KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

#Katzheide: Stadt Kiel offenbar ohne Plan

with one comment

katzheide-logo-farbe-200pxAuf viele Fragen hat die Stadt keine Antwort gefunden. Auf Anfrage ist sie z.B. bisher nicht mehr in der Lage sich zu erinnern, ob sie Förderung für ihre Schwimmbäder beim Land beantragt hat. Oder wie hoch die Eintrittspreise sein werden, wenn Katzheide am 20. Juli die Pforte für Nichtschwimmer öffnet.

Die Stadt war auch nicht in der Lage und willens die Katzheide-Badegäste über die Schließung vor Ort zu informieren.

Nun kam die Kostenschätzung der Stadt an die Vertretungsberechtigten und somit der „Beipackzettel“ für die Unterschriftenliste. Für einen dauerhaften Erhalt kalkuliert die Stadt rund 10 Millionen Euro. Wer es sich genau anschaut liest aus den Maßnahmen: Dies entspricht im Grunde einem kompletten Neubau von Katzheide.

Wenn es 2009 ein Kombibad, also den Neubau einer Halle am Standort Katzheide inklusive Sanierung von Katzheide für 8 Millionen geben hätte, fragt man sich wie hoch denn von den 8 Millionen damals die Sanierungskosten für Katzheide gewesen wären? Bereits bei der Lessinghalle hatte man ja mit 15 Millionen kalkuliert für eine Instandsetzung (vom Auftrag her aber ein Teilumbau des Schrevenparks), endet aber bei einer Nutzungsänderung inklusive Totalumbau bei einem weitaus geringeren Betrag von 6.8 Millionen.

Das Muster ist immer das gleiche: Ein kleiner Mangel oder eine Verwahrlosung, die ursächlich der Stadt und der Kieler Bäder GmbH zuzuschreiben sind ist Anlaß für eine plötzliche Schließung. Dabei scheint man durchaus die Gefährdung von Badegästen in Kauf zu nehmen. In Katzheide gab es z.B. angeblich seit Jahren eine Belastung durch Bakterien und Plize. man hat das aber über Jahre getragen ohne es konkreter zu untersuchen oder Abhilfe zu schaffen. Aber NACH der Saison 2014 wusste man plötzlich, dass das ganze so gefährlich ist, dass eine WIedereröffnung 2015 unmöglich wäre. Bzw. argumentierte man 2014 noch, dass die Schwimmbadfolien undicht seien. Ständig werden andere Begründungen genannt, wenn man ein mal nachhakt.

Ohne Zweifel: Die Kieler Bäder weisen Mängel auf. Aber jedes Bad ist irgend wann einmal neu: Schwimmhalle Gaarden, Schilksee, Katzheide, Lessinghalle. Alle erstrahlten einmal in einem neuen Glanz und wurden sicher hochgelobt dafür das sie NEU und MODERN seien.

Und es stimmt sicher auch, dass jedes Gebäude oder jede Einrichtung den Punkt erreicht, wo sie nicht mehr tragbar ist, weil der Unterhalt zu teuer wird, oder die Ansprüche so steigen, dass niemand es mehr benutzen möchte.

Aber die eigentliche Methode dem vorzubeugen ist Infrastrukturen nicht einfach kaputt gehen zu lassen und Mängel sehenden Auges weiterentwickeln zu lassen. Die Einstellung in der Stadt ist leider all zu oft: „Ja, wir hätten es erhalten sollen, aber nun ists ja zu spät… Nächstes mal…“ Aber da wir die vergangenen Jahrzehnte gesehen haben, wie die Stadt jedes Bad in unterschiedlichen Baujahren auf die gleiche Art verkommen ließ, wissen wir auch mit Bestimmtheit, dass sie das neue  Zentralbad genau so verkommen lassen wird. Dies grenzt schon an Veruntreuung von Steuergeldern und entspricht einer Wegwerfmentalität, wie sie heutzutage eigentlich nicht mehr adäquat ist (und eigentlich nie war!)

