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Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

#Flüchtlinge in Kiel #refugeeswelcome #kielweltoffen

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Seit mehreren Wochen kommen Flüchtlinge auch in Kiel an. Ob nun auf der Durchreise oder mit dem Ziel dauerhaft in Kiel zu bleiben. Viele Freiwillige leisten ehrenamtliche Hilfe. Die Hilfe staatlicher Stellen oder der Hilfsorganisationen scheint dabei oft weniger flexibel und nützlich zu sein, als dieses freiwillige Engagement. Oft klappt es spontan oder selbstorganisiert besser, als wenn große Hilfsorganisationen antreten.

Statt ab er darüber zu jammern und nach dem Staat zu rufen, sollte uns diese Erkenntnis nicht überraschen. Natürlich funktionieren anarchistische Organisationsformen oft schneller und besser, als Hilfe aus verknöcherten und hierarchischen Strukturen. Nehmen wir als engagierter Bürger*innen das doch als Chance war zu beweisen, dass wir es besser können als die staatlichen Organisationen. Besser Hilfe durch selbstorganisierte Strukturen, in denen idealer Weise jeder mitbestimmten kann, als in intransparenten Strukturen in denen nicht klar ist, welchen Erniedrigungen und Behinderungen Flüchtlinge ausgesetzt sind.

Viele Kieler*innen wollen einfach nur helfen und tun das auch ohne große Aufrufe. Ich finde diese Hilfsbereitschaft wunderschön, auch wenn da manche Vorstellungen vielleicht zu romantisch sind oder manche Spende doch zu minderwertig. Im großen und Ganzen aber wird auf sehr vielen verschiedenen Ebenen geholfen, gerade auch in Kiel. Auch wenn sich manche Stadtoberen öffentlich über Aktive lustig gemacht haben, so ist es eher beschämend für die Stadt, wie sie gleichzeitig für ein unnützes Großevent die Werbetrommel rührt und zeitgleich Menschen die Hilfe versagt, die sie zum würdigen Leben benötigen.

Es ist eine sehr sensible Zeit und ich habe daher auch lange beobachtet, bevor ich etwas geschrieben habe. Das Bild, was sich ergibt ist immer noch sehr diffus. Es gibt verschiedene Akteure und verschiedene Organisationsansätze, die zur Zeit kollidieren.

Wie kann Organisation funktionieren? Vieles läuft über Facebook. Das ist sicher nicht ideal, aber wenn es funktioniert, so ist es ZUNÄCHST besser, als alles, was nicht funktioniert. Da fehlt es mancherorts noch am Pragmatismus. Alternativen zu Facebook kann es geben, wenn sie denn jemand aufbaut und sie sich bewähren. Persönlich habe ich für mich vor einigen Monaten zur Zeit doch auf FB aktiv zu sein, weil es mehr Vor- als Nachteile bietet. Aber mit dem Bewußtsein, dass FB keine eigene Struktur darstellt, auf die man sich blind verlassen darf. Man kann es aber nicht ignorieren, genau so wenig wie man heutzutage das Internet als solches ignorieren kann. Ich hoffe sehr, dass es bald freie Alternativen zu FB gibt.

Weniger eignen tut sich die Flüchtlingskrise m.E. zur Profilbildung für Politiker und Organisationen. Hier zeigt sich einfach, was funktioniert und was nicht. Und: Möchte jemand sich nur gerne mit Politikern und Flüchtlingen fotografieren lassen? Die Frage der Einwanderungspolitik ist durchaus wichtig, auch im aktuellen Zusammenhang. Aber man darf sie dennoch nicht mit der Flüchtlingshilfe zusammen in einem Atemzug nennen. Denn damit instrumentalisiert man Flüchtlinge für die eigenen politischen Ziele. Ohne das man sie fragt. Hilfe sollte daher eher selbstlos sein als motiviert dadurch, Pluspunkte einzusammeln.

Legitim finde ich es hingegen, wenn Menschen aus schlechtem Gewissen oder um ihrem Bedürfnis zu helfen anfangen zu helfen. Vieles wirkt dann natürlich ernüchternd und auch die Arbeit kann manchmal nur stupide sein und die positiven Erlebnisse stellen sich nicht immer sofort ein. Aber es bietet vielleicht auch die Chance dazu zu lernen und das eigene Leben oder unseren Wohlstand zu hinterfragen.

Es gibt ja auch die zwei Weltbilder die gegeneinander stehen. Das eine besagt, dass Flüchtlinge eine Überfremdung darstellen und wird von rechts bedient. Das andere sieht Flüchtlinge zuallererst als Menschen in einer Notlage. Die Sichtweisen in der Bevölkerung ordnen sich irgendwo in diesen Spektren ein. Inzwischen werden die rechte Stimmen wieder lauter, die eine harte Politik fordern, oder sich wie de Maizière darüber aufregen, dass Flüchtlinge Geld für Taxifahrten haben. Dazu mal folgendes: Wenn man sich seit Jahrzehnten darüber aufregt, dass „Wirtschaftsflüchtlinge“ nach Deutschland kommen, die kein Geld haben, darf man sich nicht auch beklagen, wenn Kriegsflüchtlinge kommen, die nicht alle nur bettelarm sind.  Des Innenministers Argumentation zeigt nur zu deutlich die Unlogik und Perversion der Asylgesetzgebung und die Beliebigkeit der politischen Argumentation!

Written by tlow

3. Oktober 2015 um 13:45

Veröffentlicht in Deutschland, Flucht, Grundrechte

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