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Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Nach Kölner Sylvester: Weitere Umdrehungen der Flüchtlingsdebatte #kölnhbf

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Ich hatte vor Sylvester noch im letzten Jahr schon die mangelhafte Debatte in Deutschland zu Flüchtlingen kritisiert. Nach den Vorfällen in Köln am Hauptbahnhof in der offenbar viele Frauen sexuell belästigt und um Umfeld wohl auch zwei vergewaltigt wurden entwickelt sich die Debatte immer mehr zu einem Fanal für eine radikale Umkehrung einer bisher toleranten Debatte. Wir Deutsche müssen wirklich verrückt sein.

Die letzten Meldungen ausn Köln waren, dass es Menschenjagden nach ausländisch aussehenden Mitbürgern gab durch einen Mix aus Türstehern, Hooligans und Rockern. Mehrere Ausländer wurden krankenhausreif geschlagen berichtet die TAZ.

Einen Tag danach inszeniert sich die Sendung hart aber fair zwar hart aber alles andere als fair. Unter dem Titel „Die Schande von Köln, was sind die Konsequenzen“ erwähnt keiner der Diskutanten, diese Gewaltexzesse. Also noch mal um es deutlich zu machen:

  • In der Sendung hat der Moderator wie auch viele Journalisten nicht etwa den Schwerpunkt auf „Gewalt“ und „Männer“ oder „Hamburg“ oder „Köln“ gelegt in seiner Urachen“forschung“ – alle HInweise auf gesellschaftlich immer noch übliche sexuellen Übergriffen wurden weggewischt mit dem Hinweis, dass es darum nicht ginge – es sollte nur darum gehen, WER die Taten begangen hat und das waren aus seiner Sicht nicht primär „Männer“, sondern wohl primär islamische Flüchtlinge – wobei man da schon mal zweifeln muss, was exzessiver Alkoholkonsum mit einer strengen Auslegung des Islam gemeinsam hat?
  • Im Gegensatz dazu werden gewalttätige Übergriffe deutscher Männer gegen irgend welche ausländisch aussehenden Männern nicht einmal ERWÄHNT/verschwiegen. Offenbar legitimiert man inzwischen Gewalt gegen Ausländer durch Schweigen

Die öffentliche Debatte wird zur Zeit bei der Aufklärung der Vorkommnisse eben eher geprägt auf eine rassistische Verengung – denn auf keinen Fall möchte man von anderen sexuellen Übergriffen auf Frauen sprechen, auch wenn statistisch gesehen alle 68 Minuten so etwas in Deutschland passiert, sehr wahrscheinlich ist es insgesamt durch Männer an Frauen auch zu weit mehr Übergriffen gekommen als man aus Köln und Hamburg erfahren hat. Jedes Großereignis lockt Straftäter an und an Sylvester gibt es immer einen Haufen Idioten auf der Straße, die zudem oft angetrunken sind. Für ich selbst Grund genug zum Jahreswechsel nur ungern auf öffentlichen Plätzen unterwegs zu sein. Insofern wundert mich da gar nichts.

Auch das andere Städte nicht in gleichem Maße betroffen waren, lässt viele nicht nachdenklich werden. Woran liegt das?

Aus meiner Ansicht nur daran, dass man am 31.12. v.a. in Köln endlich ein Vorurteil bestätigt bestätigt bekommen hat: Das alle islamischen jungen Männer Gewalttäter seien. Nun hat man ja den Beweis. Das vermutlich gleichzeitig sogar prozentual mehr Deutsche sexuelle Übergriffe getätigt haben will man nicht hören. Denn es geht hier weder darum Verbrechen aufzuklären noch zu verhindern. Es geht darum Munition zu sammeln die Grenzen dicht zu machen und abzuschieben.

Es war ja schon zu vermuten, dass die Stimmung kippen würde. Gerade wenn man sieht, dass in Deutschland 2015 925 Angriffe auf Flüchtlingsheime erfolgten, die eigentlich nichts als ein Achselzucken als Reaktion hervorrufen. Gewalt gegen Ausländer erscheint halt im Vergleich immer als Kavaliersdelikt. Zwar reagiert man lokal immer kurzfristig betroffen, aber eigentlich finden es viele gar nicht so schlimm, wenn irgendwer zur Tat schreitet.

Bei den Reaktionen auf Köln geht es vielen tatsächlich darum ihren eigenen Rassismus zu legitimieren. Wie auch sonst in der Flüchtlingsdebatte. Es geht doch nicht wirklich um die Grenzen der Belastbarkeit. Viele wollen keine Flüchtlinge in Deutschland, weil sie anders aussehen und anders sind.

Um so tragischer, dass auch viele Deutsche (und mehr als ich früher dachte), für Geflüchtete aktiv geworden sind und nach wie vor aktiv sind. Und ich hoffe auch bleiben und sich nicht durch die Medienpropaganda  und Politiker beeinflussen lassen.

Es geht um Menschen und deren Schicksale. Und so blöd es klingt – kann es nicht sein, dass man deren Unterkünfte anzündet und das als Lösung vorschlägt. Aber auch nicht sie abzuschieben oder im Regen stehen zu lassen. Deutschland erscheint zur Zeit sehr zerrissen zwischen einer neuen Willkommenskultur und Rassismus.

