KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Drahtseilakt: Anträge von #Piraten und #FDP zur Verkehrspolitik #SRB

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Die Ratsfraktionen der Piraten und der FDP haben folgenden Antrag an die (morgige) Ratsversammlung gestellt. Ich zitiere den hier im Volltext (Drucksache 0598/2014):


1.                  Die Ratsversammlung sieht in einer Seilbahnverbindung zwischen West- und Ostufer grundsätzlich sowohl eine sinnvolle Ergänzung zum bisherigen ÖPNV als auch eine Maßnahme zu Steigerung der touristischen Attraktivität der Landeshauptstadt Kiel.

 

2.                  Die Ratsversammlung begrüßt daher das Forschungsprojekt der FH Kiel zur Analyse eines sicheren, geräusch- und emmissionsarmen und barrierefreien Seilbahnbetriebs und wird dieses grundsätzlich positiv begleiten.

 

3.                  Der Oberbürgermeister wird beauftragt, eine Standortanalyse für eine Seilbahn über die Förde durchzuführen.

 

4.                  In Ergänzung zu der Standortanalyse wird der Oberbürgermeister beauftragt zu klären, inwieweit ein Seilbahnbetrieb in privater Betreiberschaft

  • mit übergeordneten städtischen Interessen (z.B. Nutzung der Förde, Hafensicherheit etc.) vereinbar ist,
  • welche verfahrensrechtlichen Voraussetzungen zu berücksichtigen sind (z.B. Bauplanungsrecht, Ordnungsrecht, Planfeststellung, Privatrecht/Flächenverfügbarkeit etc.) und inwiefern diese erfüllt werden können, sowie
  • welche materiell-rechtlichen Voraussetzungen zu berücksichtigen sind (technische Details, Vereinbarkeit mit anderen Belangen) und inwiefern diese erfüllt werden können.

 

5.            Die Ratsversammlung bittet die Verwaltung, mit vergleichbarer Detailtiefe die Möglichkeit für die Realisierung des SRB-Konzeptes in der Variante SRB-Light zu prüfen.

SRB-Light beinhaltet das aktuelle Konzept der SRB, wie es auf der Webseite Kiel.de dargestellt ist, allerdings unter Verzicht auf den Neubau der StreckeHauptbahnhof-Wik und unter der Verwendung der vorhandenen Strecke „Hein Schönberg“, um das Ostufer zu erschließen.

Zu prüfen ist ferner der Bau einer Strecke nach Mettenhof. Die Trasse nach Mettenhof wurde beim Bau des Skandinaviendamms bereits vorbereitet.

Eine leistungsfähige Anbindung dieses Stadtteils an die Innenstadt ist dringend erforderlich.

 

6.            Die Prüfergebnisse sind bis zum 4. Quartal 2014 der Ratsversammlung darzulegen.

 

 

Begründung:

 

Die Fördequerung ist die verkehrspolitische Herausforderung der Landeshauptstadt Kiel, die von der in der Planung befindlichen StadtRegionalBahn allein nicht gemeistert werden kann. Eine Seilbahn über die Förde kann unter diesem Aspekt eine sinnvolle Ergänzung des bestehenden Kieler ÖPNV darstellen.

Hinzu kommt die wachsende Kieler Tourismuswirtschaft, von der Unternehmen und die Beschäftigten in zahlreichen Branchen profitieren, wie das Hotel- und Gastronomiegewerbe, der Einzelhandel, sowie Reise-, Bus- und Taxiunternehmen und die Kulturwirtschaft.

Eine Sicherung dieser Entwicklung setzt voraus, dass Politik und Verwaltung sinnvolle Initiativen der privaten Wirtschaft zur Schaffung neuer touristischer Attraktionen fördern.

Diverse Gründe sprechen daher für den Betrieb einer Seilbahn in Kiel: Sie könnte nicht nur ein touristisches Highlight darstellen und einen spektakulären Blick auf die Stadt, den Hafen sowie die Förde eröffnen, sondern auch eine sinnvolle Ergänzung des ÖPNV darstellen und die Anbindung der östlichen Stadtteile und damit der Kieler Fachhochschule an das Westufer verbessern.

