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#Katzheide: SPD trumpft auf

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Die wahren Retter von Katzheide ist die SPD. So könnte man meinen, wenn man den neuesten Artikel in der Kieler Nachrichten liest. Zitat Torsten Stagars (sportpol. Sprecher der Fraktion):

„Es ist Blödsinn, wenn es immer heißt, wir wollen Katzheide nicht.“

Da kratzt man sich am Kopf und denkt sich: Ja, tatsächlich haben wir die letzten Jahre nichts anderes gehört, als dass Katzheide unnütz und überflüssig ist und weg muss, dass es einer ganzjährigen Nutzung im Weg wäre, dass es zu wenige Besucher hätte, dass es zu schmutzig sei, zu veraltet, etc.

Die Stadt Kiel hat beschlossen Katzheide plattzumachen und die Außenschwimmfläche von 2000 qm  auf 194 qm im neuen, großen Bad zu verringern. Spätestens 2017 sollte Schluss sein. Aber man nahm die Schließung unter Leitung von Gerwin Stöcken schon 2014 in Angriff. Es gab zwar keine handfesten Gründe, warum das Bad 2015 nicht hätte wiedereröffnen können, aber man nahm einige tatsächlichen Mängel und machte daraus eine alternativlose Schließung.

KN vom 21.11.2014:

„SPD-Ratsherr Torsten Stagars sah jedoch keine Alternative zu einer Schließung“

Es wurde eine Öffentlichkeitsbeteiligung auf dem Weg gebracht für eine Nachnutzung des Katzheide-Geländes. Die mehrheitlichen Beschlüsse dokumentieren den gemeinsamen Willen fast aller Fraktionen, die Existenz von Katzheide zu beenden. Und es will mir nicht in den Kopf wie man so dreist sein kann eine Wende zu vollziehen von einer alternativlosen Schließung bis hin zu einem derartigen PR-Stunt. Nur um zu belegen, dass man eigentlich der Retter von Katzheide ist?

Ich hatte ernsthaft überlegt, ob man es der SPD durchgehen lassen sollte ihr Gesicht auf diese Art zu wahren, wenn sie denn den richtigen Pfad einschlagen. Aber ich glaube nichts von dem, was sie sagen. Bisher haben sie die Bürger*innen IMMER hinters Licht geführt. Weder die Verwaltung noch die Selbstverwaltung war bereit oder in der Lage für Transparenz zu sorgen.

Als der Verein am Eröffnungstag einige Fotos schließen wollte, wurde mit der Polizei gedroht und ein Bademeister offenbar ein Maulkorb verpasst. Auf das bloß keine Wahrheiten nach außen dringen. Dafür kann man sich dann mittels der Presse und per Foto als die eigentlichen Retter von Katzheide inszenieren. Keiner darf ins Wasser nur Stagars. Bestimmt hat der nicht einmal Eintritt bezahlt?

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Um nicht missverstanden zu werden: Jedes bisschen Katzheide ist besser als gar nichts. Aber am Anfang stand und steht eben der feste Wille der Kieler Politik Katzheide plattzumachen. Zwar immer mit einem großen Bedauern und oft mit einem „vielleicht gehts auch anders“ – aber im Grunde unter dem Strich ist man immer Schritt für Schritt in Richtung Schließung gegangen.

Nun gibt es ein Nichtschwimmerbecken, das teilweise abgeteilt ist für Schwimmer. Und die Duschen sind außer Betrieb.

Die in dem Artikel beschriebenen Proben sind doch sehr zweifelhaft. Seit wann nehmen Ratsherren Proben und kein Fachpersonal (Bademeister oder Labore)? Und wenn der Ratsherr federführend bei den Plänen zur Schließung von Katzheide war, wieso sollten wir ihm vertrauen, dass er da nicht noch ein paar Sporen oder Bakterien mit untermischt, um sein Ziel endlich zu erreichen?

Die Kieler Politik hat bisher alles gemacht, um das Vertrauen in sie zu erschüttern. Viele Analysen und Behauptungen haben sich als fehlerhaft und haltlos erwiesen. Der letzte Scherz der Stadtpolitik war, dass sie in der Kostenschätzung vorschlug eine Luxussanierung für rund 10,4 Millionen Euro durchzuführen, wenn die Kieler*innen mit JA stimmen würden. Abzusehen ist, dass die Stadt egal, wie der Bürgerentscheid ausgeht, ihre bisherigen Politik weiterfahren wird. Man wird sagen: Schön, dass wir drüber abgestimmt haben, aber 10,4 Millionen können wir uns nicht leisten. Und das obwohl die Einreicher des Bürgerbegehrens niemals diese Summe gefordert haben. Niemals den Ersatz der Schwimmbadfolie durch Edelstahlbecken und dergleichen.

Es gibt keine Gläserne Akte, aber dafür springt der sportpolitische Sprecher einer Rathausfraktion öffentlichkeitswirksam in das Becken um heldenhaft ein paar Sporen in einem Reagenzglas einzufangen. Dabei wurde ja bereits behauptet die bestehenden Proben würden ein Schwimmen verbieten. Das Schwimmer allerdings entlang der Unterseite einer Schwimmbadfolie schwimmen habe ich noch nicht gehört.