Leider wecken manche Argumentationsmuster zu sehr Erinnerungen an dunkle Zeiten, s.a. „Rassenschande„.

Jetzt ist diese Willkommenskultur viel nötiger als noch vor Monaten, wo manche noch in Bahnhöfen den ankommenden Flüchtlingen applaudierten. Jetzt kommt es wirklich drauf an den negativen Strömungen etwas entgegen zu setzen.

 

 

 

 

 

14 Antworten

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  1. „Immer noch übliche sexuellen Übergriffe“? Ne, halte ich nicht für üblich in Deutschland. Ich finde es auch vollkommen okay, ein konkretes Ereignis zu beleuchten, ohne die üblichen Ausweichmanöver zu fahren („kommt überall auf der Welt vor“, „machen nicht nur Flüchtlinge etc.“). Über die rechtsmotivierten Anschläge auf Flüchtlinge ist in unzähligen Sendungen und Presseberichten diskutiert worden. Würden Sie da auch monieren, dass in diesen Sendungen etc. nicht auch über Straftaten von Asylbewerbern gesprochen wurde? Oder man (wohlwollend) die Motive der Brandstifter beleuchtet hat? Das Problem ist: Die Probleme, die jeder im Alltag erleben kann, werden aus politischen Gründen öffentlich nicht angesprochen. Köln – aber auch die Affäre unseres SH Innenminister – belegen dies. Die unaufrichtig geführte Debatte bestärkt die Vorbehalte vieler Bürger. Sie gewinnen den Eindruck, sie würden über die wirkliche Situation getäuscht. Und genau dies führt zu einer Radikalisierung.

    Der Heidemörder

    14. Januar 2016 at 19:28

  2. Geiler Tag; statt Vergewaltigung wurde Vergwaltugung geschrieben. Für Vergewaltigung der Sprache die richtige Darstellung.🙂
    Warum eigentlich immer die Rückgriffe auf die Nazi-Zeit? Ist das wirklich nötig oder läuft man nicht Gefahr selbst als Radikaler dazustehen?
    Ich behaupte: Jede kontroverse Diskussion kommt locker ohne Nazi-Vergleiche aus und ist ohne solche Vergleiche eindeutig und immer auf höherem Niveau.

    Badener

    13. März 2016 at 10:40

    • Das Dritte Reich war für Deutschland eine sehr prägende Zeit. Viele Gesetze aus der Zeit gelten noch heute und auch so manche Vorurteile und Denkweisen. Man kann vor der Vergangenheit die Augen nicht verschließen. Man kann die Geschichte auch nicht einsperren

      tlow

      13. März 2016 at 14:34

      • Wie zu erwarten war, widerspreche ich. Das Argument der prägenden Zeit lasse ich nicht gelten. Es ist eben nicht so, dass Deutschland nur durch die Nazis geprägt wurde. Es gab eine Zeit davor und danach. Wer die Nazi-Zeit ohne all dem, was vorausging, definiert, wird ihr genauso wenig gerecht wie die Zeit danach, die zu einem großen Teil von Menschen geprägt wurde, die vor Nazis flüchten mussten.
        Die Tatsache, dass Menschen wie Reich-Ranicki zurückkehrten, ist weitaus prägender als Überbleibsel aus dem Steuerrecht wie z. Bsp. dem Ehegatten-Splitting.
        Die Reaktionen auf Köln, Kiel, etc. als Rassismus zu definieren, sind zumindest fragwürdig. Es wird schlicht den Tatsachen nicht gerecht. Warum? Vor der Masseneinwanderung gab es solche Ereignisse nicht. Es ist die Masse. Es ist nicht die Rasse. Diesen kleinen Buchstaben vorne als Unterschied sollte man zur Kenntnis nehmen können. Man mag dem widersprechen. Aber man sollte es nicht mit Relikten aus der Vergangenheit verfälschen.
        Die Zukunft der Republik wird nicht von Nazis geprägt werden, sondern von Entscheidungen und auch von Fehlentscheidungen der politischen Klasse. Diskussionen darüber mit Nazi-Vergleichen zu ersticken, ist dabei nicht hilfreich und führt fast immer zu vergiftetem Klima. Wobei ich zugestehe, dass das Klima eigentlich von Anfang an vergiftet war. Doch das lag auch zu einem Gutteil daran, dass wir nicht gefragt wurden. „Wir schaffen das“ und wer es nicht schafft, damit umzugehen, ist eben Nazi. Diesen Verdacht haben Viele, weshalb noch viel mehr Menschen nicht sagen, was sie wirklich denken.
        Ich hätte da weniger Nazi-Vergleiche parat als George Orwell. Er hat nicht nur den Überwachungsstaat vorhergesehen sondern auch Neusprech, Gedankenverbrechen und die Umkehr der Werte durch schlichte Umdeutung.
        Genau deshalb ist Köln so heftig „ausgebrochen“.

        Badener

        13. März 2016 at 14:57

        • Zunächst einmal habe ich hier nur in einem Satz Bezug genommen auf die Zeit. Es ist nicht wesentlich für meinen Beitrag. Die Kritik geht also am Kern vorbei. Natürlich gab es sexuelle Übergriffe schon vorher. Darin sehe ich ja gerade den Rassismus, dass mann vorher wegschaut und NUR DESHALB hinschaut, weil die Männer eine andere Hautfarbe haben. Übergriffe von Flüchtlingen machen vielleicht 0,01 % in Deutschland aus, aber wir diskuttieren darüber als wären es 99,99 Prozent. Das ist schräg an der Debatte. Und es zeigt, dass es vielen nicht wirklich um sexuelle Übergriffe geht, sondern darum, Flüchtlinge ein Stigma anzuhängen aus politischen und rassistischen Motiven. Keiner Frau ist damit geholfen. Schon gar nicht durch die Lüge, es hätte sowas vorher nicht gegeben.

          tlow

          13. März 2016 at 15:22

          • Sag mir einen Fall, bei dem an einem Tag – je nach Quelle – zwischen 850 und über 1000 Anzeigen von Frauen eintrudelten. Nur einen Fall, bitte. Du wirst ausser Köln nichts finden. Begreife das Aussergewöhnliche und Du wirst das Besondere erkennen.

            Badener

            13. März 2016 at 15:26

          • Es geht nicht um EINEN Tag, es geht um JEDEN Tag. In Kiel statistisch 4-5 Fälle pro Woche z.B. Du hast sowas jedes Jahr auch auf dem Münchner Oktoberfest und auf jeder anderen Großveranstaltung mit vielen anonymen Gästen.

            tlow

            13. März 2016 at 16:42

          • Du weichst aus. Lass es mich mal mit einem Beispiel erklären. Benutzt Du ein Handy? Oder ein Smartphone? Dann darfst Du Dich nicht über Kinderpornographie aufregen. Warum? Coltan-Abbau mittels Kindersklavenarbeit. Es ist die gleiche Logik, die Du verlangst, wenn man sich nicht über Köln aufregen darf. Es funktioniert einfach nicht. Denke mal darüber nach.

            Badener

            13. März 2016 at 16:45

          • Das sind Äpfel und Birnen. Hier gehts um sexuelle Belästigung und sexuelle Belästigung. Und manche greifen sich als Thema die Kultur und die Hautfarbe heraus, um das politisch zu nutzen.

            tlow

            13. März 2016 at 17:06

          • Okay. Sexuelle Belästigung. München. Oktoberfest. Letztes Jahr. Eine Anzeige wg. sexueller Belästigung. Wir regen uns mal kurz (gar nicht) auf.
            Köln. Silvester. Ca. 1.000 Fälle sexuelle Belästigung oder generell Kriminalität gegen Frauen. Wir regen uns mal kurz auf und wundern uns, dass das Andere aufregt.
            Ironie Ende.
            Ernsthaft. Ich habe viel mehr den Verdacht, dass Dich die Frauen Null interessieren und Dich nur stört, dass der schöne Selbstbetrug von der Willkommenskultur zerstört wurde.
            Diskussion von meiner Seite beendet. Warum? Zu oft derlei ideologisch gefärbte Argumentation widerlegt. Bin dessen doch langsam müde. Generell enttäuschend.
            PS: Mit den AfD-Sympathisanten führe ich die genau entgegengesetzte Diskussion. Dort läuft es meist ähnlich enttäuschend. Zu viel Ideogie. Jedoch ähnlich billige Argumentation wie Oktoberfest haben die selten. Das war echt billig.

            Badener

            13. März 2016 at 17:18

          • Du meinst also es gibt Rassen, die für sexuelle Belästigung prädestiniert sind, wegen der Gene oder so. Und wie begründest Du das? Irgend welche wissenschaftlichen Studien?

            tlow

            13. März 2016 at 19:48

          • Lies nochmal meinen zweiten Beitrag. Dort habe ich Alles dargelegt. Ersetze R durch M in einem bestimmten Wort. Vielleicht kommst Du drauf.
            Es gibt keine wissenschaftlichen Studien zu Köln, Silvester. Wie denn auch, wenn die Polizei noch daran arbeiten muss? Es gibt aber den gesunden Menschenverstand.
            Deine Fragestellung erinnert mich frappierend daran, wie die Mehrheitspresse so arbeitet…

            Badener

            13. März 2016 at 20:39

          • Warum sind sich „gesunder Menschenverstand“ und „Faschismus“ bei manchen Leuten nur so nah?

            tlow

            15. März 2016 at 09:44

          • Danke. Musste lachen^^
            Ist doch ganz einfach. Es ist eine Frage der Wahrnehmung. Wenn manche Fragesteller in ihrer eigenen, kleinkarierten Welt leben, wird jede abweichende Meinung zum Faschismus.
            So, und jetzt versuche mal ehrlich ohne Wikipedia oder andere Nachschlagewerke den Faschismus zu definieren. Ich möchte nochmal lachen.

            Badener

            15. März 2016 at 09:49


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