 

Die SRB Light beschränkt sich weitgehend auf die Nutzung oder Wiederbelebung der vorhandenen Bahnstrecken.

So ist für das Kieler Ostufer die Reaktivierung der Bahnstrecke „Hein Schönberg“ geplant.

Die vorhandenen Buslinien werden entsprechend optimiert und erforderlichenfalls ergänzt, um Zubringerdienste für die Bahnhöfe/Haltepunkte der Bahnlinie „Hein Schönberg“ zu integrieren. Dadurch wird ein dichtes Netz aus Bus und Bahn auf dem Ostufer geschaffen. Dabei setzen wir auf eine Abstimmung mit den Umlandgemeinden sowie den Betreibern der Bahnlinie „Hein Schönberg“, mit denen wir auch über einen Haltepunkt in Kiel Wellingdorf diskutieren wollen.

 

Bei dem Konzept der „SRB light“ ist ausdrücklich keine Bahnstrecke vom Hauptbahnhof in die Wik vorgesehen. Dieser Verzicht hält die die Gesamtkosten des Projektes niedrig und zudem ist die Holtenauer Straße diejenige der Straßen in Kiel, die am besten funktioniert.

Es wäre unsinnig, die Attraktivität diese Straße mit den vielen Einzelhändlern durch eine vielmonatige Bauzeit in ihrem Ablauf zu stören. Es bestünde vielmehr die Gefahr, dass dadurch Einzelhändler in ihrem Bestand gefährdet werden, weil die Kunden sie nicht erreichen könnten. Wir wollen die Versorgung der Holtenauer Straße und der Wik mit getakteten Busverbindungen sicherstellen.

Darüber hinaus ist der Verkehrsfluss der Holtenauer Straße ein bis ins Detail abgestimmtes System, dass zum jetzigen Zeitpunkt funktionierend austariert ist. Es ist zweifelhaft, ob der kundenfreundliche Verkehrsfluss während und nach der Baumaßnahme noch gegeben wäre.

Zudem haben die Anwohner von Straßen umfangreiche Klagerechte gegen den Neubau von Bahnstrecken vor ihrer Haustür. Es ist abzusehen, dass die zu erwartenden Klagen den Bau erheblich verzögern und die Kosten unabsehbar steigen würden.

 

 

Weitere Begründung erfolgt mündlich.

 

 

gez.     Hubertus Hencke

FDP-Ratsfraktion                                                                         f. d. R.

 

gez.     Christina Musculus-Stahnke

FDP-Ratsfraktion

 

gez.     Marcel Schmidt

Ratsfraktion PIRATEN                                                            f. d. R.

 

gez.               Sven Seele

Ratsfraktion PIRATEN

 

Die SPD antwortete auf diesen Antrag bereits etwas muffig:

Die Aussagen von FDP und Piraten über die geplante Stadt-Regional-Bahn zeigen völlige Unkenntnis über die Probleme des Kieler ÖPNV. Die größten Probleme der KVG bestehen darin, Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hochschulen und Schulen zu transportieren. Eine Bus-Optimierung, die den Kielerinnen und Kielern bei diesem größten Engpass wirklich hilft, ist technisch kaum noch machbar.

Sie verursacht dazu nach allen vorliegenden Schätzungen ähnliche Kosten wie die Stadt-Regional-Bahn, ohne einen vergleichbaren Quantensprung für Kiel darzustellen. Längere Bushaltestellen in der Holtenauer Straße würden dazu führen, dass Parkplätze wegfallen und Straßen und Kreuzungen ebenfalls komplett umgebaut werden müssten. Wir stehen für ein tragfähiges und zukunftsorientiertes ÖPNV-Konzept als Teil der Mobilität von morgen, das gewährleistet, dass die Menschen mit einem schienengebundenen Verkehrsmittel zu den Hochschulen kommen, die Ein- und Auspendler aus der Region mit der Bahn fahren können und viele Ziele in der Stadt auch für Touristen möglichst ohne Umstieg erreichbar sind.