Warum nicht einfach eine Wasserprobe entnehmen und auf die wichtigsten Keime untersuchen. Gibt es Escherichia Coli im Wasser JA oder NEIN? Oder gibt es ein andere vergleichbar gefährliche Bakterie, die das Schwimmen zum Risiko machen würde. Die Stadt behauptet ja, dass es seit Jahren diese Probleme gibt. Aber erst dieses Jahr werden Proben genommen und zwar NACH der Schließung und nicht während eines angeblich auftretenden Befalls und unter realistischen Bedingungen. Sondern in einem schlecht gereinigten Becken.

Bedenklich stimmt mich die Inszenierung, die da die Kieler Ratsmitglieder hingelegt haben: Man muss bedenken, dass herr Stagars keine offizielles Amt der Stadt innehat. Er ist lediglich der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion und gewähltes Mitglied im Aufsichtsrat der Kieler Bäder GmbH. In letzterer Position darf man sich auch gerne als Ratsmitglied informieren oder für ein Thema einsetzen. Aber als bekannter Gegner von Katzheide und Befürworter der Neuausrichtung der Bäderlandschaft (mit Neubau des Zentralbades) nun die Kollegen der anderen Parteien im Regen stehen zu lassen und so zu tun, als wäre man ja immer schon für Katzheide gewesen, ist politisch gesehen nicht fair. Die Parteien SPD, GRÜNE, SSW, FDP haben gemeinsame diese Neuausrichtung beschlossen und auch gemeinsam das vorzeitige Aus für Katzheide als alternativlos bezeichnet. Niemand hat es wirklich für nötig befunden sich da näher zu informieren. Es gab eine extra Ortsbeiratssitzung, wo die ganze Borniertheit auch noch mal zutage trat. Einzig der Vertreter der Linkspartei hatte sich die Akten noch einmal genauer angesehen und kam auch zu einem anderen Urteil. Ohne das Engagement vieler Freunde von Katzheide, besonders dem Verein Katzheide: JA! (Hinweis: In dem ich auch Mitglied bin) und den Vertretungsberechtigten für das Bürgerbegehren, wäre das Thema Katzheide längst vom Tisch. Wobei die Engagierten lediglich den Frustrierten geholfen haben, ihre Stimme zu finden oder sich nun per Unterschrift für ein Bürgerbegehren auszusprechen.

Man könnte jetzt die Augen verschließen und so tun, als wäre die SPD tatsächlich durchweg für Katzheide gewesen. in der Hoffnung, dass die Eröffnung des Gesichtswahrens Katzheide helfen würde, erhalten zu werden. Aber das wäre zum einen geschichtslos und zum anderen unfair gegenüber den politischen Konkurrenten, die nicht mehr oder weniger die gleichen Beschlüsse mitgetragen haben. Oft auch weit weniger emotional und beleidigend als Ratsherr Stagars, der jede Kritik an der Politik der Kieler Kooperation nicht selten mit bösartigen und persönlichen Angriffen gekontert hat.

Ich respektiere jede Sichtweise. Auch die, dass manche Katzheide für überflüssig halten, oder glauben, dass Zentralbad wäre die Lösung aller Probleme der Kieler Bäderlandschaft. Ich bin lediglich anderer Meinung. Aber was mich aufregt ist, wenn Politik ignorant über die Köpfe der Bevölkerung hinweg gemacht wird. Ich erinnere mich auch noch an die Aussage von Herrn Kruber(CDU), der nach dem Fall Möbel Kraft Verbesserungsbedarf in Kommunikation und Stil in der Kieler Politik sah. Das sich also die Notwendigkeit eines konfliktreichen Bürgerentscheides nicht wiederholen würde. So lange ist es jetzt noch nicht her. Die Debatten sind zum Glück beim Thema Katzheide weit weniger erhitzt. Das liegt zum großen Teil darin, dass niemand wirklich als Feind Katzheides gelten mag. Denn das bedeutet nun einmal das Einbüssen von Sympathiepunkten in der Bevölkerung.

Wie weiter?

Die Kieler Bäder GmbH hatte eine Probe eingereicht, in der an der Unterseite der Schwimmbadfolie eine definierte Angabe von Pilzen zu finden war und eine nicht definierte Menge an Bakterien. Ohne das selbst richtig einschätzen zu können, interessiert es mich recht wenig, was sich alles unterhalb des Schwimmbeckens tummelt. Wichtig sollte sein, was sich im Wasser befindet. Und wenn da etwas ist, sollte man ran an die Ursachen.

Nun geht Stagars medienwirksam persönlich auf Tauchgang für eine zweite Probe. Ist er dafür qualifiziert? Ich würde erwarten, dass Proben lediglich von neutralen Angestellten eines Labors entnommen werden dürfen. Es darf auf keinen Fall zu einer Verunreinigung kommen. Insofern kann man die Probe eines Gegners von Katzheide getrost außer acht lassen. Da können dann auch mal Keime in der Probe landen, die das Aus für Katzheide bedeuten würden. Schließlich hängt seine politische Zukunft auch an der Richtigkeit seiner politischen Vorgaben. 2018 sind Wahlen und wenn alles nach Plan läuft ist dann das Zentralbad seit einem Jahr offen. Niemand wird so sehr mit dem Zentralbad persönlich verbunden wie er. Wenn alles gut läuft wird man ihn loben, bleibt es dagegen hinter den Erwartungen zurück, wird irgend jemand die Zeche für eine verfehlte Politik zahlen müssen. Es bleibt spannend.

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