KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

#Katzheide: Stadt Kiel bleibt Antworten schuldig #rvkiel

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Am Donnerstag war Ratsversammlung. In der Antwort von Stadtrat Stöcken ( AntwortEinwohneranfrageHerrRegnerSommerbadKatz.pdf) wird deutlich wie weit die Stadt Kiel geht, um Katzheide vorzeitig zu schließen.

Die Welt schildert in einem Artikel eindrücklich, wie insbesondere bei Migrant*innen das Nichtschwimmen immer normaler wird, aber auch in der gesamten Gesellschaft nimmt die Schwimmfähigkeit ab, weil kurzsichtige Politiker*innen überall in Deutschland Bäder schließen. Hintergrund ist der neoliberale Gedanke, dass es grundsätzlich besser ist, weniger Ressourcen bereit zu stellen, die die Kommunen auch finanzieren müssten. Was im tiefsten Inland vielleicht manchmal noch verzichtbar erscheint, wirkt in Kiel, dass sich als „Welthauptstadt des Segelns“ und „KIEL.SAILING.CITY“ selbst vermarktet total aburd.

Mit dem neuen Zentralbad schrumpft der Außenbereich von 2000 Quadratmetern auf lediglich 194. Ganz Kiel soll hier gleichzeitig schwimmen: Schulschwimmen, Sensiorenschwimmen, Aqua-Jogging, Sportwettkämpfe, Alltagssschwimmen, etc.. Es ist absehbar, dass es schwierig wird das alles zu koordinieren und vermutlich wird oft auch nur die Hälfte der 50-Meter Bahnen genutzt werden können. Und zudem ist unklar, wann tatsächlich  Eröffnungstag sein wird. Geplant ist zwar 2017, aber wer weiß. Bis dahin gibt es in Kiel als Schwimmbäder lediglich:

  1. Schilksee
  2. Schwimmhalle Gaarden (SHG)
  3. Schwimmhalle der Uni Kiel

Bei allen dreien ist der Schwimmbetrieb aber eingeschränkt. Im Sommer dann Katzheide als einziges beheiztes Freibad zu streichen ist schon echter Luxus.

Heute war Katzheides Nichtschwimmerbecken wieder auf, allerdings ohne Duschen und mit einem abgetrennten Schwimmerbereich. Der Schwimmerbereich soll tatsächlich geschlossen bleiben, ebenso das Babybecken. Vom Schwimmerbereich weiß man lediglich, dass nach einer Prüfbericht über die Untersuchung von Raumluft an einer Unterseite einer PVC-Folie des Beckens Bakterien und Schimmelpilze gefunden wurden.

Es gibt keine Erkenntnisse und wurde auch nicht untersucht, ob das Schwimmbadwasser aktuell irgend welche bedenklichen Keime beinhalten würde. Niemand will ja die Gesundheit von Menschen gefährden. Skandalös ist die Weigerung der Stadt Kiel (Stadtrat Stöcken und der Oberbürgermeister), Antworten auf einfachste Fragen zu geben, obwohl diese vorlagen.

Ebenso wie die Tatsache, dass nicht ein mal ein Hinweisschild  am Bad über dessen einstweilige Schließung angebracht wurde, zeigt dies die Ignoranz der Mächtigen in Kiel. Die Interessen der Öffentlichkeit werden ignoriert, weil man eine bestimmte Politik durchziehen will. Und die besagt eben: Der Kleine Kiel Kanal MUSS gebaut werden und Katzheide MUSS geschlossen werden. Das kaum ein Kieler diese Wasserfläche an der Holstenbrücke für derzeit 12,5 Mio. € will und es dagegen wenige echte Gegner von Katzheide gibt, interessiert dabei nicht. Es wird eben nicht umgesetzt, was die Mehrheit der Kieler*innen will, sondern was eine politische Avantgarde sich in den Kopf gesetzt hat. Dabei lässt man sich ungern in die Karten schauen. Eine Gläserne Akte, wie man sie zu Möbel Kraft halbherzig veröffentlicht hat, will man nicht. Man werde „die notwendigen Informationen so rechtzeitig wie möglich in geeigneter Form erteilen (u. a. Presse, Internet).“ – Rechtzeitig heißt z.B., dass man über die Schließung vor Ort gar nicht informiert hat, oder auf konkrete Nachfrage nach Eintrittspreisen, diese nicht genannt hatte, bevor diese als Antrag vorlagen. Sprich: Die Öffentlichkeit wird informiert, wenn eh alles gelaufen ist. Das ist alles andere als transparent. Transparenz ist aber nicht einfach nur etwas, dass man hier und da mal fallen lassen kann von Seiten der Politik, sondern Grundvoraussetzung für Teilhabe und Demokratie. Ohne Transparenz keine Möglichkeit der demokratischen Mitbestimmung und damit auch keine Legitimität für Entscheidungen.

Die Politik inzeniert sich als gewählte Vertretung, ist aber nicht in der Lage einfachstes Krisenmanagement und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Dabei gibt es gleichzeitig für die Olympiade eine eigene Abteilung für Olympia im Innenministerium UND in der Stadt Kiel.

Und in der realen Politik bedeutet das, dass auf dem Westufer eine Wasserfläche geschaffen wird, die keiner haben will, während auf dem Ostufer eine geschlossen wird, auf die wir nicht verzichten können und niemand wirklich weghaben möchte. Realpolitik in Kiel 2015. Und dann wundern sich die Politiker über Politikverdrossenheit?

