KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Reaktionen auf Petition und Blogartikel

with 2 comments

In der Samstags-KN findet man einen Artikel zu Möbel Kraft auf Seite 26. Darunter u.a.:

public domain clipartDie Stimmung ist aufgeheizt. In Online-Petitionen wird der Rücktritt von Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) gefordert und Poster im Stadtgebiet aufgehängt, auf denen er am Steuerknüppel eines Baggers durch den Laubenabriss „Tatsachen“ schafft. Weitere Irritationen lösten Aussagen von Frank Hornschu, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Kiel Region, aus. Er hatte die Rückendeckung der Gewerkschaften für die Ansiedlung auch mit der vom Unternehmen versprochenen Schaffung von etwa 300 Arbeitsplätzen begründet. […] Die Formulierung, dass sich das Möbelhaus zu 300 Arbeitsplätzen verpflichtet habe, sei vielleicht missverständlich, räumte Hornschu ein. Es gebe lediglich eine mündliche Zusage. „Aber unsere Aussagen über eine solche Größenordnung von Arbeitsplätzen stützen sich auf Erfahrungen. Ein Möbelmarkt kommt nicht ohne Personal aus. Wir brauchen Arbeit“, verwies er auf derzeit fast 3000 im Einzelhandel ausgebildete Menschen in der Region, die Arbeit suchen.

„Missverständlich“ ist sehr positiv formuliert. Interessant wäre mal, auf welche Erfahrungswerte Herr Hornschu sich bezieht. Bei Möbel Kraft handelt es sich um ein knallhart wirtschaftendes Unternehmen, dass nichts tun wird, was es nicht auch muss.  Alles, was die nicht schriftlich verbindlich zusagen ist nichts weiteres als eine nicht-bindende Absichtserklärung. Als Gewerkschaftler frage ich mich, wie Herr Hornschu Tarifverträge verhandeln würde – basierend auf unverbindlichen, mündlichen Aussagen oder in dem man klar festschreibt, worauf sich der Arbeitgeber verpflichtet.

Hier geht es doch darum, dass die Stadt Kiel für einen Apfel und ein Ei einem Großkonzern eine wichtige Grünfläche in Kiel zur Bebauung überlässt. Da ist es doch wichtig nachzuhaken, was man denn um Gegenzug sicher bekommt? Man ist es aber auch anderweitig gewohnt, dass die Politik bei großen Projekten nicht so genau auf ihren Vorteil achtet. Siehe auch Toll Collect oder das Drohnen-Debakel um den Euro Hawk, Stuttgart 21, Flughafen BER, … .

Ein Problem in der Politik ist letztlich oft, dass politische Repräsentant*innen zwar positiv über Projekte entscheiden, aber nicht wirklich Verantwortung tragen bei einem Misserfolg.

Wenn wir mal pessimistisch sind – nehmen wir an, die Bauarbeiten schreiten fort, das Möbel Kraft-Gelände wird planiert und das Bürgerbegehren scheitert. Und dann wäre der Baumarkt 2017 bezugsfähig. Und 2017 gibt es dann eine Insolvenz von Möbel Kraft. Das ist kein unwahrscheinliches Szenario. Wir haben ähnliches ja schon bei Praktiker oder Schlecker erlebt. In dem Falle hätte Kiel nichts: Die Kleingartenfläche wäre unwiederbringlich verloren, alle Investitionen und Streitereien wären umsonst gewesen, es gäbe keine Arbeitsplätze und die Planungen für das Gelände müssten bei null anfangen.

In der Politik tendiert man zu oft sich auf die möglichen Wirkungen im BESTEN FALL zu konzentrieren und diese dann als quasi wahrscheinlichste Zukunft festzuschreiben. Jede Kritik oder Bedenken werden dabei so gut es geht umgangen, weil eher in der Kritik, als im Scheitern der eigenen Planung eine Gefahr gesehen wird. Und wie Doris Lessing mal so schön formulierte wird es dann am gefährlichsten, wenn Politiker anfangen ihre eigenen Lügen zu glauben.

Wir kennen alle nicht die Zukunft, aber man kann sich anschauen, welche Ressourcen Kiel hat und man kann Abwägungen treffen. Allgemein verbreitet ist in der Kieler Politik offenbar die Haltung, man müsse fast alles ausverkaufen, um überhaupt irgend welche Arbeitsplätze zu schaffen. Das heißt man schaut gar nicht mehr auf mögliche, negative Wirkungen. Man handelt in der Überzeugung der Alternativlosigkeit des eigenen Handelns. Dadurch wird Politik aber mehr und mehr zu einem technokratischen Akt und die Bürger*innen zum Hemmschuh unzweifelhaft nötiger Projekte.

Wohin das führt, sieht man derzeit in den USA oder in Griechenland. In den USA werden Städte wie Detroit einem technokratischen Regime eines einzelnen Menschen unterstellt, der vom Bundesstaat gestellt wird.

Als persönliche Anmerkung zum Thema Möbel in Kiel: Vor 20 Jahren haben sich weder IKEA noch Möbel Kraft für Kiel interessiert und dennoch kauften Kieler Möbel. Dann kam IKEA und plötzlich reicht das Angebot in Kiel nicht mehr aus? Wie konnten wir dann vor 20 Jahren nur überleben so ganz ohne großen Möbel Markt?

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Written by tlow

26. Januar 2014 um 16:24

2 Antworten

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  1. Und wer den Zahlen tiefer auf den Grund gehen möchte, werfe mal einen Blick in die „Emmissionstechnische Untersuchung“ in der „gläsernen Akte“ und scrolle dort auf Seite 19. Dort wird er folgende Mitarbeiterzahlen finden:

    7.2.1.3 Mitarbeiter
    Möbel-Kraft plant den Einsatz von 60 Mitarbeitern vor Ort, Sconto etwa 20. Beide Möbel-Märkte
    arbeiten mit einem 2-Schicht-System. Das gilt sowohl für die gewerblichen Mitarbeiter als auch
    für die Verwaltungsangestellten. Die gewerblichen Mitarbeiter fangen etwas früher, um 7 Uhr,
    an, die Verwaltungsangestellten eine Stunde später. Die Angestellten parken auf den Parkplätzen
    nördlich von Möbel-Kraft und westlich von Sconto.

    http://www.kiel.de/leben/stadtentwicklung/moebel_kraft/index.php

    Macht nach Adam Riese 160 Mitarbeiter für MK und Sconto zusammen.

    Helge Hildebrandt

    26. Januar 2014 at 17:41

  2. Mir ist es immer wieder unbegreiflich, wieso ein Grüner Bürgermeister werden kann.

    Die ganzen Revolutzer von den Grünen haben sich nach Brüssel abgesetzt (in Brüssel will man Todeskino mit Sicherheit nicht haben wollen). Dort kassieren sie dann die dicken Gehälter und sorgen dort mit ihrem Einsatz, laufend für irgendeinen Zoff für Deutschland. Hoffentlich wird die AfD so mächtig, das man Brüssel und die EU für Deutschland wieder abschaffen kann.

    Gegen Angela Merkel ist Todeskino eigentlich harmlos. Wieso wird gegen Angela Merkel keine Petition gestartet. Diese Frau führt Deutschland immer tiefer in den Sumpf. Das schlimme daran, diesen ganzen politischen Schwachsinn muss ich mitfinanzieren.

    In Europa gibt es nur noch ein Land, wo man Leben könnte und das ist die Schweiz.

    Franz33

    26. Januar 2014 at 22:11


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