KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

#Sophienhof als Spitze eines Eisbergs?

with 7 comments

Die Nachrichten überschlagen sich aufgrund der Ereignisse im Sophienhof. Ich frage mich aber, wo das eigentliche Problem ist:

  • Verkürzt: Eine Gruppe von Männern belästigt und verfolgt drei Mädchen. Der Sicherheitsdienst und die Polizei greifen ein und Verdächtige werden festgenommen. Die Täter haben zwar die Anonymität des Bahnhofsbereichs genutzt, aber der Sophienhof ist aber auch eher gut bewacht, was auch zu einer schnelle Reaktion führte.
  • Die afghanischen jungen Männer haben da offenbar ein psychisches Problem das therapiewürdig ist. Besonders schlau war die Aktion auf keinen Fall.

Aber wie so oft in den vergangenen Monaten geht es wenig um die Betroffen, sondern um eine Instrumentalisierung des Vorfalls für verschiedene politische Zwecke.

Man könnte aber auch sagen: Es gab einen Vorfall, es wurde reagiert, es gibt Verdächtige und die wurden auch festgenommen. Also kein Grund zur Sorge!? In unserer sensibilisierten Ereignisgesellschaft natürlich immer!

Mir fallen dazu eher die unzähligen Geschichten von Frauen ein, die z.B. in den Kieler Diskos wie auch der Pumpe oder dem Weltruf „angetanzt“ und blöd angemacht wurden und werden. Oft reagiert das Personal auch nicht, wenn es angesprochen wird. Frauen werden da oft nicht ernstgenommen. Das hat jetzt gar nichts mit Migrationshintergrund zutun – denn das passiert überall und natürlich auch von deutschen jungen Männern. Erst letzten Monat habe ich eine neue Geschichte erzählt bekommen. Für viele Frauen ist das LEIDER eher die Normalität in der Öffentlichkeit, als die Ausnahme.

Und wenn Frauen mal so erzählen, was ihnen alles im Leben schon so zugestoßen ist so ist das oft sehr erschreckend. Da sind dann die vielen „kleinen“ Sachen gar nicht mit einberechnet. Aber gerade die vielen kleinen Dinge schaffen eine bestimmte Atmosphäre und erhöhen die Hemmschwelle z.B. Anzeige zu erstatten. Neulich kam via Twitter auch der Hinweis auf ein Video aus der Kabarettsendung „Die Anstalt“  über grundsätzliche Lücken im Sexualstrafrecht:

 

Hier gibt es Handlunsgsbedarf. Eigentlich dringend. aber angesichts dessen, dass diese Lücken seit Jahrzehnten bestehen wäre es nur gut, wenn sie überhaupt mal in Angriff genommen werden. Das es dazu außergewöhnliche Ereignisse bedarf ist schon bitter. Wie ich neulich schon schrieb wird in Kiel wie in jeder anderen Stadt mehrmals die Woche ein sexueller Übergriff statt, seit Jahren, seit Jahrzehnten.  Und bisher hat das nicht dazu geführt das Strafrecht anzupassen oder mehr über das Verhältnis von Männern zu Frauen nachzudenken. Wenn das jetzt passiert ist das ja ok. Nur wünsche ich mir, dass da der Rassismus außen vor gehalten wird der suggeriert, dass es in der Mehrheitsgesellschaft keine (sexualisierten) Straftaten gibt. Letzteres schützt lediglich die Täter.

 

Written by tlow

28. Februar 2016 um 04:13

7 Antworten

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  1. Ich finde diese Versuche eine Relativierung so unpassend wie den Versuch, Straftaten von Migranten als ein „psychisches Problem das therapiewürdig ist“ zu verharmlosen. DAS ist politische Instrumentalisierung.

    Der Heidemörder

    28. Februar 2016 at 13:26

    • Die Relativierung ist doch so zu tun, als wenn das nicht alltäglich wäre. ich finde es unerträglich, dass man über Jahrzehnte wegschaut – wenn Frauen anzeige erstatten sagt: Und hast Du Dich auch gewehrt, aber wenn es dann mal Afghanen sind, die das Gleiche tun (und auch in einer größeren Gruppe), dann fordert man gleich besondere Konsequenzen. Wieso eigentlich? Wieso nicht so behandeln, wie jeden anderen Fall? Weil aus Sicht der Mehrheitsgesellschaft diese Gruppe eben nicht Teil der eigenen Gemeinschaft ist und als als Angriff von Außen gewertet wird. Da greifen rassistische Motive wieder voll durch. Ich wüßte auch gerne, was es jetzt bringen soll Panik zu verbreiten.

      tlow

      28. Februar 2016 at 14:14

  2. Das hat doch mit Rassismus nichts zu tun! Wenn junge Männer, egal welcher Herkunft, in einem Einkaufszentrum z.T. minderjährigen Mädchen nachstellen, Videos mit ihren Smartphones machen und diese dann in Ihrem Netzwerk verteilen, um sich kurze Zeit später dann zu einer Horde zusammenzurotten und als Mob die Mädchen/Frauen zu verfolgen, mit welchem Ziel auch immer, dann ist das tatsächlich etwas, was in der Wahrnehmung des alltäglichen medialen Rauschens hervorsticht. Und ja, man muss Täterkreise hervorheben sofern es denn ein entsprechendes Profil gibt, würde man genauso tun, wenn es sich um Linke, Rechte, Rocker, Jugendbanden, rebellierende Sozialpädagogen, religiöse Fanatiker, Briefmarkensammmler, Sparschweinzüchter, oder was auch immer handeln würde. Und ja, hier scheint die Form der Straftat tatsächlich auf ein Problem hinzuweisen, welches ihren Ursprung in einem bestimmten Milieu findet. Das darf und muss man ansprechen dürfen, ohne sich gleich wieder einen Diskurs über Rassismus zu befinden. Unbenommen dessen gebe ich Ihnen Recht, dass natürlich jede Form sexuellen Übergriffes die gleiche Aufmerksamkeit (auch seitens der Strafverfolgung) erfahren sollte und es dabei keine Unterscheidungen geben darf.

    Hans

    29. Februar 2016 at 08:58

  3. „Die afghanischen jungen Männer haben da offenbar ein psychisches Problem das therapiewürdig ist. Besonders schlau war die Aktion auf keinen“
    Äh, sag mal, hackts? Erklär mir doch bitte mal worin du da ein psychisches, mit (psycho-) therapeutischen Mitteln behandelbares Problem siehst?

    Gartenfreunde Kiel

    29. Februar 2016 at 20:29

    • Betrachtest Du das Belästigen von Menschen gegen ihren ausdrücklichen Willen als ein verhalten, dass wir als „ganz normal“ akzeptieren wollen?

      tlow

      29. Februar 2016 at 20:35

      • Nein, ich betrachte aber andere Dinge wie Diebstal, Körperverletzung, Betrug, Brandstftung, Mord ect auch nicht als “ normal“…und möcht se trotzdem nicht therapieren

        …wobei, …lustig wärs ja…für so manchen Täter dürfts deutlich penlicher sein, sich 15 Jahre von nem Tiefenpsycologen durchanalysieren zu lassen als im Knast zu hocken…da hat sichs dann was mit der männlchen Öhre un so😄

        Gartenfreunde Kiel

        29. Februar 2016 at 23:42


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