Written by tlow

20. Juli 2015 um 07:04

4 Antworten

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  1. Ich teile den Wunsch, Katzheide als Freibad zu erhalten. Ich halte es allerdings für unseriös, dies in einen konstruierten Gegensatz zu stellen zu Infrastrukturmaßnahmen wie z.B. den Kleine-Kiel-Kanal, dessen überschaubarer Mitteleinsatz zweckgebunden ist. Das ist populistischer Quark und schadet der guten Sache, für Katzheide zu streiten.

    Tim Schwabedissen

    21. Juli 2015 at 08:03

    • Ich kann zwar akzeptieren, dass manche Menschen auch diesen Kanal befürworten aber eins ist auch unzweifelhaft: Jeder Euro kann nur ein mal ausgegeben werden und die Stadtverwaltung setzt Prioritäten. Für sie ist Kazheide ein Auslaufmodell und der Kanal eine Vision für eine große Zukunft der Innenstadt. Ich teile diese Ansicht nicht. Ich würde andere Prioritäten setzen. Das ist kein Populismus. Es ist genau wie mit dem Zentralbad und Katzheide. Man kann nicht wirklich beides Gutheißen. ich weiß auch, dass auch hier viele denken beides würde gehen. Aber die Stadt hat ein Konzept und das neue Bad braucht Besucher. Katzheide wird damit zur unliebsamen Konkurrenz. Wegen einer leider verkürzten Betrachtungsweise. Es besteht kein Grund den einen oder anderen Grund oder Motivation abzuqualifizieren, nur weil man eine Auffassung nicht teilt.

      tlow

      21. Juli 2015 at 08:12

  2. Doch, man kann sowohl Zentralbad wie auch Katzheide gutheißen. Mit dem Zentralbad wird erstmals ein wirklich gutes Bad in Kiel gebaut, mit allem, was heute erwartet wird, und das energetisch auf Höhe der Zeit ist. Dass die Lessinghalle allzu lange verfiel, geschenkt, eine Schlacht, die geschlagen ist. Dass Gaarden nur noch aus Gewohnheit zusammenhält, ist Fakt. Dass der Rest nicht reicht, ist unzweifelhaft. Ein Freibad ist zudem ja nur in den Sommermonaten offen. Von daher ist es gut und notwendig, dass das Hörnbad entsteht. Für Katzheide muss gelten, dass kooperativ mit der Stadt Möglichkeiten gesucht werden, diese ebenso notwendige Einrichtung dauerhaft als Bad zu erhalten, da es wiederum Freizeitmöglichkeiten bietet, die gerade in dem sozialen Umfeld dort gut und richtig sind. Mein Denken ginge letztlich über das momentane Bestreben des Erhalts dahin, Sponsoren, Stifter oder sonstige Unterstützer zu finden, die das Ganze dann auch finanziell schmackhaft machen für die Stadt, sodass alle Seiten am Ende gewinnen. Ich glaube, dass es nur so gehen wird und kann. Katzheide ist auch keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung. Viele, die dorthin gehen, werden leider absehbar nicht im Hörnbad landen. Aber es gibt mehr als genug Nutzerinnen für alle Bäder, da bin ich sicher. Es macht auch wenig Sinn, der Stadt da immer nur einen hintertriebenen Plan zu unterstellen – sie ist einfach finanziell in der Klemme, wie so viele andere Kommunen auch, die leider ihre Bäder schließen. Dennoch hat das Ganze nichts mit dem Kiel-Kanal oder sonstigen Ausgaben der öffentlichen Hand zu tun, ich halte das für einen Stellvertreterkrieg einiger. Es gibt viele andere kommunale Ausgaben gleicher oder größerer Höhe, über die nie diskutiert wird. Und letztlich wird eben kein Geld da ausgegeben, das in Katzheide oder Schulen oder Turnhallen oder was sonst so immer kommt, fließen könnte. Aber wenn die Altstadt mit dem Kanal und darüber generierten Folgeinvestitionen besser läuft, dann gibt es natürlich Steuereinnahmen, die dann wieder allen und allem zugute kommen können. Von nix kommt nix.

    Tim Schwabedissen

    21. Juli 2015 at 16:24

    • Da muss ich leider der Stadt Kiel rechtgeben: Katzheide zusammen mit Zentralbad ist absolut unvereinbar. Der eigentliche Skandal war, dass niemand die Kieler gefragt hat, was sie eigentlich wollen. Und auch das man meint, man könnte auf ein beheizbares Freibad verzichten. Natürlich bedeutet die Existenz von Katzheide, dass im Zentralbad im Sommer weniger Gäste kommen. Ob da bei eine Vervielfachung der Preise aber überhaupt genug kommen, um es zu finanzieren, ist nicht sicher. Es wäre nicht der erste Schwimmbadneubau der Probleme macht. Und dann müssen die Preise weiter angehoben werden. Denn mehr Subventionierung als 2,44 Mio € hat die Stadt sich als willkürliche Grenze gesetzt – wird es für alle Bäder zusammen nicht geben. Defakto heißt das Einfrieren von Zuschüssen aber natürlich Kürzen – wegen der Inflation. Laboe war das große Vorbild im Bädergutachten von 2004 und nun ist es mit seinem Konzept gescheitert. Das Freizeitverhalten ändert sich halt. Meine Perspektive ist die, dass Katzheide der Stadt zwar auch finanziell wehtun wird, aber eben weit weniger als manches andere Projekt, für die weit mehr Gelder zur Verfügung stehen und wo niemand danach fragt, ob es sich lohnt. Wie z.B. die Olympiabewerbung. Ich denke die Landeshauptstadt sollte sich ein beheiztes Freibad einfach leisten.

      tlow

      22. Juli 2015 at 06:46


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