KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

#KleinerKielKanal Really?

with 2 comments

Offenbar meint man es nun ernst mit dem „Kleinen Kiel Kanal“, der ja eigentlich kein Kanal ist. Da fängt es also schon mit der Wortwahl an. Und da es da kämpferischen Einsatz gibt schlage ich auch die Benennung als „Ulf Kämpfer Kanal“ vor. Damit wäre der denkmalförmige Charakter auch ganz deutlich.

Wer einmal an Bürgerbeteiligungen teilgenommen weiß, was das Problem ist: Zwar dürfen Bürger*innen Ideen äußern, aber was daraus gemacht wird, ist nicht mehr in ihrer Hand. Das ist ähnlich wie bei manchen Gesetzen. So manche gute Idee wird dann durch Lobbies ins Gegenteil verkehrt.

Grundsätzlich verdient die Holstenbrücke eine Aufwertung oder Umbau. Für den Durchgangsverkehr ist sie nicht wirklich geeignet. Sie ist zentrales Bindeglied zwischen zwei Seiten der Innenstadt, aber sie wird auch durch den Verkehr durchschnitten. Dennoch kann ich keine Dringlichkeit erkennen, das Ganze JETZT zu planen und umzusetzen. Viel hängt z.B. davon ab, ob denn nun eine Stadtregionalbahn gebaut wird oder nicht. Man kann die Holstenbrücke nicht preiswert umbauen und für beide Optionen offen halten, es sei denn man plant später einen weiteren teuren Umbau. Die Holstenbrücke war schon bei dem letzten Umbau (80er Jahre?) nichts ehr gelungen, insbesondere deswegen, weil der Fahrradverkehr total ignoriert wurde, obgleich ansonsten in Kiel durchaus teilweise fahrradgerecht umgebaut wurde.

Ich finde aber die Argumente pro Umbau der Holstenbrücke nicht wirklich überzeugend. Meines Erachtens wäre es wichtiger einerseits dringende Entscheidungen zur Verkehrsinfrastruktur zu klären und nicht weiter aufzuschieben und dann auch eine Trendumkehr bei dem Zubauen der Förde zu erreichen. In den vergangenen Jahrzehnten wurde diese immer weiter zugebaut. Viele Kieler kennen die Enttäuschung ihrer Gäste, wenn sie sie am Bahnhof abholen und ihnen erklären müssen, warum Kiel zwar irgendwie am Meer liegt, es aber in der weiteren Innenstadt fast überhaupt keinen Zugang gibt. Dabei ist die Hörn zwar ansatzweise ein richtiger Ansatz. Allerdings auch leider schon verbaut und auch in Zukunft eher geprägt von hässlichen Hochhäusern, statt von einer Parklandschaft. Kiel müsste Entscheidungen treffen wie das Zurückdrängen von Kreuzfahrtschiffen, um wieder interessanten Platz zu haben. Daran führt kein vernünftiger Weg vorbei. Ein künstliches Gewässer mitten in der Stadt ist doch nichts weiter als eine historisierende Spielerei, die nichts mit der Vergangenheit zutun hat. Genau so wirkt ja auch der Bootshafen meist nur kalt. Das Stadtteilmarketing bemüht sich ja stark dem Ort Leben einzuhauchen, aber so richtig wird das nichts. Und das liegt wohl primär daran, dass die Städtebauer in Kiel gar kein Gefühl für Raum oder Stadtentwicklung haben. Sie glauben ernsthaft, man könne Stadt wie aus Legosteinen zusammenbauen und es funktioniert hinterher. Dabei wird dann gerne mal das wenige was funktioniert oder Qualität bietet weggeräumt, weil es die großen Pläne stört. Unter Kieler*innen ist es Allgemeingut, dass viel Zerstörung nicht nur im Zweiten Weltkrieg passierte, sondern auch besonders viel danach. Es gab hin und wieder Stadtbauräte mit einem gewissen Gespür, aber im Wesentlichen ist Kiel die letzten Jahre immer nur hässlicher geworden und viele Bauprojeke wie die Dreifeldzugklappbrücke eher zur Lachnummer (oft außer Betrieb und zur Kieler Woche teilgesperrt). Das CAP, der Bahnhofsvorplatz, das Atlantic-Hotel, der Schmid-Bau, die Hörn-Bebauung, das neue Zentralbad. Alles Architektur die nicht funktioniert und wo man am liebsten weglaufen und nicht Verweilen möchte. Insbesondere was Plätze angeht, hat man es in Kiel einfach nicht drauf. Da seien auch noch genannt: Der Asmus-Bremer-Platz, der Europaplatz und der „Alte Markt“. Plätze sind natürlich auch nicht einfach, ähnlich wie Treppen. Einen funktionierenden Platz hinzubekommen ist sehr schwer. Funktionieren meine ich, dass er genutzt wird, dass Menschen sich dort gerne aufhalten und das er nicht einseitig missbraucht wird. Ich würde mal behaupten, gute Plätze können auch nur Menschen gestalten, die selbst ein Gespür für Raum und Menschen haben. Wer da rein wirtschaftlich denkt, wird zu falschen Erkenntnissen kommen und das Ergebnis enttäuschen.

