KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

#KielerAppell – eine Gewerkschaft auf Abwegen

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Die IG Metall hat einen „Kieler Appell“ verfasst. Als Stichworte in den Vordergrund gerückt die Schlagworte:

  • Industrie stärken
  • Gute Arbeit sichern
  • Zukunft gestalten

kielerapell

Zu dem Appell meine Thesen:

Es gibt keine „Gute Arbeit„. Genau so wenige wie „Faire Löhne“. Der Begriff suggeriert, dass es einen Punkt der Zufriedenheit gibt und dass wir uns auf einem richtigen Weg befinden. Es suggeriert, dass der Kapitalismus nicht danach strebt Arbeit stetig zu prekarisieren, dass es keinen Niedriglohn-Wettbewerb gibt. Das an der Struktur der Wirtschaft nichts zu ändern wäre.

„Betriebe, Parteien, Kommunen, Verbände, Gewerkschaften usw.“ sollen gemeinsam eine Strategie für die Industrie in Kiel ausarbeiten. Dabei ist man sich auch nicht zu schade mit Rüstungskonzernen auf einem Bild zu posieren.

Dabei ist es nicht Aufgabe von Gewerkschaften, Industriepolitik zu betreiben. Was an gemeinsamen Strategieplanungen herauskommt wissen wir spätestens seit Gerhard Schröders Kungelrunden für mehr Arbeit. Um die Industrie in Kiel zu fördern würde es darum gehen die Wettbewerbsfähigkeit Kiel zu fördern. Dazu bedarf es dann Zugeständnisse seitens der Arbeitnehmer. Wenn man aber schon als Erster zur weißen Fahne greift, steht das Ergebnis schon fest. Die IG Metall signalisiert mit diesem Appell, dass sie an sich schlechtere Arbeitsbedingungen akzeptieren würde, wenn das denn dann die Arbeitsplätze sichert. Und hier spätestens zeigt sich, dass „Gute Arbeit“ im Grunde eher für „Schlechtere Arbeit“ steht. Man möchte gemeinsam diskutieren und zusammen mit Politik und Chefs Strategien entwerfen. Weil man sich an sich dem Gewerkschaftsdasein entfremdet hat.

 

Man könnte ja auch mal fragen, was denn in den letzten Jahrzehnten passiert ist. Der Abbau von Arbeitsplätzen und stagnierende Lohnniveaus im Bereich der Metallindustrie sind eben auch im konjunkturell eigentlich positiven Umfeld in Deutschland mit-ursächlich auch der IG Metall anzulasten. Man hat damit Deutschland international wettbewerbsfähiger gemacht. Zulasten der Arbeitsplätze und der Einkommen der Arbeitnehmer.

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Written by tlow

22. August 2014 um 21:07

Veröffentlicht in Arbeit, Wirtschaft

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3 Antworten

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  1. Ihnen ist aber schon nicht entgangen, dass gerade im Bereich der „Metallindustrie“ ein großer Arbeitgeber in Kiel Teile seiner Produktion u.a. nach Asien verlagert hat, oder? Die Logik: Weniger Wettbewerbsfähigkeit = mehr und bessere Arbeitsplätze scheint mir doch etwas abenteuerlich. Es sei denn, wir kehren zurück zu Protektionismus mit Zöllen und Handelsschranken. Das geht, klar. Man nannte das früher Wirtschaftspolitik. Bloß muss man das dann auch klar sagen. Ob es Deutschland als Exportnation bekommen würde, vermag ich nicht zu sagen.

    Der Heidemörder

    22. August 2014 at 22:11

  2. Wenn ein Betrieb aus wettbewerbsgründen ins Ausland verlagert, dann ist das nicht so, weil es zu wenigen Wettbewerbsgedanke gibt sondern zu viel. Es gibt kein Mittel gegen diese Entwicklung, außer ein ständiges Senken der Standards und die Rückkehr ins Mittelalter. Dem Kapitalismus sind die Löhne niemals niedrig genug und es gibt immer ein Land, wo es noch günstiger ist zu produzieren. Die Standards gewinnt man aber nicht zurück und das gesparte Geld für Löhne geht dann in den Umzug nach Asien.

    tlow

    23. August 2014 at 07:56

  3. Ja, dieser Apell ist wirklich frei jeder Aussage zu dem Anliegen der Gewerkschaften wie denn eine Arbeit in der heutigen Zeit aussehe möge. Gut, ich bin kein Gewerkschaftsanhänger, habe mein Leben lang in kleinteiligen Organisationsformen gearbeitet, da aber auch, bezogen auf eine Person, mehr Arbeitsplätze geschaffen als in der Industrie entstanden sind, oder besser, eher vernichtet worden. In meinem Politikfeld der Energiepolitik sind die Gewerkschaften jedenfalls nicht hilfreich, gucken sie nur ausschließlich auf die nominale Zahl von beschäftigen Personen, ohne deren Qualifikation. Selbst bei dem Thema Stadtbahn fürchten sie um Busfahrer-Stellen, ohne die Tatsache zu sehen, daß es auch Zugführer gibt

    Ulrich Hühn

    24. August 2014 at 21:32


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