KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Archive for Februar 2018

#SharedSpace auch in Gaarden #Gaarden10 #Elisabethstraße

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Nun wurde der große Plan für Gaarden am 21. Februar veröffentlicht. Unter anderem wurde nun für den Bereich Elisabethstraße/Alfons-Jonas-Platz „Shared Space“ als alternatives Modell vorgeschlagen.

Zu „Shared Space“ nur soviel: Es ist ein Konzept, dass in den 70er Jahren entstanden ist, aber nur an einigen wenigen Orten konsequent umgesetzt wurde. Es gibt in den letzten Jahrzehnten keine Untersuchungen, die eine klare Verbesserung der Verkehrssicherheit belegen könnten. Siehe dazu auch von den Unfallforschern der Versicherer den Text: „Untersuchung zu „Shared Space“„. Im Grunde versucht man durch das Entfernen von Bordsteinkanten, Ampeln und Straßenschildern eine Unsicherheit zu erzeugen in der Hoffnung, dass die Verkehrsteilnehmer*innen sich schon irgend wie einigen.

Probleme gibt es dabei oft für Sehbehinderte, die dann klare Grenzen vermissen. Und auch unsichere Verkehrsteilnehmer wie Kinder oder Senioren haben dadurch eher Nachteile, da ihnen die Orientierung nicht erleichtert wird. Man muss sich bei dem Einsatz von Verkehrskonzepten immer die Frage stellen: Welche Ziele will man erreichen und welche Mittel sind dafür geeignet? Im Falle der Elisabethstraße haben wir vor allem ein Problem für die Radfahrer, die quasi überhaupt keinen Platz haben. Die Fußgänger verfügen bisher zwar oft über breite Gehwege, allerdings fällt das Überqueren des Alfons-Jonas-Platzes als fast reinen Parkplatz doch sehr schwer. Parkende Autos und Autos, die einen Parkplatz suchen dominieren nicht nur aber gerade hier das Straßenbild und schränken die Nutzung stark ein. Die Elisabethstraße ist tendenzielle eine klassische Einkaufszone, die sogar ganz auf Autoverkehr verzichten könnte. Ähnlich wie die Holstenstraße. Bisher ist das aber nur ansatzweise am Vinetaplatz umgesetzt.

Meine Kritik am Konzept des „Shared Space“ ist, dass es nur eine Methode zu sein scheint, die den Schilderwald reduziert, aber nicht etwas Fußgängern und/oder Radfahrern einen Vorrang einräumt. Aber genau das sollten m.E. die Zielsetzungen sein. Auch wäre es wünschenswert, wenn Radfahrer Gaarden schnell und bequem durchqueren könnten, wie in der Elisabeth- oder Kaiserstraße. Damit man verschiedene Ziele schnell erreichen kann. Insbesondere muss aber m.E. der Raum für den ruhenden und fließenden Autoverkehr stark eingeschränkt werden, um den Aufenthalt angenehmer zu gestalten. Blumenkübel helfen da leider nicht.

Alte Ideen, die bisher nicht überzeugen können müssen wir nicht in Gaarden testen. Das bringt uns nicht weiter.

 

Update; Habe noch einen Hinweis via Twitter bekommen, das in dem UK Shared Space nicht mehr empfohlen wird:

Written by tlow

22. Februar 2018 at 23:00

#AlterMarkt #Denkmalschutz vs. Neugestaltung

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Alter Markt, Kiel, gemeinfrei

 

Das Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein soll bestimmt haben, dass die Buden am Alten Markt nun unter Denkmalschutz stehen. Nicht etwa die Lessinghalle oder eine Vielzahl anderer Gebäude die längst abgerissen sind. Nein ausgerechnet Bauten, die man wahrscheinlich nie hätte da so hinbauen sollen.

Da kommt man schnell zu Fragen: Ist Architektur eher Kunst oder eher nicht? Persönlich denke ich, dass Gebäude und vor allem Plätze der Gemeinschaft dienen sollten. Das sind weniger Kunstwerke, die einem Einzelnen gehören. Allerdings sollte man durchaus auch Denkmalschutz betreiben – und nicht nur für alte Gebäude. Manches ist wirklich erhaltenswert. Aber ich bekomme jetzt Angst, dass weitere Betonklötze wie das CAP auch noch unter Denkmalschutz gestellt werden. Man kann dann auch Städten nur raten Plätze immer möglichst schnell wieder kaputt zu machen, bevor etwas zum Denkmal wird.

Ich hätte da z.B. das Woolworth-Haus am Berliner Platz als durchaus erhaltenswerter betrachtet. Mehr aus dem Blickwinkel der Stadtgestaltung. Kiel ist ja architektonisch überwiegend hässlich. Viel zerbombt und den Rest an schöner Architektur immer wieder kaputt gemacht.

Mir liegt es nicht so am Herzen, dass Architekturstudenten die Kieler „Alt“stadt  und den „ALTEN“ Markt bereisen, um sich anschauen zu können, wie bescheuert man eine zeitlang gebaut hat. Es ist ok, wenn der Denkmalschutz ab und zu aktiv wird. Aber an dem Punkt finde ich muss er zurückstehen.

Kiel hat überhaupt keine richtigen  Plätze für Menschen: Entweder sind es quasi Parkplätze (Wilhelmplatz, Exerzierplatz, Blücherplatz), oder sie werden mit kitschiger Möblierung oder Buden vollgeknallt (Europlalatz, Asmus-Bremer-Platz, Alter Markt, Vinetaplatz ). Ich hätte mich sehr gefreut, wenn man es mal geschafft hätte einen der Kieler Plätze neu zu gestalten. So, dass er auch angenommen wird. Ohne viel störende Gebäude und Möblierungen, sonnig, ein Ort, wo man auch gerne mal Pause macht, oder sich gerne trifft. Nur ein Platz in Kiel bitte!

Written by tlow

18. Februar 2018 at 20:00

Update: Prognosen zum #Meeresspiegelanstieg erhöht! #Klima

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Nur kurz als Update zur sonstigen Berichterstattung und auch zur aktuellen Einwohneranfrage zu den konkreten Auswirkungen des Anstiegs der Meere auch auf Kiel:

Written by tlow

13. Februar 2018 at 08:44

Veröffentlicht in Allgemein, EGovernment, Umwelt

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Keine #Einwohneranfragen digital in Kiel

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Ich hatte vor einige Wochen eine Einwohneranfrage an das Büro des Stadtpräsidenten gestellt. Solche Anfrage werden dann sowohl schriftlich beantwortet als auch innerhalb einer Ratsversammlung mit der Möglichkeit sie auch selber vorzutragen und auch eine vor Ort eine Nachfrage zu stellen.

Die nachzulesenden Regeln dazu sind in Berlin und Kiel nahezu die gleichen. Nur mit einem Unterschied: Wird man in Berlin zu einem Onlineformular geleitet, so besteht in Kiel die Pflicht so eine Anfrage schriftlich und mit Unterschrift einzureichen. Digital geht also nicht. Ich zitiere aus einer Mailverkehr seitens des Büros:

ich kann Ihren Einwand nachvollziehen, dass das Erfordernis einer Schriftform in Zeiten zunehmender Digitalisierung verwundert. Dennoch sehen die städtischen Regelungen zur Arbeit in den politischen Gremien aktuell noch die Schriftform für Einwohneranfragen vor und dies meint, dass diese schriftlich abgefasst sein müssen sowie zu unterzeichnen sind. Nach Rücksprache mit dem Stadtpräsidenten können wir Ihre Anfrage aus diesem Grund nicht zulassen. Wir nehmen allerdings Ihren Hinweis zum Anlass, eine digitale Möglichkeit analog der von Ihnen aufgeführten in Berlin zu finden.

Ich hatte angekündigt auf die Behandlung meiner Anfrage zu verzichten, wenn diese nicht digital angenommen würde. Wir dürfen ja auch nicht vergessen, dass Kiel ganz besonders betont, wie digital es ist oder werden möchte. Von der Digitalen Kieler Woche bis zu dem Workshop der SPD letzte Woche unter dem Titel „Kiel Digital Gestalten„.

Natürlich kann man als Bürger*in oder Blogger*in sich einfach den Vorgaben beugen und auf das Digitale verzichten. Aber wird sich dann wirklich etwas ändern? Nur in der Praxis wird ja deutlich, wo es hakt. Digital ist eben nicht nur Theorie, sondern auch Praxis. Insbesondere finde ich, dass eine Einwohneranfrage ja kein Antrag oder Vertrag ist. Viele Dinge gehen im Leben mittlerweile viel einfacher abzuwickeln, wie z.B. der Onlinekauf. Obwohl da sogar ein Vertrag zustande kommt.

Das müssen die Damen und Herren Politiker selber wissen, wie sie das gestalten wollen. Die Anforderungen sind eher gering.

Written by tlow

13. Februar 2018 at 08:33

#Verkehrswende in Kiel – #kwkiel

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Kiel bewegt zur Zeit das Thema Luftschadstoffe. In der Kieler Nachrichten(KN) hat man die letzten dankenswerter Weise endlich auch mal die Betroffenen zu Wort kommen lassen. Ich erinnere mich noch daran, dass vor vielen Jahren einer der Oberbürgermeister (Gansel?) zur Verkehrssituation und Luft am Theodor-Heuß-Ring in der KN sagte, dass er gar nicht nachvollziehen könne, was das Problem sei. Gestank? Viel Verkehr? Wo?

Sowohl das Blog „Kiel aktuell“ als auch „Bielenbergkoppel“ haben vom kleinen Kieler Dieselgipfel berichtet. Kurz zusammengefasst: Es gibt ein gewisses Problembewusstsein vermischt mit Unsicher- und Ratlosigkeit in Kiel.
Smart Fortwo Falschparker
Die Verkehrsentwicklung in den Städten ist insbesondere seit den 50er Jahren das Ziel einer autogerechten Stadt gewesen. Guter Verkehr wurde mit „Autoverkehr“ gleichgesetzt. Und die Straße sollte dem Auto gehören. Das sieht man heute auch in fast jeder Stadt, jedem Stadtteil und in jeder Straße: Sowohl der Ruhende Verkehr (parkende Autos), als auch der fließende Verkehr dominieren unsere Straßen. Der Parkplatzsuchverkehr macht oft alleine 40% des fließenden Verkehrs aus. Und ein Auto steht durchschnittlich zu 95 % der Zeit.

Bis 2020 soll der Autoverkehr nach Prognosen (Quelle: acatech PDF) um weitere 20 Prozent steigen. Der LKW-Verkehr um 34 %. Auch der Fahrzeugbestand soll steigen, wenn sich nichts dramatisch ändert.

Eine entscheidende Frage ist, wie man denn auf den steigenden Autoverkehr reagiert. Die letzten Jahrzehnte war klar:

  • Wir bauen mehr Straßen, um den steigenden Verkehr abzutransportieren/aufzufangen
  • Wir bauen mehr Parkplätze und Parkhäuser.
  • Wir bauen weitere Fahrspuren, um mehr Verkehr aufzunehmen.

Was sagt denn die Wissenschaft? Denn Stadtplanung nach Bauchgefühl sollte nicht ein Ansatzpunkt für Politik sein.  Mittlerweile findet man dazu auch Artikel im Handelsblatt. Kernerkenntnis: „Eine Verdoppelung der Straßen verdoppelt den Verkehr.“

Da kann man sich auf den Kopf stellen, auch wenn man noch so gerne Auto fährt. Oder vielleicht auch: Wenn man meint: Eine wachsende Wirtschaft brauche auch immer ein wachsenden Straßennetz. Das ist eine entscheidende Frage: Was machen wir mit dem steigenden Auto- und LKW-Verkehr?

Wenn wir die Erkenntnis annehmen, dass uns ein Ausbau der Autostraßen nicht retten wird, müssen wir uns die Frage stellen, welche anderen Möglichkeiten wir dann haben?

Und hier kann man ja weitere Probleme des Straßenverkehrs sehen: Flächenverbrauch, Verletzte, Unfalltote, CO2, Luftschadstoffe, … . Eine Abkehr von dem motorisierten Verkehr hätte viele Vorteile. Es fehlt dann bisher noch an den Alternativen, auch in Kiel.

Der Busverkehr mit der Kieler Verkehrsgesellschaft(KVG) ist am Limit. Oft bleiben Fahrgäste an den Bushaltestellen stehen, weil die Busse überfüllt sind. Vor allem die Gegenwehr von CDU und FDP hat bisher in Kiel und Umgebung verhindert, dass es hier nicht schon seit Jahrzehnten ein modernes, schienenbasiertes Nahverkehrsystem gibt.

Es fehlt natürlich auch an Impulsen von der Bundes- oder Landesebene. Man tut ein wenig hier oder da, aber die Klage der DUH gegen die Luftschadstoffe in Kiel ist Ergebnis dessen, dass Kiel selbst auch seit Jahrzehnten zu wenig getan hat. Im Grunde wollte keiner der im Rat vertretenen Parteien eine große Verkehrswende, wenngleich es in der SPD größere Sympathien für eine Stadtregionalbahn gab und etwas mehr Begeisterung bei den GRÜNEN. Letztlich entschieden sich die GRÜNEN aber lieber das Thema Flughafen Holtenau zum Hauptthema zu machen (mit dem zusammen mit der LINKEN gestarteten Bürgerbegehren), als eine neu Stadtbahn oder einer echten Verkehrswende.

Man darf gespannt sein auf die Kommunalwahlprogramme für 2018. Man sagt zwar, Papier sei geduldig, aber dennoch haben die Parteien die Chance, den Bürgern ihre Schwerpunkte für die kommenden Jahre zu nennen. An dem Thema Verkehr und die verschiedenen Entwürfe kommt keine Partei vorbei.

Nach meiner Einschätzung würde eine große Verkehrswende, die auf allen Ebenen der Politik passieren könnte, viele Freiräume schaffen. Nicht zuletzt könnten weniger Straßen auch mehr Platz für Wohnraum in Städten bedeuten und damit in einen anderen Problembereich hineinreichen. Sogar neue Gewerbeflächen könnten entstehen, genau so wie Raum für Naherholung.

Noch aber wird auf allen Ebenen gebremst. Der OB wird immer damit zitiert, dass er gegen Fahrverbote ist. Das alleine ist aber zu wenig. Denn das werden einfach die Gerichte entscheiden. Sie Verwaltung und Selbstverwaltung haben zahlreiche Stellschräubchen abseits von Fahrverboten, die sie ausprobieren könnten. Aber man weigert sich z.B. bisher überhaupt das Thema flächendeckender „Tempo 30“ überhaupt zu diskutieren (Es gibt da Probleme mit der StVO, die man aber in Berlin zum Teil schon gelöst hat) .

Das Bundesland Steiermark (Österreich) macht dagegen klar:

Tempolimits kosten so gut wie nichts, sind schnell umzusetzen und sofort wirksam. Andere Maßnahmen, wie etwa Fahrverbote für ältere LKW, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs oder der Radinfrastruktur dauern länger und kosten mehr. Diese Maßnahmen sind zweifellos sinnvoll und werden auch umgesetzt. Sie sind aber nur argumentierbar, wenn zuerst die einfachsten und kostengünstigsten verwirklicht werden.“

Da ist man in Deutschland vielerorts aber doch sehr verbohrt. Wie auch in Kiel. Wissenschaftliche Erkenntnisse und internationale Erfahrungen interessieren nicht. Man macht das, was man auch die letzten Jahrzehnte gemacht hat. Man redet viel über Verkehrswende, aber man will entscheidende Schritte nicht einleiten. Dabei ist auch klar: Natürlich kann Kiel nicht alles alleine stemmen. Aber es gibt etliche Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden können. Mehr Experimentierfreude wäre auch hilfreich. Alle finden zwar, das Kopenhagen ein tolles Vorbild ist. Aber irgend wie scheint es eher dazu zu dienen, dass man sagt: „So viel wie Kopenhagen können wir eh NIE machen!“ Und damit ist es dann auch abgehakt. Man klopft sich ab und zu auf die Schulter und ist sich einig, dass man ALLES getan hat, was man tun konnte. Besser geht nicht. Die Klage der DUH hat da vor allem das Selbstbild in Kiel erheblich gestört.

Noch ein Detail was interessant ist: Weniger Fahrspuren und mehr Platz für Fahrrad und Fußgänger bedeutet übrigens nicht, dass die Leistung von Straßen abnimmt. Im Gegenteil. Viele Staus entstehen durch Fahrstreifenwechsel. Je mehr Fahrstreifen daher auch mehr Stauungen.

cihyaiv

Ursachen von Staus

Daher gilt auch, dass zusätzliche Fahrradspuren („protected bike lanes“) eher Staus verhindern und den Durchsatz an Autos erhöhen. Klingt verrückt dachte ich auch zuerst, ist aber so. Lest mal: Cycle lanes don’t cause traffic jams: they’re part of the solution (The Guardian). D.h. im Grunde könnten alle profitieren, wenn man nur weniger nach Bauchgefühl geht („mehr Platz für Autos= alles fließt besser“), sondern nachprüft auf Basis dessen, was man bereits weiß. Und Kiel ist nicht so anders als andere Städte!

Insofern wünsche ich mir mehr Mut in der Verkehrsplanung in Kiel. Nicht weil es riskant wäre, sondern weil man Vorurteile überwinden muss. Und ggf. das eigene Klientel verwirrt.

Written by tlow

12. Februar 2018 at 12:33

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