KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Indianerspiele auf der #KielerWoche #kiwo14

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Nicht unweit von Kiel in Bad Segeberg finden jährlich die Karl-May-Spiele statt. Dort werden die Werke von Karl May und dessen Bild vom edlen Wilden immer wieder aufs neue aufgeführt. Da gibt es dann z.B Klekih Petra, der als deutscher Lehrmeister bei den Apachen lebt. Offenbar dadurch angeregt hat man nun auch  in Kiel beschlossen den Wilden Westen als Thema wieder aufzuwärmen:

 

Zitat:

Aus der 57.000 Quadratmeter großen Krusenkoppel gegenüber dem Landeshaus (Düsternbrooker Weg) wird in diesem Jahr unter dem Thema „Die Kinder des Manitu“ eine fantasievolle Indianerwelt, in der die jüngsten Kieler-Woche-Gäste vom 21. bis 29. Juni zwischen Tipis, Kanus und Traumfängern hämmern, malen, toben spielen und sogar Büffel reiten können.

Wir verkleiden uns mal wieder lustig als Indianer? Viele von den in Deutschland Großgewordenen kennen das sicher auch noch aus ihrer Kindheit. Doch ist das 2014 noch zeitgemäß? Man erinnere sich auch an den Skandal bei Wetten Dass um das Blackfacing.

Ist denn rot schminken wie ein Indianer was komplett anderes? Eigentlich nicht. Rassismus ist ein großes Wort. Aber nicht dann, wenn man erkennt, dass Rassismus weniger die Ausnahme als die Regel ist. Es bestimmt unser Denken oft unbewusst. Und wer als Kind sich als Indianer verkleiden durfte, wird das als etwas ganz normales sehen. Und natürlich sind wir nicht in den USA, wo sowohl das Blackfacing und die Minstrel Shows als auch die eigene Geschichte der Indianerkriege viel näher sind. Nichts desto trotz: Die bewusste Inszenierung einer fremden „Rasse“ (die es ja gar nicht gibt) mit allen Stereotypen ist sozusagen lupenreiner Rassismus. Was man im unaufgeklärten Teilen der Gesellschaft vielleicht noch mit einem Schulterzucken hinnehmen muss ist als Hauptattraktion eines internationalen Festes, dass Stolz darauf sein möchte Gäste aus aller Welt begrüßen zu dürfen vollkommen untragbar.

Dieses Programm, was sich die Planer da ausgedacht haben ist ein Griff ins Klo. Im Jahre 2014 kann man sowas einfach nicht mehr bringen und durchgehen lassen. Wie sich Angehörige der Ureinwohner der USA fühlen, wenn sie auf solche Verkleidungen treffen, kann man in diesem Text nachlesen: „So your friend dressed up as an Indian. Now what?„. Rassismus ist vor allem dann problematisch, wenn jemand persönlich betroffen ist von Begriffen, Aktionen, Darstellungen. Aber nun stellt euch einmal vor es gibt tatsächlich Apachen, die die Kieler Woche besuchen und die miterleben, wie sich die Stadt Kiel über sie lustig macht und ihre Kultur in den Dreck zieht. Bzw. eben die romantische Vorstellung eines Karl May oder der Deutschen was „indianische Kultur“ ist. Der Mythos vom Edlen Wilden.

Es geht hierbei nicht darum, ob da irgend wer etwas böse meint oder nicht. Ebenso wenig wie es beim Herrn Brüdele (FDP) und seinem Sexismus darum ging, ob er etwas „böse gemeint“ hat. Es kommt nur darauf an, was da inszeniert wird und wie es eventuell ankommt. Da muss man hier einfach konstantieren: Unglücklich geplant und offenbar nicht im entferntesten damit gerechnet, dass eine Inszenierung eines „Indianertums“ irgend wem sauer aufstoßen könnte.

Bestimmt werden jetzt viele sagen, dass das alles nur eine blöde „political correctness“-Masche sei. Das man den Deutschen jetzt auch noch „ihre“ Indianerkostüme wegnehmen wolle. Daran ist aber so einiges falsch. Zum einen sinds ja schon mal nicht unser Kostüme, zum anderen geht es hier eher darum, ob ein auf dem Papier „völkerverbindendes“ Fest es sich wirklich leisten kann und will aus dem Fundus des Rassismus einen Schwerpunkt zu setzen.

Ich schlage daher vor, die Stadt Kiel stampft das ganze Konzept ein und denkt sich lieber ganz schnell etwas Neues aus. Denn mit diesem Konzept wird sie nicht nur einige Menschen persönlich verletzen, sondern sich selbst und dem Ruf, den sie gerne hätte großen Schaden zufügen.

Es geht hier eben nicht um eine mißglückte Kinderparty, sondern um das weltgrößte Segelereignis der Welt!

 

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