Written by tlow

31. Oktober 2014 um 10:55

2 Antworten

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  1. Wer einmal den Horizont städtischer Planer ausgelotet hat, weiß: Es besteht absehbar keine Aussicht auf Besserung. Da verwaltet der Deutsche Gartenzwerg. Als Marine- und Verwaltungszentrum bestand Kiel seit 1900 (vorher war die Stadt eher ein Fischerdorf) hauptsächlich aus Beamten und eher einfachen Arbeitern. Ein Bürgertum, das sich als Träger von Kultur gestaltend in die Stadtplanung hätte einbringen können, gab es nie. Nach dem Krieg fehlten dann zudem auch in der Administrative Leute von Format. Das ist eben die Kehrseite der Demokratie: Es entscheidet das Mittelmaß. Und so sieht Kiel dann auch zunehmend aus.

    Der Heidemörder

    2. November 2014 at 13:52

  2. Ob es wirklich dringlich ist, die Holstenbrücke zeitnah umzubauen, darüber kann man streiten. Argumente für den Umbau liefern Sie in Ihrem aber Beitrag selbst: Die Innenstadt wird durchschnitten und der Fahrradverkehr hat das nachsehen. Es ist kaum vorstellbar, dass sich der derzeitige bauliche Zustand und die Aufenthaltsqualität bei einem neuerlichen Umbau noch verschlechtern würde, da dies sicher kaum möglich ist. Erste Vorabplanungen deuten eher auf eine Steigerung der Aufenthaltsqualität hin. Ein Umbau muss sicherlich nicht zwangsläufig mit einem Kanal verbunden sein, doch steigern Grünanlagen und Gewässer die Aufenthaltsqualität im Allgemeinen. Entwicklungen, die früher den Bootshafen als eine Art Kloake geprägt haben, wird man bei einem neuen Kanal sicherlich planerisch zu verhindern wissen. Der neue Bootshafen liegt zwar nicht direkt an der Förde, aber er „funktioniert“ trotzdem. Er wird viel und gerne als Aufenthaltsort genutzt, inklusive größerer Veranstaltungen im Sommer, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Zwar gibt es Plätze, die nicht „funktionieren“, aber z. B. gibt es etwa den Holstenplatz, dessen Aufenthaltsqualität sich in den letzten Jahren gesteigert hat.
    Sie erwähnen zwar den Bahnhofsvorplatz als Negativbeispiel, dabei hat dieser Platz seit dem Umbau des Bahnhofs zusammen mit dem Gebäude architektonisch wirklich gewonnen. Besonders hervorzuheben ist die Umsetzung des Osteingangs(Kaisertreppe) als Erweiterung des Bahnhofsvorplatzes, architektonisch, wie funktional. Dass die Aufenthaltsqualität durch bestimmte Menschenansammlungen sehr begrenzt ist, ist nun mal typisch für ein Bahnhofsumfeld und in anderen Städten genau so zu finden. Denken Sie nur an Hamburg, Frankfurt, aber auch kleinere Städte wie Bonn, Bochum oder Hagen.

    Auch ich bin durchaus der Meinung, dass weniger Bebauung bzw. Absperrungen an der Förde wünschenwert wären. Aber eine Begrünung oder vollständige Begehbarkeit bringt der Stadt kein Geld, auch nicht nennenswert, wenn dadurch mehr Touristen kämen. Gewerbesteuern sind nun mal das A und O der kommunalen Finanzierung. Am Ende würde die Stadt damit aber auch Touristen verlieren. Nicht zuletzt sind es ja die großen Passagierschiffe inklusive ihrer Touristen, die für die eingeschränkten Sicht- und Zugangsmöglichkeiten am Hafen sorgen. Und man darf dabei nicht übersehen, dass es attraktive Zugangsmöglichkeiten zur Förde gibt: Die von ihnen erwähnte Hörn, die zwar zunehmend bebaut wird, aber einen direkten Wasserzugang bietet. Denken sie nur an die Hafen- und Industriebrache noch bis in die 90er Jahre und vergleichen sie mit dem Zustand heute. Auch der Weg zur Kiellinie ist keine Weltreise, von dort kann man am Wasser flanieren, so viel das Herz begehrt. Auf dem Weg zur Kiellinie kann man Schiffe bestaunen und z. B. einen Abstecher zum Schiffahrtsmuseum machen. Seit der Neueröffnung mit Gastronomie ein Ort mit echter Aufenthaltsqualität. Hier bietet sich zwar nur begrenzt ein freier Blick, aber die Aussicht auf die MS Stadt Kiel oder den alten Tonnenleger dürfte man verschmerzen.

    Eine besondere Ironie bieten sicherlich die zahlreichen Kreuzfahrtschiffe, die Kiel besuchen. Diese sorgen zusätzlich für eine Verbauung der Sicht und beschränkte Zugangsmöglichkeiten am Hafen, aber die selbst davon betroffenen Kreuzfahrttouristen kommen trotzdem in Scharen und sie fahren nicht (mehr) alle sofort ins Umland oder nach Hamburg. Gleichzeitig sind die Kreuzfahrtschiffe trotz ihrer Nachteile eine Attraktion.
    Zu Hoffen ist, dass die Planungen der Stadt vorankommen, die Hafenanlagen außerhalb von Liegezeiten für Spaziergänger öffnen zu können. Damit könnte man den Interessen der Bürger und der Touristen entgegenkommen. Aber bis dahin gibt es vielleicht schon die neue Holstenbrücke und man kann sich seine Zeit solange dort vertreiben.

    Hafenliebhaber

    5. November 2014 at 20:04


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