Zehn MIllionen für den Erhalt von Katzheide sind ein schlechter Witz. Niemand will aus Katzheide ein Luxusbad machen. Der Ansatz der Katzheide-Fans ist ja gerade dieses günstige Bad zu erhalten und nicht ein Bad an die Stelle zu setzen, bei dem nur noch wenige sich einen Eintritt leisten können.

Die Stadt hat spätestens seit 2004 an den Bedürfnissen der KielerInnen und dem Umland vorbei geplant. man hat zwar mit großem Tamtam ein „Gutachten zur Neuausrichtung der Bäderlandschaft“ verabschiedet. Aber dessen Ergebnisse waren eher mager. Grundtenor ist, dass Kiel die Attraktivität der Bäder steigern müsse und dann kommen auch die Leute aus dem Umland, z.B. Neumünster alle nach Kiel. Der Ansatz ist neoliberal in dem Sinne, dass jedes Bad in eine Konkurrenzsituation gesetzt wird. Man hat sich also dafür entschieden statt den Bestand zu erhalten und leicht zu verbessern ein neues Bad zu bauen, das angeblich alle möglichen Funktionen und Bedürfnisse erfüllt und damit dann auch anderen Kommunen ihre Badegäste wegnimmt. Dabei nimmt man in kauf, dass alle Bäder ihre treuen Gäste/KundInnen verlieren. Sogar wirtschaftlich gedacht ist das gefährlich, denn man weiß, dass ein mal verlorene Kunden selten wiederkommen. Aus der Zusammenfassung des Bädergutachtens geht nicht hervor, dass auch nur ein einziger Badegast befragt wurde. Weder in Kiel noch in den Umlandgemeinden. Sprich man hat sich wenig für Kundenwünsche interessiert.

Das Schwimmbad in Laboe galt aber als Vorbild, weil dort viel zur Attraktivierung investiert wurde. Das gerade Laboe zur Zeit wegen Nachfrageprobleme um die Existenz bangen muss ist dabei vielsagend. Vielleicht brauchen Schwimmbäder gar keine großartige Attraktivitätssteigerung. Vor allem nicht vorbei an denen, die die Bäder eigentlich nutzen!

Die Ratsleute folgten aber stets der Argumentation der Gutachterfirmen oder den Analysen der Kieler Bäder GmbH. Es wurde nicht hinterfragt, ob die empfohlene Richtung wirklich das Beste für Kiel und die Badefreunde ist. Und der aktuelle Fall Katzheide zeigt nun das Ausmaß wie sehr man am Bedarf vorbei geplant hat. Dabei ist das neue Bad an der Gablenzbrücke noch gar nicht eröffnet. Dass dies nicht die Massen anziehen wird, kann man schon heute erahnen. Unzählige Beispiele aus ganz Deutschland für fehlgeplante Großbäder konnten aber die Kieler Stadtplaner nicht davon abhalten die gleichen Fehler auch gerne mal machen zu wollen. Verantwortung wird dann, auch das ist absehbar, keiner tragen wollen. Und man wird sagen: Das konnte man nicht wissen! Man hat uns falsch informiert!

Ich hoffe, dass Katzheide erhalten bleibt. Weil wenn das große neue Bad abgerissen werden muss wegen zu geringer Nutzung wäre es gut, wenn es in Kiel wenigstens im Sommer noch ein Freibad geben würde, dass genutzt werden kann.

Written by tlow

10. Juli 2015 um 07:16

Veröffentlicht in Sport, Transparenz

Tagged with , ,

Eine Antwort

Subscribe to comments with RSS.

  1. Die 10 Mllionen-Variante orientiert sich an einem Freibad mit EDELSTAHL-Becken. Hartmut Jöhnk, der Katzheide quasi gebaut hat, sagt, das ist zwar toll, muss aber nicht sein. Folie tut es auch, und kostet viel weniger. Wie Du oben sagst, es muss kein Luxusfreibad werden.

    ursulashelton

    10. Juli 2015 at 11:08


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: