KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Terrorismus vs. #Flucht aus aktuellem Anlaß #belgiumattacks

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Die über 30 Tote in Belgien durch Anschläge sind sicher bedauernswert. Jeder unnütze Tod Unschuldiger ist zu bedauern. Allerdings war es für mich schockierend auf Twitter zu sehen, wie wenig Leute sich offenbar über die Grausamkeit von Bürgerkriegen und Flucht Gedanken machen. Vielleicht wird hier deutlicher als irgend wo sonst, woher die partielle Ablehnung von Asylbewerbern in einem kleinen Teil der Bevölkerung kommt und/oder auch Gewalt gegen diejenigen, die aus Sicht mancher nicht nach Deutschland gehören.

Hier nur ein Beispiel als Reaktion auf meinen Hinweis, dass laut ARD über 5000 Menschen auf der Flucht 2015 gestorben sind:

 

Ja, wieso fliehen die Leute, sieht doch gemütlich aus dort?

Einige Prozent der Menschen in Deutschland verschließen wohl die Augen vor Fluchtursachen und denken tatsächlich, dass man einen Bürgerkrieg wie in Syrien einfach mal aussitzen kann. Wie viele dieser Menschen würden das aber tatsächlich tun, wenn sie in der gleichen Situation sein würden.

Außerdem scheint es da Illusionen darüber zu gehen wie schön die Situation für Syrer in der Türkei ist. Nur mal beiläufig erwähnt: Die Türkei führt Krieg gegen die Kurden und viele Syrer die fliehen sind auch Kurden. Und gerade verschärft sich dieser Konflikt. Wie es den Flüchtlinge aus Syrien in Türkei geht, kann man auch hier sehen:

Niemand flieht einfach aus Spaß. Und schon gar nicht Bürgerkriegsflüchtlinge.  Sachen gegeneinanderzustellen ist nicht immer sinnvoll, aber dennoch nötig. Wann regen wir uns auf, wenn wir von Todesopfern hören? Wenn Unschuldige im Mittelmeer ertrinken oder wenn Unschuldige Opfer eines Bombenattentats in Brüssel werden. Zucken wir im ersteren Fall nur mit den Schultern und gehen dann zur Tagesordnung über, aber gehen auf höchste Reaktionsstufe, wenn es auch nur EINEN weißen Europäer trifft bei einem Terrorakt?

Ich denke: Ja, das tun wir, unsere Medien, unsere Gesellschaft. Warum? Ganz einfach weil uns der Terror in einer europäischen Hauptstadt immer näher ist, als ein anonymer Tod irgendeines Flüchtlings auf dem Wege nach Europa. Und zwar primär weil Flüchtlinge eine andere Hautfarbe haben, eine andere Nationalität und andere Kultur. Deswegen fragen wir auch immer als erstes: Gab es auch deutsche Opfer? Weil der Deutsche ja mehr wert ist, als der Syrer oder selbst der Belgier. Es istRassismus, von dem wir geprägt sind. Es mag ja noch angehen, dass uns das Schicksal, je näher es ist, mehr angeht und mitnimmt. Aber es darf nicht so sein, wie es heute ist. Das uns das Schicksal von Menschen um so weniger interessiert, je mehr sie an der Peripherie der EU leben oder je weniger sie uns ähneln. Soll ich aufatmen, wenn bei einem Unglück nur Briten umkommen? Oder nur Iraker? Ich empfinde nicht so, aber die Medien versuchen uns jeden Tag einzureden, dass wir so denken sollen. Und das es natürlich viel schlimmer ist, wenn 30 Menschen bei Anschlägen sterben, als wenn 5000 Menschen ertrinken. Wer das Ganze darauf reduziert, dass Flüchtlinge ja freiwillig fliehen argumentiert an der Realität vorbei, zynisch und menschenverachtend.

Relationen sind schon wichtig. Für manche Deutschen ist das Problem mit den Flüchtlingen schon dann gelöst, wenn sie in Griechenland oder der Türkei festhängen und hungern, leiden und oft auch sterben. Solange sie nicht in der EU sind oder in Deutschland gibt es für solche Menschen kein Problem. Soll doch das „reiche“ Griechenland die gesamten EU-Probleme alleine lösen. Was soll schon schiefgehen? Oder die Türkei als zerrissener Staat. Wir geben Geld und schauen weg, wenn es um die Kurdenfrage geht? Der Krieg gegen die Kurden wird natürlich  mehr Flüchtlinge produzieren.

Es gibt also keine einfache Lösung und wir müssen tatsächlich Ereignisse einsortieren. Ohne Relation geht der Realitätssinn verloren. So schrecklich ein Anschlag für die Betroffenen ist, so ist das Maß in Belgien doch begrenzt und sollte nicht zu Überreaktionen führen. Natürlich fordert deMaiziere jetzt noch mehr Zugriffe auf Daten. Auch wenn ds nichts mit dem zutun hat, was in Belgien passierte.

Die Reaktionen auf die Anschläge und die fehlenden Reaktionen auf so viele Tote auf der Flucht zeigen zusammen wie menschenverachtend unsere Normalität geworden ist und welches Maß an Selbstbetrug existiert. Nur damit die eigene Normalität nicht gefährdet wird.  So wird jeder Andersgläubige zur Bedrohung während eine menschenverachtende Politik mit dem Vielfachen an Toten begrüßt und beklatscht wird. Kein Wunder, dass die AfD so gute Wahlergebnisse erzielt, wenn so viele Menschen es nicht mehr schaffen einen Kontext herzustellen und Ereignisse richtig einzuordnen.

Die Politik wartet auf Ereignisse wie diese. Der Betroffenheitsjournalismus liefert die Vorlage und die Politik raubt uns jedes mal weitere Freiheiten und gibt dabei vor das Leben sicherer zu machen. Dabei führt diese Politik immer nur zu mehr Gewalt.

Written by tlow

23. März 2016 um 08:06

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