ich will eine echte Zukunft für das Ostufer.

Bleibt die Frage: Was ist eigentlich das „Ostufer? Aus meiner Perspektive kann man zwar von „dem Westufer“ reden (sagen wir mal alles südlich des NOK), aber nicht von „dem Ostufer“, weil Stadtteile wie Gaarden, Elmschenhagen, Wellsee, Wellingdorf,…. vom Charakter her extrem unterschiedlich sind. Z.B. ist Gaarden der urbanste Stadtteil Kiels, während Wellsee zum einen primär Gewerbegebiet ist und zum Teil spießige Reihenhaussiedlungen. Von welcher Perspektive reden wir also? Insofern ist natürlich der Titel der „Stadtteilzeitung“ „Unser Ostufer“ auch etwas verfehlt. Eine gemeinsame „Ostufer“-Identität gibt es nicht. Und für Gaarden kann ich sagen, dass sich die Identitäten der Straßen teilweise bereits alle 20-50 Meter ändern. Wenn man da alles in einen Topf wirft, wird es schwierig. Und „Studentisches Wohnen“ als Kampfbegriff ist insofern problematisch, als dass Studierende zwar immer auch hier gewohnt haben, aber es klein klassisches Studierendenviertel auf dem Ostufer gibt. Alleine schon wegen der Ferne zu den meisten Instituten. Hier also künstlich eine Klientel einpflanzen zu wollen muss scheitern. Wenn es z.B. mehr Studierende in Gaarden gibt, dann durch den reinen Wohnraum-Druck und weil es überall mehr Studierende gibt.

Kiel ist auch „Gorch Fock“ …  Mit Kiel Sailing City haben wir eine gute Marke, mit  der sich arbeiten lässt.

Kiel ist also auch [Segelschulschiffname] – provinzieller gehts dann auch fast nicht mehr. Die Begeisterung für „Kiel Failing City“ kann  ich auch nicht teilen.

Insgesamt bestätigt sich mein Eindruck, dass Kruber nur ein Proforma-Kandidat ist, der nur durch inhaltliche Blässe glänzt. Natürlich ist man gegen die SRB, wie auch die Kieler Nachrichten als Ganzes. Die tönt im Schleswig-Holstein-Teil der KN heute: „Plan-Stopp für Stadtregionalbahn“. Liest man allerdings den Inhalt des Artikels, so geht es nur darum, dass Verkehrsminister Meyer von den Umlandgemeinden fordert Farbe zu bekennen, bevor er weiteres Geld für Planungen freigibt. Und die KN stellt Faken falsch dar in dem sie behaupten:

  • „Mit Schützenhilfe des Landes kann die SRB kaum rechnen.“ – und:
  • „Bei den zwei Konkurrenzprojekten im Großraum Hamburg, S4 und S21, läuft dagegen alles nach Plan.“

Zum einen gab es keine Distanzierung der Landesregierung von der SRB – ganz im Gegenteil, trotz dem die KN das immer wieder herbeischreiben möchte. Zum anderen sind die S-Bahn-Linien keine Konkurrenzprojekte zur Stadtregionalbahn.

In dem KN-Artikel zu den ersten Untersuchungsergebnissen einer Machbarkeit einer Seilbahn über die Förde wurde bekannt, dass Fahrgast-Zufriedenheitsstudien der KVG immer in den Semesterferien stattgefunden haben. Und das dadurch auch ein falsches Bild von der Belastung des Busnetzes entstanden. Pendler und andere regelmäßige Busnutzer wissen längst, dass das Kieler Bussystem am Limit ist. Es wird da manchmal eingeworfen, dass ein paar mehr Busse das ganze Problem lösen werden. Aber das erzählt man uns in Kiel bereits seit 15 Jahren, verändert hat sich nichts. Ich kenne viele Leute, die das Gedränge in den Bussen nicht abkönnen und niemals Bus fahren würden. Gedränge heisst:

  1. Damit leben, dass der Bus einem an einer Haltestelle im Regen stehen lässt, weil er bereits voll ist.
  2. Das man den Bus nicht verlassen kann am Zielort, weil kein Durchkommen ist
  3. Das man mit allen Fahrgästen auf Tuchfühlung ist, auch was ansteckende Krankheiten, unangenehme Gerüche,… angeht
  4. ab und zu mal durch Taschendiebe etwas Bargeld loswerden

Ich fordere die SRB-Kritiker heraus ernstzunehmende Alternativen zu präsentieren, die eine echte Verbesserung bringen. Ich finde es auch befremdlich, wenn Kieler Politiker nichts lieber tun, als die Hamburger Infrastruktur auszubauen und gleichzeitig von einem Wettbewerb der Regionen zu sprechen. Vielleicht sollten Unternehmen einfach mehr nach Hamburg abwandern. Warum allerdings die S-Bahn dort das tollste von der Welt ist und in Kiel angeblich vollkommen unnütz will mir nicht in den Kopf. Egal wie man es dreht: Entweder Kiel für sich oder auch im Sinne Hamburgs: Kiel als größte Stadt in Schleswig-Holstein mit einem Busnetz aus dem letzten Jahrhundert hilft niemandem.

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Written by tlow

14. Dezember 2013 um 07:24

Eine Antwort

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  1. Okay, ich bin gerade auch enttäuscht: Kruber agiert schwach. Und die vorweihnachtliche Fragestunde der KN, in der Kruber von „leuchtender Kinderaugen“ und eine „schönen DVD“ träumt, trieft vor Abgeschmacktheit. Auch das Eingeständnis Ulf Kämpfers, als Kind nicht mutig genug gewesen zu sein, lässt einen bange denken: Und als Erwachsener? Hoffen wir, dass WIR in Kiel mit der spöttischen Verfremdung eines bekannten SPD-Slogans „Irgendeiner von uns!“ nicht Recht behalten wird …

    Der Heidemörder

    29. Dezember 2013 at 17:54


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