Dies erklären zum Antrag von FDP und Piraten, nur Teile der Stadt-Regional-Bahn zu bauen,  Achim Heinrichs, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion, Lutz Oschmann, verkehrspolitischer Sprecher der Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, und Ratsfrau Antje Danker, SSW.

 

Man muss sich das mal im Detail anschauen, was FDP und Piraten hier versuchen: Seit Jahren wettert die FDP gegen die Stadtregionalbahn, diffamiert sie als „Bimmelbahn“ und anderes.  Wobei die SRB durchaus ein durchdachtes Konzept hat, was in anderen Städten und Regionen funktioniert.

Piraten und FDP plädieren dafür nun die Wik von der SRB abzuschneiden und wollen uns das als „SRB Light“ verkaufen. Angeblich könnten die Einzelhändler einen mehrmonatigen Ausbau nicht verkraften. So weit ich sehe ist das dass einzige Argument? Dabei vergessen diese Fraktionen einiges:

  • Es liegen ja bereits Erfahrungswerte aus den Zeiten der Straßenbahn vor. Am Ende der Straßenbahn wickelte die Linie 4 meines Wissens ca. 60% des gesamten Kieler ÖPNV ab.
  • Die Wik ist einer der größten Stadtteile Kiels. Die beiden Fraktionen wollen fast 18.000 Kieler von der SRB abschneiden.
  • Stattdessen soll ein mehr als unsicheres Konzept einer Seilbahn über die Förde verfolgt werden, wo es überhaupt gar keine Erfahrungswerte in Kiel gibt.

Dies ist ein verkehrspolitischer Drahtseilakt und die beiden Fraktionen scheinen mir weniger als nur schlecht vorbereitet auf dieses Thema. Sollte die Stadt Kiel einen großen Teil Kiels bewusst ausklammern, weil eventuell während der Bauphase Behinderungen auftreten könnten, so sollte man doch lieber ganz auf die SRB verzichten. Denn auf die 18.000 Kieler kann und sollte eine moderne Verkehrslösung nicht verzichten. Eben weil auch Leute aus der Wik vielleicht gerne schnell auf das Ostufer wollen.

Denn die Seilbahn soll im Höchstfalle bis zum Landtag hin führen (Quelle: Deutschlandradio Kultur), eher noch weiter in die Innenstadt. Der Landtag aber liegt gar nicht in der Wik.

Der Antrag ist also weder im Interesse der Wiker Bevölkerung noch hilft er einem möglichen Seilbahnprojekt. Was sagen eigentlich die Professoren und Studierenden dazu, dass ihr Vorschlag von den Fraktionen benutzt wird? Sehen sie dieses Projekt als Alternative zu einer Stadtregionalbahn? Hat jemand von FDP und Piraten mit dem Projekt bereits gesprochen und sie diese mit dieser Interpretation einverstanden gewesen? Ansonsten leisten FDP und Piraten dieser Idee wohl eher einen großen Bärendienst als Negativpropaganda.

Es ist nicht leicht die amtierende Kooperation in Sachen Konzeptionslosigkeit zu überrunden. Eine Aufgabe, die FDP und Piraten dieses mal aber bravourös gemeistert haben. Zu unterbieten sind deren „Konzepte“ wohl kaum noch.

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Eine Antwort

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  1. Mit der StadtRegionalBahn ist in Kiel in weit mehr als zehn Jahren schon sehr viel Geld und Engagement verbrannt worden. Es liegt an den angeblichen Befürwortern und denen, die nur Worte finden, daß sich hier so richtig nichts tut. Öffentliches Geld für eine Seilbahn-Forschung zu bewilligen , halte ich schlicht für verantwortungslos. Schade, die Piraten hatten mal so eine guten Ansatz. Die Busse in Kiel sind an der Kapazitätsgrenze, Jeder Student aus einer anderen Stadt fasst sich an den Kopf, warum Kiel kein schienengebundenes System hat. Die Stecke nach Schönberger Starnd hat einen Effekt. Mit langer Nase werden die Anlieger der Holtenauer dort hin blicken und sich wünschen, das Projekt nicht belockiert zu haben

    Ulrich Hühn

    9. Juli 2014 at 21:31


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