KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Gottesbezug in die Landesverfassung: Zurück ins Mittelalter?

with 3 comments

Zu einer der wichtigsten Errungenschaften der Neuzeit gehört die Trennung von Kirche und Staat. Dies soll nun in Schleswig-Holstein aufgehoben werden. Der erste Schritt dazu ist ein Gottesbezug in die Landesverfassung. 2014, in einem Jahr in dem immer weniger Menschen An Gott glauben oder Mitglied einer Kirche sind. Derzeit bundesweit 62 Prozent.

Abstrus sind da teilweise die Argumente für einen Gottesbezug, wie z.B. vom Hamburger Erzbischof Thissen:

„Es ist ja nicht etwa so, dass das etwas wäre, wovon die Kirchen etwas haben. Sondern die Menschen haben etwas davon und wer nun partout sagt, dass er Atheist ist und nicht an Gott glaube, der hat auch einen Glauben. Dem tritt man nicht zu nahe, dem kann es dann egal sein, wenn Gott in der Verfassung drin steht. Es wird hier keiner dominiert.“

Eine Landesverfassung soll für ALLE gelten, auch für Atheisten. Wenn ein Gottesbezug drin steht, spricht sie aber nur diejenigen an, die an Gott glauben, ist doch klar! Wieso sollte es Atheisten egal sein, wenn sie gezwungen werden sollen an Gott zu glauben? Leben wir etwa im Mittelalter? Es scheint doch eher ein all zu durchschaubarer Versuch zu sein einem im Schwinden begriffenen Glauben, der für immer weniger Menschen einen Bezug darstellt künstlich durch die Verfassung eben einen Verfassungsrang zu geben.

Es kann nicht sein, dass Christen Atheisten oder andere Religionen nur dulden – es kann nur so sein, dass der Staat mit Religion nichts zu tun hat und diese als Privatsache akzeptiert. Im übrigen ist dieser Versuch so abwegig und lächerlich, dass sich die Diskussion darüber eigentlich schon erübrigen sollte. Es ist erschütternd zu sehen, dass alle Parteien in Schleswig-Holstein darüber ernsthaft nachdenken. So als gäbe es keine Probleme im Land. Aber noch ein Argument: Der Gottesbezug ist der erste Schritt hin zu dem, was wir in Afghanistan gesehen haben, was dort von den Taliban umgesetzt wurde. Wenn wir die Trennung von Staat und Kirche in Frage stellen, so würden wir eine Entwicklung fördern, in der Staaten wieder Religionskriege führen. Religionen haben weltweit zu unzähligen Toten beigetragen  und stehen weder für den Frieden noch für Gerechtigkeit. Diese Initiative ist anmaßend und sollte abgelehnt werden. Ein Affront für jeden Atheisten!

Advertisements

Written by tlow

12. Februar 2014 um 09:25

3 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Ja, ihr/du hast recht, ein Gottesbezug in der Landesverfassung ist weder zeitgemäß noch positiv, allerdings ist der Vergleich zu den Taliban nicht angemessen

    steenjohannes

    12. Februar 2014 at 09:58

    • Es gibt keinen „Vergleich“ zu den Taliban. Es ist einfach ein Rückschritt in Richtung Taliban. Es ist eine Frage welche Richtung man einschlägt: Nach vorne oder Rückwärts ins Mittelalter. Man kann die Richtung der Taliban nicht kritisieren und gleichzeitig den Gottesbezug in der eigenen Verfassung fordern. Es fängt irgendwo an und hört irgendwo anders auf. Wehret den Anfängen!

      tlow

      12. Februar 2014 at 10:09

  2. Die Kirche machts wie die Printmedien zur Jahrtausendwende: vorm Untergang noch mal so richtig aufdrehen…

    anne

    12. Februar 2014 at 12:38


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: